Frage von HavenFeng, 11

Was haltet Ihr vom Brexit?

Es ist einwandfrei jetzt

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Politik, 5

Der sog. "Brexit" ist noch lange nicht vollzogen. Es fehlt ein entsprechendes Gesetz in Großbritannien, das den Austritt offiziell bei der EU beantragt.

Außerdem stehen dann harte Verhandlungen an, die sicher 2 Jahre, ggf. länger dauern. Bis dahin wird noch viel Wasser die Themse herunterfließen.

Wenn es zum "Brexit" kommen sollte, dann wird Großbritannien als Staat aufhören zu bestehen, weil sich Nordirland der Republik Irland anschließt - und damit in der EU verbleibt - und sich auch Schottland abspaltet, um in der EU zu bleiben oder ihr wieder beizutreten. Rumpfbritannien, bestehend aus Wales und England, wird dann zu spüren bekommen, wie groß die politischen und wirtschaftlichen Nachteile für einen kleinen Staat sind, die Ländergemeinschaft der EU verlassen zu haben. Die EU kann sehr gut ohne die Briten auskommen.

Die britischen Befürworter des "Brexit" haben mit ihren bewussten Falschinformationen über die EU und ihrer antieuropäischen Propaganda ein emotionales Ergebnis bei der Volksbefragung errungen, das ihren Zielsetzungen entgegengekommen ist. Als aber nun für sie die Zeit der Offenbarung gekommen war, ihre hetzerische Propaganda in reale Politik umzusetzen - ja, da haben sie die Segel gestrichen und sich umgehend aus jeder Verantwortung herausgestohlen. Das sagt doch wohl alles - und auch die zahlreichen Stimmen aus dem Volk, den Volksentscheid nun, da das Volk endlich zugänglich geworden ist für die wichtigen Vorteile und den Nutzen der EU für jedes Land und die Gemeinschaft als Ganzes, rasch zu wiederholen, sprichen eine eindeutige Sprache!

Die Briten wären also gut beraten, den "Brexit" einfach sein zu lassen und sich nicht der Diktatur einer uninformierten, politisch wenig urteilsfähigen Minderheit der Wahlberechtigten zu beugen. Aber wenn sie es nicht tun: für die EU wäre auch das von Vorteil, weil am Beispiel des Schicksals von Rumpfbritannien anderen europäischen Völkern die Lust vergehen dürfte, sich von den Lügen populistischer Politiker gegen Europa aufhetzen zu lassen.

Die EU ist eine zukunftsweisende Gemeinschaft vieler europäischer Ländern. Sie wäre politisch und wirtschaftlich mächtig und einflussreich auch dann, wenn die Briten und noch einige unsolidarische, die Werte der EU wenig achtende Länder die Gemeinschaft verließen. Langfristig würden auch diese Länder wieder in die EU wollen - und die EU ist ein langfristiges Projekt, das trotz aller erwartbarer Rückschläge weiter und unaufhaltsam voranschreitet. Durch den "Brexit" jedenfalls ist eine Entwicklung in Gang gesetzt worden, die eine umfassende Demokratisierung der EU-Institutionen und ihre parlamentarische Kontrolle zum Ziel hat.

MfG       

Arnold      







Kommentar von MarkusGenervt ,

Das klingt ja alles sehr optimistisch.

Was Du in Deinen Erwägungen leider übersiehst, ist die menschliche Psyche und hierin die zunehmende Erkenntnis in weiten Teilen der europäischen Bevölkerung, dass die reale EU-"Regierung" inzwischen sehr undemokratisch geworden ist.

Genau dies ist die eigentliche Motivation der Separatisten-Bewegungen. Dass einige faschistische Volks-Verführer sich diese Unzufriedenheit zu nutze machen wussten, ist einfach nur der unvermeidliche Nebeneffekt.

Wenn sich DAS nicht ändert, wird es schlimmer, bevor es besser werden kann. Soll heißen, dass diverse Segregationen Erfolg haben könnten, bevor man sich dann aufgrund der wirtschaftlich desolaten Gesamtlage wieder auf eine Wiedervereinigung zurück besinnen kann.

Die wirtschaftlichen Nachteile eines Brexits waren den Briten schon seit langem klar. Denjenigen, die sich dennoch dafür entschieden haben, waren aber die politische Motivation wichtiger als eine Wirtschaftliche.

Da die meisten Menschen – nicht nur in Europa – ähnlich ticken, wird es auch bei weiteren Abspaltungen zu ähnlichen Ergebnissen kommen.
Das eigentliche Ergebnis in den diversen Ländern wird viel eher vom individuellen Wohlstand der Bevölkerung getragen werden. Diejenigen, die ohnehin kaum eine wirtschaftlich prosperierende Perspektive vom Verbleib oder Nicht-Verbleib in der EU haben, werden sich dann auf andere Perspektiven – nämlich Politische – konzentrieren.
Nach dem Motto: wenn ich davon schon keinen Cent/Penny mehr in der Tasche habe, dann will ich wenigstens meine Freiheit.

Einfache Menschen wollen einfache Lösungen. Solange ein Staat einen EU-Exit per Volks-Entscheid entscheidet, werden sich zwangsläufig solche "einfachen Lösungen" ergeben.

Mit dem Zusammenhalt in der EU ist es wie mit einer Glasscheibe:
ist erst mal ein Riss drin, beginnt der progressive Zerfall.

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Das klingt ja alles sehr optimistisch.

Wo wäre die Welt, bestünde sie aus lauter Pessimisten?!  :-))

Und sind es nicht auch nur die Optimisten gewesen, die die Welt durch das Anpacken von Problemen vorangebracht haben?!

Was Du in Deinen Erwägungen leider übersiehst, ist die menschliche Psyche und hierin die zunehmende Erkenntnis in weiten Teilen der europäischen Bevölkerung, dass die reale EU-"Regierung" inzwischen sehr undemokratisch geworden ist.

Die grundlegenden Beschlüsse der EU werden im Europäischen Rat und im Rat der Europäischen Union getroffen. Sowohl die Regierungschefs als auch die Minister in diesen EU-Institutionen werden in ihren Ländern demokratisch gewählt. Demokratisch von den Völkern der EU gewählt sind auch die Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Das wird wohl gerne "in weiten Teilen der europäischen Bevölkerung" übersehen - oder schlicht nicht gewusst! In dieser HInsicht ist "zunehmende Erkenntnis" dringend nötig!

Soll heißen, dass diverse Segregationen Erfolg haben könnten, bevor man sich dann aufgrund der wirtschaftlich desolaten Gesamtlage wieder auf eine Wiedervereinigung zurück besinnen kann.

"Reisende" soll man nicht aufhalten. Dazu schrieb ich: "Die EU ist eine zukunftsweisende Gemeinschaft vieler europäischer Ländern. Sie wäre politisch und wirtschaftlich mächtig und einflussreich auch dann, wenn die Briten und noch einige unsolidarische, die Werte der EU wenig achtende Länder die Gemeinschaft verließen." Die EU an sich wird deswegen nicht zusammenbrechen.

Die wirtschaftlichen Nachteile eines Brexits waren den Briten schon seit langem klar. Denjenigen, die sich dennoch dafür entschieden haben, waren aber die politische Motivation wichtiger als eine Wirtschaftliche.

Nein, dem britischen Volk waren diese "wirtschaftlichen Nachteile eines Brexits" eben nicht bewusst, denn man hatte ihm eingeredet, dass es den Briten viel besser gehen würde, wenn man die Nettozahlungen an die EU sparen und Politik und Wirtschaft angeblich wieder selbständig bestimmen könne. Die Befürworter des sog. "Brexit" hatten in der Mehrheit eine eindeutige "Motivation": Nationalismus.

Diejenigen, die ohnehin kaum eine wirtschaftlich prosperierende Perspektive vom Verbleib oder Nicht-Verbleib in der EU haben, werden sich dann auf andere Perspektiven – nämlich Politische – konzentrieren. Nach dem Motto: wenn ich davon schon keinen Cent/Penny mehr in der Tasche habe, dann will ich wenigstens meine Freiheit.

Es wird wohl so sein, dass viele Menschen in Europa die EU nur unter nützlichen, hier: ausschließlich wirtschaftlichen Gesichtspunkten beurteilen. Damit belegen sie nur, dass sie von der EU nichts verstehen!

Einfache Menschen wollen einfache Lösungen.

Das ist richtig. Und daher darf man "einfache Menschen" über kompliziertere Sachverhalte auch kein verbindliches Urteil mit Zukunftswirkung für einen ganzen Staat und eine ganze Gesellschaft treffen lassen!

Mit dem Zusammenhalt in der EU ist es wie mit einer Glasscheibe: ist erst mal ein Riss drin, beginnt der progressive Zerfall.

Dieser Vergleich ist schief. Denn in der EU handeln vernunftbegabte Menschen, die eine Wahl haben!

Antwort
von rotesand, 4

Hallo!

Naja.. ich sehe es pragmatisch: Der "Brexit" ----------> ich glaube bis heute nicht, dass es echt am Ende so weit kommen wird. Das Referendum ist nicht bindend & da die Protestwelle in England massiv ist, zieht sich das a) noch länger hin und ist b) sicher nicht aller Tage Abend!

Allgemein ist er aber ein Signal für die verbürokratisierte EU, die ihren eigentlichen Zweck einer Freihandelszone mit ihrer sinnlosen Gesetzgebung und Vereinheitlichung längst verfehlt und in die falsche Richtung abdriftet, doch mal alles zu überdenken. Denn auch in anderen Staaten mehrt sich der Zorn unter den Bürgern auf die EU & wenn andere darüber abstimmen könnten, kämen tlw. sicher ähnlich desolate Ergebnisse zusammen.

Anstelle einen auf betroffen zu machen & etwas von "europäischer Verantwortung" zu faseln, sollte die EU ihre eigenen Fehler eingestehen. Denn nur dadurch & weil man die durchweg sinnhaften Vorschläge aus GB ignorierte und abtat, um dann weiter zu bürokratisieren, kam dieser Negativtrend überhaupt zustande. Mehr ist es nicht!

Antwort
von soissesPDF, 2

Der Brexit ist ein Ausrduck gelebter Demokratie und Anlass dafür die EU neu zu denken, oder in den Orkus der Geschichte zu entlassen.

Die viel bejammerten Folgen für die Wirtschaft, sind ein Problem der Wirtschaft und der neoliberalen Politik, kein Problem der Demokratie.
Irgendeine Wirtschaft findet immer statt.

Antwort
von voayager, 1

Nun gilt es den Antrag gemäß Art. 50 für den Austritt zu stellen, denn das Referendum darf auf keinen Fall eine bloße Farce bleiben, das wäre zutiefst undemokratisch und ist daher nicht verhandelbar.

Antwort
von MarkusGenervt, 1

zunächst mal die Korrektur: "Was halten Sie (höflich)/haltet Ihr (unter Freunden) vom Brexit?"

Bezogen auf das vereinte Europa, ist der Brexit eine Katastrophe und der erste Schritt zum progressiven Verfall und Auseinanderdriften der Gemeinschaft der Nationen in Europa. Für diese Gemeinschaft hatten sich die Völker Europas einst eingesetzt, nachdem nach den beiden Weltkriegen eben dieses Europa in Trümmern lag. Dies sollte nie wieder geschehen.

Wenn man als Freunde Seite an Seite steht, führt man keinen Krieg.

Bezogen auf das real existierende Europa mit seinem korrupten und anti-demokratischen Verwaltungs-Apparat, ist der Brexit absolut verständlich. Ich denke, dass die meisten Menschen in Europa dies genau so sehen, weshalb eben auch die politischen Separatisten solch einen immensen Zulauf in den letzten Monaten und Jahren hatten. Großbritannien war einfach nur ein bisschen "selbstbewusster" als die anderen Nationen, welche sich eben aufgrund des Einigkeits-"Dogmas" bisher nicht getraut hatten, diesen Schritt zu gehen.

Dennoch wird dieser Schritt ziemlich schlimme Konsequenzen nach sich ziehen. GB wird einen Teil der finanziellen Einbußen verkraften können – und die EU sicher auch –, aber der politische Druck und die Signal-Wirkung werden Europa weiter zerreißen.

Eine Schranke ist gefallen. Ein Tabu wurde gebrochen.
Jetzt ist alles möglich.

Kommentar von thetee99 ,

Das ganze könnte sich auch als Sieg für die EU entpuppen, sollte es tatsächlich zu einen Austritt von Schottland und/oder Nothern Ireland aus dem United Kingdom und Rückkehr/Verbleib zur EU kommen. Heute stande in der FAZ das selbst österr. Finanzminister Schelling davon ausgeht und dieser sich gewöhnlich eher zurückhaltend gibt, was wilde Speulationen angeht...

Wenn "Great Britain" zu "Little Britain" wird, am besten noch die Queen darauf die Krone niederlegt und die britische Regierung nicht mehr alles auf Brüssel schieben kann.... dann ist aber was los ;)

Kommentar von MarkusGenervt ,

LOL – der mit "Little Britain" war gut!

Die Chancen zum Austritt Schottlands stehen inzwischen deutlich besser, als zum Zeitpunkt des letzten Entscheids, als vom Brexit noch keine Rede war. Dies könnte jetzt ganz anders aussehen, da die Gründe für die Separation inzwischen deutlich gewichtiger geworden sind.

Die Frage hierbei ist aber: Wird England dies zulassen?

Da muss man sich nur mal Nord-Irland anschauen. Die kämpfen schon seit so langer Zeit für die Abspaltung/Selbstständigkeit und England führt dort immer noch Krieg!

Hinzu kommt dann – durch die Separation von Schottland/Nord-Irland – die Signal-Wirkung auf all die andern Provinzen/Völker in Europa, die ohnehin auch schon seit Generationen um die Autonomie kämpfen. Das kann man sehr gut am Beispiel Jugoslawien sehen (nur auf das Ergebnis bezogen), wohin das führt, wenn der erste Stein ins Rollen gerät.

Und dennoch, ich vermute, dass es zwar zu diversen Autonomien kommen wird, aber es besteht trotz alledem die gute Chance, dass man sich in der EU-Verwaltung/Regierung/Parlament – wo auch immer – auf die ursprünglich Idee von Europa besinnen wird und zurück rudert, zu einer echten EU.

Die Alternative wäre eine Situation ähnlich wie zwischen den beiden Weltkriegen: viel Armut und Elend – viel Faschismus – viel Krieg ...

DAS wäre sehr, sehr ... dumm, töricht, verrückt? – nein, dafür gibt es noch keine adäquate Bezeichnung ...
... doch: "menschlich"!

Kommentar von thetee99 ,

Genau vor dieser Entwicklung die du da beschrieben hast, hat Papst Franziskus gewarnt, wenn er von der "Balkanisierung Europas" gesprochen hatte ;)

Tatsächlich könnte dann auch z. B. Katalonien wieder auf die Idee kommen, sich von Spanien zu separieren usw. Aber wäre der Sachverhalt etwas anders, wenn man in größeren Dimensionen denkt, da Katalonien und Spanien dann wohl weiterhin EU-Länder sind.

Würde England militärisch gegen Nothern Ireland oder Schottland vorgehen, nach dem offiziellen Austritt, wäre es ja ein Angriff auf die gesamte EU... dann wäre ja noch mehr los!

Kommentar von MarkusGenervt ,

Auch sieh an, da habe ich doch glatt was mit dem Papst gemeinsam. Das ist mir jetzt etwas peinlich ...  ;-P

Bei einer militärischen "Lösung" wäre Rest-Europa ziemlich "enttäuscht" und "verstimmt" – ja – und?

Wer würde sich denn trauen, dann gegen GB ggf. auch militärisch vorzugehen? Etwa Merkel, die bis zum Anschlag mit ihrem Kopf in Erdoğans Popo steckt? Oder Hollande, dessen Thron derzeit gewaltig wackelt, weil er sein Volk an die Kapitalisten verhökert? Oder Spanien, die dann selbst dasselbe Problem haben werden? Mal abgesehen vom derzeitigen, europaweiten Flüchtlings-"Problem".

Nö, wenn England so etwas durch ziehen würde, würden sie damit durch kommen. Da gibt es niemanden auf der Welt, der sich so etwas trauen würde – mal ganz abgesehen von den militärischen Möglichkeiten. Und diejenigen, die solche Möglichkeiten hätten, würden sich entspannt zurück lehnen und zuschauen, wie Europa – der Feind – sich selbst zerlegt.

Dieses Pokerspiel kann niemand gewinnen.

Antwort
von lupoklick,

Engländer, die "Preußen" (stand etwa 1910) Großbritanniens. können trotz enger verwandschaftlichen Beziehungen. nicht viel mit "dem Kontinent" anfangem.... Geschäfte ? ja gern --- "Europa" `? nein danke .....

De Gaulle wußte schom, warum er die Beitrittsgesuche ablehnte...

Die Beziehungen zu "Klein-Emgland" werden in Zukunft , aber erst NACH dem § 50 Brief.

 im Europäischen Wirtschaftsraum ehrlicher sein und OHNE Extrawürste. 

Schweiz (mit Liechtenstein) und Norwegen zahlen korrekt f+r ihren Zugang zum EU Binnenmarkt und für Freizügigkeit, die England NICHT will...

Der Spuk, daß die Niederlande auf Wunsch eines einzelnen "Kameraden" oder ein "mariniertes" Frankreich dem Euro und der EU "Lebewohl" sagen könnten, ist bald verflogen...

Antwort
von Realito, 1

Die Populisten in England haben damit ein Eigentor geschossen und sind danach geflüchtet!  Dieses Verhalten wird den restlichen Populisten in anderen EU-Staaten eher sehr schaden als nützen.  Ich möchte mal nach einpaar jahren die Gesichter der Exit Befürworter sehen!

Antwort
von DENIZZ06,

Was ist "british empire"???

Antwort
von Smexah, 2

Was ist los?

Antwort
von Hoegaard,

Nächstes Mal auf Deutsch, bitte

Kommentar von HavenFeng ,

Aber Deutschland ist der größte Gewinner in EU

Antwort
von 486teraccount,

ja ist super, freut mich wie manche Investoren nun weinen :D

Kommentar von Hoegaard ,

Das hältst du für die Brexit? Ist es einwandfrei jetzt?

Kommentar von 486teraccount ,

für das arme China vielleicht nicht, aber sonst geht so

Kommentar von HavenFeng ,

Ja, die Regierung absagt der Beantragung von "Second Vote"

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