Frage von Mytrylive, 100

Was hält mich daran die Magersucht NICHT los lassen zu wollen?

Hey,

ich habe Magersucht und hatte heute morgen Therapie. Meine Therapeutin hat mich gefragt, was mich so sehr davon abhält gesund werden zu wollen. Ich habe nur mit der Schulter gezuckt. Hab gesagt das ich es nicht wirklich weiss, weil im Grunde würde ich sie ja schon längst los gelassen haben, wenn ich es wollen würde, weil ich schon mehr in Behandlung in den 3 Jahren deswegen war.

Nun klar, das eine ist sicher die Kontrolle und das Dünn sein. Aber ich kann ja auch Kontrolle irgendwo anders haben. Aber warum will ich es gleich bei der Magersucht haben? Und warum hält es mich davon ab, gesund werden zu wollen? Weil eigentlich hab ich gar nicht wirklich Lust, in der Therapie darüber zu reden, weil ich irgendwo die Magersucht behalten will und nicht aufgeben will, aber ich weiss keinen Grund warum, ausser die Kontrolle und das Dünn sein. Aber wenn meine Therapeutin damit kommt, dass ich irgendwo anders eine Kontrolle übernehmen kann, dann mach ich das zwar, aber es lindert die Kontrolle bei der Magersucht nicht.

Ich weiss auch das es eine Sucht ist, aber meine Therapeutin mein immer es gibt irgendwas, was dahinter steckt, warum ich sie nicht wirklich aufgeben will. Und klar manchmal denke ich ,,kack Magersucht lass mich in Frieden'' das ist aber eine Minute wo ich so denke und dann hat sie mich wieder.

Wisst ihr vielleicht wo ich oder andere Magersüchtige sich festhalten, oder was es so schwer macht die Sucht aufgeben zu wollen oder sowas?

Danke :)

Antwort
von nastinasti, 48

Vermutlich fühlt es sich für dich so an, als wäre dies der einfachste, vllt. einzigste weg kontrolle zu übernehnen

Antwort
von Mamue1968, 47

Das hat was mit dem Selbstwertgefühl zu tun, weil da ist fast gar keines mehr

vorhanden, es ist einfacher die Kontrolle über das Essen zu halten, als die Verantwortung für ein erwachsenes Alter zu tragen :  https://www.klinik-am-korso.de/essstoerungen/magersucht-anorexie/magersucht-ents...

Antwort
von Inamarie, 44

Hallo Mytrylife,

wie bei anderen Süchten auch, betrügst du dich im Grunde selbst, indem du in der Sackgasse Magersucht stecken bleibst.

Das heißt aber nicht, dass das auf Dauer so bleiben muss, denn sicher gibt es Wege aus der Sucht. Deine Therapeutin hat allerdings Recht wenn sie sagt, dass du es selbst wollen musst.

Tja, warum hältst du an der Magersucht fest, was hat sie für dich für Vorteile? Wozu brauchst du sie? Vielleicht ist sie für dich eine Möglichkeit psychischen Druck abzubauen, sich selbst unter Kontrolle zu haben (gibt es vielleicht einen anderen Menschen in deinem nahen Umfeld, der dich ständig kontrolliert?).

Fest steht, dass eine Magersucht extrem gesundheitsschädlich ist. Hast du zusätzlich eine Bulimie, d.h. erbrichst du zwischenzeitlich auch? Oder isst du einfach extrem wenig? Der Körper zeigt nach einiger Zeit Mangelerscheinungen, die Zähne und Knochen leiden, und es kann Verätzungen an der Speiseröhre geben - alles überhaupt nicht schön :-(.

Wenn du keine gesundheitlichen Spätschäden davontragen willst, solltest du alles daran setzen, diese Krankheit langsam in den Griff zu bekommen.

Da ich selbst als junges Mädchen mal davon betroffen war, weiß ich wovon ich rede. Leicht ist es nicht, da wieder rauszukommen - aber es ist absolut notwendig, um das Leben wieder genießen zu können.

Noch eine Frage: Hast du mit deiner Therapeutin einen Ernährungsplan ausgearbeitet? Und wenn ja, hat dir das geholfen?

Ich empfand früher das Leben mit der Magersucht wie ein Leben im goldenen Käfig. "Richtig" war ich nur dann, wenn ich ganz wenig aß. Dadurch war ich allerdings fast immer schlapp, müde und fast apathisch. Irgendwann musste ich dann etwas essen, aber mit dem Essen im Bauch fühlte ich mich nicht mehr "richtig". Also musste ich Sport treiben, bis das Essen sozusagen wieder "abtrainiert" war - erst dann fühlte ich mich besser. In meiner schlimmsten Zeit drehten sich meine Gedanken wirklich NUR noch um das Essen, das Nichtessen, den Sport und das Gewicht - das war`s. 

Aus heutiger Sicht kann ich das überhaupt nicht mehr nachvollziehen, aber damals war diese Sucht für mich eine Art Druck abzulassen/zu kanalisieren.

Vielleicht hilft es dir, wenn du dir klar machst, dass du dir selbst echten Schaden zufügst. Du darfst dir selbst nicht so egal sein! 

Möchtest du ein glückliches Leben? Dazu brauchst du einen gesunden Körper. Jetzt bist du noch jung und kannst dein Verhalten ändern.
Versuch es! Könntest du dir wieder vorstellen, regelmäßig drei Mahlzeiten am Tag zu essen?
Ich erinnere mich, dass mir ein fester Essensplan mal sehr geholfen hat.

Ich wünsche dir ganz viel Glück und Kraft - du kannst es bestimmt schaffen!

Kommentar von Mytrylive ,

Naja ich hab schon mal zum ausprobieren mit jemanden einen essplan gemacht aber selbst durch diesen essplan fühlte ich mich kontrolliertund konnte mich nicht daran halten. Also sagte ich ich esse soviel wie ich will, was ich will und wann ich will aber ich versuche nicht unter dieses Gewicht zu kommen, wo mein arzt sagt, würde ich sonst ins Krankenhaus kommen. Das will ich nicht. Nicht aus dem grund, weil ich dann essen muss, was ich dann auch verweigern kann und sollte ich zwangsernährt werden, selbst dann könnte ich den schlauch wieder rausziehen oder das fresubin raus schütteln, sondern es geht mir eher darum, mein umfeld für diese Zeit verlassen zu müssen.

Und ich esse immer mittag und abendessen und manchmal noch etwas zwischendurch, aber ich esse nie frühstück, weil ich es mir seid kind einfach gewohnt bin, dann nix mehr zu essen, und ich das z.b. Im internat als jugendliche schon grausam fand, weil ich so früh am morgen kein hunger hab oder mir oft übel ist, daher trinke ich einfach ein glas milch.

Dann wegen den schäden. Im dezember wurde einen untersuch gemacht ob ich schäden von diesen 3 Jahren trage. Und nein ich trage keine chronische schäden oder schäden die eine therapie brauchen. Ich hatte nur eine entzüdung im dram. Das kam wohl von den abführmittel, aber es hies, dass es wieder automatisch zurück gehen wird.  

Auf die schäden die kommen, habe ich all die jahren gewartet und gedacht ich hätte schäden, da alle gesagt haben 3 jahre im untergewicht - du hast schäden davon. Das einzige was ich hab sind brüchige finger, schnelleres herzrasen und haarausfall, aber das würde sich alles wieder normalisieren, wenn ich essen würde.

Und der gedanke ,,wenn du so weiter machst, wirst du bald schäden davon abkriegen" schreckt mich nicht ab. Ich glaube es müsste erstmal passieren. Vielleicht dann, vielleicht aber auch nicht. Es ist mir wie ,,egal" ob ich schäden kriege ider nicht. Ich weiss, mein leben ist keine entschuldigung, aber ich habe wirklich dinge erlebt, wo ich finde, einen körperlichen schaden hätte mir grade noch gefehlt. Mag auch sein, dass ich vielleicht auch so abgehärtet bin, dass ich auch denke ich würde auch einen schaden überleben und damit fertig kommen.

Naja aber danke für deine ausführliche antwort :)

Antwort
von landregen, 41

Zum Beispiel hast du großen Einfluss auf alle Menschen in deiner Umgebung. Du bringst sie dazu, sich mit dir zu beschäftigen.

Jetzt zum Beispiel hast du einen Haufen Mitglieder eines Forums, die sich mit dir beschäftigen und sich Gedanken um dich machen.

Du hast eine Menge Leute im Griff, die dir deine Verantwortung abnehmen und für dich Antworten produzieren, die eigentlich nur du selbst geben kannst.

Ich meine das nicht böse. Ich glaube, dass so eine Dynamik mitspielen könnte. Und ich finde es nachvollziehbar, wenn man so eine "Macht" genießt - und nicht verwerflich.

Antwort
von Thaliasp, 34

Du sollst das ja eben in der Therapie herausfinden warum du in die Magersucht gerutscht bist. Niemand wird ohne Grund magersüchtig. Nur werden die Gründe verdrängt.

Kommentar von Mytrylive ,

Weshalb ich magersucht habe weiss ich schon längst. Es ist eine folge von einem erlebnis bzw. den mehrern erlebnissen. Aber weshalb ich mich noch so daran festhalte und ich raus will weiss ich trotzdem nicht wirklich

Antwort
von PurpleMiku, 52

Für Magersüchtige ist es normal, etwas zum kontrollieren zu haben. Normalerweise nach einem Ereignis, bei dem man sich Hilflos gefühlt hat. Das kann von einer Vergewaltigung bis hin zu alltäglichen Dingen gehen. Magersucht ist eher ein Symptom von etwas anderem.

Geh mal tief in dich hinein und überlege, wann das bei dir Angefangen hat. Hast du dich irgendwann hilflos gefühlt? Dir wird hier niemand sagen können, weshalb du dich so daran festhältst, wenn du es selber nicht weißt.

Kommentar von Mytrylive ,

Nein aber jemand kann beispiele sagen oder wie sie es in der magersucht gefühlt hat und vielleicht wiederfinde ich mich darin dann.

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