Frage von myproblems16, 24

Was haben Seneca's theorie und Kant's ethik gemeinsam?

Ich hab beide theorien irgendwie verstanden, versteh aber irgendwie nicht was die beiden gemeinsam haben.. Wäre schön, wenn jemand darauf be antwort hätte! Danke im Vorraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 14

Seneca war Stoiker mit einer eher offenen, panteistischen Einstellung zum Logos, dem Garanten eines harmonisch geordneten Kosmos, dem Inbegriff von Geist und Vernunft sowie der in der Vernunft ruhenden Tugenden. Über die Vernunft gelingt es dem Menschen die Absichten des Logos zu erkennen und für sich selbst betreffend umzusetzen. War anfangs die Stoa noch körper- und emotionsfeindlich eingestellt, war zu Senecas Zeit diese schroffe Ablehnung aufgegeben. Schließlich sind auch Körper und Emotionen teil des Fügungsplans des Logos. Ein natürliches Verhältnis zum Körper und die Befriedigung natürlicher Emotionen gehören daher in das Konzept, den Plänen des Logos zu folgen.

Kants Vernunft- und Pflichteethik ist ein meisterliches Abbild dieser stoischen Auffassung. Genauso wie Kants Bild vom Epikureismus durch christliche Verballhornungen verzerrt war, so ist heute unser Bild verzerrt, wenn wir den Begriff "Pflicht" hören. Verzerrt von einer übertriebenen antiautoritären Einstellung, die meint, Freiheiten ohne Pflichten und Verantwortung haben zu können, hat Pflicht einen schlechten Ruf, gilt als Buhwort autoritärer Peitschenschwinger. Dass Pflicht für Kant eine innere Einstellung der Selbstzucht ist, der vernünftigen Einsicht auch gegen verwirrte Emotionen zu folgen, so wie es für Seneca selbstverständlich war, den göttlichen Tugenden und der vernünftigen Einsicht in die Geschicke des Logos zu folgen, das ist auf dem Weg in einen überzeugungslosen Egoismus verloren gegangen.

Für beide ist gemeinsam, dass der Mensch nicht dazu auf der Welt ist, sich selbst auszuleben sondern einer außerhalb unserer selbst liegenden Vernunft, ob sie nun als Logos bezeichnet wird oder nicht. Der Mensch als Teil einer in einem geordnenten Kosmos anzusiedelnden Gesellschaft hat auch Sorge zu tragen, dass diese Gesellschaft nicht ihren wilden, ausufernden Begierden folgt sondern den Geboten der Vernunft. Sowas will heute in einer Zeit der vermeintlichen Selbstbestimmung keiner hören.

Kommentar von Haldor ,

Jawohl, so ist es! Leider! - Sehr treffend dargelegt! Leute wie Böhmermann sollten darüber mal nachdenken! Auch diejenigen, die ihn verteidigen.

Antwort
von Tobiashhjk, 18

http://www.rhm.uni-koeln.de/102/Bickel.pdf 

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