Frage von Frage14993, 33

Was haben Rückstellungen mit Finanzierungen zu tun?

Ein Thema bei den Finanzierungen macht mich gerade echt fertig... die Rückstellungen. Und das Problem dabei ist, es ist so ein komplexes Thema, umso mehr man darüber recherchiert umso weniger schafft man es den Überblick zu halten. Also: wozu sind den Rückstellungen da? Um ungewisse Kosten in der Zukunft zu decken (so habe ich es verstanden) aber wozu macht man das? Warum legt man von dem Kapital gewisse Summen zurück um am Ende nur eingeschränkt darauf zugreifen zu können? Warum bezahlt man die unbekannten Beträge nicht einfach aus dem ,,Kapitaltopf"? Und was hat das ganze mit Finanzierungen zu tun, weil die Definition von Finanzierung ist, wie die finanziellen Mittel beschafft werden... kann mir das jemand erklären? Danke!

Antwort
von Traveller24, 12

Komplexes Thema, fangen wir mal an:

Gesetz

Erstmal ist man einfach dazu verpflichtet. Es ist gesetzlich geregelt, dass man für ungewisse Verplfichtungen Rückstellungen zu bilden hat.

Zeitliche Abgrenzung

Dann ist es aus Gründen der zeitlichen Abgrenzung sinnvoll. Sinn der Buchhaltung ist es ja auch, ein möglichst richtiges Bild der Einnahmen und Ausgaben zu bilden und das auch zeitgenau.

Problembeispiel: Nehmen wir jetzt mal an, ich habe eine grosse Flotte von 100 Dienstwagen und die sind alle geleast. Ich zahle regelmässig ganz geringe Leasingraten und die verbuche ich in meiner Buchhaltung. Nun gebe ich nach 5 Jahren die Dienstwagen wieder zurück und erlebe eine böse Überraschung: Die haben alle viel mehr Kilometer gefahren als ich im Leasingvertrag vereinbart hatte und ich muss einen riesenbatzen Geld nachzahlen. Diese Nachzahlung verbuche ich als Aufwand im 5. Jahr, denn da kriege ich die Rechnung von der Leasinggesellschaft. Wenn man sich jetzt die Buchhaltung der letzten 5 Jahre ansieht, dann habe ich vier Jahre lkang recht niedrige Kosten gehabt und im 5. Jahr sehr hohe Kosten. Das entspricht aber nicht der Realität. Denn die Kosten sind in den 5 Jahren regelmässig angefallen, denn die Autos wurden ja in den 5 Jahren viel zu viel genutzt. Also hatte ich 4 Jahre lang den falschen Eindruck über die Situation meines Unternehmens. Ich habe mich vier jahre über niedrige Kosten gefreut, wähend sich in Wirklichkeit ein Kostenblock "unsichtbar" aufgebaut hat. Möglicherweise habe ich vier Jahre lang in der Buchhaltung Gewinne ausgewiesen ( und versteuert ) die durch die Nachzahlung in Jahr 5 komplett aufgefressen werden und habe somit eigentlich vier Jahre lang Verlust gemacht ohne es zu merken und ohne Gegensteuern zu können.

Lösung: Ich ermittele am Jahresende die gefahrenen Kilometer und bilde für die kommenden Kosten eine Rückstellung. So habe ich in jedem Jahr den Aufwand in der Buchhaltung, der in dem Jahr tatsächlich aufgefallen ist und habe einen Überblick über die reale Kostenentwicklung. Und Ich spare sofort in Jahr 1 die Steuern und nicht erst in Jahr 5.

Finanzierung

Eine Rückstellung ist ein Posten auf der Passivseite der Bilanz und somit immer auch eine Kapitalquelle. Nehmen wir mal an, mein Unetrnehmen hätte 100 T€ Gewinn. Dann würde ich darauf so ca 40 T€ Steuern zahlen die an das Finanzamt fliessen. Anschliessend wären noch 60 T€ Nachsteuergewinn übrig, die an dei Inhaber ausgeschüttet werden können. Somit hätte ich mindestens 40T€ weniger in der Kasse ( wg Steuern ), vielleicht sogar die ganzen 100 T€ weniger ( Steuern + Ausschüttung ). Wenn ich jetzt aber noch eine langfristige Rückstellung einbuche, z.B.für Pensionen, in Höhe von 100 T€, dann ist der Gewinn buchhalterisch futsch. Also keine Steuern zu zahlen und kein Gewinn auszuschütten. Also hat das Unternehmen irgendwass zwischen 40T€ und 100 T€ mehr an Barmitteln zur Verfügung.

Ich generiere durch die Rückstellungen kein neues Kapital, aber ich verhindere Abflüsse, zumindest temporär.

Kommentar von Frage14993 ,

Super Antwort Danke! :)

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 6

Einige Trennungen sind sehr theoretischer Natur. Kein Unternehmen hat Töpfe da stehen, wo Fremdkapital oder Eigenkapital steht. Oder ähnliches.

Deine Sicht auf die Rückstellungen ist nicht ganz richtig. Es geht nicht um Kosten die in der Zukunft entstehen. Die sind bereits entstanden. Es ist total klar, dass die bezahlt werden müssen.

Die genaue Höhe kann nur geschätzt werden. Auch der Zeitpunkt ist noch nicht klar. Aber sie haben mit dem Jahr zu tun, in dem sie gebildet werden.

Was hat mich das Geschäftsjahr 2015 gekostet? Das kann ich doch nur wissen, wenn ich alle Kosten die da entstanden sind rein nehme.

Zwei Vorteile für das Unternehmen: Es sind die Gewinne die versteuert werden. Also kann die Reparatur aus unversteuertem Geld bezahlt werden.

Das ist bei einer Rechnung im unteren Bereich nicht entscheidend. Aber nimm die Silvesterrakete, die zum Totalverlust der betrieblichen Immobilie führt. Da würd man jede nur erdenkliche Rückstellung bilden.

Außerdem wird gesunder Weise eine Privatentnahme oder Ausschüttung aus Gewinnen genommen. Und auch nur der Anteil, der in einer Kalkulation dafür vorgesehen ist. Jedenfalls im Prinzip und wenn man es richtig machen will.

Das bedeutet aber noch nicht, dass das Geld tatsächlich da ist. Wenn ein Unternehmen Rückstellungen bildet, dann wird eine ungewisse Verbindlichkeit gebucht. Da steht kein Geld einer Bank, eines Lieferanten und schon gar kein Eigenkapital deswegen zur Verfügung.

Es ist also nur klug, wenn man tatsächlich für das vorhanden Sein einer ausreichenden Deckung vorsorgt. Dies kann sinnvoll nur durch eine Risikoversicherung oder Eigenkapital geschehen.

Denn die Buchung von Rückstellungen kann zur bilanziellen Überschuldung führen. Das Eigenkapital ist dann nämlich aufgebraucht.

Damit wäre streng genommen und die Gerichte sehen das so, eine Aufgabebilanz zu erstellen. Damit festgestellt wird ob die Voraussetzung für die Insolvenz gegeben ist.

Aber auch eine drohende Zahlungsunfähigkeit, die nicht nur kurzfristig, also für wenige Tage besteht muss ins Auge gefasst werden.

Deshalb ist das eine Frage der Finanzierung. Wie viel Mittel stehen mir eigentlich zur Verfügung? Was davon sind die Anteile vom Eigenkapital und steht ggf. Fremdkapital zur Verfügung.

Die Rückstellung selber ist somit nur eine kurzfristige Verbindlichkeit, die in der Bilanz erscheint. Kurzfristig wird also betrachtet, was jetzt auf der Passiv-Seite der Bilanz passiert. Überschuldung oder nicht?

Sie kann aber von ihrem Charakter kein Unternehmen tatsächlich schützen, wenn da nicht entsprechende Handlungen im Raum stehen.

Weil die aber in Höhe und Zeitpunkt ungewiss ist, die Rückstellung, habe ich natürlich vier tatsächliche Möglichkeiten der Finanzierung: Aus aufgelaufenen Gewinnen, aus Gewinnen des Zeitraums bis zur Erfüllung der Rückstellung, aus Privateinlagen oder eben aus entsprechenden Darlehen.

Je nach Größe und wirtschaftlicher Situation des Unternehmens wird die Finanzierungsantwort auch entsprechend unterschiedlich ausfallen. Wobei auch unterschiedliche Formen der Finanzierung in Betracht kommen, also eine Mischfinanzierung. Wobei Darlehen immer auch an Eigenkapital gebunden werden.

Verbindlichkeiten habe ich deshalb in die Lösungsmöglichkeiten nicht aufgenommen. Denn da werden ja die ungewissen Verbindlichkeiten zu "fixen Verbindlichkeiten" die kurzfristig zu bedienen sind. Daher betrachte ich die Ausbuchung der Rückstellung und die Einbuchung der Verbindlichkeit nicht gesondert.

Hoffe da so ein wenig mehr Klarheit in die Betrachtung gebracht zu haben.

Übrigens ist es ein alter kaufmännischer Grundsatz, dass man periodengerecht das Betriebsergebnis ermitteln will. Dabei ist der Grundsatz der kaufmännischen Vorsicht auch noch in dem Gedanken erhalten. Weil man eben nur die entstandenen Erträge berücksichtigt und die Aufwendungen lieber zu hoch, als zu niedrig nimmt.

Leider sind die kaufmännischen Grundsätze als solche auf dem Weg in die Vergessenheit. Ein großer Fehler!

Antwort
von Soldier79, 17

Rückstellungen sind Fremdkapital.

Rücklagen sind Eigenkapital.

Rückstellungen bildet man, wenn man Ausgaben in der Zukunft befürchtet. z.B. Rechtsstreitigkeiten, um in Zukunft die Kosten dafür tragen zu können. Z.B. VW im Rahmen des Abgasskandals.

Antwort
von sternstefan, 21

http://www.welt-der-bwl.de/Finanzierung-aus-R%C3%BCckstellungen

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