Was haben Leute aus Westberlin oder der BRD gedacht, als sie zum ersten Mal in der DDR waren?

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5 Antworten

1. Hier sieht´s ja aus wie in einer Filmkulisse aus den 30er Jahren

2. Man ist das alles preiswert hier.

3. Warum erzählen alle bei uns immer hier gäbe es nichts , außer  

    Schlangen vor leeren Regalen ?     Ist doch alles da  !  

 4. Was ist das den für ein geiles Auto !!  ( Wartburg 311)

5. Hier riecht es irgendwie anders

6. Ein Eimer Farbe würde hier auch mal nicht schaden

7. Wieviel darf ich eigentlich zurück in die BRD einführen ?  ( Kirsch-Whisky, Bonbons ,Bücher ,Schallplatten  usw)

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 So war es jedenfalls bei mir im (Klassenfahrt mit 1 Tagesbesuch Ostberlin 1987)) . Ich bin mit 1000 Vorurteilen dahin, und wäre am liebsten da geblieben.  

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Kommentar von Woropa
27.05.2016, 13:57

Super gut und witzig hast du das beschrieben. Wenn gerade mal zufällig alles da war, dann habt ihr Glück gehabt.  Aber Bananen oder Apfelsinen habt ihr bestimmt nicht kaufen können.....

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Hallo!

Mein verstorbener Opa war geschäftlich Ende 1984 in der DDR (in der Nähe von Frankfurt an der Oder) gewesen & sprach noch sehr lange davon. Er empfand die Atmosphäre als grau, trist, beklemmend & düster, von der Menschlichen Seite her zudem als unfreundlich und feindselig. 

Die Einheimischen seien zwar untereinander eigentümlich unterwürfig und eingeschüchtert aber zugleich sehr ruppig und barsch, zu meinem Opa als Westdeutschem allerdings fast schon überzeichnet freundlich gewesen. 

Anhand seiner guten Kleidung wurde er beim Einkaufen als "Genosse" tituliert, was ihn sehr amüsierte. Auch sein damaliges Auto, ein für die frühen 80er relativ opulenter Opel Senator, wurde wohl stets argwöhnisch beobachtet & an nahezu jeder Ecke, so sei es ihm vorgekommen, warteten "Vopos" mit Funkgeräten, die seinen Standort verfolgten.

Mein Opa hatte einen Stasi-Mitarbeiter an seiner Seite, der ihn immer verfolgte, bis er diesen mit einem Werbegeschenk seiner Firma - einem edlen Taschenmesser in Geschenkschatulle! - ködern konnte... mit einem Mal sei der Mann handzahm geworden und ließ meinen Opa "mal machen".

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Kommentar von Woropa
27.05.2016, 16:09

Danke für deinen interessanten Beitrag.

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Ich war 1982 auf Klassenfahrt in Ost Berlin. Wir hatten alle Angst vor der Polizei, fanden es komisch nicht einfach in das zum Mittagessen gebuchte Lokal gehen können, sondern wir mußte fast eine halbe Stunde warten. Dann war das Essen mies und die Dame, die die Bestellungen aufnahm war langsam und patzig. Als wir aus der Gaststätte kamen wartete da eine Gruppe von Fdjlern und einer meinte: Sch... Wessis. Auf jeden Fall waren alle froh als wir um 5 Uhr Nachmittags wieder nach Westberlin fuhren.

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Kommentar von Woropa
27.05.2016, 11:46

Danke, das du das so schön und ehrlich erzählt hast. Kann es sein, das dieses Erlebnis für dich sowas wie ein Kulturschock war?

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Erster Besuch in der DDR 1980 als 20-jähriger in Frankfurt/Oder und Fürstenwalde als Mitglied einer Delegation des DGB:

Braunkohlenmief war mein erster Eindruck, nicht unangenehm, leicht süßlich, ähnlich wie die Zonis, mit denen man zusammenkam. Als westdeutscher Student mit ca. 600 DM Bafög-Höchstsatz war natürlich überwältigend, dass - Qualität hin oder her - Wohnung, Essen und Kleidung so billig war. Hier setzte das Vergleichen ein und verglichen mit DDR-Studenten waren wir ärmer als Kirchenmäuse.

Als gebürtigem sparsamen Lipper war mir das Warensystem der DDR nicht unsympathisch. Ich konnte und kann gut mit 2 Sorten Zahnpasta leben und kann aus Kohl, Hackfleisch und Kartoffeln ein vollwertiges Essen zaubern. Allenfalls der miese oder fehlende Kaffee war ein ständiges Problem.

Sonst konnte einem natürlich die Mischung aus farblosen Spießern, farbloser Umwelt und peinlicher Unterwürfigkeit der DDR-Bürger ziemlich auf die Eier gehen.

Als uns der kluge FDGB-Funktionär und Stasi-Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand signalisierte, dass das Reifenwerk Pneumant in Frankfurt/Oder mit offiziell 11.000 Mitarbeitern ca. 2 Millionen Reifen pro Jahr produzierte und Continental in Hannover mit 4.500 Mitarbeitern 9 Millionen, war uns klar, dass dieses Land auf Dauer keine Chance haben würde.

Dass wir den Scharmützelsee im Mai fast für uns allein hatten, war natürlich phantastisch. An der Stelle unserer damaligen Jugendunterkunft steht heute eine 5-Sterne Residenz.


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Kommentar von Woropa
27.05.2016, 12:28

Dein Beitrag ist toll und ehrlich und auch interessant  Bin mir nur nicht sicher, ob du mich beleidigen wolltest mit dem Wort Zonen-Gabi.

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Äußerlich wirkte das ostdeutsche Dorf, in dem ich 1974 zu Besuch war, auf den ersten Blick nicht viel anders als ein westdeutsches Dorf. Aber schon bald bemerkte ich die Unterschiede: Mein Käfer wurde über Nacht demoliert, ich durfte meinen Verwandten, ein Schüler, nicht mit dem Auto von der Schule abholen, damit wir gleich weiterfahren können. Seine Freunde wären dann zu seinen Feinden geworden, da er mit den Kapitalisten kooperiert. ;) Gaststätte war ein Drama, Essen mies, Bedienung pampig bis zum Geht-nicht-mehr. Bei Besichtigungen waren immer Leute hinter mir, die mich beobachteten, die liefen wie an einem unsichtbaren Faden im Abstand überall mit hin, aber waren so ungeschickt, dass man es sofort bemerkte. Die Kontrolle an der Grenze war eine einzige Provokation. Aber die Verwandten waren super lieb und litten unter den Zuständen dort. Es blieb unter diesen Umständen mein einziger Besuch dort.

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Kommentar von Woropa
27.05.2016, 11:59

Glaubst du, das die Leute, die hinter dir herliefen, von der Stasi waren? Warst du denn irgendwie im Westen Politiker in deiner Stadt oder so?

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