Frage von Malavatica, 402

Was haben die Deutschen früher wochentags gegessen zu Zeiten als es nur sonntags Fleisch gab?

Es gibt ja scheinbar viele, die es nicht einen Tag ohne Fleisch aushalten. Da fragt man sich, wie es früher war.

Antwort
von Negreira, 176

Ich bin eines dieser "Stadtkinder". Mein Vater war nach dem Krieg in Gefangenschaft und mußte dann, in Ermanglung der gewünschten Lehrerausbildung als Bergmann unter Tage arbeiten.

Wir wohnten im Ruhrpott, Bauernhöfe waren weit weg, und selbst wenn, hätte es kaum Möglichkeiten gegeben, dorthin zu kommen. Die schwere Arbeit machte tägliches, "gutes" Essen notwendig, und ich kann mich erinnern, daß mein Vater rappeldürr war.

So hat meine Mutter, natürlich auch berufstätig, täglich gekocht, aber Fleisch gab es, wie Du schon sagst, nur Sonntags, wenn überhaupt. Meine Mutter war eine tolle Köchin und konnte aus dem Wenigen, was wir hatten, wirklich zaubern.

 Schweinefleisch war wohl einigermaßen erschwinglich, es gab dann oft so tolle Sachen wie Schweinepfoten, Schweineschwänze und ganz viel Speck. Samstags gab es grundsätzlich Eintopf, an Waschtagen Sauerkraut mit Kartoffelpüree, und dem obligatorischen fetten Speck. Ein Butterbrot mit Schmalz, mal ein gekochtes Huhn, selbstgerupft natürlich.

Nudeln kannte man bei uns nur in der Suppe, die Sonntags das Menu omplett machte: Rindfleischsuppe mit ganz viel Porree, Sellerie und Möhren, dann Fleisch, Kartoffeln und Soße, Gemüse, das, was unser winzig kleiner Garten hergab, und manchmal auch Pudding. Das kleine Gärtchen war unsere einzige Möglichkeit, Gemüse zu essen, es war einfach zu teuer. Man kaufte so etwas auf dem Markt oder in einem kleinen Gemüseladen um die Ecke. Beim Bäcker ein großes Brot, im Milchladen Frischmilch. Einwegverpackungen und Abgepacktes, so wie heute, gab es nicht. Wenn Winter war, lebte man von dem, was im Sommer geerntet und eingekocht wurden war. Gefriertruhen? Fehlanzeige.

Discounter und Supermärkte existierten nicht, Mehl, Zucker, Hülsenfrüchte, alles wurde noch abgepackt und abgewogen. Meine Mutter war Leiterin des allerersten Aldi-Selbstbedienungsladens, die Kunden standen fassungslos davor, und wußten gar nicht, wie und was sie einkaufen sollten.

Erst mit der ersten Welle der Gastarbeiter lernten wir, daß es auch andere Essensgewohnheiten gab. Nudeln mit Tomatensoße waren der Hit. So im Nachhinein weiß ich, daß meine Eltern sich das Essen wirklich buchstäblich oft "vom Mund abgespart" haben, aber als Kind habe ich bewußt nie  etwas entbehrt. Manchmal gab es Bonbons oder Schokolade, aber eben nur wenig und keine Auswahl.

Kein Kind kann sich  heute vorstellen, daß es auch ein Leben ohne Cola/Fanta, Pommes und Döner gab, und doch war es so.

Kommentar von Malavatica ,

Danke für diese ausführliche Antwort. Ja,wir sind heute alle verwöhnt vom Überfluss. 

Kommentar von Negreira ,

Bitte entschuldige, wenn sie so lang ausgefallen ist, habe ich erst hinterher richtig bemerkt Ich war so im "Schwange"

Kommentar von Grobbeldopp ,

sehr anschaulich!

Kommentar von Malavatica ,

Da gibt es nichts zu entschuldigen, es war sehr interessant. 

Kommentar von latricolore ,

Danke für den tollen Bericht!! :-)

Mehl, Zucker, Hülsenfrüchte, alles wurde noch abgepackt und abgewogen.

Ja, das kenne ich von einem Kaufhaus bei uns, das allerdings leider schon vor langer Zeit geschlossen wurde.
Alles gab es lose, selbst Butter. War richtig toll.

Kommentar von grundkochbuch ,

Tolle Antwort! Nachhaltigkeit in der Praxis sozusagen.

Kommentar von ponyfliege ,

ich kenne aus unserm laden auch noch mehl, zucker, salz, kaffee, hülsenfrüchte lose abgewogen.

auch essig und öl kenne ich noch aus dem fass und butter vom 5kg block. ;-))

und fruchtbonbons waren 42 pfennig auf 100 gramm... ich durfte mir manchmal für einen groschen welche abwiegen... ;-))

Kommentar von Negreira ,

Meine Mutter war bei Albrecht (als er noch nicht ALDI hieß) beschäftigt. Da habe ich schon als kleines Mädchen hinter der Theke gestanden und es genossen, in Papier-Spitztüten die Lebensmittel abzuwiegen. Als man dann bei uns im Laden zum ersten Mal Gemüse kaufen konnte, war das eine Sensation!

Nach er Schule bin ich jeden Mittag in den Laden, einmal habe ich von Theo Albrecht 2 Mark geschenkt bekommen, weil ich meiner Mutter immer geholfen habe. Das war wahnsinnig viel Geld. Für einen Groschen bekam man eine Tüte voll mit allen möglichen Bonbons, man konnte nach Herzenslust mischen. Auch wenn es nicht viel gab, aber es war toll.

Gerade im letzten Jahr habe ich sehr viel Zeit gehabt, und mich an viele Dinge erinnert, die ich schon längst vergessen hatte. Die Frage heute hat sie so richtig hervorgekramt.

Antwort
von Grobbeldopp, 144

Darauf gibt es keine eine Antwort. Wann früher, und v.a. wo?

Also bei meinen Urgroßeltern und Großeltern, die waren noch subsistenzwirtschaftende Bauern zumindest zeitweise, war es z.B. so dass die eigentlich immer und jeden Tag ihre eigenen Kartoffeln gegessen haben eben in verschiedener Form und deutlich seltener selbstgemachte Eiernudeln/ Eierkuchen und noch etwas seltener Bohnen und oft Lauch oder Kohl/ Sauerkraut dazu. Dazu aber an Sonntagen wie Wochentagen immer auch zumindest ein bisschen geräuchertes Schweinefleisch von den eigenen Schweinen. (kleingeschnittener ausgelassener Speck wurde über alles mögliche drübergegossen oder in der Suppe gekocht). Nicht annähernd jeden Sonntag gab es frisches Fleisch, nur an Festtagen. An sich gab es in dem Umfeld anders als vielleicht in bürgerlichem Umfeld zur gleichen Zeit sonntags nichts besonderes zu essen.

War sicher ziemlich eintönig aber jede kochende Frau hatte natürlich viel Routine mit den immer gleichen Rezepten. 

Antwort
von Brunnenwasser, 109

Es gab viele Suppen und Eintöpfe, und natürlich die gute alte Brotstulle die auch mal mit Wurst belegt sein durfte. Freitags Fisch dürfte Dir auch noch bekannt vorkommen.

Ansonsten war das im Nachkriegsdeutschland so, daß der Sonntagsbraten eines der Symbole für Wohlstand wurde. Es ist aber nicht so, daß es zwingend die einzigste Fleischmahlzeit in der Woche sein mußte. Alles eine Frage des Geldbeutels und der Verfügbarkeit.

Heute genauso aktuell wie damals, nur in abgewandelter Form: gönne ich mir den Luxus selber zu kochen, oder esse ich das was die Industrie mir am billigsten vor die Füße wirft ?

Antwort
von wfwbinder, 142

Div. Eintopfsorten, von Erbsensuppe, über Steckrübeneintopf bis zur Graupensuppe, Bratkartoffeln mit saurem Hering, Bratkartoffeln mit Eiern, mir fallen da noch einige Gerichte aus meiner Jugend ein.

Vermutlich koche ich deshalb heute bevorzugt selbst.

Kommentar von Malavatica ,

Ist auch nichts gegen einzuwenden. Gute deutsche Hausmannskost. 

Kommentar von dasadi ,

Oh ja, das kenne ich alles auch und esse es heute noch mit Begeisterung !

Antwort
von TheAllisons, 153

Am Montag war Knödeltag, am Diensttag Nudeltag, am Mittwoch Strudeltag, am Donnerstag Suppentag, am Freitag Fasttag, am Samstag Restltag, am Sonntag Fleischtag

Kommentar von Malavatica ,

Was ist nochmal Strudel? 

Kommentar von TheAllisons ,

Apfelstrudel, Gemüsestrudel. Rezepte findest du zur Genüge im Netz

Antwort
von Bikka, 67

Ich bin in Schleswig-Holstein aufgewachsen und meine Oma regierte die Küche.Bei uns gab es Sonn-und Feiertags Fleisch mit Kartoffeln und Rotkohl,die Reste wurden zusammen in die Pfanne geschmissen,das nannte sich dann "Kuddelmuddel".

In der Woche gab es Kartoffel-und Eierspeisen,dicken Schnüsch m.süß-sauer Kürbis,Rübenmus,Fliederbeersuppe mit Klüten,arme Ritter,saure Rippchen,großer Hans und Buchweizengrütze mit Zucker...

Viele ihrer Rezepte koche ich heute noch und denke dabei an ihre Worte:soou meen Deern,du musst dat learn,damid de spädder dien Mann bekooken kannst...soll Plattdeutsch sein...LG

Antwort
von dasadi, 145

Eier, Suppen ohne Fleisch, es wurde viel mit Getreide gemacht.Schmalz wurde viel verwendet, auch wenn es aus Fett ist, so zählte es doch nicht so zum Fleischverzehr. Es gab viele Gerichte, die heute kaum einer mehr kennt. Milchsuppe, Haferschleim, Brotsuppe, Kohlsuppe, süße Aufläufe, Eierkuchen, eingewecktes Gemüse.....

Kommentar von Malavatica ,

Danke. Was Milchsuppe ist, weiß ich wirklich nicht :)

Kommentar von dasadi ,

Das ist zerbröselter Zwieback mit Zucker, der mit heißer Milch übergossen wird. Lecker !!!

Kommentar von Malavatica ,

Werd ich vielleicht mal ausprobieren :)

Antwort
von Deichgoettin, 71

Ich hatte das Glück, eine österreichische Mutter und eine böhmische Großmutter zu haben. Gott -konnten die kochen. Und alles wurde frisch zubereitet, egal ob Nudeln oder Knödel - und diese köstlichen Powidltascherl, hmmmm.
Selbst aus Resten konnten sie die köstlichsten Gerichte zubereiten. Im  Garten meiner Großmutter wuchs alles an "Grünzeug" Kräutern und Obst, welches auch für den Winter eingekocht wurde. Fleisch gab es nicht so oft. Vor allem im Sommer. Dafür gab es ab August unendlich viel frische Pilze. Mein Großvater kannte sämtliche "geheimen" Stellen im Wald. Das waren so viel, daß die Pilze getrocknet wurden. Ab ca. September gab es frisches (selbst geschossenes) Wild. Auch das wurde eingekocht, z.B. als Pasteten und Terrinen...... ich bekomme Hunger :-))))
Ich erinnere mich immer wieder gerne an all die Köstlichkeiten, die ich als Kind - vor allem bei meinen Großeltern - vorgesetzt bekam.

Kommentar von Malavatica ,

Glaube ich dir gerne. Machst du denn Teile davon noch heute? 

Kommentar von Deichgoettin ,

Jaaaa, sehr gerne sogar. Ich liebe es zu kochen für Freunde, aber auch für mich alleine. Für mich ist Kochen Entspannung pur :-)))

Kommentar von Malavatica ,

Zu den Buchteln komme ich mal vorbei :)

Kommentar von Deichgoettin ,

gerne :-)))

Kommentar von Bitterkraut ,

Ja, ich bin auch, kulinarisch gesehen, österreichisch-böhmisch aufgewachsen. Beste Küche Mitteluropas! Mit mediterranem Einschlag.

Kommentar von Deichgoettin ,

Ja, ist sie :-)) Kann mich allerdings erinnern, daß sie auch sehr mächtig war/ist. Grins - aber was ist schon ein bisschen "Hüftenglück" :-)

Kommentar von Bitterkraut ,

ja, diese Küche ist sehr hüftig, das fängt schon beim Gurkensalat mit Sauerrahm und Dill an. Von wegen Gurken Null Kalorien :).  All die Rahmsoßen und Süßspeisen.., hmmmm..

Antwort
von ponyfliege, 69

hi,

damit es sonntags fleisch geben konnte, musste zunächst mal der sonntag erfunden werden. dazu bedurfe es der christianisierung.

dann - wurde irgendwann ein fastentag eingeführt, an dem kein fleisch gegessen werden sollte. daraus geht hervor, dass fleisch als hauptnahrung auf dem speisezettel stand. der grösste teil deutschland bestand aus waldland und lichtungswiesen, sowie auch viel sumpfland. das war hervorragend zur haltung von schweinen (nicht wie wir sie heute kennen, sondern eher so in der art wie das heutige korsische und das iberico schwein), ziegen, schafen und wassergeflügel geeignet.

der anbau von gemüse und getreide war mühsam. schweine waren hauptsächlich deshalb praktisch, weil man sie im wald ernähren konnte, was mit andern tieren eher schwierig war. man hatte also quasi gratisfutter. da schweine sich hervorragend vermehren, waren sie eine wichtige nahrungsgrundlage.

man hat also täglich fleisch gegessen, dazu gerste (lässt sich im gegensatz zu gemüse und obst hervorragend lagern) und hin und wieder käse.

vor etwa 350 jahren bestand die hauptnahrung in deutschland aus gerstengrütze, kohl, milch, käse und fleisch.

eigentlich hat sich das ganze erst mit der industrialisierung geändert, weil sich in den städten ja schlecht ausreichend tiere halten liessen. pflanzliche nahrung als hauptenergiequelle kam also erst mit der verstädterung.

getreide und kartoffeln, sowie kohl sind einfach über lange strecken zu transportieren und gut und lange zu lagern und haltbar zu machen, wenn man die ensprechenden voraussetzungen hat. in der hauptsache kühl, dunkel und trocken.

also wurde hauptsächlich genau das gegessen. wer konnte hielt ein paar hühner oder enten. "normales" schweinefleisch gab es vorwiegend in ebenfalls haltbar gemachter form. trocken- und räucherspeck und trocken gepökelt, also salzfleisch.

dass täglicher fleischkonsum ungesund ist, ist einfach ein modernes märchen. das einzige, was dieses märchen zur wenigstens halbe wahrheit macht, ist, dass die tiere häufig nichts normales mehr zu fressen bekommen. je unnatürlicher die tiere ernährt werden, desto minderwertiger wird das fleisch.

also - kartoffeln, gerste, kohl, käse, getrocknete hülsenfrüchte und lagerobst (schrumplige äpfel), hutzeln. 

typisches gericht wäre "birnen, bohnen und speck". oder "himmel und erde".

ach ja... um die jahrhundertwende zum 20. jahrhundert hatte mein ururgrossvater ein handelskontor - für die feineren sachen - kolonialwaren und gewürze und sowas.

meine grossmutter hat mir ziemlich viel über das leben vor dem ersten weltkrieg erzählt.

arme leute hatten "stippfisch". der salzhering wurde an der zimmerdecke aufgehängt, jeder durfte seine kartoffel dran anstippen. gegessen wurde das fischschen dann am sonntag... aber zu den zeiten haben auch noch 7 personen in einer 20 quadratmeter hütte gewohnt...


Antwort
von wolfgang11, 87

Ich schließe mich dem sehr guten Bericht von Negreira an. Auch ich stamme aus dem Ruhrgebiet. Habe aber die Zeit schon vor dem 2.Weltkrieg erlebt.

Die meisten Männer waren Arbeiter. Sir nahmen einen "Henkelmann" mit. Das Essen wurde in der Fabrik mittags aufgewärmt. Auch in der Straßenbahn standen diese "Henkelmänner" zur Mittagszeit und wurden von den Arbeitern in Empfang genommen, wenn die Straßenbahn eine Firma passierte.

Der "Henkelmann" bestand aus einem, höchstens 2 Töpfe. In die ging kein Menü. Es gab unter der Woche nur Eintöpfe. In denen war ein Stück Fleisch oder Speck. Fleisch oder Speck war nur für den Vater. Manchmal bekam ich auch ein Stückchen ab. Samstags gab es im Wechsel Erbsen-, Linsen- oder Bohnensuppe. Nur am Sonntag und Feiertagen gab es ein Menü mit Vor- und Nachspeise.

Ansonsten gab es Brot. Für den Mann belegt mit Wurst. Für Frau und Kinder mit Marmelade oder "Rübenkraut". Meine Mutter war täglich unterwegs um Lebensmittel einzukaufen. Es gab noch keinen Kühlschrank. Wir hatten auch einen Garten und einen Stall voll Kaninchen und Hühner. Die besserten die Speisekarte auf.

Das Leben von damals ist mit dem heutigen nicht vergleichbar.

  

Kommentar von Malavatica ,

Hm, kann ich mir denken. Das Beste für den Mann. So hat meine Mutter auch noch gedacht. 

Kommentar von wolfgang11 ,

Das einzige Einkommen kam vom Mann. Der wurde gehegt und gepflegt. Verlor er seine Arbeit, war erst recht Schmalhans Küchenmeister. Für den Mann war es fast eine Beleidigung, wenn er seine Familie nicht ernähren konnte und die Frau arbeiten musste (in der Regel als Putzfrau). Die Frau hatte den ganzen Tag im Haushalt zu tun. Es gab keine Elektrogeräte und keine Pampers.

Die Zeiten sin d mit heute nicht vergleichbar. 

Kommentar von Malavatica ,

Kann man sich gar nicht vorstellen, ohne Pampers :)

Kommentar von wolfgang11 ,

Vor dem 2.

Kommentar von dasadi ,

Hmmm, Rübenkraut, das gab es zu Festtagen mit Stuten. Oder mit Reibekuchen. Mein Mann kennt es als Möhrenkraut.

Antwort
von Bitterkraut, 129

Linseneintopf, Nudeln mit Tomatensoße und Salat, Spinat mit Kartoffeln, Süße Aufläufe, Kartoffelsuppe, Knödel mit Pilzsoße, Schinken- oder Krautnudeln usw. Man hat viel Gemüse und Kartoffeln gegessen.



Antwort
von kiara36, 136

Das ist aber arg pauschal.
Es kommt natürlich darauf an, wo (Bundesland?) bzw. in welcher Region (Land, Dorf, Stadt) man gelebt hat.
Wichtig auch in welchen Jahren?

Auf dem Bauernhof war man praktisch an der Quelle und konnte sich sicherlich "auswahlreicher" ernähren, als jetzt jemand der in der Stadt wohnte und kein Geld für Nahrungsmittel hatte.

Mein Opa z. B. hatte ärmliche Eltern (konnten trotz Arbeit zeitweise keine Nahrung kaufen) und hat gegen Kost ohne Logis beim Bauern gearbeitet. Er hat täglich Fleisch gegessen.

Kommentar von Malavatica ,

Ja ok. Aber als Stadtmensch war das bestimmt schwieriger. Soo viele Bauernhöfe gab es doch nicht?  Gebe zu, bin da schlecht informiert. Ich sage mal zu Zeiten wo der Fleischkonsum noch etwas besonderes war. 

Kommentar von kiara36 ,

Fleisch war kein Sonntagsessen. Sonntagsessen war bei uns - ein besonderes mit Liebe & Zeit & Aufwand gekochtes Essen, wo möglichst alle Familienmitglieder gemeinsam essen konnten.

Eben weil unter der Woche nicht so viel Zeit war ;) Waschmaschinen, Geschirrspülmaschinen, der Arbeitsweg war weiter bzw. beschwerlicher erreichbar, ...

Soweit ich es weiß, wurde sehr viel anders gekocht als die heutige "Wegwerfgesellschaft".

Früher wurde sehr gerne Resteessen gemacht oder auch Essen "wieder verwertbar" gemacht.

Einen ganzen Apfel, nur weil der einen "Stoß", hatte wurde großzügig geschnitten. Hart gewordenes Brot wurde mit Milch eingelegt und mit Zucker ausgebraten.

Zur Obst-/Gemüse-/Saison wurde ganz viel vorgekocht, eingeweckt,...- angenommen zur Apfelsaison, da wurde Apfelsaft, Apfelmus, ... gemacht.

Antwort
von Omnivore11, 107

Dass es nur Sonntags Fleisch gab ist ein Irrglaube. Auch unter der Woche gab es Fleisch. Nur gab es Sonntags meistens mehr so ein "Festessen". Ich und selbst meine Eltern und Großeltern haben auch unter der Woche Eintöpfe mit Fleisch gekocht, dann gab es Wurst, Innerein, übrig gebliebener Speck (für Bratkartoffeln oder Rührei, oder...), bzw. wurde auch natürlich die Knochen mit eingekocht.

Natürlich gab es damals von dies und jenem weniger. Frag mal uns Ossis....Bananen gabs noch seltener als Fleisch. 

Also in meiner Familie gab es damals viel Resteessen (auch Fleischreste), arme Leute Essen, Pellkartoffeln mit irgendwas und viele Eintöpfe. Wurde auch viel mit Milch und Eier hantiert. Gemüse kam zum Großteil aus dem eigenen Garten.

Sonntags gabs meistens Braten. Dazwischen war aber Fleisch nicht tabu. Man konnte ja aus den Resten auch noch was machen, bzw. hat noch die Knochen und Innerein. Und Wurst gab es ja auch.

Heutzutage sind natürlich die Erträge viel höher. Die Fleischprodktion konnte durch höhere Futtermittelerträge und geringeren Futteraufwand auch die Aufwandskosten senken. Bei Getreide sieht das nicht anders aus: Vor 50 Jahren waren die Erträge nur halb so hoch.

Früher hat man eben noch mehr regional gegessen. Bei uns gabs höchstens ein Konsum. Solche großen Supermarktketten gab es gar nicht. Aber auf dem Land waren eh viele Selbstversorger. Wenn dann gingen sie eins/zwei mal die Woche zum Bäcker und zum Fleischer und gut war.

Aber gab auch sicher Leute, die das anders erlebt haben.

Gruß
Omni

Antwort
von LeCux, 142

Kartoffelpuffer, Gemüsesuppe, Nudelauflauf, Salat, Nudelsuppe, Spinat mit Rührei und Kartoffeln, gebratene Nudeln, Brot.

Nur so die ersten 20 Sekunden...

Kommentar von dasadi ,

Echt jetzt ? Als Kind kannte ich Nudeln gar nicht. Die kamen erst später, dann gab es die schon mal mit Vanillesauce und eingeweckten Pflaumen.

Kommentar von Malavatica ,

Hört sich interessant an, @dasadi :)

Kommentar von LeCux ,

Milchreis mit Zimt und Zucker oder Kompott, Griesbrei - Pfannkuchen. Quiche.

Je länger je lecker. Also heite Quiche! Danke für die Frage :)

Kommentar von Malavatica ,

Mmh, Grießbrei mit Kirschsaft. Den Zimt lassen wir aber weg. Damit kannst du mich jagen :)

Kommentar von latricolore ,

Zimt - jagen?
Lecker! :-))

Kommentar von dasadi ,

Einige von diesen "Arme-Leute-Essen" waren köstlich und sind vielen meiner Generation noch gut in Erinnerung. Mein Mann schwört auf Nudeln mit Zucker, die mag ich nicht. Aber es gab auch Graubrot mit Zucker oder Arme Ritter. Nicht alles war gesund, aber es machte satt, und es war lecker.

Antwort
von latricolore, 80

Kartoffelsupp, Kartoffelsupp, jeden Tag Kartoffelsupp :-)

Ich esse auch nicht jeden Tag Fleisch.
Bei meinen Eltern gab es das auch nicht, stattdessen z.B.

  • Buchteln
  • süße Pfannkuchen (Eierkuchen)
  • Rührei mit Spinat
  • Kartoffeln mit Quark
  • Reissuppe mit Semmelklößchen
  • Fisch oder auch Fischstäbchen
  • Nudeln ...
Kommentar von Malavatica ,

Ich auch nicht jeden Tag. Eierkuchen hatte ich heute :) Buchteln kenne ich gar nicht. 

Kommentar von Bitterkraut ,

Buchteln sind Hefenudeln/Rohrnudeln.

Ich kenne den Begriff von meinen sudetendeutschen Eltern.

Kommentar von Bitterkraut ,

Buchteln?

Daß den Begriff noch jemand kennt! Das war meine Lieblngssüßspeise als Kind. gefüllt mit Zwetschgen oder im Winter mit Zwetschgenmus,und dazu Vanillesoße.

Und Marillenknödel, wahlweise mit Quarkteig oder mit Hefeteig, menno, jetzt hab ich Hunger und Lust auf Süßes.

Kommentar von Malavatica ,

Lass dich nicht abhalten :)

Kommentar von latricolore ,

Ja, Buchteln mochte ich auch sehr!! :-)
Meistens war in einer 1 Pfennig versteckt. Kam gut, wenn man mit einer Blombe im Zahn auf das Stanniol(?)papier biss...

Kommentar von Malavatica ,

Autsch.. 

Kommentar von latricolore ,

Ja, das war richtig fies!!

Kommentar von Bitterkraut ,

So gemein war meine Mutter nicht - außerdem mußte sie jeden Pfennig 2 mal umdrehen...

Kommentar von latricolore ,

Das war doch nicht als Gemeinheit gedacht-  irgendwie musste man den Pfennig doch einpacken.
Und irgendwann hatten wir es kapiert, dass wir bei dem Essen besser nicht "kraftvoll zubeißen" :-)

Kommentar von Deichgoettin ,
Kommentar von latricolore ,

Du kannst die sicher machen, gelle? :-)

Kommentar von Malavatica ,

Und mir was abgeben Deichgöttin. Das sieht soo lecker aus :)

Kommentar von ponyfliege ,

schinkennudeln und grüner salat - etwa 2x im jahr... leibgericht ;-))

der schinken war natürlich "gesammelte endstücke", die sich nicht mehr verkaufen liessen.

bei uns gabs immer das, was aus dem laden verbraucht werden musste. meine oma hat bei uns gekocht - und war meisterin der improvisation... ;-))

Antwort
von Taimanka, 143
  • Spinat mit Salzkartoffeln und Spiegelei.
Kommentar von LeCux ,

Jumm, das moche ich als Kind schon - oder aber Rührei dazu.

Kommentar von Malavatica ,

Ich auch :) Auch ohne Ei. 

Kommentar von Taimanka ,

ich auch, schön "zusammenmatschen" ... läkkka 😎

Kommentar von Bitterkraut ,

Ich hatte mal ein paar Tage meine damals 12-jährige Nichte zu Gast. Sie war berüchtigt für Essen manschen, und ihre Eltern hatten Mühe gehabt, ihr ordentliches Essen beizubringen.

Als es dann bei mir Spinat und Kartoffeln gab, hat sie mich ein bisschen verzweifelt angeguckt und gemeint: Ich weiß ja, daß ich nicht manschen soll, aber Spinat und Kartoffeln? Ich hab gegrinst und gesagt, mach dir keinen Kopf, Spinat und Kartoffeln verpflichten praktisch zum manschen. Dann haben wir beide drauflosgemanscht :-))

Kommentar von latricolore ,

:-))

Kommentar von dasadi ,

So isses !!!

Kommentar von latricolore ,

:-)

Das scheint es echt überall gegeben zu haben!

Kommentar von Malavatica ,

Ich habe das auch geliebt, inklusive mantschen. Nur das der Bauch dann immer so eng war, lach. 

Kommentar von Taimanka ,

@Bitterkraut

... so wird man zur Lieblingstante. 

Prima. 

Kommentar von ponyfliege ,

puh.. für mich hätte man den spinat und das gelbe vom ei gern weglassen können...

was habe ich als kind dies gericht GEHASST...

Kommentar von dasadi ,

Das liebe ich immer noch.............wir alle, unsere ganze, große Familie.

Antwort
von IFCrusader, 103

Bin zwar keiner Deutscher, aber bei uns haben meine Großeltern früher Kartoffeln angebaut und diese dann täglich in allen erdenklichen Formen verzehrt..


Kommentar von Malavatica ,

Stimmt, die Kartoffel ist sehr vielseitig. 

Kommentar von Bitterkraut ,

Meine eltern hatten wenig Geld, viele Kinder und einen trockenen, gut temperierten Keller - und wir hatten Kartoffelbauern/felder (Sandkartoffeln, extrem leckere Sorten) vor der Tür. Rate, was es bei uns übern Winter gab?

Antwort
von kubamax, 60

In Städten am Rhein gabs jeden Tag Lachs, bis es verboten wurde jeden Tag den Untertanen Lachs zu servieren.

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