Frage von wdschnucke, 756

Was geschieht im Gehirn eines Menschen, dessen "Wille gebrochen" wird?

Ich habe gestern eine Frage in Bezug auf die Rekruten in den Boot-Camps der US Marines gestellt. Bei fast allen Antworten wurde gesagt, dass dort der "Wille, die Seele gebrochen" wird und aus einem zivilen Menschen ein Soldat gemacht wird.

Was geschieht dabei im Gehirn, so dass es zu diesem Unterschied zwischen dem sog. normalen Menschen und dem seelisch gebrochenen, zum Soldaten umprogrammierten kommt?

Soweit ich informiert bin, schafft es nicht jeder durch die 13 Wochen der dortigen Ausbildung. Warum, weil SEIN Wille zu stark ist und sich nicht brechen lässt? Weil der Rekrut Angst vor den Prozeduren bekommt? Weil es ihm abartig vorkommt?

Antwort
von Kitharea, 675

Wille brechen heißt soweit ich weiß: Du erleidest so viel seelischen Schaden, dass sich die Instanz Gehirn und Seele nicht mehr verbinden. Sprich: Du spürst den Schmerz - seelisch - nicht mehr. Irgendwann gibt JEDE Seele auf und unterwirft sich dem was noch vorhanden ist. Es versucht zu überleben als letzte Instanz. Und wenn man der Seele quasi mitteilt dass die einzige Chance körperlich zu überleben ist sich zu unterwerfen wird sie das tun.
Klingt leicht schwammig :S
Es gibt viele Methoden Menschen "zu brechen". Eines haben aber alle gemeinsam: Sie sind durch und durch grausam.
Diejenigen die aussortiert werden und scheinbar nicht geeignet sind dafür sind übrigens nicht die schwachen - sondern die stärkeren - weil sie sich nicht so leicht unterordnen lassen. Was ein einzelnen Mensch aushält ist halt sehr verschieden.
Interessant dabei ist dass im Prinzip jeder gebrochen werden kann. Es dauert nur bei manchen länger. Und warum sollte man für eine Person, die ohnehin danach nicht mehr als eine Marionette ist mehr Aufwand betreiben als nötig.
An Kindern kann man das vllt am Leichtesten erklären: Sie sind darauf angewiesen geschützt zu werden damit sich auch ihre Seele in Ruhe entwickeln kann. Schlimme Ereignisse sorgen aber mitunter sehr schnell dafür dass sie gefühllos werden - weil sich die Seele abtrennt. Also der Teil, der zu fühlen Imstande ist.
Ich bin kein Forscher - habe nur einiges aus Interesse darüber gelesen. Kein Anspruch auf Richtigkeit bitte :o

Ein Bootcamp ist für mich jedoch etwas anderes wenn ich ehrlich bin...

Kommentar von palzbu ,

Ich finde das ist sehr gut erklärt. Danke.

Jemandem Ordnung bei zu bringen ist eine Sache. Gehirnwäsche und den Willen eines Menschen so zu demütigen, dass er Dinge tut gegen die menschliche Ethik ist ein Verbrechen. Die Schuldigen sind hierbei die "Ausbilder", nicht die hirnlosen Seelen die sich dann z.B. auch als Selbstmordattentäter in die Luft sprengen.

Kommentar von Kitharea ,

Ich würde nichtmal den Ausbildern die Schuld geben weil diese selbst schon auf gewissen Weise gefühllos sein müssen. Ich würde die Schuld jenen geben die davon nix mitbekommen aber hinter einem großen Schreibtisch das Ganze für eine gute Idee halten und beauftragen.

Antwort
von FeeGoToCof, 562

Wer dort "Dienst tun will", der will genau das erleben, was Du kritisierst.

Das sind schon spezielle Menschen, die sich anschließen.

Meiner Meinung nach ist der Motor fürs Durchhalten die Perspektive, später genau die Rolle des "Arschtretenden" einnehmen zu können.

Für mich wäre es nichts. Weil ich meinen Willen und meine Freiheit nicht rausprügeln, oder rausschreien lassen werde.

Antwort
von voayager, 467

Ich glaub kaum, dass dir hier jemand sagen kann, ob eine anders geartete neuronale Vernetzung werfolgt und wieweit die synaptischen Verschaltungen sich ändern und wenn ja, in welcher Weise.

Kommentar von sarahj ,

genau das passiert ja ständig. gerade jetzt.
Ich vermute, daß da massive Änderungen der Verschaltungen passieren, die später nur sehr schwer wieder repariert werden können (also jede Menge Arbeit für Psychologen)

Kommentar von voayager ,

so seh ich das auch. Es müssen in der therapie neue Schaltkreise erschlossen und alte verriegelt werden.

Antwort
von atzef, 336

"Wille brechen" ist hier doch nicht wörtlich zu verstehen, sondern der eher ungenaue, unsystematische Versuch, einen sehr komplexen Vorgang in eine unscharfe Metapher zu gießen.

Einen Willen kann man nicht brechen, sondern nur neu ausrichten...

Bootcamps kenne ich auch nur aus der ein oder anderen Doku. Was passiert da im Detail?

1. Die Leute müssen sich an einen komplett durchgeregelten Alltag beteiligen. Man lernt also, Alltagshandlungen zu routinisieren, die für ein normales Leben selbstverständlich sind, aber eben nicht unbedingt für Leute, die es in ei solches Bootcamp "geschafft" haben: täglich zur gleichen Zeit aufstehen, sein bett machen, körperppflege, aufräumen, putzen, essen, "arbeite" etc.

2. Regelverstöße werden konsequent bestraft.

3. Mehr oder weniger systematische Demütigungen sollen wohl allgemein die frustrationstoleranz erweitern...

Das scheinen mir so die wesentlichen Aspekte der Bootcamps zu sein.

Die Analogie zur "Formung" eines Soldaten ist eher abwegig.

Kommentar von sarahj ,

Die Analogie ist schon da. Sogar eine Analogie zu Erziehung, Lernen, Schülerdasein usw. ist da.
Es ist halt eine Frage der Dosis.

Kommentar von Kitharea ,

Eines ist mir allerdings klar: Ich würde meine Kinder NIEMALS in ein Bootcamp stecken. Das macht nur zufriedene Erwachsene und Roboterkinder. Da ist mir noch lieber ich schick sie zu Oma die ist streng genug und da dürfen sie auch noch Mensch sein. Dazu gehört auch mal nicht so angepasst zu sein.
Ich hatte einmal mit so einem Kind zu tun - 8 Jahre alt - hat meine besucht. Ich war richtiggehend geschockt wie "brav" es war... Ich will so etwas nicht. Vor allem hat man mitbekommen wie viel Angst da im Spiel war - jeder Satz ein Blick zu mir. Immer auf der Hut vor allem. Wie soll daraus jemals ein freier, zufriedener, freidenkender und glücklicher Erwachsener werden?
Gewisse Regeln an die sich Kinder halten müssen gehören dazu - aber man muss nicht jeden Mist in Regeln pressen. Man kann davon ausgehen dass Kinder dazu gehören wollen - insofern werden sie sich auch ohne Druck anpassen - sofern man die Richtung nur ungefähr vorgibt- und lebt.

Kommentar von atzef ,

Na ja, Bootcamps sind nun auch nicht wirklich als Kinderferienlager konzipiert, sondern um zu Haftstrafen verurteile kriminelle junge erwachsene Intensivtraftäter von der weitere andauernden Begehung von Staftaten abzuhalten. Das ist schon noch ein Unterschied.

Die Teilnahme an Bootcamps ist wohl freiwillig und Resultat eines Deals, der im gegenzug eine deutliche Verkürzung der Haftstrafe vorsieht.

Antwort
von HoodedRoses, 361

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es etwas mit dem Gehirn zu tun hat. Ich glaube, es geht dabei einfach um die eigene geistliche Einstellung. Ob man nun z.B. einen starken Charakter hat oder eben einen schwachen im Sinne von der eine kann z.B. Schmerzen/unschönen Ereignissen standhalten, während ein anderer darunter zusammembricht. :)

Kommentar von sarahj ,

und Du denkst, der starke Charakter wäre angeboren?
Das Gehirn erfährt während der gesamten Entwicklung (schon vor der Geburt) eine Prägung. Und die bestimmt die Einstellung.

Kommentar von HoodedRoses ,

Ich habe ja nie behauptet, dass der starke Wille angeboren ist. Ich habe nur gesagt, dass das BRECHEN des Willens vielleicht nichts mit dem Gehirn zu tun haben muss. Ich bin kein Experte, das war lediglich eine Vermutung ^^

Kommentar von Kitharea ,

Ich denke nicht dass "stark" oder "schwach" in dem Ausmaß angeboren ist. Vieles führe ich auf das Leben selbst zurück. Die Gehirnverknüpfungen fangen an sich zu regen sobald auch nur irgendetwas registrierbares passiert. Sei es Umgebung, Gefühlslage der Mutter im Bauch, Spannungen im Umfeld was auch immer... Die Frage die sich für mich stellt ist lediglich: Ist man am Anfang immer stark und wird dann geschwächt oder ist es umgekehrt.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community