Was genau versteht ihr unter diese Rede?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Hallo Bildschirm,

Ich denke in dieser Rede erzählt uns Nelson Mandela von einem Traum.
Er beschreibt etwas, das er immer wieder erlebt hat: Menschen, die gehemmt sind, die nicht das tun, was sie für richtig halten, sondern das, was andere von ihnen erwarten oder wozu sie von anderen gezwungen werden. Er versteht, warum die Menschen so sind. Sie handeln nicht nach ihren Überzeugungen, sondern tun das, was ihnen gelehrt wurde, das richtig sein soll. Er ist sich vollkommen bewusst, dass das, was in unserer Gesellschaft von den Menschen erwartet wird, oft nicht richtig und sinnvoll ist. Ja mehr noch: Es behindert die einzelnen Menschen genauso, wie die Weiterentwicklung der Menschheit hin zu einer besseren, menschlicheren Gesellschaft. Er weiß, dass die Menschen nicht von Natur aus schlecht sind, dondern, dass sie von der Angst gehemmt sind. Einer Angst, die von der Gesellschaft, von den Eltern und der Umgebung ständig in ihnen wachgehalten wird, ja einer Angst, die ihnen schon in ihrer Kindheit gelehrt wurde.

Erziehung wie sie in aller Regel in unserer Gesellschaft heute immer noch praktiziert wird, macht den Kindern klar, dass ihnen nicht vertraut werden kann: die Eltern haben über die Maßen Angst, dass sich ihre Kinder wehtun, sie nicht lernen wollen und deshalb den Druck brauchen, dass sie das tun, was die Eltern glauben, als richtig erkannt zu haben. So lernen die Kinder schon bevor sie laufen können, dass sie nichts alleine können, denn die Eltern sind allgegenwärtig und passen auf, nehmen das Kind von den Schubladen weg, damit sie keine Unordnung machen und grenzen so, durch falsch verstandene Sorge den Entdeckerdrang der Kinder ein. Nicht weil irgendetwas passieren würde, wenn sie die Schublade mit den Strümpfen ausräumen, nein! Es könnte jemand kommen und sehen, dass die Socken ausgestreut auf dem Fußboden liegen! "Ja, man muss die Kinder im Griff haben!" Das ist der Anfang! Und natürlich wird es schlimmer! Wenn die Kinder laufen können, dann müssen die Eltern natürlich aufpassen, dass die Kinder, solange sie nicht sicher laufen können, nicht hinfallen und sich wehtun! Aber das ist halt eine wichtige Erfahrung. Das Kind lernt schon so seine Grenzen kennen! Und dass es nicht unfehlbar ist und alles kann! Und das Kind wird immer weiter kontrolliert und immer weiter in Unfähigkeit gehalten! Wie soll sich da ein Selbstvertrauen entwickeln, das auch um die eigenen Grenzen weiß? Die Grenzen werden von den Eltern vorgegeben, das Kind lernt nicht, diese selbst einzuschätzen!

So bekommt das Kind im Laufe der Zeit Angst! Und fürchtet seine Fähigkeiten genau so, wie es das seine ganze Kindheit immer und immer wieder gelernt hat! Ja das Ganze wird sogar noch weiter gesteigert: Solange das Kind nicht sicher laufen kann, passen die Eltern auf, dass es sich nicht die Knie aufstößt, es wird also verhindert dass es Fehler macht! Es muss immer alle schon zu Beginn perfekt sein! Später, wenn das Kind größer wird, macht es natürlich andere Fehler: Im Kindergarten hört es ein Schimpfwort, alle reagieren "komisch": die Kindergärtnerin schimpft (eventuell, vielleicht muss es auf den stillen Stuhl, wird von den anderen Kindern weggenommen....), andere Kinder zeigen auch auf ihre Art den Unwillen. Das ist erst einmal interessant! So ein kleine Wort, dessen Bedeutung es gar nicht kennt --- so eine Wirkung! Das probiert es natürlich gleich zu Hause aus! und auch da werden alle plötzlich ganz unfreundlich! Das macht Angst! Und es lehrt dem Kind: Das tut drem Anderen weh, er wird böse! So lernt das Kind dreierlei: Wenn es keinen Ärger will, dann sagt es dieses böse Wort einfach nicht mehr! Wenn nicht viel passieren kann, sagt es das mit Absicht! Und, weil es dieses böse Wort, dessen Bedeutung es nicht einmal erahnt, sagt, ist es böse, nicht vollkommen!
Es ist irgendwo kraftvoll, ja. Kann ja so ein kleines Wort so eine Wirkung haben! Aber es ist kein Licht, es ist Dunkelheit! Nein, wenn die Anderen so reagieren, dann ist niemand

brilliant, großartig, begabt und einzigartig!

Deshalb lernen die Kinder, sich klein zu machen!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Barney123
02.12.2016, 09:24

Fortsetzung

Die moderne Psychologie und Pädagogik weiß das! Und aus genau diesem Grunde wurde das Recht auf Gewaltfreie Erziehung im November 2000 in das Deutsche Recht aufgenommen!
Das bedeutet nicht, dass z.B Schimpfworte gut sind und gefördert werden sollen. Auch nicht, dass die Eltern nicht auf ihre Kinder aufpassen sollen und Schaden von ihnen abhalten sollen! Es geht darum, diese Zusammenhänge zu erkennen und das bei der Wahl der Methoden, wie das dem Kind klatr und verständlich gemacht wird, genau zu berücksichtigen!

Dass bedeutet, bei einem kleinen Kind, muss ich die wohnung halt Kindersicher machen! Schubladen, in denen etwas gefährliches ist, müssen so gesichert sein, dass es das Kind nicht öffnen kann. So lernt das Kind auf natürliche Weise, wo seine Grenzen sind! Und den Rest des Zimmers darf es einfach so erkunden, natürlich unter dem wachsamen Blick der Erziehenden! Wenn das Kind ein gelerntes Schimpfwort sagt, ja dann erkläre ich dem Kind halt, dass das nicht nett ist, und wir das so zuhause nicht zueinander sagen. Und als Vater oder Mutter weiß ich doch, dass das Kind gar nicht wissen kann, was ein "A loch" ist -- oder? Dann ärgere ich mich doch nicht, sondern reagiere gar nicht mehr darauf. Bei uns haben sich derartige Geschichten übers Wochenende erledigt!
Jemand der so in Liebe aufwächst, wird lernen, dass er etwas ganz besonderes ist, dass er kraftvoll ist, und dass er keine Angst haben muss, er wird wissen,

dass ich brillant, großartig begabt und einzigartig bin!

Und es wird nicht krankhaft wei bei einem Narzissten oder Psychopathen sein, denn er hat auch immer seine Grenzen erfahren! Und zwar genau dort, wo er schmerzen erlebt hat, wo er schlechte Erfahrungen gemacht hat! So Jemand wird ein natürliches Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen haben. Und er wird auch Anderen dieses erlauben können, er wird dieses Selbstbewusstsein der Anderen nicht als Belastung oder Bedrohung empfinden, er wird nicht glauben, dass der Andere unerlaubtes tut, wenn er strahlt! Für jemanden, der so aufgewachsen ist, wird es die normalste, selbstverständlichste Sache der Welt sein, wenn ein Anderer

sein eigenes Licht scheinen lassen

wird. Und ja, es ist möglich, dass sich jeder von dieser Angst befreit -- aber das geht einfach nicht, dass wir da nur einen Schalter umlegen und alles ist gut. Diese Ängste wurden ein Leben lang geschürt und gepflegt, sie verschwinden nicht einfach so!
Nelson Mandela hat erlebt, was passiert, wenn andere Menschen in diesen Ängsten gefangen sind. Er hat für seinen Traum, für seine Überzeugung, dass alle Menschen in gewisser Weise gleich sind dafür 27 Jahre im Gefängnis verbracht! Er hat mit Sicherheit sehr gelitten, auch unter der Lungentuberkulose, an der er während seiner Gefangenschaft litt. Er hat erkannt, was die Menschheit weiterbringen wird. Er ist eine Persönlichkeit, der die Menschen zuhören, weil er großartiges vollbracht hat, wofür ihm als höchste Auszeichnung der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Die Menschheit hat die Erkenntnisse, das Verständnis und die Lösungswege, um Nelsn Mandelas Traum zu verwirklichen! Aber seine alten Gegner, z.B. die aus drei Kirchen hervorgegangene "Zentrum für reformatorische und zeitgeschichtliche Studien" und ihre weltweit nahestenden anderen Grlaubensrichtungen und Religionen sind auch Heute noch keine Freunde der Wissenschaften, die die Lösungen anbieten: Psychologie, Soziologie und Pädagogik!

So wird die Realisierung des Traumes von Nelson Mandela weiter eine schwierige Arbeit bleiben. Nelson Mandela hat dazu beigetragen, dass die Menschehit einen großen Schritt vorangekommen ist, aber er hat dafür seinen Preis bezahlt. Er hat uns gezeigt, dass es möglich ist die Menscheit zu verbessern und es sich lohnt dafür zu kämpfen!

LG

0

Sehr schöne Rede. :)

Ich weiß nicht was seine Botschaft war, aber für mich spricht er davon, dass wir Angst davor haben unsere Freiheiten & unsere Verantwortung zu übernehmen, die wir besitzen und meist nur nicht nutzen.

Wir könnten so viel werden und so viel tun, aber die Angst zu scheitern, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, von anderen verurteilt zu werden (im positiven wie im negativen Sinne) bringt uns dazu, lieber still und leise zu sein - bevor wir fallen, stehen wir lieber gar nicht erst auf. Typisches Sicherheitsdenken. Wir wollen nicht auffallen.

Aber, und so verstehe ich das, wäre das eigentlich sinnvoll, da wir diese Kraft haben - und wir alle im Prinzip gleich denken und dieselben Ängste haben. Wir könnten es uns einfach sagen, wir könnten alle alles probieren, wir könnten gemeinsam aufstehen und niemand würde fallen. Quasi eine "Kettenreaktion" des Vertrauens und des Proaktiv-werdens. ;)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Barney123
01.12.2016, 17:06

Hallo Mirage,

da musst Du glaube ich, sehr vorsichtig sein, es gibt da eine ganz dünne Grenzlinie. Und so einfach, wie Du schreibst, dass es nur eine Angst ist, die nur überwunden werden muss, ist es glaube ich auch nicht. hast Du schn einmal einen Menschen erlebt, der panische Angst hatte, in einen Aufzug zu steigen? Hast Du eine Idee davon, wie klein die Schritte sind, in denen er lernt wieder Aufzug zu fahren? Da rede ich von Erwachsenen Menschen, die bewusst vor dem Aufzug stehen, und in einem Hochhaus, wo sie keine Treppen laufen können, dann einen anderen Weg wählen müssen (ja, das Vermeiden des Aufzugfahrens lässt sie dann halt doch Treppe laufen, aber das Problem ist nicht der Aufzug, sondern in der Regel der kleine Raum!)

Viele Eltern versuchen heute durchaus, eine Erziehung zu leben, die den Kindern keine Angst macht  --  aber allein das extreme Aufpassen, dass dem Kind nichts passiert lehrt dem Kind doch, dass es sich besser nichts traut, die Eltern haben ja Angst! Als ich in den Kindergarten ging, da musste ich ungefähr 2 km alleine laufen, die Hälfte in einer Großstadt entlang einer Bundesstrasse. Das war völlig normal. Als mein Sohn in den Kindergarten ging, auf dem Dorf ohne Durchgangsstrassen, hätte er nur 200 m über eine Wiese laufen müssen und dann eine Strasse queren. Das Kindergartenpersonal hat das nicht akzeptiert! Wie sollen Kinder da Selbstvertrauen aufbauen??????? Wie sollen sie mutig werden, Neues zu entdecken?????? Diese Ängste sitzen so tief und werden gar nicht richtig wahrgenommen, weil die Erwachsenen ja auch keine Angst spüren, sie nehmen den Kindern einfach die Verantwortung ab und dann lernen sie nicht, Verantwortung zu übernehmen!

Willst Du da mit dem finger schnippen und alles ist gut?????

Und dann werden wir ja von den Anderen Verurteilt, das ist doch Realität!!! Es gibt ganze Mafias wie Kaffeeklatsch und Dorftratsch, die jeden kontrollieren und Klein machen, der sich irgendwie so benimmt, dass sein Verhalten irgendjeandem nicht gefällt, und die finden immer was!!!!!!!! Wenn nicht, wird halt was erfunden!!!!!!! Hast Du eine Vorstellung davon, wie die Leute reagieren, wenn Du denen auffällst, und sie brauchen jemanden, an dem sie ihre Aggressionen auslassen können???????? Das ist Terror Pur, Psychoterror!!!!

Es gibt Leute, die entwickeln eine Größenvorstellung von sich, unter genau den ungesunden Umständen. Die sind dann wirklich von sich vollkommen überzeugt. Nur leider ist dieses Bild, das sie von sich haben halt nicht immer realistisch. Es ist oft krankhaft verzerrt und Irreal. Narzissten, Psychopathen, Borderliner. Ok, verständlich und krank. Schlechte Verhältnisse in der Kindheit. Aber einfach so tun, als wäre jeder ein Größter, wie es der Text vermuten lässt und in Deiner Antwort anklingt, das ist mit Sicherheit nicht so. Diese Fähigkeiten müssen wachsen, sie müssen von frühester Kindheit an gefördert werden. Einfach einen Schalter umlegen, wird nicht funktionieren.

Hast Du eine Idee, wie langwierig eine Psychotherapie ist, in der die Fehler der Kindheit oder erlebter anderer Trauma korrigiert werden, nur um wieder normal in der Gesellschaft leben zu können??????

LG

1

Ich glaube, er meinte, dass wir Angst haben, für unsere positiven Eigenschaften als egoistisch etc. abgestempelt zu werden, nicht für unsere negativen. Zum Beispiel wenn du als Mädchen eine hübsche Figur hast & dich auch dementsprechend anziehst. In einigen Kreisen stehst du dann schneller als Schl*mpe da, als du gucken kannst. Und das für etwas, was ja eigentlich gut ist.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Barney123
01.12.2016, 16:38

Ja Midnight,

da ist viel wahres dran. Nur dürfen wir hier ja auch nicht vergessen wie lange und extrem Nelson Mandela im Gefängnis dafür gelitten hat, dass er für seine Überzeugungen eingetreten ist! Es ist also nicht nur eine Angst, es ist Milliardenfach erlebte Realität. Die meisten Kinder lernen genau das in ihrer Erziehung: Nämlich: "Mach Dich klein, widersprich nicht, mach was von Dir verlangt wird!" Nelson Mandela hat genau das nicht getan. Und er hat unsäglich gelitten. Am Ende bekam er die Belohnung: Staatspräsident, Friedensnobelpreis ......

Und wir sollten nicht vergessen, dass die meisten Menschen danach verbittert und rachsüchtig werden, ganz im Gegensatz zu Nelson Mandela, der seine einstigen Gegner nicht als Diktator unterdrückt hat, wie es uns die Geschichte immer und immer wieder zeigt!

Da steckt also eine ganze Menge Idealisierung darin. Das gibt es tatsächlich, Nelson Mandela hat uns das gezeigt, indem er uns das vorgelebt hat; auch Mahatma Ghandi, es gibt weitere. aber das sind halt Ausnahmemenschen, Vorbilder, aber Ausnahmen.

Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass genau so wie es Nelson Mandela geschrieben hat sich halt viele narzissten und Psychopathen sich nicht fragen:

Wir fragen uns, wer bin ich denn, um von mir zu glauben, dass ich brillant, großartig begabt und einzigartig bin?

Sie sind in einem unerschütterlichen Maß genau davon überzeugt, dass es genau so ist, aber sie haben den Zugang zu Realität verloren und schliessen daraus, dass sie sich alles erlauben dürfen, und andere Menschen nur zu Ihrem Vergnügen da sind. Sie fühlen sich halt auch wie ein Gott. Da musst Du schon vorsichtig sein und Unterscheiden!

LG

0

Leuchte hell, und Dein Leuchten wird das Leuchten der Anderen erwecken.

Mir persönlich gefällt zwar der religiöse Bezug nicht, den Herr Mandela natürlich hatte, aber im Grunde denke ich genau dasselbe.

Einmal habe ich einem verzweifelten Mann, der an der Bar sass und versuchte, seinen Liebeskummer zu ertränken, aus einem kleinen Stück Silberfolie einen Fächer gefaltet und vor ihn hingestellt mit einem Lächeln.

Du glaubst gar nicht, wie sehr ihn das zum Lächeln gebracht hat. :)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Bildschirm99
30.11.2016, 15:02

nun ja... aber was meint Mandela mit der Rede so genau? :D

0