Frage von malcolmy, 92

Was genau sollen Religionen für uns managen, was der Mensch durch sein inneres , "wahres" Ich, nicht auf die Reihe bekommen kann?

Hallo!

Ich habe den Eindruck, dass der Mensch sich eine Illusion vorlebt, und "unbewusst" eine Gesellschaft entwickelt hat, die unsere "negative" Seite fördert. Also Gier, Wut, Angst, Aggression, destruktive Kommunikation, usw., im Übermaß vorhanden ist, und es die Menschheit physisch und psychisch immer mehr belastet und die Empathiefähigkeit stark verkümmert. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass wenn man grundlegende zwischenmenschliche Probleme erkennt, es auch ziemlich schnell geht, eine nachhaltige, effektive Lösung dafür zu entwickeln. Dadurch verstehe ich aber Religionen nicht. Hätten diese religiösen Problemlösungsansätze funktioniert, hätte es ja schon vor Jahrtausenden funktionieren müssen und wir wären im Paradies auf Erden?

Grüße

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Kitharea, 27

https://www.gutefrage.net/frage/was-haben-religionen-mit-angst-zu-tun?foundIn=my...
Mein Beitrag dazu.

Sie sollen denke ich weniger regeln als für uns da sein. Uns Hoffnung geben. Uns Dinge beantworten die niemand beantworten kann. Und stützen in schweren Zeiten. Klar kann das theoretisch jeder selbst - aber der Weg das zu erreichen ist 100000 mal länger als der Weg zur Kirche.

Kommentar von Nadelwald75 ,

Hallo Kitharea, dazu ein Beispiel:

Natürlich kann man mit etwas Orientierungssinn, einer Handzeichnung, einer Urlaubskarte von 1950 auch sein Ziel erreichen, aber sicherer geht es mit dem offiziellen Messtischblatt 1 : 25000 von 2016.

Kommentar von Kitharea ,

Den Vergleich versteh ich nicht ganz aber ist auch nicht notwendig wenn du ihn verstehst^^ :D

Kommentar von Nadelwald75 ,

Halo Kitharea,

das sollte eigentlich ein Beispiel dafür sein, dass der Weg über die Kirche für mich der optimale ist , wie auchdas Messtischblatt neben ungenauen Möglichkeiten die optimale Karte ist.

Kommentar von Kitharea ,

Für dich ja. Niemand kann sagen was für deinen Nachbarn der beste Weg ist. Das muss er selbst herausfinden. Deswegen regen mich diese religiösen "Dinger" hier im Forum auch mitunter auf. Ich kann nicht meinen Weg über wen Anderen drüberklatschen. Man kann Vorschläge machen - aber hier ewig lang die Bibelstellen reinzuklatschen bringt nix.
Den eigenen Weg muss man spüren. Da hilft das größte Buch nichts, wenn du damit nichts anfangen kannst.
Ein Weg ist nur dann gut, wenn er den Weg zum eigenen Herzen zeigt.
Ich habe nichts gegen Religion - absolut nicht auch wenn ich an vieles glaube aber NICHT an Kirche und die Bibel. Aber jeder kann das halten wie er mag. Aber ich will mich nicht verteidigen müssen für meinen Weg nur weil er nicht so ist wie ihn jemand Anderes gerne hätte weißt. Ich würde allein schon deswegen den Anderen Weg wählen um zu zeigen dass es möglich ist. Weil ich schlicht und ergreifend dagegen bin, dass Menschen sich einen Weg aufschwatzen lassen. Wenn er einem selbst nicht entspricht ist es ohnehin wenig authentisch und führt zu nichts.

Wir sind alle Menschen - unser Bauchgefühl wenn wir nicht verlernt haben darauf zu hören - sagt uns immer und immer wieder was für uns (uns allein) richtig ist. Den einen über ein Buch, dem nächsten über nen Guru, dem nächsten in Steinen was weiß ich. Aber jeder einzelne von uns darf sich selbst drum kümmern. Ich kann nicht den Weg eines Anderen gehen und erwarten dass mich am Ende eine Belohnung erwartet die mir entspricht.

Mit dir kann man gefühlt zumindest drüber reden. Dir glaube ich bis jetzt eher noch dass du Gläubig bist als den ganzen Bibelpostern hier. Das mit dem Glauben ist wie mit der Liebe. Man spürt es oder halt nicht. Da kannst du lesen bis du schwarz wirst.

Kommentar von Nadelwald75 ,

Hallo Kitharea,

das kann ich so voll und ganz akzeptieren. Ich kann auch nur immer für mich sprechen. Wenn ich gefragt werde, sage ich, was ich persönlich glaube. Aber ich missioniere nicht. Bestenfalls versuche ich mit meinen Beiträgen, unklare Vorstellungen informativ zurechtzurücken.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 11

Hier ein paar Gedanken zum Thema - und entschuldige, wenn ich etwas weiter aushole.

Religiöse Lehre und Institutionen

Ich bin der Ansicht, dass man zwischen religiösen Lehren und religiösen Institutionen, wie etwa den großen Kirchen unterscheiden sollte.

Die Lehre Jesu in der Bibel hat beispielsweise nichts mit Reliquienverehrung zu tun, auch wenn sie in einigen christlichen Traditionen üblich ist.

Wenn also jemand darin versagt hat, durch religiöse Lehren den Frieden zu bringen, dann sind es diese von Menschen geschaffenen Organisationen.

Notwendige Schritte

Meiner Meinung nach ist es in der Religion wichtig, sich sowohl immer wieder auf die Kernbotschaft zu besinnen, als auch liberal zu sein.

Manchmal bedarf die Botschaft eben einer zeitgemäßen Neuinterpretation, um menschlich zu bleiben.

Nur in diesem Fall kann authentische Religiosität abseits von Formalismen, auch im 21. Jahrhundert konstruktiv zur Gesellschaft beitragen.

Dann aber eben nicht, durch eine Schwemme von Missionaren, oder religiösen Stätten, sondern durch die Religiosität des Einzelnen.

Hier spielt das eine Rolle, was du "wahres Ich" nennst (ich spreche meist eher vom "religiösen Geist") - die persönliche Entwicklung darf nicht den Ritualen und Regeln zum Opfer fallen.

Religion und Atheismus

Natürlich sind aber auch Menschen ohne jede religiöse Empfindung dazu fähig, zu einem friedlichen Miteinander beizutragen.

Es ist dafür notwendig, dass sich niemand aufgrund seiner Weltsicht überlegen fühlt und auf den Anderen herab blickt, damit ein miteinander möglich ist.

Arroganz und überzogene Ansprüche von beiden Seiten tragen nicht zum Frieden in der Gesellschaft bei.

Auch hier wäre es also für den Gläubigen wichtig, sich nicht einseitig über eine religiöse Organisation zu definieren, sondern bei der Lehre zu bleiben.

Gerade diese Identifikation mit einer Gruppe, bei der Kritik an deren Struktur und Vorgehen, gleich als persönlicher Angriff gewertet wird, sind fatal für den Dialog.

Jetzt zu deiner eigentlichen Frage

Funktion der organisierten Religion

Religionen als Institutionen können sinnvolle Aufgaben wahrnehmen - etwa sozial und karitativ - man sollte aber nie den Botschafter und die Botschaft verwechseln.

Die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und gemeinsame Rituale können den Menschen bereichern. Hier leisten organisierte Religionen entsprechende Arbeit.

Eine organisierte Religion kann also das, was du "wahres Ich" nennst, nicht ersetzen, aber den Einzelnen in seiner Entwicklung fördern.

Wenn dieses gesellschaftliche Konstrukt die lebendige Entwicklung des Einzelnen nicht fördert, sondern in Formen erstarrt, bedarf sie der Reformation.

Hinweis

Diese Sätze sind aber natürlich ausschließlich meine persönliche Meinung und keine Tatsachenbehauptungen.

Antwort
von Illuminaticus, 7

Der Mensch ist immer hin und her gerissen durch die Verfuehrung der Sinne und gleichzeitig durch den drohenden Finger, der das anprangert.

Dadurch kann er sich niemals entspannt fuehlen, die Dualitaet zermalt quasi das Erleben durch die beiden Pole von Angst und Verfuehrung.

Auf der einen Seite wird sein Verlangen genaehrt, obwohl der Verfuehrte weiss, dass ihm die neueste Errungenschaft kein Glueck bescherrt, versucht er es trotzdem und scheitert kolossal. Der erhobende Finger der Moral findet dann leichtes Spiel.

Die Religionen sind Teil des Spiels, nicht die Zuflucht, die wir alle suchen, das muss verstanden werden. Religion ist Teil der Ablenkung!

Ablenkung wovon? Ablenkung von dem was wir wirklich sind und wonach wir alle suchen, aber wir finden einfach keine Antwort, egal was wir kaufen, egal was wir machen, keine Loesung in Sicht.

Wenn man das alles mal hinter sich laesst und den ganzen Schwindel links liegen laesst und sich nur mit dem beschaeftigt, was man wirklich kennt, dann landet man bei sich selbst.

Die Selbstbetrachtung ist kein Zuckerschlecken, da kommt viel Schrott mit Emotionen hoch, durch die wir uns durcharbeiten muessen, um den ungeschliffenen Diamanten zu bergen und das sind wir selbst, wir haben bloss immer an der falschen Stelle gesucht, den leichten Weg gegangen und nun wissen wir warum das Spiel Spiel heisst. Uns wurde boes mitgespielt.

Alles Gute!

Antwort
von CountDracula, 17

Ich bin Buddhist. Seit ich religiös geworden bin, haben bei mir genau diese Gefühle abgenommen.

Die Sache ist die, dass wir alle das Potenzial dazu haben, diese Gefühle zu empfinden. Manche lassen sich davon stärker leiten als andere; viele, die ich kenne, halten solche Gefühle sogar für heilsam.

Antwort
von precursor, 21

Ich bin Atheist, nur zur Info, ich glaube weder an Gott noch an Satan oder anderes.

Ich denke Religionen dienen hauptsächlich als Erklärungsmodelle dafür was nach dem Tod kommt.

Des weiteren sollen Menschen gesteuert werden, nach dem Motto, wenn du das und das nicht tust, dann ist Gott zufrieden mit dir und dann gibt es nach dem Tod super tolle Belohnungen für dich, wenn du nicht machst was Gott will dann gibt es nach dem Tod Strafen.

"Das was Gott will" ist natürlich geschickter weise so aufgestellt worden, dass es gesellschaftskonform ist und das Zusammenleben zwischen Menschen im Prinzip verbessert, wenn denn jeder vor den vermeintlichen Strafen für Sünden genug Angst hätte.

Im Prinzip soll mit Religionen verhindert werden, dass Menschen exzessiv unmoralisch handeln, weil der Gedanke, dass nach dem Tod alles vorbei ist und es auch keinerlei Strafen gibt, dazu verleiten kann zu tun was man auch immer will, da sowieso alles egal ist, solange einem irdische Gerichte und Gesetze keinen Strich durch die Rechnung machen.

Antwort
von nowka20, 6

alle religionen sollen dem menschen lebenshilfe geben, damit dieser in ruhe sein selbstbewußtsein ausbilden kann

Antwort
von Meeew, 24

Religionen haben sich Menschen eigentlich ausgedacht, weil sie es sich nicht besser zu erklären wussten.
Warum Blitz und donnert es, woher kommen die Jahreszeiten.
Schon die Griechen und Römer haben sich mit ihren Göttern die Welt erklärt.

Später kam Monotheismus auf. U. A. Ist dieser einfachen da man nur noch einen "allmächtigen Gott" zum anbeten und Opfer bringen und nicht mehr mehrere hundert.

Wie ich finde hat sich damals einfach nur ein schlauer Kerl hingesetzt und sich das Ganze ausgedacht um ordentlich abzukassieren.
Die Menschen bzw die breite Masse hat's geglaubt denn Religionen gabs schon immer  und mit Schulbildung oder freien kritisieren war es damals nicht so.
Das sich (vor allen monotheistische Religionen, mit anderen kenne ich mich nicht so aus) ständig widersprechen, interessierte keinen.

Kommentar von Hamburger02 ,

Wie ich finde hat sich damals einfach nur ein schlauer Kerl hingesetzt und sich das Ganze ausgedacht um ordentlich abzukassieren.

Fast Richtig. Hier die Hintergründe. Vielleicht kommt dir ja einiges aus der heutigen Zeit bekannt vor..

Als die Babylonier Jerusalem Anfang des 6. Jhdt. v.u.Z. eroberten, verschleppten sie die israeltische Elite nach Babylon. Das dürften einige 1000 Leute gewesen sein. Die "Entführten" wurden aber nicht gefangen gehalten, sie mussten nur in Babylon leben.

Und nun passierte etwas, das wir von heute kennen. Ein Teil der Israeliten (Hebräer) integrierte sich in die babylonsiche Gesellschaft und lernte die Vorteile einer Zivilisation kennen. Aus Texten weiß man, dass Israeliten sogar in hohe Staatsämter gelangen konnten. Viele heirateten auch Babylonier/innen. Das brachte es auch mit sich, dass der jüdische Glaube nicht mehr so intensiv gepflegt wurde.
Ein anderer Teil der Israeliten lehnte jedoch jegliche Intergration ab und radikalisierte sich. Die "Angepassten" wurden heftig als Abweichler verunglimpft. Diese radikalen Fundamentalisten setzten sich nun zusammen und schrieben das Alte Testament. Dabei verwendeten sie einzelne schon vorhandene Schriften und mündliche Überlieferungen als Grundlage und formten die Religion dabei in ihrem Sinne um. Die Absicht war dabei, nochmal deutlich darzustellen, dass die Abweichler den Zorn Gottes hervorrufen und dadurch alle Israeliten damit bestraft würden, dass sie nicht mehr nach Jerusalem zurückdürften. Mit dem neu geschriebenen AT wollten die Fundamentalisten sozusagen die Meinungsherrschaft zurückerlangen. Hier gings weniger um Geld als um Macht.

In dieser Zeit nahm Gott die Form an, die wir heute mehr oder weniger kennen. Vor der babylonischen Gefangenschaft war JHWH nur ein Gott von vielen, allerdings der Hauptgott der Israeliten, der aus einem Wettergott vom Sinai hervorgegangen war. Damals hatte JHWH auch noch eine Frau, die Aschera. Bei der Abfassung des AT wurde JHWH nun zum einzigen, allmächtigen und allwissenden Gott befördert. Zuvor wurde er mit einer klassischen Scheidungsformulierung von seiner Aschera geschieden. Mit diesem neuen Gottesbild konnten die Fundamentalisten noch mehr Druck auf die Abweichler ausüben.

Kommentar von Meeew ,

Danke für die Erläuterung :)
Naja Macht und Geld sind jetzt nicht so weit auseinander, aber egal wieder was gelernt

Antwort
von herrderhoelle, 20

Ja...
Gott und Satan, Gut und Böse, Himmel und Hölle, Schwarz und Weiß... das ist eine bildliche Vorstellung, wie du schon sagst eine Illusion.

Gut und Böse sind jeweils in uns. In jedem von uns. Gott und Satan dienen da eher als ich sag mal "Symbole" dabei haben wir um genau zu sein beide in uns.

Ich als Atheist sehe das so, da ich nicht an Gott glaube

Antwort
von Ente222, 17

Du darfst nicht vergessen, daß wir dadurch, daß wir uns von der Leitung unseres liebevollen Schöpfers losgesagt haben, in Sünde und Unvollkommenheit gerieten.

Die Bibel, die Heilige Schrift, Gottes inspiriertes Wort  (2. Tim. 3:16) bietet uns die Möglichkeit, Gottes Anleitung und Rat zu suchen, um so ein glückliches, erfüllteres Leben als andere führen zu können.

Selbst ausprobiert - stimmt tatsächlich!




Kommentar von malcolmy ,

Hallo!

Ich verstehe nie so eindeutig, diese "alt" formulierten Sätze. Sie sind für mich stark interpretationsfrei. Ich tue mir leichter bei konkreten Sätzen, die mir Klarheit und Logik verschaffen.

Also weiß ich dadurch auch nicht genau, was ich ausprobieren soll.

Grüße

Antwort
von suesstweet, 16

Die Religion kann dich zu einer bescheidenen, selbstlosen Person machen. Solange man die Religion richtig befolgt. 

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