Frage von Riman, 81

Was genau sind jetzt die möglichen Folgen wenn Großbritannien aus der EU austritt?

Also ich muss ja zugeben ich habe wirklich null Ahnung von Politik und wusste bis gestern Abend nicht mal, das Großbritannien aus der EU wohl raus will.

Jetzt da die Entscheidung wohl so gut wie gefallen ist, Großbritannien geht raus, frage ich mich wieso sich da so viele darüber ärgern.

Hat das was mit der Wirtschaft zu tun (Rohstoffe, Waren, blablabla) oder weil dann vielleicht noch andere Länder mit ziehen wollen.

Was ist für uns in Deutschland anders wenn Großbritannien nicht mehr in der EU ist?

(Bitte berücksichtigt, dass ich echt keinen Plan von Politik hab, geschweigedenn weiß was genau Wirtschaft zwischen ländern in deutschland etc. Ist (schämen smiley) xD ja das iat echt peinlich)

Aber vielleicht könnnt ihr mir ja helfen.

Liebe Grüße und bitte keine blöden Antworten :)

Danke-Riman

Antwort
von uncledolan, 15

Hallo,

der Brexit hat zunächst einmal wirtschaftliche Folgen: Großbritannien profitiert bisher sehr von dem innereuropäischen Freihandel sowie den engen Verstrickungen zwischen der EU und Großbritannien, insbesondere den stark verbundenen Banken und Börsen in London und Frankfurt. Hierbei geht es zum einen um Arbeitsplätze, die auf diesen Verbindungen basieren, und zum anderem um die wirtschaftlichen Vorteile, die Unternehmen von beiden Seiten haben.

Wenn du die Weltwirtschaft betrachtest, stellst du schnell fest, dass alle großen Wirtschaftsnationen miteinander konkurrieren: Darum, Standort von Unternehmen zu werden (wovon nicht zuletzt Steuereinnahmen dieser Staaten abhängen), um Investitionen (Kapital) in Bildung und Ausbildung, aber auch in Infrastruktur, Forschung und Entwicklung etc etc. Jede Nation will es schaffen, möglichst attraktiv für Unternehmen als Standort zu werden, sodass Arbeitsplätze geschaffen und Geld in dieses Land fließt, was unter andem bedeutet, dass jede Nation es schaffen will, dass Unternehmen in ihrem Land produzieren und dann Waren in andere Länder zu verkaufen. Hierbei sind die Kosten das ausschlagebende, warum ein Unternehmen seine Produkte in einem Land produziert oder nicht.

Hierbei ist es so, dass Europa im Vergleich zu den großen Wirtschaftsnationen (China, USA, etc) unter anderem durch die engen Verstrickungen der EU und der europäischen Wirtschaft nur deswegen "mithalten kann", weil eben nicht jedes europäische Land für sich wirtschaftet und die anderen europäischen Länder als Konkurrenz sieht, sondern man sich zu einem Verbund zusammengeschlossen hat, der nach innen wirtschaftlich zusammenarbeitet, aber nach außen (Afrika, China, USA) Barrieren aufbaut, zB durch Zölle und bürokratische Hürden. Durch den Brexit wird nun eine große Wirtschaftsnation in Europa wieder mehr Hürden und Bürokratie im Inneren Europas haben; und damit nach außen weniger wettbewerbsfähig, denn bürokratische Hürden bedeuten Zeitverlust bedeutet höhere Kosten.

Ein anderer Aspekt des Brexits ist dessen symbolische Wirkung: Weil ein so großes und vermeintlich vernünftig entscheidenes Land wie Großbritannien aus der EU austritt, wird es deutlich salonfähiger, einen Austritt aus der EU für sein eigenes Land zu fordern. In Deutschland wird es also die EU-feindliche Ansicht der AfD und vieler Politikverdrossener (siehe die anderen Antworten auf deine Frage ;) ) stärken und bestätigen, dass die EU ein "von oben auf die Menschen heraufgezwungener Fluch" sei und dass "früher alles besser war".

Viele Menschen empfinden so, weil sie sich nicht mit Politik auskennen und glauben, die EU ist die einzige Quelle von Änderung der letzten 10-15 Jahre. Der EU wird hierbei ein viel größeres Gewicht zugemessen, als sie eigentlich hat: Es wird davon ausgegangen, dass eine langfristige Verschlechterung der Lage des "kleinen Mannes" darauf zurückzuführen zu sei, dass schlecht gewirtschaftet und entschieden wurde und man ja nur "beim Alten hätte bleiben müssen" und wir dann noch in einer Welt von vor 15 Jahren leben würden. Dem ist aber nicht so. Vielmehr sind es äußere Umstände, eben vor allem die zunehmende Konkurrenz durch andere Wirtschaftsnationen, die einen Teufelskreis hervorrufen:

Politik, die "im Sinne des kleinen Mannes" gemacht wird, also emotional auf das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung ausgerichtet ist, die also zB. "die Unternehmen und Reichen mal so richtig zur Kasse bittet", scheitert an sich selbst, da Unternehmen und Reiche eben eine große Auswahl an Ländern haben, in denen die Bedingungen besser sind, in die dann sofort umgezogen wird. Unterm Strich bewirkt eine solche Politik also nur noch mehr Arbeitslosigkeit, noch weniger Wirtschaftsleistung und damit noch mehr Frustration und das Gefühl, dass die Politik etwas falsch macht. Wenn nun aber eine Politik "im Sinne der Unternehmen und Reichen" gemacht wird (so wie es in Deutschland recht stark der Fall ist, die CDU steht immer für eine "ausgeglichene Position zwischen starker Wirtschaft und sozialer Gerechtigkeit"), bewirkt das einen Aufschwung der Wirtschaft der Nation, von der aber diejenigen, die arm sind und nicht leistungsfähig sind, praktisch nichts abbekommen. Hierbei kommt es zu einer gefährlichen Spaltung der Bevölkerung in arm und reich, die in einem noch extremerem Frust auf Politik und "die da oben" endet. Die einzige Alternative, die hier einen "Ausbruch" aus dem Hin und Her zwischen den zwei aus Sicht vieler Wähler "nichts bringenden" Möglichkeiten darstellt, ist ein Abdriften in die sehr rechte Ecke.

Diese "neue Rechte" (AfD in Deutschland, LePenn in Frankreich, Geert Wilders in den Niederlanden, die "Brexitiers" in GB, Trump in den USA etc) macht sich nun den Zorn und den Frust der Wähler zu Nutzen, und setzt statt der "den vielen Wählern komplett über den Kopf gewachsenen Komplexität der rationalen Politik" auf die Einfachheit von Protest und Hass: Als eine Projektionsfläche für "alles, was schief läuft", werden nun die Flüchtlinge als diejenigen dargestellt, "die den armen Nationen ihr letztes bisschen Wohlstand wegnehmen". Rassistische Ressentiments wie die von den "Sozialschmarotzern" tun ihr Übriges, damit sich sehr viele Menschen einer eindeutig rassistischen und feindseligen Position anschließen, um endlich einmal gehört zu werden.

Der Brexit ist nur das erste wirklich etwas bewirkende Ereignis dieser "Neuen Rechten", ich bin mir sicher, dass da noch einiges auf uns zu kommt. Länder, in denen Volksabstimmungen üblich sind (Großbritannien, Schweiz, Österreich), merken besonders stark die Folgen der Politikverdrossenheit in ihrem Land. Länder wie Deutschland, in denen es zum Glück keine Volksabstimmungen gibt, haben dagegen "eine bessere demokratische Verteidigung" gegen emotional aufgeladene und populistisch aufgeheizte Stimmungen, wie sie derzeit herscht.

Ich hoffe, ich konnte meine Ansicht des Themas halbwegs verständlich erklären. :)

Antwort
von Jonas711, 37

Die Entscheidung ist nicht so gut wie gefallen, sie ist gefallen.

Antworten auf alle deine Fragen findest du auf den gängigen Nachrichtenseiten: Spiegel Online, Zeit, SZ, FAZ, Welt, ...

Zudem wurde diese Frage hier heute auch schon 100 mal so oder ähnlich gestellt.

Antwort
von Lukas1643, 36

Börsemstimmung ist schlecht -> Alle mögliche Kurse fallen
Britische Pfund -> Schlechtester Kurs seit 30 Jahren
Euro -Y Wird mit Sicherhheit auch fallen oder ist schon gefallen

Ander Ländenr wie z.B. Frankreich könnten jetzt auch in den nächsten Jahren ein Referendum einleiten.

Worst case wäre, wenn dadurch die ganze EU zusammenbricht, wäre aber letztendlich nur eine Bestätigung der Geschichte (es gab schon so viele Wirtschaftsunionen und im Prinzip sind alle früher oder später gescheitert)

Für die Türkei werden die Karten eventuell neu gemischt um der Eu beitreten zu können.

Putin freut sich, weil sich Russland Machtverhältnis gegenüber der Eu verbessert.

Es gibt 1000 mögliche Folgen, ob es tatsächlich übel wird, kann man aber jetzt noch nicht sagen.

Ein weiterer Sieg für die Rechten -_-

Antwort
von soissesPDF, 8

Heute wurde Geschichte geschrieben, Dank Brexit.
Die EU wird sich jetzt drastisch ändern, der Spuk politische Union wurde nachhaltig beendet.

Man sollte den 24.06. europaweit zum Feiertag erheben.

Antwort
von striepe2, 38

Da gibt es für dich nur eines: So viele Nachrichtensendungen, wie möglich verfolgen. Brennpunkt heute Abend, weitere Diskussionsrunden wahrnehmen, Tageszeitungen lesen u.ä. Dann bekommst du all deine Fragen beantwortet.


Kommentar von palzbu ,

Da bekommst du das zu lesen was, Andere vorgedacht haben, wie du die Welt sehen sollst.. Wer wirklich wissen will muss selbst denken. 

Interessant sind diese Seiten : https://wissen2015.wordpress.com/

Hier stehen Fakten, die stehen in keiner Zeitung.

Kommentar von striepe2 ,

Natürlich muß, bzw. soll, sich jeder selbst seine Meinung bilden. Dafür kann man sich aber nicht genug Informationen einholen.

Antwort
von Wonnepoppen, 40

Da geht es dir so wie mir!

bin gespannt auf die Antworten, mich würde das auch interessieren!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community