Bei einem Tag der offenen Tür an der Uni ist mir ein Flyer über eine Verbindung in die Hand gefallen. Ich weiß aber gar nicht so richtig was das ist. Was muss man da machen? ist das so wie in den USA an den Unis? Hat vielleicht schon jemand Erfahrungen damit? Ist sowas empfehlenswert? Hilft das im Studium weiter?
Studentische Verbindungen sind Zusammenschlüsse von Studenten einer Unversität, die ein gemeinsames Element haben. Das können gemeinsame Interessen (Sport, Theologie), gemeinsame Herkunft (früher Landsmannschaft) oder eine gemeinsame Tradition sein. Allen gemeinsam ist, daß die 'Verbindung' zur Verbindung auch nach der Studentenzeit bleibt. Die 'Alten Herrn' unterstützen die Verbindung, d.h. die jetzigen studentischen Mitglieder (die 'Aktiven') finanziell (z.B. durch den Kauf oder Erhalt eines Hauses, in dem die Aktiven wohnen können), durch Kontakte und ähnliches. Im Gegenzug bekommen die alten Herren ein soziales Netzwerk, Kontakt zu jüngeren Studenten (an die sie ihre Töchter verheiraten können ...) und eine Gelegenheit, sich gelegentlich zu besaufen. Verbindungen haben in aller Regel einen lateinischen Namen, wie Arminia, Rhenania o.ä,, was typischerweise ihre Herkunft anzeigt.
Man kann unterscheiden (oder eher: ich persönlich unterscheide) zwischen 'normalen' Verbindungen, z.B. im ATB (Sportlerverbindungen), und 'Hardcore'-Verbindungen, d.h. Korporierte. Diese Verbindungen sind meistens sehr alt und sind im Zuge der bürgerlichen Revolution in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet worden, zeitgleich mit den Freikorps (z.B. Lützow), mit denen sie Verbindungen haben. Damals waren die Verbindungen eher fortschrittlich und freiheitsgläubig, heutzutage sind sie i.a.R. reaktionär. Je nach Grad der 'Traditionsverbundenheit' sind solche Verbindungen farbentragend (haben also Fahnen und ein Band, das bei feierlichen Anlässen getragen wird bzw. einen 'Wichs' - eine Uniform) oder schlagend, d.h. es wird das Studentenfechten (nicht mit dem Sportfechten verwechseln!) ausgeübt. Dabei stellen sich zwei Mitglieder mit Augenschutz voreinander auf und dreschen mit Säbeln aufeinander ein. Wer als erster zurückzuckt, verliert: mehr eine Mutprobe als ein Sport. 'Hardcore'-Verbindungen erkennt man i. a. R. an der Bezeichnung 'Corps', 'Landsmannschaft' oder 'Burschenschaft'. In diesen Fällen sollte man doch erstmal einen Bogen machen.
Da v.a. in den schlagenden Verbindungen die Mitglieder sich meistens in engen sozialen Kreisen bewegen, auf ihren Häusern sitzen, saufen und radikale Ansichten pflegen, erfüllen sie meiner Ansicht durchaus eine soziale Funktion. Mein Studium in Heidelberg (wo es extrem viele tradionsreiche Verbindungen gibt) wäre anstrengender gewesen, wenn das ganze Gesockse auf der Strasse rumgelaufen wäre... In anderen Verbindungen leben aber durchaus auch normale Menschen. Der Verbindungskram ist zwar eher bieder und vereinsmässig - für jemanden, der nach Schule und Bundeswehr mit der Freiheit im Studium überfordert ist, aber durchaus eine Möglichkeit, ein soziales Umfeld zu finden, und ggf. eine billige Wohnmöglichkeit.

Ich würde keinen Kontakt zu aufnehmen. Im besten Fall sind es nur Saufgemeinschaften.
Kr4bat am 6. Juli 2008 01:02 Amen
Das war die Antwort eines nicht studierten und gänzlich nicht informierten.

Leute die über dieselben Sachen interessiert sind können Bruderschaften bilden ohne die Gruppe zu registrieren. Registrierte Verbindungen oder Bruderschaften sind dann Vereine.

Offiziell sind diese Bruderschaften ("schlagende Verbindungen") wohl dazu da, unter Kommilitonen (besonders den "Ehemaligen", nunmehr Akademikern) Kontakte zu knüpfen, somit beim "Besteigen der Karriereleiter" behilflich zu sein. (allein das erscheint mir etwas zwielichtig)
Und auch grundsätzlich sind es in meinen Augen nicht sehr viel mehr als reaktionäre Zusammenschlüsse mit -gelinde gesagt- sehr seltsamen Sitten....

Informiere dich hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/GeschichtederStudentenverbindungen
Da ich schon mal wegen kritischer Äußerungen zu studentischen Verbindungen vor Gericht stand, werde ich keine eigene Meinung äußern.

Mein Vater hat sich immer mit denen (alte Studienkameraden aus der Bruderschaft) getroffen und kam dann sternhagelvoll nach Hause.
...da weiß mal jemand wirklich bescheid, wovon er spricht. Danke für offene und differenzierte Worte noch dazu. DH einfach nur.