Frage von MrsLittleLena, 72

Was genau passiert bei der Vorbereitung auf der Trabrennbahn mit den Pferden?

Ich habe selbst einen Traber und habe am Anfang gemerkt dass sie ziemliche Angst vor Schlägen hat, und ziemlich ängstlich war wenn man sie am Kopf berührt hat. Was genau wurde alles mit ihr gemacht als sie trainiert worden ist?

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 25

bei der vorbereitung - genannt training - werden die pferde hauptsächlich gejoggt. hin und wieder wird eine pace eingelegt. ab und zu erfolgt auch ein heat-training.

für die pflege werden traber gewöhnlich beidseitig in einer waschbox angebunden. sie sind es nicht gewohnt, mit dem kopf vor der wand oder einem balken zu stehen. und renntraber werden gewöhnlich nicht geputzt, sondern gewaschen. auch im winter. die hufe werden nicht ausgekratzt, sondern mit wasser ausgebürstet.

häufig werden traber auch anders geführt. es werden zwei stricke im halfter eingehakt (beide in den ring unterm kinn). einer wird über den hals gelegt und das ende locker in der rechten hand gehalten. der andere wird wie gewöhnlich mit links gehalten, läuft aber nicht durch die rechte hand. der doppelte strick hat den vorteil, das pferd in der waschbox sofort anbinden zu können. häufig werden auch längenangepasste stricke mit zwei haken verwendet.

oder man benutzt zum führen einen steiger.

wenn man mit dem pferd irgendwo hingeht, lässt man es ein oder zwei schritte rückwärts treten und geht erst dann nach vorn oder macht die beabsichtigte drehung.

traber werden ausser zum führen oder zum auftrensen und manchmal zum reinigen nicht am kopf angefasst. ich denke mal, die anfasserei verwirrt dein pferd. traber bekommen auch kein futter aus der hand. sie sind es gewohnt aus der krippe und dem heunetz zu fressen.

schau mal dort - da hast du einen groben überblick wie es am renntag hinter den kulissen aussieht.

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ich verstehe ganz ehrlich gesagt nicht, dass leute einen ehemaligen renntraber kaufen, ohne zumindest mal einen tag bei einem trainer "reingeschnuppert" zu haben und sich die besonderheiten im umgang und in der pflege anzueignen. dann hat das pferd seine gewohnte behandlung und das eingewöhnen wird einfacher. zusätzlich empfehlenswert ist es auch, mal zu einem renntag eine rennbahn zu besuchen.

für ein rennpferd ist der wechsel von einem renn- in einen privatstall ein regelrechter schock. ungefähr so, als wenn du plötzlich in china leben solltest.

ausserdem hat ein rennpferd immer etwas mehr adrenalin als ein "normalpferd" und gerade als rennpferd auch einen erhöhten fluchtreflex. wenn es nicht sicher ist, was du an seinem kopf vorhast, zieht es ihn weg - und würde sich, wenn es nicht so gut erzogen wäre, sogar losreissen und weglaufen.

ein weiterer aspekt bei trabern - es gibt viele, die bereits 2jährig scheuklappen tragen. da das sehen eine erlernte tätigkeit ist, haben diese pferde häufig ein vermindertes "rundum" sehvermögen, also schwierigkeiten beim seitlichen und rückwärtigen fokussieren. fast jedes pferd reisst bei einer bewegung am rand seines gesichtsfeld erst mal den kopf hoch. ist quasi ein reflex.

ich würde dir empfehlen mal einen tag lang bei einem trabertrainer reinzuschnuppern. da passiert nichts, was man nicht sehen oder mitbekommen dürfte.

dass rennpferde schlecht behandelt werden ist eine häufige und völlig ungerechtfertigte unterstellung. wenn ich ein pferd für mich suchen würde und die wahl zwischen einem warmblöd oder einem ex-rennpferd hätte - ich würde bei gleicher eignung für mich das rennpferd nehmen - nämlich, weil es angenehme umgangsformen hat und erzogen ist und man keine überraschungen im täglichen umgang erlebt - vorausgesetzt, man weiss, wie man mit ihm umzugehen hat.

Kommentar von trabifan28 ,

DH! Stimme dir voll und ganz zu.


Kommentar von ponyfliege ,

merci.

Kommentar von kruemel84 ,

Echt interessant;-)

Auch von mir ein DH!

Kommentar von Urlewas ,

👍👍👍

Kommentar von spikecoco ,

Auf der Rennbahn in Berlin  wo ich als Jugendllche gearbeitet habe kann ich sagen, das Rennpferde oftmals nicht gut behandelt wurden. In den Ställen gab es oft ein Übermaß an Pferden, nicht mit allen wurde täglich trainiert, viele Pferde fristeten ein elendliches Leben in der Box, Weiden gab es nicht. Weben war ein bekanntes Verhaltensproblem in vielen Ställen. Auch ging so mancher Trainer nicht besonders behutsam mit den Pferden um, sie waren zum Geld verdienen da, nichts weiter. Ob es sich heute geändert hat, keine Ahnung.

Expertenantwort
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 30

Dass ein Pferd Angst vor Schlägen hat ist ja normal oder? Oder hälst du da freiwillig den Kopf hin wenn dir einer Schläge androht? Was führt dich dazu deinem Pferd Schläge anzudrohen o.ä.? 

Kopfscheuheit kann viele Ursachen haben, angefangen bei Kopf anhauen am Futtertrog über Verletzungen am Kopf, die behandelt werden mussten und schmerzhaft waren bis hin zu Schlägen ins Gesicht. Was genau zur Kopfscheuheit bei deinem Pferd geführt hat, weiß ich nicht. Dafür müsste man auch erstmal wissen, wo das Pferd auf der Bahn war, bei welchem Trainer etc. und dann brauchst du wen, der das Pferd und den Umgang mit ihm gesehen hat. hier wird dir keiner sagen können, wie es zur Kopfscheuheit kam. Das andere, wie gesagt: Lässt du dich gerne prügeln? Und warum willst du dem Pferd überhaupt eine scheuern? 

Kommentar von Urlewas ,

Wer sagt denn, dass die F S das pferd schlagen will? Ich hötte vermutet, dass das Pferd halt ängstlich reagiert, wenn jemand Bewegungen macht, die  das pferd als " schlagen wollen" interpretieren kann. Zum Beispiel das plötzliche Heben einer  Hand - und wenn man sich bloß am Ohr kratzen will...

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