Frage von Thylacine, 94

Was genau ist Altersarmut?

Die Frage hört sich erstmal komisch an, aber so wie ich das verstanden habe, kriegt ja jeder, unabhängig davon, wieviel er/sie eingezahlt hat, eine Grundsicherung... Ich weiß zwar nicht, wie viel das ist, aber rein vom Wort her hört sich Grundsicherung für mich so an, dass das mindestens das ist, was man auch als Hartz IV Empfänger bekäme. Warum sehe ich trotzdem immer wieder Rentner Flaschen sammeln etc.? Kriegen die zu wenig Geld oder können die einfach nicht richtig haushalten?

Antwort
von RudiRatlos67, 94

Viel sinniges und unsinniges wurde schon geschrieben, Fakt ist, das die gesetzliche Rente ein umlagesystem ist, in das heute 3,5 Arbeitnehmer einzahlen um einen Rentner zu unterhalten. Zum einen arbeitet die demografische Entwicklung gegen dieses System, zum anderen, gehen junge Menschen immer länger zur Schule bevor sie in das System einzahlen. In nicht mal zwanzig Jahren wird eine einzelne Rente von 2 Arbeitnehmern getragen werden müssen. Das ist der Grund für die Altersarmut. Mit nicht haushalten hat das nichts zu tun. Ließ dazu auch mal was in der alljährlichen rentenbescheigung eines gesetzlich renten- versicherten steht. Deshalb wird jeder der das verstanden hat, früh anfangen sich um die eigene Altersvorsorge zu kümmern, zumindest wenn er haushalten kann. Leider hat die Politik das heute akute und lange Zeit vorhersehbare Problem viel zu lange beschönigt, so daß sich zuviele Arbeitnehmer auf die gesetzliche Rente alleine verlassen haben. Wer nicht früh anfängt wird sich das Leben als Rentner in Zukunft nicht mehr leisten können, geschweige denn es zu genießen wofür man 40 Jahre oder mehr gearbeitet hat.

Kommentar von kevin1905 ,

in das heute 3,5 Arbeitnehmer einzahlen um einen Rentner zu unterhalten

36.193.892 Millionen Versicherte (Stand: 31.12.2013) vs 17.852.026 Millionen Altersrentner (Stand: 31.12.2014). Deine Zahl ist nicht all zu aktuell fürchte ich. Das Verhältnis liegt aktuell bei 2,03 Beitragszahler pro Rentner.

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/238692/publica...

Wir haben im Grunde die prognostizierte Situation schon. Ich hab auch nur die Altersrenten aufgezählt. Hinterbliebenenleistungen und EM hab ich mal ausgeklammert.

Kommentar von RudiRatlos67 ,

oh sorry... Und vielen Dank. .

Antwort
von kevin1905, 65

unabhängig davon, wieviel er/sie eingezahlt hat, eine Grundsicherung...

Anspruch auf Grundsicherung hat jemand der bedürftig ist. Es gibt die Grundsicherung für Arbeitsfähige (SGB II - Hartz IV) und für andere, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen z.B. aufgrund von Alter oder gesundheitlichem Zustand (SGB XII).

Ich weiß zwar nicht, wie viel das ist, aber rein vom Wort her hört sich Grundsicherung für mich so an, dass das mindestens das ist, was man auch als Hartz IV Empfänger bekäme.

Hartz IV ist wie gesagt eine Form der Grundsicherung. 399,- € zzgl. KdU.

Warum sehe ich trotzdem immer wieder Rentner Flaschen sammeln etc.?

Weil knapp 800,- € im Monat zu wenig sind um davon leben zu können. Auch werden im SGB XII Einkommen und Vermögen viel strenger angerechnet als im SGB II.

Kriegen die zu wenig Geld oder können die einfach nicht richtig haushalten?

Ich würde mal tippen ca. 80% der Menschen in Deutschland gehen nicht wirklich gut mit ihrem Geld um.

Um auf deine Frage zurück zu kommen: Jeder Mensch der unter Durchschnitt aller Versicherten verdient (aktuell 34.999,- € p.a. brutto) wird im Alter in der Grundsicherung landen, da die Rente nicht über dem Sozialhilfesatz inkl. KdU liegen wird.

Um dies zu vermeiden gibt es Dinge, die sich betriebliche und private Altersvorsorge nennen.

Antwort
von XXpokerface, 85

Die meisten müssen ja heute noch bis 67 Jahre arbeiten. Doch das schaffen die meisten nicht und gehen dann mit Abzügen. Das, was sie erhalten, reicht wirklich nur für ein bescheidenes Leben. Aber man will doch gerade im Alter noch was erleben, Urlaub usw. Viele Ältere haben sich ein Haus gekauft und müssen das abbazahlen und die Mieten werden immer höher. Da nutzen ältere Menschen die Möglichkeit, noch etwas dazu zu verdienen und viele suchen auch noch eine Beschäftigung. Im Alter hat man viele gesundheitsbedingte Ausgaben und später ist das Geld viel weniger Wert.

Antwort
von Tamuril, 74

Klar, Grundsicherung ist da. Aber leb mal mit dem Geld!

Nach jetzigem Stand würde ich selbst um die 800 Euro Rente bekommen. Das ist mehr als der Hartz IV Satz. Davon muss aber auch die Miete bezahlt werden, Strom, etc ... Was bleibt da noch zum Leben? Wie ich das machen soll, weiß ich auch noch nicht, ob das Amt mir dann wenigstens die Miete bezahlt... keine Ahnung. Fakt ist, ich würde nicht klar kommen. 

Viele Ältere sind auch allein, weil der Ehepartner gestorben ist. Also darf alles aus einer Tasche bezahlt werden. Klar braucht man allein auch weniger, als wenn man zu zweit ist ... schon allein, was die Wohnsituation angeht...  aber die Mieten sind derart gestiegen, dass man lieber da wohnen bleibt, wo man gerade ist, weil das noch die günstigere Alternative ist. Aber wofür man früher zwei Leute hatte, ist jetzt nur noch einer da. Und kennst Du das Sprichwort: "Einen alten Baum kann man nicht versetzten"? Da ist was wahres dran. Die Leute haben vielleicht seit Ihrer Jugend in der selben Wohnung gewohnt... würde man sie zu einem Umzug aus ihren geliebten und gewohnten 4 Wänden zwingen, könnte es durchaus passieren, dass sie daran zugrunde gehen. 

Ich denke haushalten können die Rentner schon. Das mussten sie ihr ganzes Leben lang. Viele haben den Krieg noch miterlebt... und die Zeit danach, als es so gut wie gar nichts gab. Das haben sie nicht verlernt. 

Ich finde es aber gut, dass Du fragst. Vielleicht wäre es aber schlauer, den "Flaschensammler" zu fragen. Damit würdest Du zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. 1.) Du hast eine korrekte Antwort frei von Spekulationen aus erster Hand und 2.) Mit dem Menschen redet mal wieder jemand. 

Kommentar von dieter273 ,

Hallo,

evtl. steht einem Wohngeld zu.

Alles Gute

Antwort
von petrapetra64, 41

Ja, Grundsicherung ist im Prinzip das, was man auch bei H4 bekommt, nur kriegt man es vom Sozialamt und muss dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfuegung stehen.

Dir ist schon klar, dass 400 Euro zum Leben neben Miete und Heizung nicht gerade viel Geld ist, wenn du davon alles bezahlen musst, Strom, Kleidung, Essen und Trinken, Verkehrsmittel, Versicherungen, Medikamente, Brille, Zahnersatz, Reparatur und Ersatz von Haushaltseinrichtung, Toilettenartikel und vieles mehr. Da kann auch auch bei gutem haushalten leicht ins Minus geraten, glaubst du nicht.

Auch wenn man gerade ueber die Runden kommt, heisst das ja nicht, dass man dann nicht mehr arm ist, oder? Und was spricht bitte dagegen, sich sein Einkommen etwas aufzubessern, um sich auch mal ein kleines Extra leisten zu koennen?

Antwort
von Konrad Huber, 48

Hallo Thylacine,

Sie schreiben:

Was genau ist Altersarmut?

Antwort:

Nicht verzagen, Wikipedia fragen:

google>>

wikipedia.org/wiki/Relative_Armut#Altersarmut

aber so wie ich das verstanden habe, kriegt ja jeder, unabhängig davon, wieviel er/sie eingezahlt hat, eine Grundsicherung...

Antwort:

Diese Aussage entspricht nicht den tatsächlichen Gegebenheiten, weil die Bewilligung von Grundsicherungsleistungen an knallharte Bedingungen geknüpft ist!

Werden diverse Freibeträge beim Haushaltseinkommen überschritten, gehen die Antragssteller in der Regel mit leeren Händen aus dem Verfahren aus!

google>>

bmas.de/DE/Themen/Soziale-Sicherung/Sozialhilfe/grundsicherung-im-alter-und-bei-erwerbsminderung.html

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Kommentar von Georg63 ,

Was für "knallharte Bedingungen" meinst du?

Wenn man über 67 ist und die Rente kleiner als die Grundsicherung, hat man Anspruch auf Grundsicherung (aufstockend).

Nur wenn man Kinder hat, die mehr als 8.000 brutto pro Monat verdienen, müssen die etwas dazugeben.

Kommentar von Konrad Huber ,

Was für "knallharte Bedingungen" meinst du?

Antwort:

Zum Beispiel:

google>>

bvkm.de/dokumente/pdf/Rechtsratgeber/merkblatt_zur_grundsicherung.pdf

Auszug Kapitel 11!

11. 

Inwieweit ist Vermögen der Grundsicherungsberechtigten geschützt?

Neben dem Einkommen müssen Grundsicherungsberechtigte grundsätzlich auch ihr gesamtes verwertbares Vermögen zur Deckung ihres Grundsicherungsbedarfs einsetzen.

Bestimmte Vermögenswerte werden jedoch vom Gesetzgeber geschützt, bleiben also bei der Bedürftigkeitsprüfung unberücksichtigt. Dazu gehört z.B. ein angemessenes Hausgrundstück,das vom Grundsicherungsberechtigten bewohnt wird. 

Geschützt sind auch Barbeträge oder sonstige Geldwerte (z.B. Spar- oder Kontoguthaben) bis zu 2.600 €.

Fazit:

So gut wie alles, was 2.600 Euro an Ersparnissen überschreitet, wirkt sich negativ auf die Grundsicherung aus!

Wenn das nicht knallhart ist......?

Und hier geht es weiter zu den Freibeträgen:

google>>

arbeitsagentur.de/web/content/DE/BuergerinnenUndBuerger/Arbeitslosigkeit/Grundsicherung/Freibetraege/index.htm

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Antwort
von critter, 57

Es gibt verschiedene (meistens unverschuldete, aber auch selbst verschuldete) Gründe, warum Menschen in die Altersarmut rutschen, z.B.

- Arbeitslosenzeiten

- ALG 2-Zeiten

- lange Krankheitszeiten

- geringer Lohn

- bei Frauen: Abbruch oder Unterbrechung der Arbeit durch Zeiten der Kindererziehung

Das alles kann eine kleine Rente später ergeben bzw. reduziert die Rente später enorm und das Geld reicht dann hinten und vorne nicht mehr.

Kommentar von kevin1905 ,

Ok hier muss ich was einwerfen:

Arbeitslosenzeiten

Vom ALG I werden RV-Beiträge gezahlt. Die sind natürlich niedriger.

lange Krankheitszeiten

Auch vom Krankengeld werden RV-Beiträge gezahlt. Ebenfalls geringer!

bei Frauen: Abbruch oder Unterbrechung der Arbeit durch Zeiten der Kindererziehung

1 Jahr Kindererziehung entspricht einem Jahr durchschnittlicher Beiträge. Pro Kind maximal 3 Jahre. Habe ich also zwei Kinder erzogen, habe ich 6 Entgeltpunkte und einen Rentenanspruch von 175,- € p.M. nur aufgrund der Tatsache dass ich Kinder habe.

Wer also unter Durchschnitt verdient, fährt durch Kinder gebären rententechnisch besser.

Außen vor lässt du die Eigenverantwortung der Leute selbst Vermögensaufbau und Altersvorsorge zu betreiben.

Antwort
von Georg63, 52

Der Begriff wird von den Politikern gern benutzt, um den Normal- und Wenigerverdienern Angst zu machen und sie zu veranlassen, viel Geld in zusätzliche Altersversorgung zu investieren - am besten in die staatlich subventionierte Riesterrente.

Was dabei verschwiegen wird - die allermeisten Einzahler haben nichts davon, da die private Zusatzrente voll auf die staatlichen Leistungen angerechnet wird.

Wer jetzt schon nicht viel verdient, bekommt eh nur eine klene Rente, die jedes Jahr etwas sinkt. Dann wird er mit Ende 50 oder Anfang 60 arbeitslos .... schwer vermittelbar ....un vom Jobcenter vorzeitig in die Rente gedrängt - natürlich mit erheblichen Abschlägen vom eh schon zu kleinen Anspruch.

Damit landen die meisten im Bereich der Grundsicherung, mit der die Rente aufgestockt wird. Und genau dadurch verliert man die vom Munde abgesparte Privatzusatzrente, da die angerechnet wird.

Kommentar von kevin1905 ,

Was dabei verschwiegen wird - die allermeisten Einzahler haben nichts davon, da die private Zusatzrente voll auf die staatlichen Leistungen angerechnet wird.

Ich teile das mit.

Das gilt aber für jedes Einkommen, inkl. gesetzlicher Rente. Alles wird zu 70% bis zur Hälfte der Regelbedarfsstufe I (aktuell 399,- €) auf die Grundsicherung angerechnet. Alles drüber sogar zu 100%. Vermögensfreibeträge sind auch geringer als im SGB II.

Darum ist das Ziel jeder Vorsorgestrategie durch private und betriebliche Vorsorge so viel Nettorente aufzubauen, dass man weit über dem Sozialhilfesatz zwischen 800 und 900,- € landet. Klappt natürlich nicht bei jedem bzw. kostet ggf. mal eben 200 bis 300,- € im Monat, kommuniziere ich dann aber auch so.

Die Fälle, dass ich einem Kunden 50+ sagen muss der Zug ist abgefahren, die gibt es auch. Finde ich persönlich schade weil ich a) erstmal nichts dran verdiene und b) weil ich einem Menschen vielleicht Hoffnungen zerstört habe allein dadurch dass ich ihn mit der Realität konfrontierte. Wer überbringt schon gerne schlechte Nachrichten...

Antwort
von Seanna, 69

Man denke kurz an private Krankenversicherung, aus der man im Alter nicht mehr raus kommt....

Kommentar von kevin1905 ,

Das Sozialamt ist verpflichtet die Kosten zu tragen, wenn GruSi bezogen wird.

Antwort
von SirHawrk, 75

Du bekommst einen Anteil von dem zurück was du in die Rentenversicherung eingezahlt hasg (vermutlich eher alles) und wenn du nur wenig eingezahlt hasz bekommst du auch dementsprechend wenig Geld als Rente

Kommentar von kevin1905 ,

Du bekommst einen Anteil von dem zurück was du in die Rentenversicherung eingezahlt hasg

Das so zu formulieren suggeriert ggf., dass die gesetzliche Rente ein Anlagesystem wäre.

Man erwirbt durch seine Beiträge Anwartschaften auf eine spätere Rente. Die spätere Rente muss aber durch die Beiträge der Kinder- und Enkelgeneration aufgebracht werden.

Kommentar von SirHawrk ,

Naja in gewisser Weise ist sie das ja auch :D du gibst ihnen das Geld damit sie die Rente der jetzigen Rentner bezahlen können ^

Antwort
von Papabaer29, 64

Rentner haben sicherlich oft höhere Ausgaben.

Alleine die Zuzahlung bei vielen Medikamenten.


Antwort
von knaller99, 68

Haushalten können die schon, manche kriegen nur zu wenig.

Antwort
von tinimini, 24

Hier wird es erklärt !

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