Frage von hvladi, 41

Was genau bedeutet ein Mindesreservesatz von 1%?

Soweit ich weiß, bedeutet es, dass ein Kreditinstitut nur 1% der eingenommenen Spareinlagen bei der Zentralbank hinterlegen muss, zum Schutz vor Pleite durch Bankenruns.

Andererseits wird auch gesagt, der 1% bedeutet, dass eine Bank den Kehrwert davon, also das 100fache an Krediten verleihen darf, wie sie selbst Geld besitzt (bzw durch Spareinlagen besitzt?).

Was ist nun richtig?

Antwort
von FrageSchlumpf, 3

Beides ist im Grunde genommen falsch.

Eine Bank nimmt ja keine Spareinlagen "ein".

Die Mindestreserve rechnet sich als Prozentsatz auf bestimmte Passivbestände. Die Bilanzsumme der Banken wächst aus verschiedenen Gründen mehr oder weniger schnell kontinuierlich. Daraus resultiert ein immer größerer Mindestreservebedarf.

Für die Kreditvergabe spielt das in der Praxis keine Rolle, da die Zentralbank schon eh und jeh immer das notwenige Zentralbankgeld für die Erfüllung der Mindestreserve zur Verfügung gestellt hat ( war nur eine Frage zu welchem Zinssatz ). In der Theorie ist die Mindestreserve dahingehend "wichtig", da sie in der schönen Formel für den Geldschöpfungsmultiplikator drin steht, die man so schön auswendig lernen kann und in Prüfungsfragen packen. Wie gesagt, praktisch ist die ganze Formel irrelevant, da Zentralbankgeld nie wirklich begrenzt war ist und sein wird.

Die Mindestreserve kann auch keine Einlagen absichern, entgegen mancher falscher Annahme bei den Massen. Es ist auch nicht ihr Zweck.

Bei Bankruns , wo entgegen deiner Frage niemals eine "echte" Pleite im Sinne von Überschuldung droht, sondern immer nur maximal Illiquidität, kann die Mindestreserve einen Puffer darstellen. Man kann sich aber selbst als Außenstehender leicht ausrechnen, dass mit 1 % keine großen Fluten abgesichert werden können.

Antwort
von BurgN, 8

Hallo,

der ursprüngliche Gedanke war in der Tat, dass ein Kreditinstitut eine Liquiditätsreserve bei der Zentralbank hat. Diese dient aber nicht dem Schutz vor der Pleite sondern der Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit (wenn viele auf einmal Geld abheben wollen). Kreditinstitute haben erheblich mehr liquide Mittel als dieses 1%.

In der Praxis nutzen die Zentralbanken den Mindestreservesatz zur Steuerung der Geldmenge.

Dein letzter Absatz lässt viele weitere Bedingungen außer Acht. Denn natürlich kann ein Kreditinstitut nur das Geld ausgeben, was es in der Bilanz als Einlagen stehen hat. Gedeckelt ist es auch durch die Höhe des Eigenkapitals (ein KI darf (Faustregel)ca. das 12,5 Fache seines Eigenkapitals als Kredit ausgeben). Es muss bei der Fristentransformation darauf achten, dass diese nicht zu groß wird etc. pp. Der Mindestreservesatz hat hierbei fast keine Bedeutung, da die anderen Grenzen deutlich früher greifen.

Schöne Grüße

Antwort
von Fool09, 21

Es werden keine Spareinlagen an die Zentralbank weitergereicht. Mindestreserve bedeutet nur, dass die Banken einen gewissen Betrag an Zentralbankgeld auf ihren Konten beim Eurosystem vorweisen müssen. Und das auch nicht jeden Tag, sondern im Monatsdurchschnitt. 

Antwort
von Kupferzupfer, 18

Die 1%, die bei der Zentralbank zu parken sind gelten nicht für alle Einlagen der Bankkunden, langfristige Arrangements unterliegen einem Reservesatz von nur 0%. Und selbstverständlich darf die Bank den Teil der Einlagen, der nicht als Mindestreserve geparkt ist, z.B. an Bedürftige verleihen und dafür Zinsen verlangen oder damit an der Börse spekulieren und auf Kursgewinne hoffen. Genau das ist ja ihr Geschäft.


Antwort
von ludpin, 14

So wirds sein. Der größte Teil der Transaktionen sind nur virtuelles Geld, als Bargeld nicht vorhanden. Kredite und Börsengeschäfte werden ohne das Geld zu besitzen getätigt.  So funktioniert eine Bank.

Antwort
von Omikron6, 12

Die bei der Zentralbank zu unterhaltende Mindestreserve bezieht sich auf ALLE "Sichteinlagen" (Sparkonten, Girokonten...). Es ist zutreffend, dass die Bank den "Kehrwert" für eigene Geldschöpfungen nutzen kann.

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