Frage von Groasiche, 61

Was genau bedeutet der Satz "Moralisches Sollen im Rahmen unseres Könnens"?

Antwort
von Haldor, 35

Eigentlich ist schon alles dazu gesagt.
Hier noch eine Ergänzung: Der Mensch ist als einziges Lebewesen
fähig, Gutes zu tun (oder anders ausgedrückt: moralisch zu
handeln). Goethe hat das in seinem Gedicht „Das Göttliche“ so
ausgedrückt: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut, denn das
allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen...“
(Wesen, die wir nicht kennen, sind die Götter oder Gott, die das
lyrische Ich mit „Heil, ihr unbekannten Wesen, die wir ahnen!“
anspricht. In dem Gedicht heißt es nun: Edel sei der Mensch!“
D.h, da der Mensch edel sein kann, soll er es auch sein. Denn nur
wenn er sich diesem Sollen, diesem Anspruch, gut zu sein, unterwirft, ist er wahrhaft Mensch und unterscheidet sich somit „von allen Wesen, die wir kennen“, d.h. von den Tieren.

Da er aber selbst zum Teil Tier ist und dieses Tier-sein in ihm außerordentlich mächtig in ihm wirkt, fällt ihm das moralische Handeln sehr schwer.Trotzdem soll er die „tierische Macht“ in sich weitestgehend überwinden und dem Anspruch, wahrhaft Mensch zu sein, genügen, zumindest diesem Ideal nahe kommen.

Fazit: Die moralischen Gebote sind für den Menschen nur schwer zu erfüllen, da er wie die anderen Lebewesen (z.T.) selbst Tier ist. Er kann sich deshalb nur nach bestem Können bemühen, ein moralisches Wesen zu sein. Das Gute zu jeder Zeit rein zu verwirklichen – dazu ist er außerstande.

Eventuell bringen das nur Mönche, Nonnen und Heilige fertig (aber selbst hier habe ich meine Zweifel: Ein Kollege von mir, dessen Bruder Mönch ist, sagte mir einmal, im Kloster herrschten auch Rivalitäten, Konkurrenz und Hierarchien. Man sieht also, der Egoismus scheint für den Menschen derart überlebenswichtig zu sein, dass es nur sehr schwer möglich ist, auf ihn vollkommen zu verzichten).

Antwort
von Viktor1, 30

Warum sollte man solchen unklar formulierten Sprüchen mehr Beachtung schenken als sie verdienen ?
Aussagen, welche sich hinter schwülstigen Formulierungen verstecken, mit denen der Autor sich wichtig tut, sollten man in die Tonne werfen.
Der Autor solcher Aussagen hätte sich auch verständlich ausdrücken können
statt "Rätsel" einzubauen.

Kommentar von earnest ,

Ich finde das weder schwülstig noch unklar formuliert. Ein Wichtigtun kann ich auch nicht entdecken.

Antwort
von earnest, 25

Du kannst nur "können", was du sollst (oder willst), wenn du's auch kannst. 

Mit anderen Worten: Hohe moralische Ansprüche nützen nichts, wenn sie unerfüllbar sind. Moral ist nicht absolut, sie muss am Menschen orientiert sein, sie muss "machbar" sein, sie muss lebbar sein.

Gruß, earnest


Antwort
von Grashalm008, 44

Den Zusammenhang kenne ich jetzt nicht, könnte mir aber vorstellen, dass soviel heißt wie, man solle aus moralischen Gründen ein entsprechendes Verhalten zeigen oder etwas tun, sofern dies im Rahmen unserer Fähigkeiten liegt und uns möglich ist.

Lieben Gruß!

Antwort
von Ichthys1009, 37

Das heißt, der moralische Anspruch ist eigentlich so hoch, dass niemand den vollkommen erfüllen kann.

Daher ist dieser Anspruch nur zur Orientierung gedacht. Wir sollen uns bemühen, es so gut wie wir eben können zu machen.

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