Was gefällt oder ärgert euch an der Christlichen Schöpfungsgeschichte?

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10 Antworten

Was mir gefällt:

Der moralische Aspekt der Verantwortung, der in der Schöpfungsgeschichte und vor allem im Sündenfall behandelt wird. Auch heute noch kann diese Moral uns einiges lehren. Gott trägt dem Menschen auf, sich die Erde und ihre Bewohner zum Untertan zu machen. Das bedeutet aber nicht, dass er über sie nach Belieben herrschen darf, sondern viel mehr, dass er als Herrscher die Verantwortung über alles hat. Der Mensch ist als einziges aller Geschöpfe dazu imstande, seine Handlungen zu hinterfragen und auch die Tragweite dieser handlungen zu verstehen. Wenn er nachhaltig und gerecht mit der Welt und ihren Ressourcen umgehen würde, könnte er als guter Herrscher das Wohlergehen aller ihrer Untertanen gewährleisten. Doch der Mensch ist heute vielmehr ein Tyrann, der die Erde ausbeutet und viele seiner Untertanen jeden Tag in den Tod führt. Ein so nachlässiger Umgang mit seiner Rolle als Herrscher wird langfristig nicht nur die Untertanen, sondern auch die "Krone der Schöpfung" irgendwann teuer zu stehen kommen.

Der Aspekt der Verantwortung kommt noch einmal ganz besonders in der Sündenfallsgeschichte vor: Der Mensch lebt ohne irgendwelchen Sorgen und Nöten im Paradies. Alle seine Bedürfnisse werden dort erfüllt und es gibt nichts, um das er sich kümmern muss. Trotzdem schafft es die Schlange, den Menschen zu verführen und mit etwas ins Verderben zu locken, dass er noch nicht hat: die Erkenntnis. Diese Geschichte ist eine Parabel auf die Natur des Menschen: Selbst ein völlig bedürfnisloser Mensch hat immer noch den Wunsch, seine Situation zu verbessern. Die menschliche (Neu)Gier kann uns zwar ein Segen sein, aber oft genug ist sie unser Fluch. Immer wieder sind wir dazu bereit, auch die einfachsten Regeln zu übergehen, nur um unsere Situation zu verbessern. Wer diese Regeln aber bewusst überschreitet, der muss immer auch mit den Konsequenzen rechnen - die es unweigerlich irgendwann geben wird. Auch diese Lehre können wir aus der Schöpfungsgeschichte ziehen.

Was mir nicht gefällt:

Auch heute noch gibt es einige überreligiöse Fanatiker, welche die Schöpfungsgeschichte wortwörtlich nehmen und sich Kreationisten nennen. Sie vergessen oder ignorieren aber bewusst die Tatsache, dass diese Geschichte in einer Zeit geschrieben worden ist, als man noch keine wissenschaftliche Erklärung über die Entwicklung des Lebens und die Entstehung des Planeten hatte. Die Moralerzählung wurde damals um eine für die damalige Zeit auch nicht unübliche Aitiologie (Herkunfsterklärung) ergänzt. Die Aitiologie der Bibel ist aber bereits seit langem durch die Wissenschaft widerlegt worden und längst keine Frage des Glaubens mehr. Dass es die Evolution gibt, ist eine Tatsache und keine bloße Theorie. Bewusst verdrehen Krationisten die Begriffe "Theorie" in Richtung der Umgangssprache und führen einen gerne aufs Glatteis, dass eine Theorie auch falsch sein kann und hinterfragbar sein muss. Ihre eigene Weltanschauung hinterfragen sie aber in einer beinahe unverschämt heuchlerischen Art und Weilse dagegen nicht. Belege der Wissenschaft diffamieren sie als Irrtümer, schlimmer noch als bewusste Lügen und Fälschungen. Dass derartige Verleumdungen auch in Deutschland ungestraft geduldet werden und unter das Gesetz der freien Meinungsäußerung fallen, finde ich dabei sehr ärgerlich.

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Kommentar von AgoodDay
02.11.2016, 17:37

Sehr schön beschrieben!

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Kommentar von OnkelSchorsch
02.11.2016, 17:59

MarkusPK, welche der beiden sich widersprechenden Schöpfungsgeschichten meinst du?

Oder betreibst du nur das übliche Spiel, sich aus allerlei Bibelstellen irgendwas zusammnzubasteln, das dann ins Bild passt?

Die Aussagen zur Verantwortung des Menschen sind in den beiden Schöpfungsmythen diametral entgegengesetzt.

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Kommentar von Viktor1
02.11.2016, 18:11

Auch wenn ich deinem Beitrag weitgehend zustimmen kann, erschreckt mich dieses:

Dass derartige Verleumdungen auch in Deutschland
ungestraft geduldet werden ....finde ich .. sehr
ärgerlich.

Die Ansicht mancher Kreationisten mag teils schauderhaft sein, aber auch wenn sie wissenschaftliche Erkenntnisse als Lüge ansehen, bedarf solche Meinungsäußerung nicht der Verfolgung.
Du möchtest die Inquisition - anders herum.

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An der Geschichte stört mich vor allem, daß das eigentlich dort hineingehörende erste Kapitel komplett fehlt, nämlich die Geschichte, warum es überhaupt etwas gibt und nicht einfach nur nichts, und aus welchem nachvollziehbaren Grund Gott alles erschaffen hat.

Damit wäre der Rest der Bibel zwar immer noch alles andere als wissenschaftlich, aber durch das Vorhandensein eines solchen einleitenden Kapitels gäbe es vermutlich keine Unklarheiten mehr darüber, welche Aussagen auf wessen Mist gewachsen sind und was man davon halten soll.

Im Prinzip sind die Bücher Mose nicht wirklich irritierend, wenn man sich beim Lesen darüber klar ist, in welche Epoche diese Glaubensentwicklung fällt, welches Wissen und welche Mentalität die damaligen Menschen hatten, wie (wenig) umfangreich deren Sprachschatz damals vermutlich war und wieviel Streit es auch heute noch um viele ganz andere Schriftwerke bzgl. der richtigen Übersetzung und Interpretation gibt.

Deshalb könnte ich mir gut vorstellen, daß es im Schulunterricht vielleicht nicht wirklich klargestellt ist, ob das Thema rein sachbezogen ist (Beurteilung eines Schriftwerks), oder ob es in Wirklichkeit um die Interpretation religiöser Auslegungen geht. Beides sind zwei Paar Stiefel, die man nicht durcheinanderwürfeln sollte.

Die Schöpfungsgeschichte für sich alleine gibt es leider nicht, denn die Bibel enthält zwei verschiedene Versionen, die sich mindestens bei der Erschaffung des Menschen deutlich voneinander unterscheiden, so daß schon dadurch unbewußt suggeriert wird, daß eine dieser Geschichten mit recht großer Wahrscheinlichkeit ein Ammenmärchen ist.

Ein wenig störend wirkt auf mich das Problem, daß an die Bibel angelehnte Religionen erhebliche Schwierigkeiten damit haben, weiter als bis 6 oder 7 zu zählen.

Wenn Gott die Welt mitsamt Inhalt in 6 Tagen geschaffen hat, und am 7. Tag geruht hat, dann ist er erst am 8. Tag ausgeflippt und hat Adam und Eva aus dem Garten Eden gejagt.

Weil aber in der Schöpfungsgeschichte an einer Stelle auch erwähnt ist, daß zu einem bestimmten Zeitpunkt noch nicht alle Tiere erschaffen waren, darf man wohl davon ausgehen, daß auch noch ein weiterer Tag für die Schaffung dieser Tiere draufging.

Aus diesen Gründen sehe ich es als ein wenig sinnfrei an, wenn immer von einer Schöpfungsdauer von 6 Tagen bzw. incl. Ruhetag von 7 Tagen ausgegangen wird, obwohl man recht bequem durch Nachrechnen auf mindestens 9 Tage kommt.

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Die Schöpfungsgeschichte ist halt sehr alt, damals wusste noch niemand, wie die Welt entstanden ist. Aber um deutlich zu machen, dass das alles von Gott kommt, hat man sie so wie sie existiert, aufgeschrieben.
Das "Problem" daran ist, dass es viele Menschen in gewisster Weise abschreckt. Heute ist jedem klar, dass die Menschen vom Affen abstammen, oder zumindest nicht von Adam und Eva. Das gibt manchen Leuten das Gefühl, dass die Bibel eine lüge ist. Aber bei der Schöpfungsgeschichte geht es nicht darum, ob das jetzt wirklich so war, der Kernaussage ist: Gott hat die Welt erschaffen und den Menschen aufgetragen, diese Welt zu gestalten.

Gut finde ich, dass sie sehr "einfach" geschrieben ist, und die Kernaussage ist natürlich auch gut.

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Kommentar von Viktor1
02.11.2016, 17:41

Richtig, und noch besser finde ich, daß wir Christen auf diese Erzählung völlig verzichten könnten, da die Botschaft Jesu ihrer nicht bedarf. So oder so steht  die Heilsbotschaft Jesu für sich allein und mit dem Prolog vom Johannesevangelium hätten wir auch diese "Kernaussage" - wenn wir sie denn unbedingt brauchten.

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Was soll Dich ärgern an dem Umstand, dass Du ein wunderbares Geschöpf Gottes bist? Also ich finde da keinen Fehler - ausser den Mensch selbst, der das alles was Gott Gutes für den Menschen wollte kaputt gemacht hat.

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Viele Menschen (nicht alle) sind neugierig, sie wollen wissen. Seit Urzeiten fragen sie sich, was sind wohl diese kleinen hellen Lichter, die man nachts am Himmel sieht? Warum bluten die Frauen, wenn der Mond voll ist? Warum sind wir hier?

Viele Dinge konnten sich die Menschen nicht erklären, also entstand ein Gott, der Blitze schleudert, ein anderer war zuständig für die Liebe, den Wein usw.

Irgendwann fragten sich die Menschen, wie dieses Universum oder unser Planet, Pflanzen und Tiere und natürlich der Mensch entstanden sind. Da es vor einigen tausend Jahren auch dafür keine Erklärung gab, musste es wieder ein Gott gewesen sein.

Erkenntnis muss manchmal mit einem hohen Preis bezahlt werden, Wissen macht nicht automatisch glücklich. Daher die Allegorie mit dem Paradies und den Menschen, die "vom Baum der Erkenntnis aßen" und deshalb aus dem Paradies vertrieben wurden.

Wenn man die komplette (!) Bibel als Gleichnis versteht, ist man mMn besser beraten, als sie wörtlich zu nehmen. Der Kreationismus ist ein gefährlicher Trend, der zurück ins Mittelalter führt.

Mir gefallen also die Fragen, die der Mensch an die Schöpfung gestellt hat. Die Antworten der Bibel sind wörtlich genommen aber obsolet.

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Kommentar von Hamburger02
02.11.2016, 18:32

Solange man die Bibel als Spiegel der damaligen Gedankenwelt betrachtet, ist sie ein hochinteressantes Buch.

Betrachtet man sie als Wort Gottes, wird sie zum Märchenbuch.

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Mir gefällt gar nichts an diesem Märchen.

Was mich ärgert und was ich persönlich als Angriff auf die menschliche Intelligenz und unsere Vorfahren sehe, ist die Behauptung dass sich die Entstehung der Welt so zugetragen hätte wie uns die Bibel erzählt.

Das wir Menschen nicht die Folge eines jahrmillionen währenden Prozesses der natürlichen Auslese wären, sondern die Laune eines kosmischen Zauberers.

Das wir Menschen die Nachfahren zweier Individuen wären, deren eigene Nachfahren nur durch Inzest weitere Menschen zeugen konnten.

Das eine sprechende Schlange den Menschen dazu verführt hätte eine Frucht zu essen, die genausogut an einem für Menschen unerreichbaren Ort hätte wachsen können.

Dass es selbst heute noch Leute gibt, die an dieses Märchen glauben, ist ein Armutszeugnis für die Menschheit.

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Kommentar von Sackausreis
02.11.2016, 17:15

Dieses Märchen wurde nicht mit dem Sinn verfasst eine "inhaltliche Zusammenfassung" der Schöpfung zu erstellen, sondern um den, damals in Babylonien gefangenen, Israeliten Mut zuzusprechen und sich von der babylonischen Schöpfungsgeschichte (noch krausamer als die christliche) abzugrenzen.

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Eine "christliche" Schöpfungsgeschichte gibt es streng genommen gar nicht. Es gibt nur eine christliche Auslegungstradition, und die unterscheidet sich eklatant von der Bibel. Das ist so eine Sache, die mich stört: die Vermengung von christlich und biblisch.

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Welche der beiden biblischen Schöpfungsgeschten denn?

Es sind schließlich zwei verschiedene.

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Kommentar von Sackausreis
02.11.2016, 17:49

Die Frage bezieht sollte sich auf die Erschaffung der Erde in 7 Tagen beziehen ^^

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Weiß  nicht, ich kann mit der ganzen Bibel nichts anfangen.

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Kommentar von MarkusPK
02.11.2016, 17:40

Ich liebe solche Antworten. Sag mal, nur so aus Neugier: Ist dir langweilig?

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Mir gefällt es dass Gott alles "gut" bzw. "sehr gut" geschaffen hat.

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