Frage von napsteron, 84

Was für Nachteile zieht ein Gewerbe, wenn man minderjährig ist, mit sich?

Ich hab gehört, dass dann Beispielsweise Probleme mit dem Kindergeld und der Krankenversicherung auftreten können. Hat jemand Erfahrungen damit gemacht? Und ja man kann ein Gewerbe anmelden, auch wenn man nicht volljährig ist.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dirk-D. Hansmann, 23

Zu 1 - Ja, einkommensabhängig und ob Du Dich noch in der Ausbildung befindest.
Zu 2 - Ja, je nach Einkommen und Arbeitsaufwand könnte es sein, dass Dein Status als Familienversicherter flöten geht.
Zu 3 - Die Zustimmung des Familiengerichtes ist theoretisch möglich. Die legen aber ein großes Augenmerk darauf, wie sehr das Deine Chancen bei der Ausbildung verhindert.

Dazu kommen die Risiken, was würde ein Pleite für Dich und Deine Zukunft bedeuten?

Welche Konsequenzen sind zu erwarten, wenn Du durch Pflichten aus dem Gewerbe heraus Deine Ausbildung nicht so weiterführen kannst... Also: Aufforderung Finanzamt, Steuererklärung bis zum xxten einreichen.

Gleichzeitig fällt das natürlich in die Zeit der Klassenarbeiten oder einer Prüfung. Was dann?

Der Aufforderung musst Du nachkommen. Doch was passiert mit Deinem Zeugnis.

Also die Chancen sind nicht wirklich hoch, dass das Gericht Dir die Möglichkeit frei räumt.

Dazu kommt noch eines: Die wenigsten Gründungen haben Erfolg. Das verlangt aber nach guter Führung des Unternehmens - Um eben nicht wie etwa 90% der Erwachsenen zu scheitern.

Wie willst Du dem Gericht belegen, dass das unproblematisch ist, weil Du ausreichende Kenntnisse in den Bereichen BWL/Unternehmensführung hast?

Alle Deine Antworten kommen auf die Waagschale der Reife. In meinen Augen sind aber schon die meisten Gründungen aus Unreife von Personen und Ideen nicht lebensfähig. Woher kommt Dein Optimismus, dass Du da bestehst?

Kommentar von napsteron ,

Hey Dirk,
Erstmal vielen Dank, dass du dir die Mühe gemacht hast diesen Text zu schreiben !

Ich möchte "nur" meine Webseiten monetarisieren. Da kann es ja meiner Meinung nach erstmal nicht zu einer Pleite kommen. 

2. Ist damit auch kein wirklicher Zeitaufwand verbunden, da alles steht und in google schon sehr gut rankt.

Wie siehst du das bei solchen kleinen Projekten? Du hast ja, so wie ich es verstanden habe, von schon größeren Dingen gesprochen.

 

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Hi Napsteron,

vorab ein Danke für den Stern.

Dein 'nur' steht schon in Anführungszeichen! Das ist auch richtig so. Kleine Story von mir. Bevor ich hier direkt Fragen beantwortet habe, hatte ich eine Firmen-Seite aufgebaut.

Angefangen, als Blog noch kein Thema war. Je größer die Besucherzahlen wurden, je größer war auch die Anzahl der Idioten, die die Seite angriffen.

An einem Abend waren es dann mehrere die zusammen von verschieden Angriffspunkten ihren Mist machten. Die ganze Story ist unwichtig.

Das Ergebnis war die Entscheidung die Seite einzustellen. Und bis die Trottel andere Ziele haben nicht mehr anzufangen.

Es gibt immer noch Idioten, die sterben nicht aus. Die Webseite ist eine Baustelle.

Bei mir war es eben dieser Technikpart, den ich weder leisten kann noch will. Wir alle haben zwei Achillesversen, dazu noch die im Übertragenen Sinne.

Werden wir an der erwischt und wussten davon nichts oder haben die als nicht wichtig eingestuft, dann kann unser ganzes System ins Wanken kommen.

Das kann bei Dir vielleicht die Sache mit der Krankenkasse sein. Oder eine normale Aufforderung vom Finanzamt. Wenn das gerade dann passiert wenn die Klassenfahrt kommt und irgendwelche Arbeiten für die Schule.

Da hat man keine Ahnung von dem was das Finanzamt will und die Versetzung hängt wegen zwei betroffenen Fächern auch am seidenen Faden. Da wird es eng.

Dazu kommen dann auf einmal Schätzungen. Um die man sich neben der ursprünglichen Aufforderung auch noch kümmern muss. Also zwei richtig knackige Aufgaben. Eigentlich mehr, weil dann noch Zuschläge festgesetzt werden.

Für mich immer noch kein echtes Problem. Aber für Dich mit hoher Wahrscheinlichkeit schon.

Ein vom Umfang her noch so kleines Unternehmen verlangt Aktivitäten wie in einem normalen Unternehmen. Du musst irgendwie Deine Belege für eine Gewinnermittlung sammeln.

Die zusammen stellen und dann nach den Gesetzen auch hin bekommen. Die Umsätze reichen vermutlich nicht einmal für einen Steuerberater.

Trotzdem hat das Finanzamt nur im kleinen Rahmen Verständnis und das ist bald aufgebraucht.

Oder es ist ein Fehler auf der Seite gewesen und schwubs die wubs, da kommt eine (wenn auch unberechtigte) Abmahnung. Wenn Du Dich da falsch verhältst, dann ist das Risiko da. Die 5.000 Euro, sind da ja immer wieder so ein verlangter Betrag, die musst Du jetzt zahlen.

Die Risiken sind auf alle Fälle da. Und auch wenn die Familie hilft. Die werden auch nicht in allen Rechtsbereichen sich auskennen, um dann mal schnell die Sache zum Guten zu wenden.

Eigentlich passieren solche Dinge jedem. Wer in etwas größeren Zahlen denkt, der geht eben zum Steuerberater oder Anwalt und kann sich auch den suchen, der sich wirklich auskennt. Was bei Anwälten richtig schwierig ist. Bei Steuerberatern geht das noch.

Aber Du hast vermutlich keine 3.000 Euro Umsatz im Monat zu erwarten. Dann wäre aber auch vermutlich mit der Webseite bereits ein Haufen Arbeit verbunden. Der neben der Schule schon ganz schön viel wäre.

Ich habe in den letzten Schuljahren mich politisch engagiert. Hatte oft eine zeitliche Belastung, die Tribut gefordert hat. Irgendwann kam immer mal der Punkt, dass ich Zeit brauchte um in der Schule wieder richtig auf einen Stand zu kommen.

Zwar habe ich durch die ganzen Dinge so viel gelernt, dass hätte mir eine 'normale' Schulzeit anders nie ermöglichen können. Es war richtig geil.

Leider sind da einige auch nachteilige Dinge einfach hängen geblieben. Die mich schon sehr geärgert haben.

Wenn sich das also mit den Risiken wirklich lohnen soll, dann solltest Du nach meiner Meinung unter den 3.000 Euro zuzüglich 19% Umsatzsteuer gar nicht anfangen.

Und diese 3.000 Euro sollten dann ganz klug aufgeteilt werden. Ein Betrag für das Finanzamt. Einer für die laufenden monatlichen Betriebsausgaben für etwa 18 Monate. Die laufenden Betriebsausgaben sowieso.

Dann ein weiterer Geldhaufen für den Aufbau einer neuen Geschäftsidee. Bei den Betriebsausgaben natürlich noch solche Dinge wie Steuerberater. 200 Euro monatlich und ca. 2.000 Euro für Steuererklärung und Gewinnermittlung jährlich nicht vergessen.

Und damit man auch mal einen Anwalt anrufen kann, auch noch 100 Euro auf die Seite im Monat.

Weiter geht es im Kommentarteil:

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Ein Ausbildungskonto wäre auch nicht schlecht. Wer sich neben der Schule um andere Dinge kümmert, der braucht vielleicht mal einen Nachhilfekurs oder einen Sprachenurlaub o.ä.

Wenn das gewährleistet ist (ups - Krankenkasse fragen, wie das bei einem Schüler in der Erstausbildung läuft, die sind auch nicht billig!), dann wäre die Sache rund. Ob da die 3.000 reichen, dass müsste man ausrechnen.

Stimmt die Größenordnung, dann kann man gucken in welcher Zeit dieser Betrag monatlich erreicht werden kann. Und sich auf die anderen Aufgaben vorbereiten, ist dann nur noch logische Folge.

Sollte sich bei den Vorbereitungen raus stellen: Da braucht man zu viel Zeit, dann muss man immer noch bereit sein abzubrechen. Weil das würde auch während der laufenden Unternehmenstätigkeit so sein können.

Also die Risiken im heute und jetzt sind schon groß und auf alle Fälle größer, als Du Dir das vorstellen wirst. Hat übrigens nichts mit Deinem Alter zu tun. Mit Erwachsenen als Gründern führe ich im Grund ähnliche Gespräche.

Denen sage ich noch: Eine Businessplanung mit mir als Coach dauert in der heißen Phase etwa sechs Wochen und 40 Stunden Arbeitszeit. Dann ist man vernünftig vorbereitet.

Du könntest die Vorbereitungszeit zu einem Großteil in den Sommerferien erledigen. Jetzt sage nur nicht, dass Du die Erholung in den Ferien brauchst...

Du machst einen hartnäckigen Eindruck. Keinen bockigen, dann würde ich auch anders schreiben. Deshalb habe ich offen gestanden auch nach diesen vielen Bedenken die Befürchtung, Dir das nicht klar gemacht zu haben.

Eigentlich bin ich nicht in einer Verantwortung Dir gegenüber. Aber wenn Du es trotz der ganzen Hinweise machen willst, dann finden wir einen Weg, wie ich Dir professionell helfe.

Natürlich nicht mit dem Gericht usw. Bedingung nur - Bei mir melden. Ein Gespräch mit Deinen Eltern, wir zwei natürlich auch. Um Dich geht es ja. Dann versuchen wir einen für Dich
gangbaren Weg zu finden. Aber was nach der Vorbereitung kommt, dass wird nicht witzig!

Kommentar von napsteron ,

Wow. Erstmal vielen Dank, dass du dir die große Mühe gemacht hast! Das alles hört sich wirklich sehr sehr interessant an aber ich glaube wir verstehen uns falsch oder ich habe das alles ganz falsch eingeschätzt.

Mein Webseite ist lediglich ein kleines Affiliateprojekt, welches ich neben der Schule als Hobby betreibe also ist es gar nicht mein Ziel es so riesig aufzuziehen (Wenn ich deinen Text lesen denke ich, dass du über etwas viel größeres redest oder irre ich mich ?)

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Hi Napsteron,

das Thema ist unglaublich interessant. Geht mir auch so. Sonst könnte ich mir auch nicht vorstellen bis in die Rente rein dem Themenkreis verpflichtet zu sein. Aber Interessen sind ja auch unterschiedlich gelagert ;-)

Zu Deiner Frage ob ich vielleicht nicht mitbekommen... Doch habe ich. Das ist ja das Problem. Daher habe ich ja gesagt: Richtig was aufbauen oder lassen.

Der Punkt ist folgender: Jedes Unternehmen hat die gleichen Vorschriften zu beachten. Ob ein Chemiekonzern, ein Kiosk oder jemand mit einer einzigen Internetseite.

Bei Chemie und Kiosk muss natürlich auch geguckt werden, ob alle rechtlichen Vorschriften für deren Internetseiten eingehalten werden.

Da geht es los. Es gibt erst einmal einen großen Blumenstrauß an möglichen Gesetzen. Daraus zieht man die für jedes Unternehmen relevanten.

Bei Dir würde da jetzt Gewerberecht, Steuerrecht, Internetvorschriften so in etwa hängen bleiben. Also kein Gefahrgut, keine Lebensmittel.

Aber es ist dann immer noch so, dass trotzdem daraus Arbeit resultiert. Schließlich muss man Gesetze selber erfüllen oder es gibt eine Möglichkeit sie erfüllen zu lassen.

Das eine kostet Zeit, dass andere Geld. Beide sind ein Vermögen, dass nicht immer in unbegrenzter Höhe bereit steht.

Bei Affiliate denke ich sowieso immer an die Werbung - 30 Euro für das Öffnen einer Mail. Das Affiliate besteht dann darin, dass man eine Mail verschickt und seine tolle Geschäftsidee verkauft.

Nämlich genau die: 30 Euro für das Öffnen einer Mail.

Wenn da wirklich was gerissen werden soll - Dann braucht man aus dem Bereich, aus dem das unschlagbare Angebot kommt auch eine unschlagbare Liste mit Mailadressen.

Da muss man sich wirklich mit E-Mailwerbung beschäftigen.

Darauf kann ich übrigens wetten: Wenn das nicht aus Zufall Dein Thema ist, dann funktioniert das nicht.

Mache lieber zu Deinem Lieblingsthema eine Seite. Blogge usw. Da kann dann immer noch mal ein Werbeplatz angeboten werden. Da sind mehr Einnahmen drin.

Also: Ich habe Deine Planung nicht falsch verstanden. Sage nur: Auch da die Finger weg. Wenn dann richtig, sonst lohnt das nicht. Wenn richtig, dann kann man sich bestimmte Risiken auch leisten. Es stehen einfach Einnahmen da.

Ach Thema: Fehleinschätzung - Gar kein Problem! Wie soll man etwas einschätzen, was man noch nicht kennt? Dabei gibt es allerdings Leute, die scheitern an der monatlichen Onlineverschickung an das Finanzamt. Das Gemeine ist: Es gibt einen Stichtag... Irgendwann, platzt der Termin...

Kommentar von napsteron ,

Hey,
Ah okay ich hab's jetzt verstanden, wie du das gemeint hast! :D
Vielen Dank nochmal für die tollen Tipps, ich werde mal schauen wie es bei mir weiter geht:)
PS: Ist das hier sozusagen dein Job? :D

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Nein, hier ist das kein Job. Das ist neben meiner beruflichen Tätigkeit als Unternehmensberater (Krisenlöser und Geburtshelfer für Unternehmen) mein soziales Engagement.

Würde mich interessieren, wie die Entscheidung aussieht.

Viel Erfolg!

Antwort
von Griesuh, 27

Das halte ich aber für ein Gerücht. Denn mit 16 Jahren bist du nicht voll geschäftsfähig und darfst keine Verträge abschließen. Wenn, dann müssen deine Eltern den Kopfhinhalten und die Verantwortung dafür übernehmen.

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