Bekannte von mir werden demnächst heiraten und sind vor dem Gespräch mit dem Pfarrer recht nervös! Wisst Ihr wie man sich darauf vorbereiten kann? Welche Fragen kann man da erwarten?
Der Pfarrer erläutert den hohen Stellenwert der Ehe in der katholischen Kirche. Meist ist es ein sehr angenehmes, nettes Gespräch. Steht und fällt natürlich mit dem Pfarrer. Er gibt Tipps, wie man Krisen und Probleme übersteht, welche Einrichtungen helfen und geht auf die Erhiehung eventueller Kinder ein. Es gibt einiege Pfarrer, die verlangen ein "Eheseminar". Keine sorge davor. Haben Freunde von mir besucht und waren begeistert. Hier lernt man konstruktives Streiten, wird auf viele Kleinigkeiten hingewiesen, wie man das Eheleben spannend halten kann.

Ich kenne es nur recht entspannt und bei einer kath. Trauung. Wenn das Paar schon soweit ist, kann auch schon besprochen werden, wie die Trauung ablaufen soll. Ob es bestimmte Wünsche für Lieder gibt, ob ein Verwandter/engagierter Sänger singen soll, Wünsche für Fürbitten und wer diese vortragen soll, der Trauspruch etc.

Fragen zur sexuellen Aufklärung aus der Sicht kirchlicher Moralvorstellungen, bzw. ob man dagegen verstoßen habe.

Bei einer katholischen Eheschließung: 1. es werden formale Dinge geklärt werden müssen, also die Erhebung von Personenstandsdaten (Ehevorbereitungsprotokoll). Das ist notwendig, um zu klären, ob die Voraussetzungen für eine kirchliche Eheschließung erfüllt sind. 2. wird man sicherlich auch auf das kirchliche Eheverständnis (Sakramentalität der Ehe, Unauflöslichkeit der Ehe, Hinordnung der Ehe auf das beiderseitige Wohl der Eheleute, ...) besprechen. Dies soll den Brautleuten helfen, zu verstehen, warum die Ehe in der katholischen Kirche ein Sakrament ist. 3. Evtl. wird man auch darüber sprechen müssen, was ein Sakrament ist? Manche, die nicht mehr viel mit Kirche zu tun haben, haben davon allenfalls ein diffuses Verständnis. 4. Last but not least wird man über die Hochzeitsfeier in der Kirche und deren inhaltliche Vorbereitung selbst sprechen. 5. Zudem kommen die Brautleute mit dem trauenden Geistlichen in Kontakt. Ich finde, dass ist auch nicht unwichtig, wenn dann auch die Trauungszeremonie gelungen und harmonisch werden soll, damit es wirklich zum 'schönsten Tag' im Leben wird.
Fragen oder Themen wie 'Tipps zur richtigen Ehefühung' dürfte man von einem verantwortlichen Geistlichen nicht erwarten, weil er kaum wissen wird, wie man in einer Ehe lebt! ;-) Wohl aber kann es sein, dass über das Thema "Liebe" an sich und dem Wesen der Liebe gesprochen wird, denn das Wesen der Liebe dürfte universal sein, auch wenn es in unterschiedlichen Lebensweisen und Beziehungen gelebt wird. Liebe ist ja nicht exklusiv für den Bereich der Ehe anzusiedeln.
Ich finde, ihr braucht nicht aufgeregt zu sein. Vielleicht liegt es auch daran, dass ihr den Geistlichen eurer Gemeinde (noch) nicht kennt. Deshalb wünsche ich euch, dass aus dem ersten Kennenlernen eine gute Atmosphäre wird und ihr auch ein vertrauteres und selbstverständlicheres Verhältnis zum Geistlichen eurer Gemeinde und zur Gemeinde an sich bekommt.
Und ich finde, das lohnt sich immer, denn auch in eurer Gemeinde gibt es sicherlich nette Leute - auch in eurem Alter - die interessante Weggefährten sein könnten, die euch gut tun und denen ihr gut tun würdet.
Die Trauung könnte eine Gelegenheit sein, diesen Kontakt zur Ortsgemeinde zu vertiefen.
Alles Glück der Erde für euch in eurer Ehe!

Viele Grüße aus der Diaspora! Traugespräche gibt es auch bei den Protestanten. Im Idealfall ist zumindest einer der beiden zukünftigen Eheleute in seiner Gemeinde aktiv und kennt den Pfarrer persönlich. Vielleicht ist das Paar auch schon oft gemeinsam in der Gemeinde aufgetreten. Dann gilt es im Traugespräch eigentlich nur noch organisatorische Fragen zu klären. Also Ablauf der Trauung, Lieder oder so.
Bei uns war es so, dass wir uns in der Heimatgemeide meiner Frau trauen lassen wollten und dort überdies auch noch ein neuer Pfarrer Dienst tat, so dass man sich grundsätzlich erst mal kennen lernen musste. Im Gebiet der ehemaligen DDR sind kirchliche Trauungen mit zwei getauften Partnern (ansonsten gibt es zumindest offiziell nur einen Gottesdienst anlässlich der Eheschließung) doch nicht wirklich an der Tagesordnung, so dass "unser" Pfarrer grundsätzlich von unserem Vorhaben erst einmal entzückt war. Da meine Frau und ich beide schon über 30 waren, musste er uns auch nicht mehr über die Institution der Ehe aufklären. Im Gegenteil, wir haben im wesentlich vorgetragen, was wir uns vorstellen und er hat dann noch ein paar Eingaben gemacht, wie dies in den liturgischen Ablauf passt. Wir haben danach noch einmal die Kirche besichtigt und verschiedene gestalterische Entscheidungen getroffen. Das war ca. 8 Monate vor der Trauung. Wir haben uns dann ca. 6 Wochen vorher noch einmal mit dem Pfarrer getroffen und sind den Traugottesdienst genau durchgegangen. Welche Lieder in welcher Fassung, welche Lesung aus welcher Übersetzung, natürlich der Trauspruch und nicht zuletzt die Bestimmung der Kollekte.
Gerade wenn sich das Traupaar und der Pfarrer noch gar nicht kennen, soll das Traugespräch dazu dienen, dass der Pfarrer erfährt, wen er da eigentlich traut. So kann er in seiner Predigt dann auch persönlicher werden. Und wenn das Paar von sich aus nicht losplaudert wie in unserem Falle, dann muss er halt ein paar Fragen stellen, in der Hoffnung, dass sich daraus ein ungezwungenen Gespräch entwickelt. Vielleicht wird thematisiert wie man sich kennengelernt hat und was einen zu der Absicht der Eheschließung bewegt hat. Peinliche, inquisitorische Verhöre braucht man aber wohl eher nicht zu befürchten. Kommt natürlich ganz auf die Person des Pfarrers an...

Traugespräche führen eigentlich alle christlichen Kirchen und Gemeinden. Neben den formalen Dingen (Rechtliches, Erziehung der Kinder => besonders bei katholischen Trauungen, Ablauf des Gottesdienstes, Auswahl des Trauverses, etc.) sind ggf. Wertvorstellungen Inhalt des Gesprächs. Da eine Hochzeit immer eine sehr freudige Angelegenheit ist, fällt das Traugespräch sehr angenehm und locker aus.
Manchmal gibt es die Möglichkeit, eine Art Ehevorbereitungskurs zu machen, wie z.B. mit Hilfe des Seelsorgeinstrumentariums PREPARE (=> www.prepare-enrich.de). Das kann ich nur wärmstens empfehlen, wird man dadurch auf bestimmte explosive Themen aufmerksam gemacht, die man im Zuge des allgemeinen Hochgefühls durchaus ausblendet.
Gruß barnabas