Frage von shadowhunter109, 48

Was für eine Religion suche ich?

Hallo Community,ich bin ev.Christ und glaube in einem gewissen grad an gott und so. Mit der zeit habe ich gemerkt das der tod in unserer Gesellschaft sehr distanziert wird und das Thema tabu ist.Das habe ich auch auf Trauer Feiern gemerkt,denn es soll ja so sein das alle nach dem tod in den Himmel kommen usw aber es ist ja irgendwie in dem Moment nicht so.Ich habe mitbekommen,dass es Religionen gibt bei denen eine Feier zu ehren des Verstorben geführt werden öä.Und das der Tod viel besser in diesem religionsleben eingegliedert sind

Kennt jemand solche Religionen? Diese erscheinen mir nämlich besser als die chrisliche.

Danke im Voraus;D

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von vonGizycki, 14

Grüß Dich shadowhunter109!

Wenn Du so genau fragst, dann möchte ich Dir etwas erzählen. Ganz unabhängig davon, was das Christentum, der Islam, das Judentum und andere erzählen, eins bleibt klar: der Tod ist etwas Natürliches!

In unseren Breiten, die christlich geprägt sind, sind bestimmte Erzählungen in der Bibel die Ursache, warum dennoch der Tod mit Schrecken belegt wird.

Ich will jetzt nicht den gesamten Text kopieren,  Du kannst ihn vollständig nachlesen.

http://www.ekd.de/noah/text2b.html

Nur hier die kurze entscheidende Passage daraus:

Weil du gehorcht hast der Stimme deines Weibes
und gegessen von dem Baum,
von dem ich dir gebot und sprach:
Du sollst nicht davon essen -,
verflucht sei der Acker um deinetwillen!
Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang.
Dornen und Disteln soll er dir tragen,
und du sollst das Kraut auf dem Felde essen.
Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen,
bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist.
Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.
 

Das was fett gedruckt ist, ist eine Strafe für den Sündenfall, also das Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen hat und nun werden Adam und Eva dafür mit dem Tode bestraft, also mit der Endlichkeit des Lebens.

Die Überschrift heißt: Die Vertreibung aus dem Paradies

Dort liegt die Ursache für die Angst vor dem Tod. Es wirkt bis heute nach!

So dass nur vorweg.

Es gibt aber Menschen, die religiös sind, aber sich freireligiös nennen. Sie sind keine Christen, kennen heilige Schriften, keinen Gott, keine Priester und kein Dogma und bilden auch keine Kirche! 

https://de.wikipedia.org/wiki/Dogma

Sie fühlen sich eingebunden in den Kreislauf der Natur. Werden, Wandel und Vergehen werden als etwas Natürliches empfunden. Solche Menschen möchten dem Tod mit Gelassenheit begegnen, denn für sie ist der Tod Bedingung für Leben. Und wo Leben ist, da ist auch Tod.

Wer also geboren worden ist muss das akzeptieren, er kann es nicht ändern, denn Leben wurde ihm durch einen schöpferischen Akt gegeben. Damit ist er in einer Lage, diesem Leben zwar Sinn geben zu müssen, aber diesen auch unbedingt und unaufgebbar zu wollen! Ein Leben ohne Sinn ist nich lebbar. Und der Tod, der uns ja unsere Endlichkeit zeigt, bedeutet diesen Gläubigen der wichtigste Antrieb, die Zeitspanne des Daseins so zu nutzen, das ein Gefühl eines erfüllten Lebens erzeugt wird. Dafür ist jeder selbst verantwortlich. 

Der Tod gibt dem Leben erst den notwendigen Ernst, denn wir wissen, unsere Zeit ist endlich! Nutzen wir sie. 

Und wenn man schwer krank ist, so wird der Tod als Erlösung angesehen.

Wollte man jedoch den Tod nicht akzeptieren, der doch vollkommen natürlich ist wie das Geborenwerden, so müsste man daraus folgern, das diejenigen, die den Tod fürchten sich eigentlich wünschten, nicht geboren worden zu sein. Eine für mich logische Schlussfolgerung, die aber einen Haken hat: sie geht nicht auf, denn man kann sich nicht wegwünschen. Wer das wollte, hat nicht wirklich den Wunsch, seinem Leben einen Sinn zu geben.

Also, das ist in sich widersprüchlich und deshalb ist die Angst vor dem Tod irrational. Irrational ist es aber nicht, sich vor der Art und Weise des Sterbens Angst zu haben, aber auch die kann überwunden werden, wenn der Tod die letzte Hoffnung ist, eine Hoffnung auf Erlösung (vom Leiden). Und somit wird der Tod wiederum tröstlich.

Für solche gläubigen Menschen ist der Tod der Eingang in das schöpferische Prinzip, aus dem er ja auch durch den Zeugungsakt geboren wurde. Seine Seele stirbt, weil die Beobachtung da ist, das tote Menschen nicht mehr leiden, lieben, hassen oder sich freuen können oder Schmerzen spüren. Das aber sind Äußerungen einer lebendigen Seele.

Doch materiell geht der Mensch in den großen Kreislauf der Natur ein und dient somit dem Leben, das daraus erwächst. So ist Tod Leben und Leben Tod.

Das Leben, so denken diese Menschen, ist ein lebenslanger Prozess das Sterben zu lernen. Leben lernen heißt Sterben können.

So wird die willige Akzeptanz des Todes zu einem Endpunkt des erfüllten Lebens.

Was für Menschen sind das?

Hier sind zwei Links

Beispielhaft die Freireligiösen der Pfalz. Du solltest das alles mal ernsthaft studieren

http://www.freireligioese-pfalz.de/was-sind-grundsaetze-freier-religion-.html

Oder die Unitarier - Religionsgemeinschaft Freien Glaubens

http://www.unitarier.de/unitarier/wer-wir-sind/grundgedanken/erlaeuterung/

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Kommentar von vonGizycki ,

Nachtrag:

Beide Gemeinschaften sind befreundet und Mitglied in der Dachgemeinschaft Freier Weltanschauungsgemeinschaften

http://www.dfw-dachverband.de/

Kommentar von shadowhunter109 ,

deine Antwort ist wirklich wundervoll...Sie hat mich zum Nachdenken gebracht,was es ist zu leben und was der Tod wirklich ist...Danke dafür...Die Freireligion spricht mich wirklich an.

Was passiert jedoch bei einem Todesfall eines Freireligiösen? Wird es beerdigt oder eingeäschert...oder wird es jedem selbst überlassen?

Übrigens Danke für deine ausführlich Antwort und das du dir die Zeit für meine Frage zu genommen hast.

Danke ;D

Kommentar von vonGizycki ,

Ich freue mich, das Dir das gefällt. 

Wenn  ein religiöser Nichtchrist, in diesem Falle ein  Mitglied der Freireligiösen Landesgemeinden oder auch ein Unitarier stirbt, dann gibt es Freiredner, die sich mit dem Lebenslauf des Verstorbenen auseinandersetzen und deshalb die Angehörigen befragen. Danach wird dann eine Rede ganz individuell zurechtgeschneidert. Wer als Christ solche Reden erlebt, der ist in der Regel sehr begeistert. Es sind ja keine Priester sondern Menschen wie Du und ich. Der Ablauf, auch musikalisch, wird mit den Angehörigen besprochen und es gibt keinen immer gleichen  Standard.

Hier ein Beispiel. Solche Redner werden aus den Gemeinden gestellt können aber auch gebucht werden, natürlich auch von denen, die solcher Gemeinden nicht angehören, auch von Christen (wohl eher Papierchristen) und anderen, die sich aber auch nicht als Christ oder Mitglied einer Offenbarungsreligion verstehen.

http://www.abschiedstrauer.de/ablauf-freie-trauerfeier.htm

Ansonsten findet die Feier meist im öffentlich zu Verfügung gestellten Raum statt, wie es sonst auch üblich ist, mit all dem Schmuck, wie vom Verstorbenen oder von den Angehörigen gewünscht. Aber das Kreuz wird meist abgehängt, wenn gewünscht. Das ist in der Regel der Fall.

Die Bestattungsart ist nicht vorgeschrieben, ..

... bewegt sich aber im vorgeschrieben gesetzlichen Rahmen. Beliebt ist stark zunehmend der Friedwald, ...

http://www.friedwald.de/

... was ich auch für mich vorgesehen habe (ich bin Unitarier, siehe mein Profil) im Falle des Falles und natürlich noch nicht vorbereitet ist. Ist aber eine ganz wundervolle Sache, die dem religiösen Verständnis von Freireligiösen (dazu gehören auch die Unitarier) vollständig entspricht.

Aber Einäscherung oder die normale Bestattung ist ebenfalls durchaus gängig.

:-)

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Kommentar von vonGizycki ,

Nachtrag: Es ist oben, wie gesagt nur ein Beispiel für den Ablauf einer freien Trauerfeier. 

Bei uns wird der Ablauf vollständig vom Verstorbenen oder den Angehörigen bestimmt.

Kommentar von shadowhunter109 ,

Danke Dir. du hast mir damit wirklich geholfen

Antwort
von DerBuddha, 12

viele naturreligionen denken anders über den tod als die monotheistische religion............es gibt z.b. familienfeiern, die sogar sogar in bestimmten jahresrythmen wiederholt werden und vieles mehr.......das liegt daran, dass die naturvölker ein ganz anderes verständnis zur welt, zum leben und zum tod haben als eben der monotheismus.........

die naturvölker sprachen und sprechen auch nie von nur einem gott, sie sprechen meistens von vielen götter/göttinnen oder auch von mutter natur, bzw. sehen alles im zusammenhang und leben auch im einklang mit der natur, deshalb denken die menschen auch anders über den tod, denn für sie geht nur der körper, die seele, der geist oder wie immer sie dazu sagen, bleibt jedoch für immer mindestens in der nähe der lebenden oder in bestimmten "spähren", die mit ahnen- oder geistwelten zu tun hat..............der monotheismus jedoch braucht für seine gläubigen das versprechen von auferstehung, wiedergeburt oder anderen belohnungen, wenn man den mist glaubt und danach lebt............

es gibt eine art oberbegriff (ahnenkult) dafür, der jedoch nicht ganz zutreffend ist, da eben viele naturvölker nicht unbedingt diesen ahnenkult ausüben, aber trotzdem ihre toten nicht betrauern, sondern aus ihrem glauben heraus glücklich und lachend ihre toten begraben, denn sie glauben, dass diese wiedergeboren werden/in andere welten reisen/auf die familie aufpassen usw...sie haben ganz unterschiedliche glaubensrichtungen und sehen alles in anderem zusammenhang.......

solche religionen gibt es überall, wo noch naturvölker leben oder auch in ländern, die wir als "dritte-welt-länder" bezeichnen, z.b. in afrika, in asien, australien usw.......:)

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