Was fällt euch zu dem zitat " das wissen macht uns weder besser noch glücklicher ein?

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8 Antworten

Das Zitat ist einem Brief von Heinrich von Kleist an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge entnommen, geschrieben aus Paris, in dem zwei Jahre zuvor Napoleon die Macht ergriffen hat. Hier ein größerer Ausschnitt aus Wikipedia im Beitrag zu Heinrich von Kleist:

„... ein wenig froh sein, so wie ich es jetzt bin, da ich ... schreibe. Ja, vielleicht werde ich diese Reise nach Paris, ... doch noch segnen. Nicht wegen der Freuden, die ich genoß, denn sparsam waren sie mir zugemessen; aber alle Sinne bestätigen mir hier, was längst mein Gefühl mir sagte, nämlich daß uns die Wissenschaften weder besser noch glücklicher machen, und ich hoffe daß mich das zu einer Entschließung führen wird. O ich kann Dir nicht beschreiben, welchen Eindruck der erste Anblick dieser höchsten Sittenlosigkeit bei der höchsten Wissenschaft auf mich machte. Wohin das Schicksal diese Nation führen wird -? Gott weiß es. Sie ist reifer zum Untergange als irgend eine andere europäische Nation. Zuweilen, wenn ich die Bibliotheken ansehe, wo in prächtigen Sälen und in prächtigen Bänden die Werke Rousseaus, Helvetius, Voltaires stehen, so denke ich, was haben sie genutzt? Hat ein einziges seinen Zweck erreicht? Haben sie das Rad aufhalten können, das unaufhaltsam stürzend seinem Abgrund entgegeneilt? O hätten alle, die gute Werke geschrieben haben, die Hälfte von diesem Guten getan, es stünde besser um die Welt. Ja selbst dieses Studium der Naturwissenschaft, auf welches der ganze Geist der französischen Nation mit fast vereinten Kräften gefallen ist, wohin wird es führen? Warum verschwendet der Staat Millionen an alle diese Anstalten zur Ausbreitung der Gelehrsamkeit? Ist es ihm um Wahrheit zu tun? Dem Staate? Ein Staat kennt keinen andern Vorteil, als den er nach Prozenten berechnen kann. Er will die Wahrheit anwenden - Und worauf? Auf Künste und Gewerbe. Er will das Bequeme noch bequemer machen, das Sinnliche noch versinnlichen, den raffiniertesten Luxus noch raffinieren. - Und wenn am Ende auch das üppigste und verwöhnteste Bedürfnis keinen Wunsch mehr ersinnen kann, was ist dann -?“

Für Kleist fällt hier Buchwissen und redliches Handeln auseinander ganz nach der Bibel: Nicht an ihren großspurigen Reden - an ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Das alles kollidiert mit den vergeistigten Idealen der Klassik. Kleist ist da ganze 24 Jahre alt und erhoffte sich noch zwei Jahre zuvor, mit Wissen die Welt endgültig zu bessern. Das hat er nach 3 Semestern aufgegeben. Diese Lebensgeschichte Kleists ist eigentlich eine Warnung, sich allzu idealistisch von der Realität zu entfernen.

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Kommentar von berkersheim
15.01.2017, 20:26

Danke für den Stern.

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Wissen ohne die Koinzidenz (des hinein, hindurch und darüber hinaus) von Erleben, Erfahren, Begegnen, Berühren und "Verführen" ist wie eine Liebe ohne Jemanden den man liebt, ist wie eine Blume ohne Duft oder ein Waldbach ohne Wasser - es fehlt der "Geschmack", die "Musik" und das "Fühlbare" des Lebens.

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Ne ganze Menge.

Vor allem dass es wie üblich bei solchen Sprüchen überaus pauschalisierend ist, ohne Kontext dasteht und noch dazu absolute Wahrheit beansprucht.

Wissen kann durchaus besser machen, z.B. wenn man weiß, wie man am Besten auf andere menschen reagiert um ein möglichst ausgeglichenes Klima zu erreichen und dazu muss man wissen wie die Menschen funktionieren.

Außerdem kann Wissen als Vedwandter des Könnens durchaus glücklich machen. Mich beispielsweise. Ich bin glücklich wenn ich etwas verstehe (meistens zumindest). Außerdem ist Wissen notwendig um sich selbst und seine Bedürfniss zu verstehen, die erfüllt werden müssen um glücklich zu sein.

Insgesamt ein höchst nutzloses Zitat.

Besser wäre: Wissen macht uns nicht notwendigerweise besser und glücklicher. Nur wollen das die meisten Menschen in dieser Form wahrscheinlich nicht hören.

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"Das Wissen macht uns weder besser noch glücklicher."

Mir fällt dazu ein, dass Wissen eben nicht alles ist....und dann fällt mir dazu wiederum Einstein ein:
"Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt."

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Hier liegt - wenn man die Aussage isoliert betrachtet - eine recht pauschal klingende Feststellung vor, die so simpel ist, dass sie, wenn man sie auf ihren Wahrheitswert hin betrachtet,  zwangsweise falsch sein muss. 

Im Grunde haben wir hier nur eine Art "Stoßseufzer" vorliegen, ein dumpfes Gefühl, eine unreflektierte Anmutung, die Menschen befällt, wenn sie z.B. die vielen Bemühungen der internationalen Diplomatie betrachten und sich dann die unseligen kriegerischen Aktivitäten vor Augen führen, bei denen nicht nur Städte und Menschen, sondern ganze Kulturräume zerstört werden.

Aber - wie praktisch immer - sind die Dinge ungleich komplexer als man in einer völlig verkürzten Perspektive meint feststellen zu können. 

Schauen wir zuerst auf die erste mögliche Gegenaussage: "Wissen macht uns moralischer (der Ausdruck "besser" ist hier vermutlich so gemeint). Da könnte man doch ohne große Anstrengung viele Belege finden, denn allein die Schaffung von Regelwerken für das Zusammenleben, von Gesetzen, von Richtlinien, Statuten, Geboten und Kodizes, alles "Wissensprodukten", die doch außerordentlich hilfreich sind, um mögliche Konflikte zu vermeiden oder zumindest abzumildern. Selbst in archaischen Gesellschaften gab es schon Rituale und Vereinbarungen, die es den Menschen erleichterten, ohne Kampf und das ständige Ausagieren von Besitz- und Geltungsansprüchen zu einem kooperativen und relativ angstfreien Zusammenleben zu gelangen. 

Allein durch die Schaffung von Steuergesetzen ist jeder genötigt seinen Beitrag für das Gemeinwohl zu zahlen. Nur durch die Steuern können Verkehrssysteme, Schulen, Erholungsgebiete, Einrichtungen der öffentlichen Ordnung oder Forschung betrieben werden. Aber diese ungemein komplexen Systeme der Selbstorganisation entsprechen doch gerade dem aus dem Zitat stammenden Wissen, das ganz offensichtlich für ein harmonisches - und damit primär moralisches Handeln erforderlich ist. Man kann den Gedanken sogar unmittelbar fortführen und zu dem zweiten Teil der thematischen Aussage kommen, indem man aus dem moralischen Handeln auch eine höhere Lebenszufriedenheit, sprich Glück ableiten kann. 

Dass wir heute eine medizinische Versorgung haben, die uns tatsächlich zu mehr Lebensglück verhilft, liegt doch bei jeder kritischen Prüfung auf der Hand. Dass für jedes Leiden, das Menschen befallen kann, Fachärzte zur Verfügung stehen, die mit ihrem großem Wissen Heilungsprozesse aktivieren können, ist schlicht ein Segen, selbst wenn man einräumen muss, dass es auch ärztliche Fehldiagnosen gibt und natürlich schließlich jeder sterben muss. 

Bilanz: Eine kritische Analyse des oben genannten Zitates zeigt, dass es nur einen extrem eingeschränkten Gültigkeitsbereich hat und bei jeder sorgfältigen Betrachtung aller wirkmächtigen Faktoren die Aussage zu ihrem Gegenteil geführt werden kann.

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kommt doch ganz drauf an, was ich weiß, oder? Wenn ich was weiß übers Lernen und ausüben, dann fällt mir Konfuzius ein; der Meister sprach: "Lernen all die Zeit  und es dann anwenden, ist das nicht das Höchste?" Also macht mich so n Wissen doch glücklicher und besser.

Aber wenn mein Wissen aus Schmarrn besteht, zb, ich weiß alles über die Promis ihre Innereien, oder ich weiß was von meine Nachbarn, hat das doch keinerlei Bezug zu mir selber und also auch nicht zu mein Glücklichsein oder Bessersein.

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liebe ist mächtiger als wissen

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Ich denke da zwangsläufig an Promi News. Königsfamilien und so.

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