gutefrage.net, die Ratgeber Community
Login   |  Registrieren   |  Forum |  Richtlinien & FAQ
55 

Was erwartet Schüler in der Sonderschule?

gefragt von Tinamat am 10.09.2007 um 13:41 Uhr

ich habe eine nachhilfeschülerin, die wirklich sehr große probleme hat. sie versteht gar nichts, auch nicht, wenn man ihr immer wieder mit viel ruhe und geduld dinge erklärt. sie ist schon auf der hauptschule und kommt selbst da nicht mit. nun überlege ich, ob ich nicht empfehlen soll, sie in die sonderschule zu schicken. nur was erwartet sie dort? werden schüler dort wirklich mehr gefördert oder ist die sonderschule mehr ein abstellgleis für hoffnungslose fälle?

Frage beantworten

Hier finden Sie weitere Fragen zu den Themen:

schule x 23.169 bildung x 6.056 pädagogik x 389 sonderschule x 19

soust
beantwortet von soust am 10. September 2007 14:10
5x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

Wenn Du einmal den Wiki-Artikel durchliest (natürlich sind die Informationen recht allgemein, da jedes Bundesland hier sein eigenes Bildungssystem hat) und die beigefügte Grafik betrachtest, siehst Du schon, dass aus einer Sonderschule kein Weg hinaus zur Weiterbildung führt, höchstens zurück auf die Hauptschule. Und da liegt das Problem: auch wenn Schüler mit Lernschwierigkeiten in diesen Schulen (hoffentlich) individueller gefördert werden können, sind hinterher ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt noch schlechter als die von Hauptschülern.

Zwar habe ich gesprächsweise schon einmal was von sonderpädagogischen Berufsschulen gehört, aber davon gibt es wohl kaum so viele, dass sie alle Sonderschul-Absolventen aufnehmen könnten.

Die Eltern sollen doch einmal das Gespräch mit dem Klassleiter bzw. Betreuungslehrer an der Schule ihres Kindes suchen, sie können das Leistungsprofil des Mädchens besser einschätzen als Du, weil sie sie im Vergleich zu ihren Mitschülern sehen. - Einen Übertritt an die Sonderschule würde ich unbedingt zu vermeiden suchen.


anonym
beantwortet von oldpaed am 10. September 2007 16:50
2x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

Keine Vorurteile gegenüber "Sonderschulen", die Bezeichnung gibt es eigentlich gar nicht mehr! Die Schül. werden in kleineren Klassen je nach Art der Schule gefördert, und sie können dort auch den Hauptschulbschluss und den mittleren Abschluss erreichen (mit der Berufsausbildung). Es ist zunächst zu fragen, in welchem Jahrgang das Kind ist. In den Klassen 5 und 6 ist ein Übergang zu diesen Schulen noch leichter möglich, danach wird es schwieriger. Die Eltern müssen dies beantragen, es erfolgen Tests und Beratungsgespräche. (Wenn die Schule überweisen will, müssen die Eltern ihre Zustimmung zur Einleitung des Verfahrens geben.) Vorzug dieser Schulen ist es, dass sie in kleinen Gruppen gezielt fördern und den Schül. beim Übergang in das Berufsleben sehr gut helfen. An diesen Schulen arbeiten besonders qualifizierte Pädagogen! Es spricht nichts dagegen, einen freiwilligen Test durchführen zu lassen; dann kann immer noch eine Entscheidung fallen. Schauen Sie sich das Schulangebot in diesem Bereich "vor Ort" an und die Schwerpunkte der Schule(n)(Erziehung/Verhalten bzw. Lernschwächen), lassen Sie sich von der jetzigen Hauptschule und von einem möglichen Pädagogen der aufnehmenden Schule beraten. Grundsätzlich ist es doch besser, einen Abschluss an einer solchen Förderschule zu erreichen als ohne Abschluss die Hauptschule zu verlassen!!! Das zu den "Berufschancen"! Die Leute, die über diese Förderschulen meckern, haben vermutlich noch nie eine solche von innen gesehen!

Kommentar von 622a0a9071a62222d3609db9c8991a7fsmallsoust am 10. September 2007 18:09

Ich gebe zu, dass Du mehr Einblick hast (wollen wir hier nicht lieber das Internet-Du verwenden?).

Ich wusste tatsächlich nicht, dass es auch nach dem Abschluss eine Art Begleitung in die Ausbildung gibt. Trotzdem: wenn ich sehe, wie Hauptschüler oft vergeblich auf eine Lehre warten, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass Förderschüler wahrnehmbare Chancen haben sollen - von Behindertenwerkstätten mal abgesehen.

Außerdem war es zumindest hier in Bayern so, dass aus Kostengründen die Lehrerstellen an den "sonderpädagogischen Förderzentren" (für mein Bundesland ist mir der Begriff geläufig) durch Hauptschullehrer (nach Lehrgang) besetzt wurden, was ja auch kein Qualitätsmerkmal ist.

Aber ich habe Deine Ausführungen gelesen und sehe mal, wie ich etwas über Förderschulabsolventen herausbekomme, um nicht mehr so viel zu "meckern".

Kommentar von oldpaed am 11. September 2007 07:09

Danke für Deinen Kommentar. Natürlich haben es Hauptschüler schon schwer genug: Für 20 von 300 Ausbildungsberufen gibt es (noch) Chancen für den Hauptschulabschluss bei uns in NRW. Das hat aber andere Gründe. Darum arbeiten die Pädagogen von Förderschulen mit der "Wirtschaft" zusammen und versuchen, ihre Abgänger in passenden Berufen unterzubringen. In NRW müssen Lehrer dieser Schulen länger studieren als Hauptschullehrer, haben "Testqualifikation" und werden auch eine Gehaltsstufe höher besoldet.


brunchi
beantwortet von brunchi am 2. Juli 2008 13:37
1x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

Ich kann folgendes dazu sagen:

Der Sohn ´(14 Jahre) meines Mannes ist auf einer Sonderschule. Meiner Meinung nach handelt es sich bei solch einer Schule nur um eine Art Aufbewahrungsanstalt. Die Kinder sind alle unter einem Dach, aber lernen kann man das nicht nennen. Ein Beispiel dazu: Im letzten Jahr haben sie in der Schule begonnen dem Jungen beizubringen, wie die Uhr funktioniert. Bis heute kann er keine Uhr lesen. Er kann gerade mal mit Ach und Krach bis 20 rechnen. Im Grunde genommen ist er da total verloren. Sie beschäftigen sich mit Ausflügen und Klassenfahrten, Spiel und Spass aber er lernt nichts. Er kann nicht schwimmen, obwohl er bereits seit letztem Jahr am Schwimmunterricht teilnimmt, er hat keine Interessen und sitzt nur rum. Hausaufgaben kennt er gar nicht, sie bekommen keine auf. Es gibt keinen Lernzwang. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Motto dieser Schule heisst "Was Ihr nicht wollt, dass müsst Ihr nicht, Ihr seid ja alle arme Kinder". Letztlich weiss niemand so genau, was aus dem Jungen werden soll. Er wird nie einen Beruf erlernen und wie es weiter geht kann niemand sagen. Er wird auf immer und ewig BEtreuung brauchen. Mein Rat: Falls es sich irgendwie vermeiden lässt, schicken Sie das Kind blos nicht auf die Sonderschule. Aus diesen Mühlen gibt es kein Entrinnen mehr und das Kind lernt nichts. Alles Gute.

Kommentar von Simple_avatar2smalllotta1lotta2 am 28. Dezember 2008 21:39

Also ich kann hier hier nur zustimmen. Meine Tochter ist jetzt 12 Jahre und wurde schon in die Förderschule eingeschult. Auch Sie hat Probleme mit der Uhrzeit und vor allem hapert es sehr an Rechtschreibung und Mathematik. Sie nimmt noch immer die Finger zum rechnen und die Rechtschreibung läßt sehr zu wünschen übrig. Projekte hingegen stehen meistens im Vordergrund. Würden mein Mann und ich nicht zusätzlich zu Hause mit unserer Tochter lernen, wäre der ganze Bildungsstand noch um vieles schlechter. Im Fach Deutsch z.B. haben sie seit dem 5. Schuljahr auch Karteikarten mit Tunwörtern, Namenwörtern etc. Selbst die Worte z.B. auch die Mehrzahlen sind falsch aufgeschrieben worden und wurden vom Lehrer wohl nie überprüft. Die Kinder sollen aber für Wörterdiktate die Karteikarten zum üben verwenden. Also ich sehe für die Zukunft meiner Tochter in beruflicher Zukunft echt schwarz. Nach Möglichkeit sollte das Kind lieber mit Nachhilfe herangeführt werden, eine Hauptschule zu besuchen. Man fühlt sich als Eltern eines lernbehinderten Kindes total überfordert und alleine gelassen. Wir haben zwar die besondere Form der Förderschule, jedoch werden die Kinder auf keinen Fall gefördert. Ich betrachte diese Form der Schule auch als eine Aufbewahrungsstätte. Ist echt total depremierend. Trotzdem allen Leidensgenossen alles Gute


Netti
beantwortet von Netti am 10. September 2007 13:56
1x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

Das kommt galaube ich etwas auf die Schule und deren Konzept an. In jedem Fall ist der Betreuungsschlüssel ein ganz anderer. Sonderschulklassen bestehen aus (ich glaube) max. 10 Schülern. Ich würde mich mal mit ihren Eltern kurzschließen, die können sich in einer Sonderschule mal beraten lassen.


Luise
beantwortet von Luise am 10. September 2007 16:32
0x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

Eine Alternative wäre auch eine Montessorischule. Dort werden lernbehinderte und behinderte Menschen integriert, da könnte man auch mal vorsprechen. Das ist immerhin eine Hauptschule mit Option später auch - bei guten Leistungen - dort den M-Zug zur Mittleren Reife zu machen. In welcher Klasse ist sie denn und will sie es überhaupt begreifen?


pauline
beantwortet von pauline am 10. September 2007 14:08
0x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

Sonderschulklassen bestehen aus max.12 Schülern die Kinder werden auf ihre Bedürfnisse gefördert . Ein Abstellgleis für hoffnungslose fälle ist das Heute zu Tage nicht mehr wofür man sich Schämen müsste es sind zum teil auch Kinder von Hochintelligenten Eltern drin wo einfach in der Grund und Hauptschule mit dem Tempo und Anforderungen nicht mithalten können .

Kommentar von 622a0a9071a62222d3609db9c8991a7fsmallsoust am 10. September 2007 18:03

Es heißt im Gegenteil, dass 30% aller hochbegabten Schüler in Förderschulen sind.

Kommentar von Principessa am 4. November 2007 17:32

Ich bin seit 20 Jahren Sonderschullehrer in Bayern in einer Lernbehindertenschule.In der DFK dürfen bis 15 Schüler sitzen, in höheren Klassen bis 17+1. Meistens ist man als Lehrer allein. Die meisten Kinder haben einen IQ von ca 70 oder schwächer. "Hochbegabte" also um die IQ 100 haben wir sehr selten, schauene auch gleich, dass sie an "normale" Schule kommen. Viele kinder sind bei uns, weil sie im verhalten sich nicht in die GS integrieren lassen. Obwohl ich bestimmt auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, gelingt es mir immer schlechter auf 15 Schüler optimal einzugehen. Jeder ist komplett anders, jeder braucht mich, vier oder sechs Stunden am Schultag. Mit 8 Schülern in der Klasse und wenigstens hin und wieder einen 2. lehrer in der Klasse, könnte ich auch sehr schwache oder verhaltensauffällige Schüler so fördern, dass wenigsten 50-60% wieder an die GS/HS zurückgeführt werden könnten. Aber ich lerne immer mehr, dass das nicht das Ziel der Verantwortlichen ist. Viel Makulatur, viele schöne Bilder. Geht in die Förderschulen und seht es Euch selber an...


Frage beantworten

Verwandte Fragen

Verwandte Fragen

Noch nicht die richtige Antwort? Dann hier in allen Fragen und Tipps suchen:




Die unter gutefrage.net angebotenen Dienste und Ratgeber Inhalte werden nicht geprüft. Die Richtigkeit der Inhalte wird nicht gewährleistet. Bitte lesen Sie hierzu auch unsere Rechtlichen Hinweise.