Frage von Kaesebohrer, 35

Was denn ist mit meinen Eltern los?

Die beiden sind um die 70 und seit ca. 25 Jahren geschieden und leben in unterschiedlichen Ländern.

Vor 10 Jahren habe ich den Kontakt zu ihnen wieder intensiviert, mich mit ihnen beschäftigt, ihnen mich als guter Freund gezeigt. Seit kurzem fangen beide an, mich als Feind zu sehen.

Mein Vater sagt, meine Mutter hätte ihn regelmäßig betrogen, ich hätte als Kind davon gewusst (natürlich gab es nichts). Er will einen Vaterschaftstest von mir, den wir auch machen werden.. Meine Mutter sagt, sie fühlt sich von mir vernachlässigt, bzw. ich passe nicht zu ihren Vorstelllungen. Sie möchte (sinngemäß) dass ich möglichst wenig erbe, wobei für mich weniger das Geld wichtig, als die demonstrative Geringschätzung kränkend ist.

Der Ehestreit vor 25 Jahren wird auch über 400km Distanz weitergeführt, jeder von den beiden hetzt mich gegen den anderen auf.

Es ist traurig wenn ich das sage, aber in der Situation könnte ich weder bei meinem Vater noch bei meiner Mutter trauern, wenn einer von den beiden stirbt. Ich selber bin erwachsen und kann mein eigenes Leben führen, bin von beiden nicht abhängig. Ich habe einige Freunde die über 70 sind, keiner von denen hat geistig so schnell abgebaut wie meine Eltern. Es geht anscheinend auch anders, ich möchte im Alter niemals so werden.

Was würdet ihr mir in meiner Situation raten, außer Distanz zu halten? Vielleicht möchten auch jüngere, die Probleme mit ihren Großeltern haben, mir Tipps geben.

Danke

Antwort
von ikotropf, 35

Leider weiss ich nicht direkt was mit deinen Eltern plötzlich nicht mehr stimmt.
Ich kann sehr gut verstehen das dich das verletzt und das du bei keinem trauern könntest und genau deshalb sollte dieses Problem so schnell wie möglich gelöst werden.
Ich gehe davon aus das du schon mit ihnen gesprochen hast.
Ich fände es allerdings eine gute Idee wenn du genau diesen Text (ausser den letzten abschnitt) ihnen zuschicken würdest und sie es beantworten sollen.
Auch das du um keinen trauern könntest würde ich ihnen sagen, so hart es klingen mag vieleicht verstehen sie dann, dass dich das sehr belastet.
Falls du das schon gemacht hast kannst du mir antworten, ich werde dir dann nochmal versuchen einen anderen Tipp zu geben:)
Alles gute!

Kommentar von Kaesebohrer ,

Danke. Mein Gefühl ist, dass sich beide ihre eigene Realität zusammenbasteln und zudem extrem frustriert sind. Jedes kritische Hinterfragen wird mit heftiger Agression beantwortet. Habe nicht das Gefühl auf logischem Wege weiterzukommen.

Kommentar von ikotropf ,

Hast du Geschwister? Wenn ja, werden sie anders behandelt?

Kommentar von Kaesebohrer ,

Keine Geschwister.

Antwort
von teafferman, 4

Den Vaterschaftstest machen zu lassen ist ein erster, wesentlicher Schritt hin zu einem denkbaren anderen Umgang mit einander. 

Tatsächlich schätzen Experten, dass jedes dritte in einer Ehe geborene Kind ein Kuckuckskind ist. 

Hat Dein Vater Klarheit, kann sich ein Großteil seines Verhaltens Dir gegenüber ändern. Bist Du sein Kind, wird es ihm leichter fallen, sich für Dich tatsächlich zu interessieren und seine Haltung gegenüber Deiner Mutter zu überdenken. 

Bist Du nicht sein Kind, so hat sich der Kontakt ja im Prinzip für ihn auf jeden Fall erledigt. Das gilt es dann zu respektieren. 

Das Kind Deiner Mutter wirst Du auf jeden Fall sein. Hier kannst Du auf die knallharte oder auch die weiche Tour deutlich machen, dass kein Kind darum gebeten hat, geboren zu werden. 

Ja. Hass, Böswilligkeit frisst Denkvermögen. Das ist nicht nur bei Deinen Eltern so. 

Lachen und Lächeln dagegen sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann. 

Bezogen auf geistigen Abbau kann das Gehirn durchaus mit jedem Muskel verglichen werden: Je mehr Training, je schwerer der Abbau. 

Ich habe einige hundertjährige Frauen kennen gelernt, die noch täglich ihre drei Zeitungen lesen und interessante Neuerscheinungen zu ihrem Fachgebiet und ihren Hobbys. Sie werden auch mit dem natürlichen körperlichen Verfall leichter fertig, denn da hilft schlicht Wissen angewandt als Gegenmaßnahme. 

Festgefahrene Verhaltensstrukturen lassen sich, wenn überhaupt, nur mit Gewalt durchbrechen. Möchte ich Dir von abraten. 

Mir persönlich ist schleierhaft, warum viele Menschen überhaupt Kinder bekommen haben. Denn auch als Deine Eltern jung waren gab es schon Kondome. Sie waren also nicht gezwungen, Dich zu zeugen. 

Kläre Deine Abstammung. Danach kläre das Verhältnis zu den Eltern grundsätzlich. 

Erbe? Pflichtteil. Gut. Kennt manches ausländische Recht nicht. 

Aber ehrlich: Gesundheit lässt sich nun mal nicht kaufen, schon gar nicht seelische. 

Antwort
von annokrat, 27

du scheinst zwischen die stühle geraten zu sein. vielleicht stört beide, dass du dich mit dem jeweiligen anderen verträgst/beschäftigst.

so wie du es beschreibst, scheinen nach 25 jahren zwischen deinen eltern immer noch feindseeligkeiten vorhanden zu sein, die nun wieder offen ausbrechen.

dass deine eltern geistig abbauen, ist in dem fall sicherlich ungünstig. aber du kannst dagegen nichts machen. niemand hat die garantie, mit geistiger fitness alt zu werden. jeden von uns kann es treffen.

ich kann dir nur raten, die sache nicht zu sehr zu herzen zu nehmen. versuche nicht zwischen deinen eltern zu vermitteln. vermeide es beiden gegenüber den anderen elternteil mehr als unbedingt notwendig zu erwähnen.

wenn dich die sache zu sehr belastet, dann geh auf grössere distanz zu deinen eltern, vermindere den kontakt, ziehe dich zurück. suche eine lösung für dich, verzichte auf belastende rücksichtnahme gegenüber deinen eltern. 

annokrat

Kommentar von Kaesebohrer ,

Verzichte auf belastende rücksichtnahme gegenüber deinen eltern.

Danke, das ist eine gute Idee.

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