Frage von maxizucki, 81

Was denkt ihr warum ist es heute noch wichtig in Schulen über die Vorkommnisse der NS-Zeit zu reden und zu diskutieren im pädagogischen Sinne?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Grautvornix16, 77

Hi,- ich würde jedem Recht geben, der einen Widerstand dabei verspürt, sich in einen nationalistischen Aberglauben von mentalen Kollektivmerkmalen und Prädispositionen zu einem bestimmten Verhalten hineinziehen zu lassen. Aber so ist das mit dem Nationalismus - alles hat zwei Seiten: wer eben meint er hätte durch Abstammung auch Goethe oder Max Planck oder berühmte Fußballer im Blut der kann dann bei der anderen Seite nur sehr schlecht "Nein" sagen. - Dumm gelaufen. - Aber im Ernst: Natürlich gibt es neben individualpsychologischen auch kollektiv-psychologische Merkmale weil es eine Beziehung zwischen Kollektiv-Biographien und Individual-Biographien gibt. Und das hat mit Geschichte zu tun. So wissen Psychologen heute gesichert, dass es natürlich eine Auswirkung von Kriegserlebnissen einer Elterngeneration über mehrere Generationen hinweg auf die Nachkommen gibt. Einschneidende Erlebnisse und Erfahrungen einer Generation transformieren sich bei der soziokulurellen Weitergabe aber sie werden weitergegeben. - Aber das ist gar nicht der Punkt.

Wenn eine Beschäftigung mit diesem Thema aus pädagogischer Sicht Sinn machen soll, dann nur in einem ent-nationalisierten Sinn: nämlich als das Herausarbeiten einer zentralen Erkenntnis über die "Banalität des Bösen" als Teil eines jeden von uns (unabhängig von "Volkszugehörigkeiten") und der Frage wie kann ich einen Menschen dazu befähigen, davon zu wissen, aufgrund dieses Wissens sein Denken und Handeln mit der nötigen Selbstdistanz zu kontrollieren und dabei ein fröhlicher und lebensbejahender Mensch zu sein weil er als einer, der das "Triviale des Bösen" kennt, das Leben um so mehr schätzt und schützt. - Je mehr wir "das Böse" für ein herausragendes Ereignis und einen unglücklichen Zufall halten, der immer nur Anderen passiert umso wahrscheinlicher wird es, dass es durch unser Zutun eintritt. - Das wäre der Kern eines sinnvollen pädagogischen Vermittlungsauftrags.

Gruß

Kommentar von Grautvornix16 ,

Ps: .... umso wahrscheinlicher wird es, dass es durch unser Zutun eintritt. - Ergänzung: ... in vielen kleinen Schritten eines banalen Alltags in einem durchschnittlich-unspektakulären bürgerlichen Alltagsleben.

Kommentar von LottaLou ,

Lustig, erst gestern Abend sprach ich mit Freunden über unsere vollends veraltete -aber durchaus nicht falsche-Bildungsreform und über die daraus folgenden Unzulänglichkeiten der Bildung, Erziehung und Betreuung in "Bildungs"stätten. 

In jeder Pädagogik wird gepredigt wir müssen an die Interessen der Klienten anknüpfen, damit diese ihre sensiblen Phasen, ihre Fenster die sie sich durch ihr Interesse geschaffen haben mit Wissen füllen; Welches am besten noch durch eigene Erfahrungen gefestigt und verinnerlicht wird.

Ein Lehrplan ist in meinen Augen ein Leerplan. Vieles was gelehrt wird (nach Zeitplan), wird viele Köpfe leer lassen.

Kommentar von Grautvornix16 ,

Moin,

meine Meinung dazu: Ja so isses.

Grund: der Didaktikhype. Und der entsteht nur, weil 1. Bildung durch Ausbildung ersetzt werden soll und deshalb nach mehr Steuerung des Lenverlaufs verlangt, 2. kranke Effizienzphantasien, die aus einem trivialen Ökonomieverständnis heraus in der Didaktik die Möglichkeit sehen, diese  Ausbildung effizienter zu machen ohne mehr Geld in ein paar aber wesentliche Grundlagenverbesserungen stecken zu müssen und 3. in einer Gesellschaft wo jeder "Fachmann/frau" sein soll und will um was zu gelten was natürlich auch Effekte auf einen bildungs- und erziehungs"wissenschaftlichen" Apparat hat, der sich durch permanente Verschlimmbesserungen seine Existenzrechtfertigung und Einkommenmöglichkeiten verschafft.

Mein Fazit: Wenn wir so einen hohen Bedarf an didaktisch-psychologisch-pädagogischer Verbesserung unseres Schulsystems wirklich hätten würde dies bedeuten, dass alle, die heute daran herumbasteln aus einem Schulsystem stammen würden, welches sie als völlig ungeeignet für diese Aufgabe entlassen hätte.

Meine Zusammenfassung: Wieder mehr Bildung statt Ausbildung durch mehr (Entwicklungs-) Zeit und individuellere Strukturen - auch für Familien und den Menschen als Eigenwert in einer zunehmend verblödenden "Effizienz- und Funktions-Gesellschaft".

Mein Schlußspruch: Eine überpädagogisierte Gesellschaft schafft nur Neurotiker aber keine Bildung.

Antwort
von Hasenmann81, 37

Pauschal geantwortet: Um zu begreifen, wie es überhaupt dazu kommen konnte.

Von der schlechten wirtschaftlichen Situation über das Ausnutzen der Medien wie Rundfunk, Zeitung und auch Film als Propaganda-Werkzeug. Vor allem Letzteres erachte ich immer noch als immense Gefahr. In den Zeiten des Internets kann jeder seine Meinung verbreiten bzw. sogar Wahrheiten als Lügen darstellen und eigene Lügen als Wahrheiten verkaufen. 

Ich finde dies vor allem unter diesem Aspekt sehr gut, dass dieses Thema auch weiterhin ein Teil der schulischen Ausbildung ist. Leider gibt es auch in der heutigen Zeit sehr viele "Rattenfänger", die leichtgläubige Menschen in deren Bann ziehen und ihnen falsche Werte vermitteln. Wir haben doch derzeit auch wieder eine recht instabile Situation aufgrund der vermeintlichen Flüchtlingskrise und der Islam-Debatte. Da macht es das Internet einigen selbstverliebten und mediengeilen Braunblütlern schon leicht, ihren Stuss an den Mann zu bringen und Stimmung zu machen.

Und außerdem ist es leider ein gewaltiger Abschnitt der Geschichte des deutschen Volkes an sich und das darf nicht vernachlässigt werden. Das soll nicht heißen, dass man sich ewig schuldig fühlen soll. Dennoch darf man es nicht vergessen, um nicht die selben Fehler irgendwann noch einmal zu machen, wozu der Mensch leider sehr oft neigt.

Antwort
von MrHilfestellung, 81

Weil es eines der wichtigsten Kapitel der deutsche Geschichte ist und man "dass Auschwitz nie mehr sei" als wichtiges Gebot ansehen sollte. Und dazu gehört eben die Aufklärung über den Nationalsozialismus und im Speziellen die Shoa.

Kommentar von Exisaur ,

Hier sollte man auch nochmal auf den großartigen Vortrag von Adorno hinweisen, der sich mit diesem Thema beschäftigt:

http://www.staff.uni-giessen.de/~g31130/PDF/polphil/ErziehungAuschwitzOffBrief.p...

Antwort
von Tellensohn, 63

Salue Maxizuicki

Es ist sehr wichtig, dass man solche menschlichen Katastrophen nie vergisst. Es sind geschichtliche Ereignisse und wir sollten diese, schon als Mahnung, in Erinnerung behalten.

Solche Massenmorde sind nicht auf ein Volk oder ein Land einzugrenzen.

Schliesslich können wir ja im Moment in der Türkei studieren, wie ein machtgieriger "Führer" seine Gegner "abserviert" und in "KZ" steckt, die Presse gleichschaltet und vom Volk ahnungslos bejubelt wird.

Als Schweizer sehe ich allerdings mit einer gewissen Befremdung, wie die Ereignisse des 2. Weltkriegs in einer Art "Selbstgeisselung" den Deutschen immer wieder vorgehalten werden und versucht wird, den heutigen Bürgern des demokratischen Staates Deutschland eine Art schlechtes Gewissen einzuprügeln.

Es wäre bestimmt sinnvoll, die Sache langsam aber sicher in die Geschichtsbücher zu verbannen.

Ja, ich glaube sogar, ein wenig Stolz dürfen die Deutschen durchaus sein.

Deutschland ist das wichtigste Land in Europa und mit der Wiedervereinigung hat es etwas Einmaliges erreicht.

Ich grüsse Euch aus dem Nachbarland Schweiz

Tellensohn 

Kommentar von tanztrainer1 ,

Deine Einschätzung zu den Vorkommnissen in der Türkei teile ich. So ungefähr kann man sich auch vorstellen, dass es wohl in Deutschland ab 1933 ganz ähnlich abgelaufen sein muss.


Ich würde das jetzt nicht als "Selbstgeisselung" einschätzen!


Wenn bestimmte Leute etwas aus dem Geschichtsunterricht gelernt hätten, dürfte es keine Übergriffe auf Asylbewerberheime geben, aber so viele wie jetzt gab es noch nie:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlingsheime-bundeskriminalamt-za...

Im ersten Halbjahr 2016 sollen es auch schon recht viele gewesen sein!

Kommentar von Mastrodonato ,

Geschichte wiederholt sich aber selten oder nie 1:1. Natürlich ist es falsch, Asylheime anzuzünden, aber die Wut über die völlig verfehlte Politik ist verständlich.

Kommentar von ollesgemuese ,

das eine hat wohl kaum mit dem anderen zu tun...

Antwort
von Bewaresummer, 77

Hey,

ich finde es wichtig, weil wir angesichts der aktuellen politischen Situation mehr denn je dazu gezwungen sind, zu beweisen, dass wir aus dem Schrecken der NS- Zeit gelernt haben. Die NS-Zeit ist mit sehr vielen Gefühlen verbunden, die es zu verarbeiten gilt.

Außerdem geht es darum, die Tatsachen, die im Unterricht gelehrt werden, nicht als bloße Erzählungen zu begreifen, sondern zu realisieren, dass diese tatsächlich stattgefunden haben. Und wenn das erstmal begriffe wurde, dann wird das ganze Ausmaß des Schreckens deutlich.
Das hilft wiederum dabei, für die Wahrung der Menschenrechte einzustehen und Empathie für andere Menschen zu entwickeln.

-> "bessere" Gesellschaft.

Antwort
von voayager, 8

Der Faschismus muß ständig neu aufgearbeitet werden, muß Aufklärung erfolgen, damit es keine großen Rückschläge gibt. Es ist nun mal so, dass ein gewisser Teil der Bevölkerung anfällig für diese Ideologie ist.

Antwort
von AnnnaNymous, 70

1. Es ist wichtig, dass die Schüler sich ein eigenes Bild von diesen Greueltaten machen können, damit sie gut gewappnet sind, um nicht auf Neo-Nazis und ihre Versprechungen reinzufallen.

2. Darf so etwas nie wieder passieren - und dazu gehört Aufklärung und Wissen.

Antwort
von lupoklick, 15

Bisher Desinteressierte "hööören", daß es angeblich eine "neue" Partei geben soll, die "frischen Wind" in die Politik bringt.. Alles Bisherige ist "schlääächt" und "muss wech".....

Daß jener "Frische Wind" aus Lederhosen und Militärstiefeln der 1920er bis 1945 stinkt, das gehört nicht in ihr simples Bild....

Die schlimmen Zeiten schienen für immer vorbei, aber scheinbar Kluge sind in der Masse so verführbar wie zu A. H. s Zeiten - wie PEGIDA & Co. zeigen....

Antwort
von soissesPDF, 29

"Wer die Geschichte nicht kennt, ist gezwungen sie zu wiederholen " Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl (CDU).

Antwort
von beangato, 60

Das darf einfach nie vergessen werden. War schlimm genug.

Antwort
von Bodesurry, 14

Weil die "Gefahr" besteht, dass die NS-Zeit bald vergessen geht oder glorifiziert wird.

 Eine Bekannte hat mir von einer Klinik im Osten Deutschlands berichtet, dass es sie erschreckt hat, wie viele Patienten, im Rentenalter, Hitler und der NS-Zeit sehr positiv gewürdigt haben. Ich wusste auch nicht, dass in Israel Tausende von Holocaust-Überlebenden in großer Armut leben. Dank Aufklärung in der Schule helfen dort junge Leute aus Deutschland und zeigen, dass eine neue Generation eine andere Einstellung zu dieser Zeit hat.

Wichtig scheint mir  zu sein, dass der Focus nicht nur auf die "Täter" gerichtet ist, sondern auch auf die "Opfer". Gemeint sind die Geschehnisse um die Flucht der Menschen aus den Ostgebieten, die Betroffenen der Flächenbombardierungen, das Verhalten der Siegermächte gegenüber den gefangenen deutschen Soldaten in Ost und West. 

Antwort
von Leisewolke, 63

weil das unsere jüngsten Vergangenheit ist und einfach dazu gehört

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