Frage von yuppieyuppie, 114

Was denkt ihr über Menschen mit Depressionen?

Psychische Krankheiten sind heutzutage ja noch sehr stigmatisiert und tabubehaftet. Leider sind Millionen von Menschen psychisch krank und haben zB. mit Depressionen, Selbstmordgedanken und ähnlichem zu kämpfen. Viele schämen sich dafür und versuchen ihre Krankheit zu verstecken, weil psychische Krankheiten längst nicht so ernstgenommen werden wie physische Krankheiten und vielen Menschen eingeredet wird sie seien selbst schuld und müssten sich nur mal zusammenreißen. Ich selbst muss jeden Tag eine Hand voll Psychopharmaka schlucken, um durch den Tag zu kommen und habe manchmal auch Selbstmordgedanken. Das erzähle ich niemandem, weil auf solche Menschen immer noch herabgeschaut wird und man als psychisch gestörter Freak abgestempelt wird. Deshalb würde es mich interessieren, was ihr über solche Menschen denkt. Haltet ihr euch von solchen Menschen fern? Findet ihr sie seltsam? Machen sie oder ihre Krankheit euch Angst? Würdet ihr euch schämen, wenn ihr Depressionen hättet und alle wüssten es?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo yuppieyuppie,

Schau mal bitte hier:
Gesundheit Depression

Antwort
von michi57319, 25

Sie tun mir leid und wenn ich es weiß, versuche ich zu helfen, wenn sie, oder Angehörige Hilfe benötigen.

Ich persönlich habe schon so manche depressive Krisen hinter mich gebracht. Die Letzte ist gar nicht so lange her. Aber da ich es schon immer gewohnt bin, mich quasi alleine durchzubeißen, habe ich auch im letzten Jahr keine externe Hilfe in Anspruch genommen.

Ich hätte mir gewünscht, ein Medikament zu bekommen, welches mich unterstützt. Aber mein Hausarzt wollte mir das nicht geben. Also hab ich gelitten und mich vom Leben treiben lassen.

Ich bin ein Mensch, der keinen Kontrollverlust akzeptiert, das ist vermutlich der Grund, weshalb ich überhaupt in der Lage bin, mich immer wieder alleine aus dem Mist zu ziehen.

Monatelang habe ich darüber nachgedacht, wie schön es doch wäre, das Auto mit mir darin einfach gegen die Wand zu setzen. Dann wäre endlich endlich Ruhe.

Antwort
von Einstein2016, 9

Deine negative Vorstellung(en) zu psychischen Krankheiten beruht auf einem alten, lächerlichen Klischee, was schon lange nicht mehr so stark zutrifft.     

Die mittlerweile stark zunehmende Anzahl an psychischen Erkrankungen ist alarmierend und MUSS daher folglich auch absolut ernst genommen werden.  

Das wird von ärztlicher Seite ambulant und stationär im Prinzip auch so mittlerweile wahrgenommen und fachlich gut praktiziert (auch wenn es der jüngeren Ärzteschaft hier und da doch deutlich an nötiger Erfahrung fehlt).

Ich habe schon seit sehr langer Zeit (leider) mit wiederkehrenden schweren Depressionen, psychosomatischen und (weniger) psychotischen Störungen zu tun gehabt. Mittlerweile bin ich daher dadurch sogar in Frührente geraten.     Aufgrund meiner sehr großen Erfahrung sehe ich mich in der glücklichen Lage, anderen Menschen mit psychischen Problemen helfen zu können.

Wahrscheinlich hast Du selbst noch keine ambulante Psychotherapie gehabt bzw. warst folglich auch noch nie in einer psychisch-stationären Behandlung.

Ich kann Dir nur dringend empfehlen, Dich Deinem Hausarzt gegenüber mal innerlich ganz zu "öffnen" und (über ihn) eine ambulante Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Diese steht Dir aufgrund Deiner Symptome auch zu !                                                                                                                                 Medikamente alleine bewirken da keine Wunder und bekämpfen nur die Symptome, aber niemals die Ursachen ! Dazu können Psychopharmaka  (wie Du sicher weisst) auch sehr unangenehme Nebenwirkungen haben. Es ist daher gut, diese irgendwann auf ein Minimum begrenzen zu können (falls ärztlich auch angeraten wird).

Falls es zu Deiner Therapie kommt, versuche Dich von "innen heraus" ganz zu öffnen und wirklich alles "raus zu lassen" was Dir auf der SEELE liegt.

Nur so kann Dir effektiv, schnellstens und nachhaltig geholfen werden.             Habe dabei Vertrauen - vor allem auch zu Deinem inneren SELBST !

Du kannst mich jederzeit gerne wieder ansprechen.




Antwort
von einfachichseinn, 20

Ich muss sagen, dass ich diese Stigmatisierung nur aus dem Netz kenne. Dort wo sich anonyme Idioten an anderen Menschen auslassen. Dieses Phänom kommt allerdings nicht nur bei Depressionen vor. Auch adipöse Menschen müssen sich so dummes Zeug "anhören".

Ich hatte dennoch große Angst das zu erzählen. Mit der Zeit habe ich dann begonnen offen damit umzugehen und niemand geht seitdem anders mit mir um.

Das einzige, was mir auffällt, ist das einige Menschen kein Verständnis zeigen. Ein Freund sagte mal zu mir :" du denkst einfach nur zu pessimistisch, wenn du mal positiv denken würdest, würde es dir besser gehen... " das ist ja an sich gar nicht falsch, allerdings kann ich leider nicht von heute auf morgen sagen :" denke jetzt einfach positiv!"

Aber ich kann das auch niemanden verübeln. Ich stelle auch noch ganz oft fest, dass mir selbst Verständnis dafür fehlt. Ich mache mir dann ganz oft selbst Vorwürfe oder so.

Ich sehe auch ein ganz großes Problem in vielen selbstdiagnosen. Viele Kinder, die grade in der Pubertät sind meinen ganz schnell, dass sie Depressionen haben und verharmlosen damit die ganze Krankheit .

Das macht es grade vielen wirklich betroffenen Jugendlichen schwer sich Hilfe zu holen, weil sie Angst haben, als so ein Kind abgestempelt zu werden.

Antwort
von TheTrueSherlock, 53

Also erstmal, du sprichst schon sehr viele gute Sachen an und bei vielem stimme ich dir zu!

Vertraue dir jemanden an. Du musst es nicht an die große Glocke hängen und in der Schule / auf der Arbeit erzählen, aber vertraue das deiner Familie und eventuell deinem engsten Freundeskreis an. Das wird dir gut tun und sie werden erleichtert sein, weil sie dann besser mit dir umgehen und dir helfen können.

Bist du auch in Behandlung? Nur Medikamente zu schlucken, bringt nichts.

Ich bin selbst betroffen und schäme mich gar nicht, eine Therapie angefangen zu haben, meinem Freund und meiner Familie von meinen Depressionen und Ängsten erzählt zu haben. Man soll zu sich und seinen Problemen stehen, offen damit umgehen. Es ist okay sich Hilfe zu suchen und Hilfe anzunehmen :)

Ich halte mich von Menschen mit so Ängsten und Problemen nicht fern. Ganz im Gegenteil! Ich will ihnen helfen, ich will das man mehr über Depressionen redet, dass man nicht als psychisch gestört abgestempelt wird etc.

Seltsam sind solche Menschen nicht. Sie tun mir eher leid.

Angst machen können die Krankheiten sehr wohl. Aber das ist menschlich und verständlich. Wenn du etwas nicht kennst und nie hattest, dann reagierst du erstmal vorsichtig. Und dass psychische Störungen nahezu totgeschwiegen werden, macht es auch nicht besser. So lernen Unbeteiligte gar nicht, wie sie mit einem Betroffenen umgehen könnten.

Alles Gute :)

Antwort
von RheumaBaer, 30

Ich habe Depressionen und mich schon vor langer Zeit dazu entschlossen,alles offen zu kommunizieren,weil ich auch Tendenzen zu Gewalt und entsprechende Vorstellungen/Phantasien hatte,ich wollte sie keineswegs realisiert sehen,suchte Verständnis und Unterstützung. Das hat funktioniert,und ich habe stets versucht,auch mit Ironie zu arbeiten,wenn jemand sagte,"Ich werd noch wahnsinnig!",entgegnete ich stets,"Also ich hab's schriftlich von meiner Kasse!" Und ich konnte mich so auch offen entschuldigen,und dafür gab es leider auch Gelegenheit,wenn mein Verhalten nicht immer sehr verständlich war. Ich kann z. B.nicht lange in eine volle Innenstadt,v.a.im Sommer,aber ich sage mir immer,andere können wegen Heuschnupfen nicht über eine blühende Wiese gehen,so hat jeder sein Ding. Ich habe nur die Befürchtung,Depressionen,Burnout,so ernst das ist,werden zum neuen "Ich hab Rücken..",etliche springen auf,die Leute,die wirklich betroffen sind,geraten in Gefahr,belächelt zu werden..jaja,ham wir doch alle..! Wir sind als Gesellschaft verunsichert,gestresst,noch ohne neues echtes Ziel,aber die "Immer so weiter"-Schuhe drücken schon sehr schmerzhaft! Und immer mehr erleben Sinnkrisen,die Erschöpfung und Sorge,was man wie lange noch leisten kann,mit fehlender Anerkennung. Und genug Menschen erleben echte Depressionen. Ich denke,man sollte zu dem stehen,was man ist. Was man kann,wo die Schwäche ist,wann man enttäuscht ist. Sich nicht erpressbar machen,weil die Maske verrutscht.
Und man sollte sich auch verwahren,wenn jemand aus Orientierungslosigkeit oder Bequemlichkeit versucht,mit dem KummerTicket Urlaub zu machen.

Antwort
von Lalala1718, 33

Also ich schäme mich täglich dafür. Ich habe Narben und schlucke auch Tabletten wenn auch nur noch begrenzt weil ich keine Lust mehr hab. Ich laufe täglich mit langarm Sachen durch die Welt auch wenn es wie in den letzten Tagen 30 grad und mehr sind. Dann muss man eben leiden aber Hauptsache es weiß niemand.

Kommentar von UniKati89 ,

Also ich finde man muss sich weder dafür schämen, noch es verschweigen. Man muss nur einen Ausweg finden - was keineswegs unmöglich ist :)

Antwort
von Grobbeldopp, 35

Ich sehe das als Betroffener mit der Stigmatisierung usw. nicht so eng - ich halte sie sogar für teilweise unvermeidlich.

Leider sind einige der Eigenschaften und Handlungen, zu denen Störung aus diesem Formenkreis bei Menschen führen einfach schlecht und deshalb gesellschaftlich unerwünscht, es könnte anders nicht sein. Die ungünstige Aura um das Wort herum ergibt sich ganz von selbst und sie ist realistisch, weil Depressionen eben einen Menschen ("in der heutigen Gesellschaft, blabla") nicht gerade zu einem angenehmeren Zeitgenossen machen - es ist wirklich nicht schön, für keinen Beteiligten.

Das mal ganz unabhängig davon, dass man als Betroffener eben lernen muss damit umzugehen. In eine Opferrolle gegenüber dem "verständnislosen Umfeld" sollte man sich imho nicht freiwillig begeben, das hilft auch nicht weiter.

Ist hart, so hart gegen sich selbst zu sein, wenn ein Teil des Grundproblems ist, dass man zu hart gegen sich selbst ist ;-)

Kommentar von yuppieyuppie ,

Jede Krankheit und ihre Symptome sind schlecht und unerwünscht, das ist kein Argument. Weder erklärt noch rechtfertigt es das ignorante Verhalten gegenüber Depressionen, das die meisten Menschen an den Tag legen. Menschen, die Depressionen entweder nicht als Krankheit ernst nehmen und/oder die Stigmatisierung ihr gegenüber perpetuieren sollten gefälligst ihren Ar*ch hochkriegen und ihr dümmliches Verhalten überdenken. 

Kommentar von Grobbeldopp ,

Doch, das ist ein Argument, denn dieser simple Fakt wird in fast allen Debatten um Stigmatisierungen und Diskriminierungen unter den Teppich gekehrt und missachtet.

Ich kenne deine Denkweise natürlich nicht, aber ich habe schon oft darüber diskutiert bei psychischen Krankheiten, dass man dafür ja nichts kann - das ist DAS Argument, mit dem man die Andersbehandlung von Menschen mit Merkmal XYZ für illegitim erklärt.

Das Problem ist dabei, dass man auf rutschigen Boden gerät - man kann sehr gut rechtfertigen, z.B. mit deterministischen Ideen, dass im Grunde niemand für irgendetwas die Schuld trägt, selbst für Verbrechen. Das stimmt schon, man kann nichts dafür - aber das kann in der Praxis nicht bedeuten, dass man jeden gleich behandeln muss und soll - das ist oftmals sehr hinderlich, wenn es z.B. darum geht, ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Richtig haarig wird die gleiche Diskussion, wenn es z.B. um Pädophilie geht, wie du dir sicher vorstellen kannst.

"Depressionen nicht als Krankheit ernstnehmen" - das ist Definitionssache. Es gibt gute Gründe, psychologische Störungen nicht als völlig äquivalent zu körperlichen Krankheiten anzusehen - es ist nicht das selbe, und die Bedeutung für die Persönlichkeit und die Art der Behandlung sind unterschiedlich. Warum sollte man nicht darüber nachdenken, und reden, ob psychische Störungen überhaupt zu Recht als Krankheiten angesehen werden? Warum sollte man nicht legitimerweise zu dem Ergebnis kommen, dass dem nicht so ist?

Du schreibst, dass "die meisten Menschen" ein "ignorantes Verhalten gegenüber Depressionen" an den Tag legen - ich weiß nicht genau was du meinst, kannst du mal Beispiele nennen?

Es würde mich auch interessieren, was du mit "Stigmatisierung perpetuieren" (Ich verstehe schon die Worte, aber glaub mir, sobald ich das Wort "perpetuieren" höre stellen sich mir die Nackenhaare auf) meinst.

Und was soll man gegenüber Leuten tun, die z.B. der Meinung sind, dass Depressionen keine Krankheit sind oder die keinen Umgang mit depressiven Menschen wollen - in ihrer Freizeit z.B.. Nein ernsthaft, was soll man da tun außer vor sich rumzubeschweren? Umerziehung?

Kommentar von yuppieyuppie ,

Sorry, du redest nur Schwachsinn. Wenn man Depressiven sagt, sie sollen sich einfach nur genug anstrengen oder dass es sowas gar nicht gäbe, sollte man einfach die Fresse halten.

Kommentar von Grobbeldopp ,

Das ist deine Antwort? "Du redest nur Schwachsinn"?

"Sollte man einfach die Fresse halten."

Ja, finde diese Leute (die ich übrigens persönlich noch nicht getroffen habe) einfach böse und es hat sich. Problem gelöst.

Kommentar von Busverpasser ,

Interessante Sichtweise. Mich beschäftigt diese Frage auch seit langem

Am Ende ist es ja tatsächlich so, dass jede Krankheit, für ihr Umfeld und die Gesellschaft, unangenehme Symptome mit sich bringt. Wenn nun zum Beispiel jemand hinkt, hinkt er im wahrsten Sinne des Wortes immer hinterher. Das heißt sein Umfeld muss Rücksicht nehmen, könnte ohne ihn vlt. schneller vorwärts kommen. Im Horrorfilm sagen die hinkenden dann selbst "lasst mich zurück und rettet euch..." :-D

Ähnlich bei psychischen Erkrankungen und Depressionen. Der Unterschied ist leider, dass Depressionen oft nicht ernst genommen werden, wobei einem hinkenden wohl kaum einer sagt "Lauf doch mal zu!" oder "Warum trägst du den Kühlschrank nicht mit in den 5. Stock?".

Bei einer Depression halten einen erstmal alle für faul. Am Ende hält man sich selbst für faul (gerade wenn man chronisch depressiv ist und den Unterschied gar nicht kennt).

Selbst die Familie, die einen liebt, denkt dann manchmal man ist einfach faul. Gerade bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, die noch zu gewissem Grad abhängig sind.

Selbst wenn man dann mal seinen Unmut äußert und sagt, dass man am Ende ist und ein bisschen Lebensmüde oder sich manchmal wünschte dass man Tod wäre, kommen dann anstatt wirklich einfühlsame Worte - wie beim hinkenden vlt. - eher noch mehr Schelte a la "Reis dich doch mal zusammen", "Andere haben viel größere Probleme", "sei froh, dass du gesund bist" oder ähnliches. Das ist das zermürbende. Als direkte, vorsätzliche  Stigmatisierung würde ich es allerdings nicht beschreiben.

Kommentar von Grobbeldopp ,

Ja, ich verstehe was du meinst.

Die "Unsichtbarkeit" von depressiven Störungen lässt es leicht zu, die Behinderung, die der Betroffene dadurch erfährt, geringzuschätzen. 

Solche Sprüche tun weh - aber die Krankheit an sich tut noch mehr weh, eben weil sie schlimm ist. Aber umgekehrt kann es auch gefährlich sein, gerade in der Jugend, wenn man sich krankheitsbedingt schlecht verhält, und niemand sagt es einem, so dass man der Illusion erliegt, es wäre alles ok - mit Samthandschuhen angefasst zu werden tut noch mehr weh.

Es ist ein Teufelskreis: Die Depression führt dazu, dass du eine schlechte Meinung von dir selbst hast und dann kommt noch dazu, dass genau die Erkrankung dich tatsächlich schlechter macht und du nur Bestätigung für deine Meinung findest.

Besonders schlimm wird es, wenn man sich dann (was ja erwartet wird) in psychiatrische Behandlung begibt - und die nicht wirkt. Dann fällt man aus allen Sicherungssystemen raus. Das ist das eigentliche Problem - es gibt keine "Verzeihung" für länger andauernde depressive Störungen - der Kern deiner gesellschaftlichen Bedeutung, die Leistungsfähigkeit, ist nicht gegeben, und man kann seine Ziele nicht erreichen.

Das ist knallharte Logik - und es ist mit jeder Auffälligkeit und Behinderung so, im Berufsleben wird NICHTS vergeben.

Deshalb finde ich es eher marginal und albern, wenn man sich über verletzte Gefühle beschwert - sei es durch Fremde oder das eigene Umfeld - das ist Makulatur. Die Krankheit kann dein ganzes Leben verletzen, und es ist nicht immer leicht damit umzugehen.

Andererseits werden bringen sich sogar Leute um wegen solcher Ablehnung und Verurteilung. Es ist eine schwierige Sache.

Antwort
von Mimi33394, 9

Ich habe keinerlei Vorbehalte geentert psychisch Erkrankten. Ich studiere Psychologie und bin selbst krank (verschiedene Diagnosen). Ich gehe mit Teilen sehr offen um, um Menschen aufzuklären. Meine Verletzungen verstecke ich auch nicht, weil ich die Hoffnung habe, dass, wenn das mehr Leute zeigen, es irgendwann besser akzeptiert wird. Früher hat man sich für körperlich behinderte Angehörige geschämt und sie versteckt. Heute gehören sie wie selbstverständlich zum Straßenbild. Ich werde in der Regel ziemlich unverhohlen angestarrt (meine Verletzungen sind allerdings auch außergewöhnlich schwer und daher die Narben riesig).

Schwieriger ist es in der Öffentlichkeit mit meiner dissoziativen Persönlichkeitsstörung (ugs. multiple Persönlichkeit). Selbst in der Familie wird es geheim gehalten, weil meine Eltern das peinlich finden. Ich bin dann eben manchmal einfach so ein sechsjähriges Kind. Da ist es natürlich verständlich, wenn andere einen seltsam finden. Schließlich sehe ich ja immer noch aus wie eine Erwachsene. Für nicht Erkrankte ist das sehr schwer zu verstehen.

Antwort
von FlyingCarpet, 23

Ich arbeite mit diesen Menschen zusammen, kann jeden treffen. Nach einem Klinikaufenthalt (was anzuraten wäre), reden alle offen darüber.

Antwort
von paranomaly, 9

Die Meinung darüber dürfte unterschiedlich sein. Abhängig ob man auch mal davon betroffen war und es versteht, wie sich die jeweilige Person fühlt oder ob man mit solchen Problemen niemals konfrontiert war.

Antwort
von Aslanxx, 30

Ich würde mich weder fernhalten, noch sie meiden. Aber oft weiß man auch nicht, wie man am besten mit solchen Menschen umgehen. Gerade deshalb, weil das nicht richtig thematisiert wird. Ich selber leide auch unter einem psychischen Defizit. Nichts dramatisches wie selbstmord Gedanken etc. Aber habe auch zu kämpfen. Für mich ist das ehrlich gesagt eine Schwachstelle. Etwas, dass andere schnell ausnutzen könnten. Ich würde nicht wollen das es jeder weiß.. Ich schäme mich nicht dafür. Aber ich finde so was muss nicht jeder wissen.

Antwort
von ScienceFan, 18

Ich bin selbst schwach depressiv und deswegen hatte ich noch nie eine Aversion gegen sowas. Ich stelle mal die Behauptung in den Raum dass unsere heutige Gesellschaft sehr oberflächlich ist und deswegen quasi nur auf das Äußere eines Menschen schaut. Da psychische Krankheiten bezüglich ihrer Entstehung nicht hinreichend erforscht sind kann man bspw. keinen Bluttest machen um zu gucken ob die Neurochemie in Ordnung ist, dafür weiß man einfach zu wenig übers Gehirn. Dadurch nimmt man eine Person nicht als krank war, weil die Symptome nicht quantifizierbar sind, und nur von einem selbst erfasst werden.

Daraus resultieren wahrscheinlich alle Aversionen gegenüber psych. Erkrankungen, gemäß dem Motto:“Man sie ja nicht sehen oder direkt feststellen, dann ist man zwangsläufig selbst verantwortlich!“

Ja der Mensch ist schon ein ekelhaftes Wesen....

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