Der Satz wirkt beim ersten Eindruck etwas seltsam, besonders weil ein Begriff innerhalb eines Satzes, der wie eine Definition oder eine Kernaussage daherkommt, zweimal vorkommt und dabei Rätsel entstehen, worauf sich „Essenz“ jeweils bezieht und warum die Essenz nicht von der (welcher?) „Essenz“ abhängen soll. Der Satz erweckt den Verdacht, jemand drücke sich absichtlich verwickelt und gekünstelt aus und baue geistige Luftschlösser. Ich würde eine einfachere Aussage vorzeihen.
Offenbar will jemand eine wichtigen Gedanken mitteilen. Würde ist ein grundlegender Begriff. Sie bezeichnet etwas Wertvolles, das Anerkennung verdient und als unantastbar geschätzt werden sollte, und auch eine Ausstrahlung aufgrund eines Handelns, das einem Bewußtsein über etwas Achtunggebietendes entspricht.
Der Satz ist aber schwer verständlich und erweckt Zweifel, ob nicht zwei miteinander unverträgliche Weltsichten verbunden werden sollen.
Essenz ist das Wesen (eine seiende Wesenheit/eine Washeit/ein Sosein von Sachen [in einem allgemein Sinn, also auch Personen eingeschlossen]), Existenz das Dasein.
Anscheinend gibt es Bezüge zum Existenzialismus. Nach diesem geht die Existenz der Essenz voraus (vgl. beispielsweise Jean-Paul Sartre, Der Existentialismus ist ein Humanismus). Es gebe keine allgemeine Natur des Menschen, sondern der Mensch sei, was er aus sich macht. Er hat einen Entwurf von sich selbst für die Zukunft. Der Mensch existiere in dem Ausmaß in dem e r sich verwirklicht und sei nichts anderes als sein Leben, die Gesamtheit aller Handlungen. Er müsse seine Existenz in einem freigewählten Entwurf wählen und sei zur Freiheit verdammt. Er sei verantwortlich dafür, was er ist. Dabei wird Freiheit zur Grundlage aller Werte, weil in einem Entwurf ein Subjekt etwas ohne Grundlage eines gegebenen und nur noch zu erkennenden Wesens setzt. Wenn kein solcher Bezugspunkt vorhanden ist, kann die Wahl nicht weiter begründet werden (nur als ein gewählter Entwurf). Der Existenzialismus nimmt - in Entgegensetzung zu bestimmten metaphysischen Ansätzen - keinen vorgegeben Sinn des Lebens und keine festen Wesenheiten an, will aber dennoch zu einer Essenz (die nicht einfach nur subjektiv sein kann) kommen.
Worauf soll in der Aussage eine Würde als Essenz beruhen, wenn nicht auf irgendeinem Wesen (eventuell des Seins)? Der Satz ist dringend erläuterungsbedürftig, um von anderen nachvollzogen und verstanden zu werden. Auch wenn gesagt wird, Würde sei der eigentliche oder innere Kern allen Daseins bzw. von allem, was existiert, bleiben sachliche Probleme. Möglicherweise zielt der Gedanke hinter „Unabhängigkeit von der Essenz“ auf Unabhängigkeit von zufälliger und wechselhafter konkreter Realisierung. Dies wird aber in der philosophischen Tradition als Akzidens bezeichnet, dem Gegenteil von Essenz bzw. Substanz (vgl. das Gegensatzpaar akzidentiell - essentiell/substanziell).
M. M. n. unnötig kompliziert formuliert, da das Wort Essenz offenbar in jeweils unterschiedlicher Bedeutung verwendet wird (das erste Mal von lat. essens = seiend, also: "das Seiende", das zweite Mal im Sinne von "Kerngehalt"). Wer so formuliert, will i. d. R. intellektuelle potemkinsche Dörfer bauen, wobei er von der Fehlannahme geleitet wird, da manches Komplexe sich nicht einfach ausdrücken lässt könne, was einfach ausgedrückt werden kann, nicht komplex sein. Die hohe Kunst des Formulierens besteht aber darin, so einfach wie möglich, ohne zu ver-einfachen, zu formulieren. Warum also nicht dasselbe einfacher ausdrücken: "Würde ist der Kerngehalt des Seins, der allem, was existiert, zugekommt."

Puh... ich versuch es mal... Um es mir zu erleichtern, beziehe ich diesen Satz mal auf mich (sozusagen als "Platzhalter" für alle Menschen :-): Ich bin also die Existenz. Und meine Essenz ist die Würde. Und diese Würde ist mein "Geburtsrecht", heißt, ist völlig unabhängig von irgendwas, muss ich mir also nicht erst verschaffen, verdienen, was den Teil des Satzes "nicht von der Essenz abhängige" beschreibt...