Frage von Suketo, 174

Was denken Narzissten über ihren eigenen Narzissmus?

Meine Frage steht im Grunde schon in der Überschrift.
Grundsätzlich und ganz einfach ausgedrückt, sagt man ja, dass Narzissten sich selbst bewundern, bzw. ein ziemlich großes Ego haben. Aber manche sind sich ja nicht einmal bewusst, dass sie Narzissten sind.
Und wie denken sie dann darüber, wenn sie es sozusagen rausfinden oder gesagt bekommen? Kann es sein, dass sie sich selbst immer anders wahrgenommen haben und von dieser Tatsache geschockt sind? Oder dass sie gar nicht so sein wollen? Oder ist das ausgeschlossen?

Ich denke, es ist ungefähr klar geworden, was mich gerade beschäftigt.

Über informative Antworten bin ich sehr dankbar! :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Herbstelfe, 119

Hallo Suketo, das ist ganz schön schwierig zu beantworten, aber eine interessante Frage.

Ich würde mal vermuten, dass ein richtiger Narzisst den Vorwurf er sein ein Narzisst, nicht für voll nehmen würde. Wahrscheinlich würde er sagen, dass man ja nur neidisch auf ihn sei. Kritikfähig sind Narzissten nämlich nicht und sich selbst in Frage stellen gehört auch nicht zu ihren Stärken.

Genau, ein Narzisst nimmt sich selber falsch war. Er ist von sich und seinen Begabungen übertrieben überzeugt und hält sich für ganz besonders. Das Denken eines Narzissten kreist auch nur um ihn selbst, weswegen er auch nicht zu Empathie in der Lage ist.

Psychologisch würde ich das mit dem Selbstkonzept eines Menschen erklären. Durch deine Erfahrungen mit Menschen usw. bekommst du ein Bild von dir. Bei Narzissten ist dieses Selbstbild aber verzerrt. Aber wenn ein Mensch ein Bild von sich hat und von diesem voll und ganz überzeugt ist, dann versucht er dieses quasi aufrecht zu erhalten. Wie macht er dies? Durch eine entsprechend einseitige Wahrnehmung. Alle Erfahrungen, die deinem Konzept "ich bin der allerbeste" entsprechen, nimmst du wahr. Sie bestätigen dich zudem nochmal in deiner Überzeugung. Alle anderen Erfahrungen hingegen, wie z.B. Kritik an deiner Person, die blendest du aus bzw. leugnest sie (das ist ja nur Neid usw.). Folglich ist die "Inkongruenz" (eine Art Diskrepanz) zwischen meinem Selbstbild "Ich bin der allerbeste" und der realen Erfahrung "Ich bin doch nicht der allerbeste" bewältigt und ich fühle mich wieder gut :-)

Das war natürlich ein absoluter Psychologie-Crash-Kurs :-D Aber ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen. LG Herbstelfe

Kommentar von Suketo ,

Hey, Herbstelfe! Danke, für deinen tollen Beitrag :)

Ich finde dieses Thema (und Psychologie insgesamt) wirklich enorm spannend und deine Erklärung hat mir auf jeden Fall weiter geholfen!

Kommentar von Herbstelfe ,

Gerne, das freut mich :-)

Antwort
von bikerin99, 97

Solange sie keine größeren Probleme in sozialer Umgebung haben (Freundschaft, Arbeit,...), werden sie ihre Störung nicht wahrnehmen und auch nicht die Rückmeldung, Narzisst zu sein, annehmen. Passt ja nicht in ihr Selbstbild.

Antwort
von momolo13, 91

ich war neun jahre lang mit einem pathologischen narr-zissten zusammen und bin überzeugt, dass so ein mensch derart schräg wahrnimmt, keinen wirklichen zugang zu gefühlen hat, dass es ihn schlicht nicht interessiert wie andere über ihn denken, denn er ist ja sowas von sich überzeugt.

das einzige gefühl was der narr-zisst hat ist die eigene kränkung hin und wieder, die er aber schnell durch komplimente die er in seinem umfeld sammelt, wieder wett macht.

narzistisch zu sein ist mit einem grossen showaufwand verbunden, die leben in einem einzigen lügentheater. es geht immer nur darum bestätigungen für die eigene genialität zu generieren, dafür tun sie alles. sie gehen dabei auch über leichen, die gefühle ihrer mitmenschen sind ihnen nämlich egal, da sie ja eh nichts spüren, bei ihnen läuft alles nur über den kopf, sie sind nicht mit dem herzen verbunden.

Antwort
von km11111, 99

Hallo!

In der Regel, dass das alles dummes Zeug ist.

Sofern dies aber mit Aufklärung (z.B. bei einer schweren Krise mit stationärem Aufenthalt) erfolgt, so dass Muster erkennbar werden und dem Betroffenen selbst schrittweise einleuchtet, dass sein Verhalten auch bei ihm zu Leiden führt, besteht eine Chance, zumindest solange ein Leidensdruck vorhanden ist, dass sich derjenige damit zaghaft auseinandersetzt, ohne es gleich grinsend in den Mülleimner zu schnipsen.

VG

Antwort
von peace1287, 82

Ein Narzisst ist derart von sich selbst überzeugt und sieht sich selbst, derart gerne im Mittelpunkt, dass es ihm egal ist, ob die Aufmerksamkeit die er bekommt, von negativer oder positiver Natur ist.

Ich hab mal von einem Experiment gehört. Bei dem du einen Narzissten nur zu fragen brauchst, wie sehr er sich auf einer Skala von 1 bis 10,  selbst als nazistisch bezeichnen würde. 

Ein Narzisstist würde dir demnach immer eine hohe Zahl nennen. 

Ob man das am Ende aber wirklich so pauschalisieren kann, weis ich nicht...

Ich denke aber, dass ein Narzisst kein großes Problem damit haben wird sich selbst zu lieben. Den genau das tut der Narzisst ja! Kritik an der Person eines Narzissten ist nicht wahr. Und der Narzisst ist ja ohnehin unfehlbar... Und warum sollte die Liebe zu sich selbst, für einen Narzissten etwas negatives sein!?

Problematisch ist nur, dass ein immer größerer Teil der Weltbevölkerung, narzisstische Verhaltensweisen entwickeln... Für mich ist das sogar die Wurzel allen Übels. Und maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass unsere Spezies so viele Probleme untereinander und auch miteinander haben... 

Antwort
von Joschi2591, 98

Vermutlich finden sie sich selber voll in Ordnung, egal, ob es ihnen von anderen klargemacht wird oder sie selber wissen, dass sie narzisstisch veranlagt sind.

Antwort
von Speartful, 84

Ich denke auch dass sie überzeugt von sich sind und nicht vor haben, daran etwas zu ändern.

Kommentar von wolfram0815 ,

Genau so ist es!!! 

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