Frage von finaljason, 38

Was bringt eine Liebesbeziehung unterm Strich?

Guten Abend,

6 Monate lang war ich in einer Beziehung mit einem Mädchen, das ich eigentlich schon fast mein ganzes Leben lang kannte. Nachdem wir uns fast 3 Jahre nicht mehr gesehen hatten, gestand sie mir plötzlich ihre Liebe. Wir hatten danach viele tolle Dates. Ihre Gefühle zu akzeptieren war eine wohl überlegte Entscheidung für mich, denn ich bin niemand, der Entscheidungen impulsiv trifft. Aber sie war die Liebe meiner Kindheit, meiner frühen Jugend und sie war es damals immer noch. Ich dachte es würde ewig mit uns klappen können.

Etwa 6 Monate ist unsere Trennung nun her. Es ging nicht lange gut, aus vielen verschiedenen Gründen. Die ganze Beziehung war nur auf dem Sand ihrer Projektionen errichten, denen die Realität nicht standhalten konnte. Ich suchte eine Partnerin, keine Prinzessin (was natürlich nicht heißt, das ich sie nicht verwöhnt hätte), aber sie suchte eine Prinzen.

Es gibt viele Dinge, die ich mir gern mal dazu von der Seele schreiben würde, aber darum soll es heute nicht gehen. Meine Perspektive wird bezüglich ihr langsam von Hass verzerrt (Kierkegaard hatte wohl recht: "Der Hass ist die Liebe, die gescheitert ist."). Noch kann ich aber rational die Auswirkung der Beziehung auf mein damaliges Leben bilanzieren.

Punkt 1: Durch die Beziehung war ich so glücklich wie nie. Das gebe ich gern zu. Es war eine wunderbare Erfahrung einem anderen Menschen so nahe zu sein. Ich wendete viel meiner Zeit für sie auf, wie es halt in Beziehungen üblich ist und erhielt sehr viel dafür zurück. Nicht immer das, was ich gerade brauchte aber ich war glücklich.

Punkt 2: Ich hatte weniger Zeit für Freunde, Kommilitonen, Studium und mich selbst. Alles Dinge, mit denen ich mich sehr gern auseinandergesetzt habe und die vor der Beziehung mein Leben viel stärker bestimmt haben. Das ging damals in Ordnung, denn obwohl mich alle diese dinge mit Freude und Befriedigung erfüllen kein Vergleich zur Liebe und dem Gefühl im tiefsten Inneren verstanden zu werden. Zeit ist nun mal begrenzt.

Punkt 3: Den Schmerz, den ich nach unserer Trennung empfunden habe. Noch niemals habe ich solchen Schmerz gespürt. Es hätte mich fast zerrissen und eigentlich belastet es mich immer noch, sonst würde ich hier nicht darüber schreiben. Ich zweifelte an meiner eigenen Person. Wie konnte ich so einen Fehler machen, mich dem falschen Menschen von ganzem Herzen anzuvertrauen? War ich eigentlich die ganze Zeit blind für die Realität? Eine unangehme Nebenwirkung von Liebe, denke ich. Aber ich betrachte es mal wohlwollend rational und sage Punkt 1 gleicht Punkt 3 aus.

Kommen wir zum Ergebnis. Das Leben ist keine Rechenaufgabe, Beziehungen sind es nicht, Menschen sind es erst recht nicht. Aber ich muss herausfinden, wofür es sich lohnt Zeit und Energie aufzubringen und wofür nicht. Die Beziehung war eine schöne Erfahrung, aber brauche ich noch eine? Sind Freundschaft und Studium nicht nachhaltiger und das Risiko geringer?

Was denkt ihr? Bitte zeigt mir eine andere Perspektive!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ThePsilosopher, 29

Hm. Du bist sicher um einiges intelligenter (deinem Ausdruck nach zu urteilen auf jeden Fall gebildeter) und möglicherweise sogar älter als ich, aber ich würde dir trotzdem gern ein paar Sachen sagen. Höchstwahrscheinlich bist du dir dieser Sachen durchaus bewusst. Aber ich denke, Trennungen führen nicht zwangsläufig zu vollständiger Desillusionierung sondern bringen ebenso neue Täuschungen hervor.

Was studierst du? Physik? Mathe? Informatik? Sorry, bin nicht so bewandert, was Studiengänge und Wissenschaften angeht. Der Punkt ist, du kommst sehr rational rüber. "Die Beziehung war eine schöne Erfahrung, aber brauche ich noch eine?" - äh, nein, objektiv betrachtet sind Beziehungen nicht notwendig. "Sind Freundschaft und Studium nicht nachhaltiger und das Risiko geringer?" - ja schon, nur ist das Gefühlen ziemlich egal. Und solange du noch welche hast, kann es durchaus sein, dass du dich wieder auf solch ein "scheinbares" Glück einlässt. Für mich sieht es so aus, als müsstest du erstmal ein bisschen regenerieren und versuchst gerade einfach dieses Defizit an Bereitschaft, dich jemandem zu öffnen, mit der Notwendigkeit und dem Sinn von eben jener und den Folgen zu erklären. Dabei bist du vielleicht einfach nur verletzt. Da ist es voll normal, dass man sich fragt, wofür man eigentlich liebt. Das verschwindet irgendwann wieder. Und dann geht die ganze Sache von vorn los.

Kommentar von finaljason ,

Du scheinst mein Problem sehr gut zu verstehen. Deine Ansicht ist mir ebenfalls schon in den Sinn gekommen. Sie ist wohl am Nächsten an der Realität.

Ich bin nicht komplett gefühllos, wohl aber sehr kontrolliert. Die meisten meiner eigenen Empfindungen kann ich erschreckend einfach herunterschlucken. Nach außen bin ich deshalb sehr freundlich und verständnisvoll und kann gut auf andere eingehen. (Wer nicht redet, hört besser, sozusagen.) Das ist im Grunde eine Fassade, aber eine die ich gern trage. Denn sie macht die Menschen um mich herum glücklich und das ist mir ein Bedürfnis. In gewissen Grenzen kann ich auch frei kontrollieren, was mich selbst glücklich macht und meinem Handeln einen neuen Sinn geben, einfach durch Perspektivwechsel. Das ist dann konstruiert, aber glücklich bin ich trotzdem. Und ist Realität nicht genauso nur ein Konstrukt?

Worauf ich hinaus will, ich bin vielleicht ein Stück weit falsch, schmierig und (selbst)manipulativ, aber ich will, dass die Leute um mich herum glücklich sind und ich glücklich unter ihnen sein kann. Das ist der Zweck und ich habe nützliche Mittel dafür. Aber abgesehen davon, habe ich noch Identität, Prinzipien, kann lieben und hassen. Habe wahre Freunde, denen ich mich anvertrauen kann und nicht die vollständige Kontrolle über mich. Deshalb wird dein Szenario wohl eintreten und das ist auch gut so. Ich sollte es begrüßen und mich fallen lassen, wenn ich wieder bereit dazu bin. So ist es vermutlich auch am schönsten.

Eigentlich habe ich diese Frage gestellt, um mich der wahrscheinlichsten, aber unkontrollierbaren Variante nicht stellen zu müssen und eine Alternative zu adaptieren, mit der sich besser umgehen lässt. Aber du hast absolut Recht und ich sollte das nicht länger leugnen.

Dank deiner Antwort konnte ich über mich nachdenken und etwas mehr Frieden mit diesem Thema machen, das mich jetzt schon so lange beschäftigt. Danke. Du hast mir wirklich wirklich geholfen, mehr als ich jemals gehofft hätte.

Kommentar von ThePsilosopher ,

Hingabe und Kontrollverlust können durchaus befriedigend sein. Das beste Beispiel dafür ist der Geschlechtsakt. Du scheinst wirklich sehr zufrieden damit zu sein, wie du lebst, aber ich als emotional gesteuerter Mensch würde dir mehr... mir fällt gerade kein Wort ein. Hoffentlich weißt du auch so, was ich meine :D wünschen.

Antwort
von Allexandra0809, 19

Du musst Diich entscheiden. Du kannst  Dein Leben mit Deinem Studium und späteren Beruf ausfüllen. Vielleicht hast Du auch ein paar Freunde, mit denen Du teilweise Deine Freizeit verbringen kannst.

Du kannst aber auch Dein Leben mit einer Frau verbringen, die Dich wirklich liebt. Sei dann aber so fair und sag ihr, dass Du wahrscheinlich für sie nicht das gleiche empfinden wirst. Du gehst viel zu rational an die Sache ran.

Lass Dir aber gesagt sein, dass es die wirkliche Liebe gibt, die ein ganzes Leben halten kann. Ich selbst hab inzwischen über die Hälfte meines Lebens mit meiner größten Liebe meines Lebens verbracht und wir werden diese Ehe weiterführen, bis der erste von uns seine Augen für immer schließen wird.

Kommentar von finaljason ,

Muss ich mich entscheiden? So viele Leute vereinbaren doch scheinbar alles gut miteinander. Sicher könnte ich durch ein solches Opfer viel erreichen, aber wäre das nicht nur eine Flucht vor dem Problem?

Antwort
von imyasmin, 38

Ich denke das freundschaft und studium sicher sehr wichtig sind. Doch du musst dich fragen ob dir das auf die dazer reicht. Ich kann nur sagen das es mir nicht reichen würde. Klar das oberflächliche herummachen und den sex kannst du auch in kurzen oberflächlichen beziehungen bekommen. Doch nur eine person die dich über längere zeit kennt wird dich akzeptier, immer hinter dir stehe und dich unterstützen. Und das schönste an einer beziehung ist die liebe. Ich könnte nicht ohne sie leben. Doch da stellt sich auch wieder die frage kannst du ein leben lang ein und die selbe person lieben? Sie wird sich verändern, du wirst dich verändern, du wirst neue leute kennen lernen und wirst du trotzdem in der lage sein diese eine person die ganze zeit über zu lieben. Ich bim der festen überzeugung, das das geht, denn wenn nicht, würde ich keinen sinn mehr im leben sehen. Doch das ist bei jedem individuell.

Antwort
von kawaiiakiko, 16

Ich war bisher noch nie verliebt und hatte auch dementsprechend noch nie eine Beziehung. Natürlich wünsche ich mir einerseits einen Partner an meiner Seite, dem ich vollkommen vertrauen kann und der meine Tage schöner macht. Da ich bisher die Liebe noch nicht erlebt habe, kenne ich sie nur aus Büchern und Filmen. Mir ist bewusst, dass diese Liebe nur selten der Realität entsprechen, aber nach dieser Liebe würde ich mich sehnen. Meiner Meinung nach ist Liebe bestimmt etwas schönes.. eine Art Bonus im Leben, welcher aber nicht unbedingt notwendig ist. Man kann auch ohne Liebe glücklich sein. Möglicherweise auf eine andere Weise, wie die Liebe es schaffen würde, aber für jemanden, der noch nie verliebt war und keine Vergleiche ziehen kann, genügt die einfache Art vom Glücklich sein.

Nun, so viel zu meiner Perspektive. Manche hier schrieben, du müsstest dich entscheiden.. aber das stimmt nicht. Manche Menschen verlieben sich mit 60 noch einmal. Da hast du dann bestimmt genug Zeit.

Antwort
von Katha87, 21

Ein Risiko gibts immer. Aber eine Freundschaft, ein guter Jab nach einem guten Studium, Geld, Freizeit.... nichts kann das ersetzen, was man fühlt, wenn man eine romantische Beziehung führt. Ihr seid über die Verliebtsheitsphase nicht hinaus gekommen, habt also nur die sogenannte "Sturm und Drang"-Zeit erlebt. Das ist irgendwann vorbei, man hat wieder Augen und Zeit für Freunde, Studium, Hobbies. Sowas bleibt also nicht für ewig auf der Strecke. Nur wenige finden ihre Erfüllung einzig und allein in einer Beziehung.

Ich gehe gerne mal mit einer Freundin Cocktails trinken, oder tanzen. Ich gehe gerne mal alleine shoppen. Aber meinem Freund wieder gegenüber zu stehen, wieder neben ihm zu sein und seine Haut an meiner zu fühlen, das ist jedes Mal, als wenn ich die Luft angehalten hätte und endlich wieder atmen kann. Als würde ich nach Hause kommen, könnte die Lasten von meinem Rücken ablegen und entspannen. Ich fühle mich zu Hause. Wenn ich die Woche über viel arbeiten musste und wir kaum Zeit hatten, dann ist selbst ein Tisch auf einer Geburtstagsparty zwischen uns zu viel. Er macht mich vollkommen. Und durch ihn kann ich in allen anderen Bereichen viel entspannter sein, weil ich weiß, dass er hinter mir steht und abends alle Sorgen weg streichelt.

Also: Ja, Liebeskummer ist manchmal wie sterben. Und es wird nicht einfacher, je älter man wird, je länger die Beziehungen dauern, je ernsthafter es ist. Aber irgendwann findet man den oder die Eine/n und dann versteht man, warum es mit allen anderen vorher nicht klappen konnte.

Expertenantwort
von einmensch23, Community-Experte für Beziehung & Liebe, 12

Also ich bin ein Mann der an die Evolutionstheorie glaubt und möchte deine Frage auch mit dieser beantworten. Unterm Strich haben Menschen2 Ziele (Natürlich nur aus Evolutionärer Sicht) das erste ist zu überleben und Das zweite ist sich zu Reproduzieren. und unterm Strich sind genau diese 2 Ziele die gründe und der Sinn für eineLiebesbeziehung. Um diese Ziele zu erreichen hat sich die Evolution für beide Geschlechter jeweils eine Strategie ausgedacht. Z.b. wenn wir uns mal die Frau betrachten ist sie viel schwächer als die Männer und kann sich nicht alleine zu Wehr setzen also braucht sie einen Mann und muss ihn auch an sich binden damit er sie Beschützen kann. Aus dem Grund ist es Frauen auch so wichtig das sie das Gefühl von einen Mann bekommt das er sie Beschützt und das Alphamännchen gilt hier als besonders Attraktiv. Frauen wollen auch nicht ihren Mann mit anderen Frauen teilen weil der Mann all seine Aufmerksamkeit nur ihr schenken soll und keiner anderen damit er sie auch immer mit all seiner Kraft beschützen kann. Der Mann hingegen hat das Problem nicht allerdings hat er das Problem das wen er zulässt das ein anderer Mann sie schwängert er seine Gene nicht mehr durch sie weitergeben kann. Daher auch die Eifersucht der Männer. Das heißt es ist einfach Überlebens notwendig diese ganzen Gefühle zu haben für den Mann als auch für die Frau. Und auch die Ansprechangst lässt sich durch die Evolutionstheorie erklären. Ich meine stell dir mal vor du sprichst vor Millionen von Jahren eine Frau an und der Mann der Frau sieht das. Er wird eifersüchtig und brät dir mit seiner Keule eins über und die Gene können nicht mehr weitergegeben werden. Das heißt es ist alles gut so die ganzen Gefühle zuhaben und den Wunsch zu verspüren eine Liebesbeziehung haben zuwollen. Das ist jetzt die Erklärung aus Evolutionärer Sicht.

Antwort
von Braunhaar97, 25

Ich bin ein Mensch, der eine Beziehung erst nach einem sehr langem Zeitraum eingeht.... Dies hat auch seine Gründe, aber jeder Mensch macht Fehler, sonst wären Menschen ja nicht Menschen.

Mach dir jetzt nicht soeinen Kopf, nicht jede Beziehung offenbart am Ende das, was man sich erhofft hat ...

Antwort
von boy865, 14

Aus einer Liebesbeziehung nimmst du sehr viel mit für deine Zukunft. Du kannst dann aus deinen gemachten Fehlern/Problemen lernen und bei deiner nächsten Liebe besser machen. Sozusagen wie ein Veteran aus einem Krieg. Ich zum Beispiel hatte auch eine Freundin gehabt, der ich zu früh meine Liebe gestand. Sie verließ mich daraufhin und mir schmerze das Herz. Ich lernte aus dem Schmerz und habe es beim nächsten Mal besser gemacht

Antwort
von moppelkotze789, 8

Weil ein Mensch das Gefühl braucht geliebt zu werden !

Antwort
von JuliusSt, 22

Du hast das doch schön differenziert. Sei dir klar darüber, wer du bist uns was du willst.
Das ist etwas, was niemand dir sagen kann.

Kommentar von finaljason ,

Schon, aber ich will auch nicht blind für eine so wichtige Sache sein. Deshalb will ich mir eine Meinung bilden, in meinem Denken eine Vereinbarkeit für Liebesbeziehungen schaffen. Außerdem hilft mir das Intellektualisieren meiner alten Beziehung besser darüber hinweg zu kommen.

Grundsätzlich stimme ich dir aber zu, vielleicht weiß ich noch nicht genau was ich will?

Antwort
von xXtonyXx, 23

Alter hat sich gelöhnt sich das durchzulesen
Gute Story aber wobei brauchst du jetzt Hilfe hab's nicht richtig verstanden  

Kommentar von finaljason ,

Zeig mir eine andere Perspektive :) Das ist die Hilfe die ich brauche. Ansonsten verstehe ich nicht, warum Beziehungen erstrebenswert sind.

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