Frage von simonbakerlover, 33

Was brachten die Aufstände der Frauen in der Französischen Revolution wirklich?

Hey, ich muss ein Referat über die Frauen in der Französischen Revolution halten und möchte gerne darüber reden, was die Aufstände den Frauen schlussendlich wirklich gebracht haben. Haben wir unser Wahlrecht wirklich ihnen zu verdanken? Kann mir jemand helfen oder mir eine gute Seite empfehlen?

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 10

Ein Wahlrecht haben die Frauen durch die Französische Revolution (1789 – 1799) nicht bekommen. Olympe de Gouges [Marie Gouze] ist dafür eingetreten, aber ohne Erfolg. Längere Zeit über ist sie in Vergessenheit geraten.

Es hat in der Zeit der Französische Revolution Vorreiterinnen des Gedankens eines Frauenwahlrechts und seiner Bejahung sowie der Frauenemanzipation gegeben. Es gibt also eine geschichtliche Wurzel in der Französischen Revolution. Bei der Einführung des Frauenwahlrechts haben gesellschaftliche und wirtschaftliche Verhältnisse, Frauenbewegungen und eine Unterstützung der Forderung durch Männer (wobei Sozialdemokraten/Sozialisten und Liberale eher zustimmten und zu einer Umsetzung bereit waren) eine Rolle gespielt.

In Deutschland hat der Rat der Volksbeauftragten (provisorische Regierung aus SPD und USPD, in der Novemberrevolution 1918 gebildet) in Einklang mit einem Standpunkt im sozialdemokratischen Parteiprogramm am 12. November 1918 ein Frauenwahlrecht eingeführt. Dieses war im Reichswahlgesetz vom 30. November 1918 enthalten und ebenso galt nach Artikel 22 der Verfassung des Deutschen Reichs (Verfassung der Weimrarer Republik) vom 11. August 1919 ein allgemeines gleiches, unmittelbares und geheimes Wahlrecht für Männer und Frauen ab 21 Jahren.

In Frankreich ist ein Wahlrecht für Frauen durch Verordnungen des Komitees für die Nationale Befreiung (Comité français de la Libération nationale; abgekürzt: CFLN) vom 21. April 1944 und der Provisorischen Regierung der Französischen Republik (französisch Gouvernement provisoire de la République française; abgekürzt: GPRF) vom 17. August 1945 eingeführt worden.

Für eine umfassende Antwort auf die Frage, wem es zu verdanken ist, wären die Umstände in den jeweilgen Staaten/Ländern zu untersuchen.

Die Ergebnisse, die Aufstände der Frauen bzw. mit Beteiligung von Frauen gebracht haben, haben eine unterschiedliche Zeitdauer gehabt, waren teilweise eher kurzfristig. Es ergaben sich neue Handlungsmöglichkeiten. Individuell waren die Auswirkungen in dieser oft konfliktreichen Zeit vielfältig, sowohl günstig wie ungünstig. Für Frauen als Frauen hat sich die Französische Revolution nur in einem verhältnismäßig kleinen Ausmaß gelohnt.

ein Versuch, Ergebnisse zu sammeln:

  • in Notlagen nach Protesten Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung (vor allem Brot) und zur Bewahrung oder Schaffung nicht zu hoher Preise (vor allem 1789 – 1793 erfolgreich; Ergebnisse oft eher kurzfristig)
  • Erwerbsarbeitsmöglichkeiten für Bedürftige in öffentlichen Werkstätten
  • durch ein Gesetz vom 20. September 1792 zivilrechtliche Ehe (schon die Verfassung von 1791 hatte die Ehe als bürgerlichen/zivilrechtlichen Vertrag verstanden), Heiratsalter von 21 (damit Entlassung aus der väterlichen Gewalt) Jahren und Ermöglichung einer Scheidung unter bestimmten Voraussetzungen
  • 1793 Verfügungsgewalt über das Familieneinkommen, was die Abhängigkeit von Frauen Abhängigkeit verringerte, Frauen bekamen das Recht, Familienbesitz selbständig zu verwalten und zu vererben, ihnen war Zeugnisfähigkeit (Frauen konnten ein Testament verfassen, das auch ohne Unterschrift des Ehemannes oder eines anderen männlichen Vertreters rechtsgültig war) und Geschäftsfähigkeit zuerkannt (dies wurde unter Napoleon im Code Civil von 1804 abgeschafft, wie auch andere Verbesserungen für Frauen im Zivilrecht ganz zurückgenommen oder verringert wurden)
  • zeitweise Möglichkeiten der Beteiligung an der öffentlichen politischen Diskussion, allerdings zwischen 1793 und 1795 schrittweise abgeschafft (Verbot von Klubs und Vereinen von Frauen; Verbot der Mitwirkung von Frauen in Volksgesellschaften; Wegnahme des Rechts, Petitionen vorzubringen und als Zuhörerinnen an den Sitzungen des Nationalkonvents teilzunehmen)
  • bessere Bildungschancen durch ein Gesetz vom 9. Dezember 1793, das ein kostenloses, staatlich beaufsichtigtes Schulwesen mit Schulpflicht für die Grundschule einführte (allerdings wurden die Ziele mangels Mitteln wenig umgesetzt und ein neues Gesetz nahm 1795 Bestimmungen zurück)


Für die Bevölkerung ingesamt (und damit Frauen als einem Teil von ihr) hat es Errungenschaften und gute Seiten der Entwicklung gegeben (daneben auch Schattenseiten):

- Sturz der absolutischen Monarchie

- Abschaffung der Ständegesellschaft mit Privilegien (Vorrechten) für die höheren Stände Klerus (clergé) und Adel (noblesse)

- Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen) am 26. August 1789

- Einführung von Volkssouveränität und Demokratie

- Trennung von Staat und Kirche

- Hochhalten von Ideen wie Liberté, Égalité, Fraternitée (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), die als Ideale, Werte und Ziele lohnenswert sind, auch wenn die Wirklichkeit keine volle Erfüllung brachte und zum Teil davon abwich

- Erlebnis einer Gemeinschaft in der Nation, patriotischen Engagements: Die Forderung nach Gleichheit und Partizipation war mit der Entstehung der Nation als politischen Leitbegriff verbunden.

- politische Öffentlichkeit als neue politische Kultur

- Öffnung der Geschichte in die Zukunft mit dem Eindruck einer Möglichkeit, eine neue Gesellschaft (freier, selbstbestimmter, gerechter) aufzubauen und ihre in die Zukunft führende Entwicklung aktiv zu gestalten

eine allgemeine Einführung mit einem Abschnitt, der zum Thema beiträgt:

Wolfgang Kruse, Die Französische Revolution. Paderborn , München : Wien ; Zürich : Schöningh, 2005 (UTB : Uni-Taschenbücher : Geschichte ; 2639). ISBN 3-506-71316-7 (Schöningh); ISBN 978-3-8252-2639-8 (UTB) (S. 134 – 148 Geschlechterbeziehungen)

https://www.historicum.net/themen/franzoesische-revolution/einfuehrung/wirkungsb...

http://www.univie.ac.at/igl.geschichte/europa/FR/Arias/Arias_Index1.htm (auf der linken Seite können Unterseiten angeklickt werden)

https://www.gutefrage.net/frage/waren-frauen-in-der-franzoesischen-revolution-wi...

https://de.wikipedia.org/wiki/Erkl%C3%A4rung_der_Rechte_der_Frau_und_B%C3%BCrger...






Antwort
von andre123, 8

Der im Rahmen der franz Rev. eingeführte Code Civil als grundlegendes Gesetzwerk brachte tendenziell eher eine Verschlechterung der Stellung der Frau im Zivil/Vertragsrecht

Antwort
von adabei, 11

Vielleicht hilft dir das weiter:

http://www.anabell.de/frauen\_franzoesische\_revolution/die\_stellung\_der\_frau...

Oder:

http://republique.de/?stichwort=frauen

etc.

Gib einfach "Rolle der Frau in der Französischen Revolution" bei Google ein und du wirst noch einiges finden.

Antwort
von herja, 15

Einfach mal ein bisschen lesen und verstehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Erkl%C3%A4rung_der_Rechte_der_Frau_und_B%C3%BCrger...

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