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Was benötigt man, um eine Ideologie zu konstruieren?

gefragt von HarterkampferHarterkampfer am 30.07.2009 um 9:43 Uhr

Die Welt ist voll von Ideologien, in Politik, Wirtschaft und Religion wimmelt es davon. Daher habe ich beschlossen, auch eine eigene Ideologie zu gründen. Inhaltlich…, das werden wir noch sehen. Zunächst benötige ich einen Bauplan. Mich interessiert, welche Komponenten dafür benötigt werden? Wer kennt sich damit aus?


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valentin301
beantwortet von valentin301 am 30. Juli 2009 10:10
5x
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Schau doch mal unter Smith, dem Gründer des Mormonentums, bei dem hat das super und erfolgreich funktioniert. Am besten wäre es natürlich, wenn Du eine überirdische Eingebung / Offenbarung hättest, auf deren Grundlage Du dann ein Buch schreibst und Deine Anhänger sammelst. Das könnte klappen, aber wahrscheinlich besser in Amerika als in Europa. Meldest Du Dich, wenn Du soweit bist?

Kommentar von B043ae9a3a111615e02b444c6737b100smallHarterkampfer am 30. Juli 2009 10:21

Klar, Valentin, sicher werden wir für dich eine Stelle als Prophet schaffen!

Aber das ist eine gute Idee, die Mormonen haben wirklich eine erfolgreiche Ideologie gegründet, und das im 19. Jahrhundert, also zu einer Zeit, in der die Wissenschaft schon recht weit war.


anonym
beantwortet von Albrecht am 30. Juli 2009 17:58
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Es gibt verschiedene Ideologiebegriffe. Ein neutraler versteht darunter jede Weltanschauung, ein negativer ein einseitiges, sich über Erfahrungen hinwegsetzendes, nicht für kritische Überprüfung von Grundannahmen und Selbstberichtigung offenes Meinungssystem. Es schottet sich ab und ist nicht zu einem Hinterfragen des Weltbildes selbst bereit. Was in der Wirklichkeit sich schlecht darin einfügt, wird geleugnet oder umgedeutet. Dann herrschen starrsinniger Dogmatismus, absichtliche Voreingenommenheit und/oder unbewußte Vorurteile. Ideologie in diesem Sinn wird auch als Verblendung, falsches Bewußtsein oder Herrschaftslegitimation bezeichnet. Eine Bezeichnung selbst abgelehnter, gegensätzlicher Überzeugungen als Ideologie ist auch ein rhetorisches Mittel. Der Ideologievorwurf trifft die anderen (sie sind die „bösen“ Ideologen), während für die eigene Meinung Ideologiefreiheit beansprucht wird.

Eine Ideologie/Weltanschauung kann konstruiert oder begründet werden. Gegründet wird nach einem üblichen Sprachgebrauch eine Organisation, die eine Ideologie/Weltanschauung vertritt und sich um ihre Verbreitung und erfolgreiche Durchsetzung bemüht. Jemand kann Iniator einer Bewegung sein, die Träger einer Ideologie/Weltanschauung ist.

Bestandteile einer Ideologie/Weltanschauung:

  • zumindest in einer bestimmten Hinsicht festgefügtes Weltbild

  • Wahrheitsanspruch

  • Grundideen, von der die Wahrnehmung und Erklärung der Welt geprägt ist (Ausrichtung auf etwas großes Ganzes)

  • Neigung zur Vereinfachung unter Vernachlässigung/Unterbewertung von Tatsachen einer komplexen Wirklichkeit (Patentrezepte für viele Probleme) und entgegenstehender empirischer Einzelheiten

  • Angebote, die auf Bedürfnisse nach Orientierung eingehen (Sinn, Ordnungssystem, Werte oder Ziele) und Wahrnehmungen, Meinungen und Handlungen steuern

Kommentar von B043ae9a3a111615e02b444c6737b100smallHarterkampfer am 31. Juli 2009 10:05

Klasse Antwort!


Razon
beantwortet von Razon am 31. Juli 2009 09:21
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Als erstes brauchst du ein ideologisches Axiom, auf dem deine Ideologie aufbaut - beispielsweise:

Der Mensch ist dazu geschaffen, Weingummi zu produzieren und damit Handel zu treiben.

Das ist natürlich Unsinn, und das merkt jeder sofort - das darf deinem Axiom natürlich nicht passieren - dazu musst du bedenken - dein Axiom wird mit Sicherheit Unsinn sein, nur merken darf es keiner ;-)

Dieses Axiom verbindest du mit der Aufwertung der potentiellen Anhänger, die durch die Abwertung aller Nichtanhänger errreicht wird. In unserem Fall wäre das:

Weingummikauer sind besser als Nicht-Weingummikauer, wobei die Weingummilutscher natürlich akzeptiert werden, um den Anschein der Toleranz und der Selbstbestimmung des Einzelnen zu wahren.

Das Ganze verknüpfst du mit einer Führerfigur, vorzugsweise nicht du selbst, sondern eine zugkräftige Marionette, zum Beispiel Willi Kaugut. Der gründet die Partei der Weingummikauer, die natürlich du finanzierst. Ohne dass Kaugut es mitbekommt, gehst du jetzt zu Werner Lutschgern, finanzierst ihn ebenfalls und lässt ihn die Partei der Weingummilutscher gründen. Und während die sich streiten, ob sie nun Kauer oder Lutscher sind, machen ohnehin beide, was du sagst, denn du bist der Geldgeber. Da dich aber keiner kennt, kann dir direkt niemand an den Karren fahren.

Als nächstes brauchst du eine Kulturphilosophie, die den Weingummi zum Thema von Kunst und Kultur macht, ohne zu sehr einzuschränken. Am besten lässt du alle Actuonhelden in Filmen Weingummi kauen und sprichst dich diesbezüglich mit der Filmindustrie ab. Leicht bekleidetet Mädchen hüpfen durch Musikvideos und kauen und vor allem lutschen an Weingummi in einer Art und Weise, die auf offener Straße verpönt sein muss - so werden Sehnsüchte geschaffen, geschürt und dann nur teilweise befriedigt, was dir eine gewisse Kontrolle über deine Anhänger gibt.

Ich will nicht zu lange werden, ich gebe einfach den Tip, Machiavellis "Fürst" gründlich zu studieren und dann alles genauso zu machen wie die Amerikaner ;-)

Kommentar von 5afb96a7248abbcd04cd06a2c5bf758fsmallRazon am 31. Juli 2009 09:27

Für die Kapitalbeschaffung empfehle ich so zu machen, wie die Familie Rothschild - die wusste eine Stunde vor dem Rest Englands von Napoleons unwahrscheinlicher Niederlage bei Waterloo, und verzigfachte ihr Vermôgen durch das Nutzen dieses Zeitvorteils beim Spekulieren an der Londoner Börse :-)

Kommentar von 5afb96a7248abbcd04cd06a2c5bf758fsmallRazon am 31. Juli 2009 09:42

Wenn du dann geheimer Herrscher eines Landes geworden bist, wird es Zeit für die Expansion. Auch hier braucht man das nötige Knowhow, das man sich auch von den Amis abschauen kann: Man versorge ein armes Land mit Geld, Ausbildern, Waffen und Medizin auf Kredit, und verspreche, einen gewissen Prozentsatz seiner Weingummiproduktion jedes Jahr zu kaufen, sagen wir 35%.

Und dann lassen wir das Land für uns die Kriege führen, weil wir ihm sonst die Waffen wieder weg nehmen, nicht mehr reparieren oder keine Munition mehr liefern, was das Land über kurz oder lang wehrlos macht. Wir lassen seine medizinische Versorgung zusammenbrechen, indem wir nichts mehr liefern und zerstören seine Volkswirtschaft, indem wir die Waren nicht mehr kaufen - welche Volkswirtschaft kompensiert schon 1/3 Verlust ihres Exportvolumens?

Wenn du Herrscher der Welt geworden bist, wirst du mich natürlich aus dem Weg räumen wollen, weil ich zuviel weiß. Das ist bedauerlich aber logisch, zumal ich keinen Weingummi mag. Ich werde also eine Untergrundorganisation gründen und dich bekämpfen müssen, wenn ich am Leben bleiben will.

Ich sag mal: War nett, dich gekannt zu haben, Harterkampfer, wir sehen uns auf dem Schlachtfeld wieder ;-)

Kommentar von B043ae9a3a111615e02b444c6737b100smallHarterkampfer am 31. Juli 2009 10:11

Razon, mir scheint, du hast schon manch eine Organisation gegründet...!

Kommentar von 46c14679cca793845b8cafd6d9659db9smallAngel84 am 2. August 2009 18:49

Geniale Beschreibung dessen, was in unserer Welt so abläuft, die wenigsten erkennen und auch gar nicht sehen wollen... applaus


Sascher
beantwortet von Sascher am 30. Juli 2009 09:45
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Kommentar von B043ae9a3a111615e02b444c6737b100smallHarterkampfer am 30. Juli 2009 09:58

Danke für Tipp, ist interessant!


dean1990
beantwortet von dean1990 am 30. Juli 2009 09:46
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Viel geld und viele bekannte freunde damit sie sich auch verbreitet


Masoud53
beantwortet von Masoud53 am 30. Juli 2009 09:49
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Die nötige Verbohrtheit(positiv)und Überzeugung um seine Ideologien immer wieder zu untermauern und den Skeptikern die Stirn bieten.Marx und Engeals als Anleitung?

Kommentar von B043ae9a3a111615e02b444c6737b100smallHarterkampfer am 30. Juli 2009 10:02

Kalle und Fritze sind sicher gute Vorbilder!


anonym
beantwortet von LowNils am 30. Juli 2009 09:49
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Es gibt viele Bücher zum Thema "Ideologie" und "Ideologiekritik". Analysiere doch, wie sie dieses Konzept auffassen und filtere Bestandteile heraus, mit denen Du arbeiten kannst.

Gut ist z.B. Raymond Williams, Keywords - da müsste "ideology" drin stehen.


Harterkampfer
beantwortet von Harterkampfer am 30. Juli 2009 10:00
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Auf jeden Fall braucht man dafür ein Feindbild! Das ist, glaube ich, ganz wichtig, damit die Anhänger sich von der restlichen Welt abgetrennt empfinden können! Auf diesem Gefühl der Absonderung kann man dann weiter aufbauen.

Kommentar von support10 am 30. Juli 2009 16:38

Liebe/r Harterkampfer ,

bitte achte in Zukunft darauf Reaktionen zu einer Antwort auch in Form von nachträglichen Ergänzungen Deiner Frage über den Link "Antwort kommentieren" hinzuzufügen. So ist sichergestellt, dass der Zusammenhang im Nachhinein nicht verloren geht, da die Antworten durch die Bewertungen ja ständig in Bewegung sind.

Viele Grüße

Klaus vom gutefrage.net-Support


quetzalcoatl
beantwortet von quetzalcoatl am 30. Juli 2009 23:03
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Schau Dir einfach Ron Hubbard an, der ist genauso vorgegangen, nachdem er mit Science-Fiction Romanen schreiben voll die Pleite erlitten hat.


GegenDenStrom25
beantwortet von GegenDenStrom25 am 2. August 2009 15:46
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Der einfache Bauplan:
  • Stell dir ein verhalten vor, das für alle verbindlich sein müsste, damit deiner meinung nach die welt besser ist als jetzt.
  • Jetzt spinn die idee weiter, was man alles ändern müsste, damit dieses verhalten von allen eingehalten wird
  • wie könnte man skeptiker überzeugen?
  • was wären die vorteile dieses verhaltens?
  • was wären die folgen?
  • welche grundlagen müssten geschaffen werden?
    Herzlichen Glückwunsch - du bist gerade dabei deine ganz eigene Ideologie zu entwerfen.

happyday23
beantwortet von happyday23 am 30. Juli 2009 09:50
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Genau tinschen, eine Ideeologie wird nicht "erfunden" oder "gebaut". Sie entwickelt sich, und Sie braucht Menschen die auch vllt in 20 Diese Ideeologie verfolgen, dazu braucht es zwangsläufig auch nicht unbedingt "viel" Geld.


anonym
beantwortet von Serapis am 30. Juli 2009 16:04
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Ich muss da allerdings warnen. Erstens kennt man zwar viele neue Leute, aber hat keine alten Freunde mehr. Zweitens (primär im Falle einer Sekte) muss man stets selber die Zügel in der Hand halten. Schnell findet sich einer, der die auf die Schliche kommt und es besser machen will, und dir die Schäfchen abwirbt. Man muss also einen aufwändigen Kontrollwahn ausüben. Ergo hat man gar keine Freunde mehr, sondern nur noch potentielle Feinde. Drittens besteht möglicherweise die Gefahr, dass man durch ständige Lobhuddeleien anfängt, selbst an seine Ideologie zu glauben, man also Opfer seiner selbst wird.


evangelista
beantwortet von evangelista am 30. Juli 2009 19:05
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Ich möchte Dir nur einen GUTEN RAT geben. LASS ES LIEBER!

Es wird dabei nichts heraus kommen!

Die meisten modernen Ideologien 19. u. 20. Jhd. sind sowieso gescheitert.

Sie haben sogar großen Schaden angerichtet und nichts zur Verbesserung des Lebens beigetragen.

Im Prinzip fällt den Leuten nichts mehr ein.

Was grundlegend Neues wurde in den letzten Jahrzehnten nicht hervorgebracht.

Und überhaupt ist Deine Idee, eine Ideologie aufzustellen zu wollen, sowieso nicht ernst zu nehmen.

Denn mit den Vorschlägen, die Du hier bekommst wirst Du keine neue Ideologie begründen können.

Kommentar von 5afb96a7248abbcd04cd06a2c5bf758fsmallRazon am 31. Juli 2009 09:48

Das stimmt so nicht Evangelista. Alle Tipps, die ich gegeben habe, haben nachweislich recht erfolgreich funktioniert. Leider.

;-)


gottesanbeterin
beantwortet von gottesanbeterin am 4. August 2009 11:38
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Ich denke, daß man eine Ideologie nicht konstruieren kann. Eine Ideologie entsteht immer aus einer tiefen Überzeugung, doch der Wunsch , etwas zu konstruieren beweist, daß es hier einen Vorsatz gibt, das ist eine planende und distanzierte Haltung, so kann man niemanden mitreißen oder auch überzeugen!


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