Frage von MilleW, 115

Was bei Hufrehe Pony beachten? Gute Idee?

Hallo, also ich habe letztens mit einer Freundin in ihrem Stall ein Pony gesehen in das ich mich sofort 'verliebt' habe! Eine Isländer-Shetlandpony mix Stute, 11 Jahre alt. Sie ist auch zu verkaufen hat der Besitzer gesagt (war zur selben Zeit im Stall) und war eigentlich noch nie krank. Sie ist zwar geritten und gefahren aber momentan hat sie Hufrehe und der Besitzer würde sie gerne zu jemandem geben der ihr mehr Aufmerksamkeit bieten kann. Ich würde sie soooo gerne kennenlernen und vielleicht übernehmen aber ich muss mich ja erst mit Hufrehen auseinander setzten, sonst wäre das vollkommend verantwortungslos und nicht im Sinne des Ponys. Also wollte ich wissen ob ich die Möglichkeit habe ihr die richtige Haltung zu ermöglichen. Ginge ein offenstall? Und für die Koppel eine Fressbremse? Oder lieber außen Box mit Paddock? Oder am besten Innenbox? Brauchen Hufrehe Ponys extra Futter (würde sonst nur Heu bekommen)? Und Tabletten? Kann man sie voll arbeiten (GGA, vielleicht Springen, ab und zu Turniere so vielleicht 1-2 im Jahr)? Muss der Tierarzt häufiger kommen (monatlich oder so)? Und gibt es extra kosten? Wenn ja wie viele ungefähr? Weil das Geld an sich ist da (auch ta Puffer und genug für die Regelmäßigen Kosten) aber nicht so viel das wir im Monat ein paar tausend Euro Zahlen können. Hat vielleicht einer von euch ein Rehe Pferd/Pony? Ich würde gerne eure Erfahrungen hören und was ich alles beachten muss :)

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 58

ich hatte ein rehe pony.

mit einer unheilbaren und nicht besserbaren rehe.

die letzten zwei lebensjahre. davor war er kerngesund (bis auf die stalldämpfigkeit)

ein pony, das rehe hat, ist schwer chronisch krank und nicht gesund. du kannst glück haben, aber auch pech.

du bist nie davor sicher, dass ein fremder dein pony füttert und den nächsten schub aulöst. in keinem normalen stall wird ein rehepferd entsprechend seinen bedürnissen gefüttert und bewegt.

und du lebst bei einem pferd mit schwerer rehe ständig mit dem gedanken im hintergrund, inwieweit die lebensqualität des tieres noch stimmt. ist genug geld für eine nicht vorhersehbare akutbehandlung da - inwieweit macht die aufwendige und oft fürs pferd extrem schmerzhafte behandlung noch sinn.

die kosten sind unabsehbar. das geht im normalfall wirklich in die tausende.

was machst du, wenn noch arthrose dazukommt...

wann ist es zeit, das pferd zu erlösen.

die lebenserwartung liegt sowieso weit unter der normalen lebenserwartung.

bei den meisten pferden wird es nach dem ersten schub noch mal besser, so dass das pferd gearbeitet und auch geritten werden kann. und gerade bei einem nicht so grossen pony kannst du wegen dem "niedlichkeitsfaktor" (och, eine karotte kann nicht schaden...) den zweiten schub kaum verhindern. jeder schub wird teurer und jeder schub dauert länger.

es ist ein unding des jetzigen besitzers, ein schwer krankes pony noch verkaufen zu wollen. klar - spart kosten. aber die rehe ist bei ihm entstanden - die verantwortung kann man nicht wegschieben. das rehepony braucht gar nicht so viel betüddelei und "kümmern". weniger zeit mit ihm zuzubringen ist im normalfall auch die bessere variante.

tu dir bitte selber einen gefallen - finger weg.

Kommentar von Dackodil ,

Sehr traurig, aber leider wahr.

Antwort
von beglo1705, 56

Hufrehe ist ein ganz spezielles Thema und wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Grundsätzlich würde ich aber abraten von einem kranken Pferd, das erklärt sich damit, dass du Turniere (wenn auch nur ab und zu) gehen möchtest und das Pferd regelmäßig arbeiten willst und auch die TA-Kosten sollen sich "im Rahmen" halten, das ist bei so einem Pferd fast unmöglich zu sagen, ob und vor allem wie lange so ein Tier gesund bleibt.

Leider hab ich schon einige Pferde elendig verenden sehen, denen entweder falsches Futter gegeben wurde oder ihnen wurde einfach zu viel abverlangt im angehenden Schub und keiner hat irgendwas "bemerkt".

Das ist nicht das, was du hören wolltest, darfst mir aber glauben dass es nicht schön ist, das (eigene!) Pferd so leiden zu sehen.

Ich würde es nicht machen, weil die Kosten enorm sein können, das Leid für dich und das Pferd schier unerträglich sind und weil die Angst doch irgendwie immer mitreitet.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 58

Ein Pferd mit Rehe zu kaufen, würde ich Dir absolut nicht raten, wenn Du ein Pferd möchtest, dass du reiten und sogar springen möchtest. Du bist so herzlich - und hast ein Pfeed verdient, mit dem Du wenigstens einige Zeit ungetrübte Freude hättest. Es gibt so vieles nette Pferde, in die man sich verlieben kann. Und die Gelegenheit, das  Pferd in schwierigen Zeiten zu umsorgen, kommt sowieso irgendwann, wenn man ein eigenes Pferd hat.

Aber ich würde Dir nicht raten, dir die Sorgen gleich vom ersten Tah an mit zu kaufen! Du bist doch jung und möchtest erst mal etwas ungetrübten  Spaß mit deinem Pferd. 

Springen und dergleichen kannst du eigentlich normalerweise vergessen. 

Rehe ist ja sozusagen ein schlimmer Plattfuß. Da ist es immer schwierig mit Belastung. Wenn ein Pférd für Rehe anfällig ist, mußt du immer wieder mit einem Schub rechnen. Selbst, wenn man die Ursache findet und Du dich darauf einstellst, bist du da nie wirklich sicher. Unter Umständen hängt das auch mit Stoffwechselproblemen zusammen, wo Du jeden Monat für mehrere hundert € Medikamente brauchst, und weitere Symptome zu erwarten sind, die wieder viel Mühe , Sorgen und Kosten verursachen.

Ein Pferd schon mit Rehe kaufen kann man sich eigentlich nur dann, wenn einem weder das Reiten noch unter Umständen hohe Kosten wichtig sind.

Ganz ehrlich - ich würde es nicht machen...

Antwort
von sukueh, 24

Sein Pferd zu behalten, wenn es Rehe bekommt, ist eine Sache; ein Pferd zu kaufen, in dem Wissen, dass es die Erkrankung bereits hat, eine völlig andere. Und dir  wird hier völlig zu Recht geraten, die Finger von dem Pferd zu lassen.

Deine Rücklagen für Notfälle werden wahrscheinlich mit einem solchen Pferd rasch aufgebraucht werden; "nutzen" (blödes Wort, aber du willst ja vermutlich ein Pferd zum Reiten) lässt es sich eher gar nicht mehr. Es dürfte für dich also ein reines "Draufzahlgeschäft" werden.

Ein Pferd ist immer teuer, aber sich "sehenden Auges" ein krankes Pferd anzuschaffen, ist wirklich nicht gut.

Der Besitzer freut sich wahrscheinlich, dass er jemanden gefunden hat, der ernsthaft darüber nachdenkt, sich dieses Pferd zu kaufen. Für ihn eine super Sache - keine Kosten für die Behandlung des Pferdes mehr.

Dieser Spruch "mehr Aufmerksamkeit bieten als ich", ist nur ein Verkäuferspruch....

Kommentar von Urlewas ,

Wie war...

Und nicht nur die Kosten, auch die Gewisssensfrage ist er los.

Kommentar von sukueh ,

Ich finde es vom Besitzer auch ziemlich dreist, einem jungen Mädel die Verantwortung für ein krankes Tier aufbürden zu wollen - ganz abgesehen von dem emotionalen Last, der man mit einem kranken Tier unterliegt. 

Wie der Besitzer jetzt auf die Idee kommt, ein an Huferehe erkranktes Pferd jetzt zu verkaufen und dann auch noch mit den Worten "es war eigentlich noch nie krank", zeigt einem ja schon recht deutlich, was für ein "gewissenloser" Mensch er ist. Was nutzt die Gesundheit des Pferdes in der Vergangenheit, wenn es jetzt akut an einer chronischen Erkrankungen leidet.... "War ja noch nie krank" ist ja auch so ein typischer Verkäuferspruch....

Antwort
von Kimmay, 60

Naja erstmal wäre es wichtig herauszufinden, woher die Rehe kommt. Futterrehe? Belastungsrehe?
Rehe kann auch schnell chronisch werden. Bei Rehe sollte sofort der Tierarzt gerufen werden und das Pferde sollte ständig überprüft werden von ihm.
Vielleicht kannst du ja beim nächsten Termin dabei sein? So kann er dir alles wichtige erklären oder einfach den Besitzer fragen? Dieser müsste sich da auch auskennen.

Ich würde dir aber definitiv kein Rehepferd empfehlen. Es ist eine lästige Krankheit, die leider schnell wieder auftritt. Wenn sie chronisch wird, ist das Pferd nicht mehr reitbar.

Kommentar von ponyfliege ,

rehe ist immer chronisch.

sie kann zwischendurch symptomfrei sein, ist aber trotzdem nicht weg.

Kommentar von Urlewas ,

Vom Besitzer kann man da nicht unbedingt eine umfassende aufrichtige Antwort erwarten, worür ich sogar ein gewisses Verständnis aufbringen könnte....

Antwort
von Boxerfrau, 26

Ein Pferd nur in eine Box sperren für den Rest des Lebens ist keine Option. Dann wird s halt anderweitig krank. Wenn man eine Rehe pferd hat muss man es eben in einen Stall stellen, der auch Rehe pferde bereut. Da gibt es auch genügend Offen und Aktivställe. Ein Pferd das einmal Rehe hatte wird sie wieder bekommen, wenn man nicht genau auf die Fütterung achtet. Ausgelöst wird es bei der Futterrehe durch Fructan. Besonders gefährlich ist es für Rehe anfällige Pferde, wenn es tagsüber warm ist und die Sonne scheint und nachts relativ kalt ist,weil das Gras dann langsamer wächst und sich bis zu 200 mal mehr Fructan im Gras enthalten ist als bei dauerhaft warmen Wetter. Also muss man besonders im Frühjahr und im Herbst aufpassen und eine Rehepferd sollte nicht auf die Volle Wiese.
Kaltes Wetter oder Nachtfrost:
Kein Wachstum aber gesteigerte Fruktanspeicherung = Rehegefahr
Kaltes oder frostiges Wetter und strahlender Sonnenschein:
Sehr hohe Energieproduktion und massive Speicherung von Fruktan, da kein entsprechendes Wachstum = Sehr hohe Rehegefahr
Bedeckter Himmel und warmes Wetter:
Wenig Energieproduktion aber Wachstum = Geringe Rehegefahr
Warmes Wetter und genügend Feuchtigkeit:
Energieproduktion aber Wachstum und Abbau der Fruktanspeicher = Mittelmäßige Rehegefahr

Die sicherste Weide:
Früher Morgen nach einer Nacht mit Temperaturen deutlich über 5 Grad Celsius in einer Wachstumgsphase des Grases mit gut ausgebildeten grünen Blättern.

Die gefährlichste Weide:
Später Nachmittag oder Abend an einem sonnigen Tag, wenn das Gras vor oder in der Blüte steht, wenn das Gras stark gestresst ist oder zu jeder Tageszeit, wenn die Nachttemperaturen unter 5 Grad Celsius lagen.

Jede plötzliche Futterumstellung stresst die Darmflora und kann Hufrehe auslösen. Deshalb sollte jede Futterveränderung langsam erfolgen. Vor allem im Frühjahr müssen Pferde sehr langsam an das frische Grün gewöhnt werden, auch wenn nur wenig Fruktan im Gras zu erwarten ist.

Der Fruktangehalt hängt darüber hinaus auch stark von dem Gesamtzuckergehalt der Gräser ab.

Kommentar von WesternCalimero ,

Ich kommentiere mal hier, weil ich es bisher für die beste Antwort halte.

@Boxerfrau: die Definition von sicher und gefährlich teile ich nicht, denn wir haben unser Rehepferd ausschließlich nachmittags und abends auf die Weide gelassen, da das Sonnenlicht die Umwandlung des Fructan in Zellkörper begünstigt und somit abends weniger Fructan in den Gräsern enthalten ist. Und `s Pferdi kam immer nur nach Nachttemperaturen über 10°C auf die Wiese. Unser Rehepferd hat einmal einen Rückfall bekommen, da die TÄ sich nicht weitergebildet hatten und die Ursache somit nicht angegangen wurde. Nach dem Selbststudium der Studien von diversen Unis wurde dann die Ursache behandelt - seit 8 Jahren Rehefrei -.

Du hast es richtigerweise angedeutet, für meine Begriffe aber nicht deutlich genug geschrieben: Hufrehe (egal ob Fütterungsrehe, Geburtsrehe oder Belastungsrehe) sind IMMER eine systemische Krankheit. Die eigentliche Ursache liegt immer im Darm. Das wird leider bei einem Rehepferd nicht adequat behandelt und somit treten die Rehe oft mehrmals auf, so daß sich die Meinung bildet, Rehe seien eine unheilbare Kranklheit.

Die Ursache für Rehe ist die Aufnahme von Polysaccariden (biol. Fructan). Diese werden fälschlicherweise für Zucker gehalten, können aber nicht aufgespalten werden und verursachen Vergiftungen an den Stellen der schlechtesten Durchblutung )im Huf).

Früher glaubte man, Hufrehe sei eine Eiweißvergiftung - und viele glauben heute noch daran - auch Tierärzte.

Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde & Pony, 16

Hände weg!!!

Es gibt sooo viele andere nette und liebenswerte Pferde :-)

Selbst geschenkt wäre die stute noch zu teuer,!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community