Frage von yogiboy, 75

Was bedeutet"Familie ermöglicht soziale Platzierung?

Schönen guten Abend Community members,

in einem Buch stand bei der Definition einer Familie und deren Funktion folgendes:

"Familie ermöglicht soziale Platzierung ihrer Mitglieder".

Das Ganze steht im Bezug auf die Gesellschaft. Ich verstehe aber leider nicht was damit gemeint ist.

Vielleicht schafft ihr es ja mir das verständlich zu erklären? :D

Ich bedanke mich im Voraus

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Grautvornix16, 24

Hi,- es ist leider eine traurige Tatsache und mittlerweile bis zum Überdruß auch wissenschaftlich-statistisch belegt, das die Legende vom"Schuhputzer zum Millionär" die extreme Ausnahme, keinesfalls aber die Regel darstellt.

Dabei stellt die Familie gleich auf zweifache Weise einen entscheidenden Faktor bei der Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen gesellschaftlichen Teilhabe des Kindes dar. Dabei gilt für Gesellschaften wie der unsrigen, das sozialer Status mit ökonomischer Situation eng verflochten sind.

1) Die eigene ökonomische Position der Familie ist in der Regel mit der erhöhten Verfügbarkeit von "Netzwerken", der erhöhten Verfügbarkeit von Bildungsmitteln für das Kind und erhöhten Durchsetzungsoptionen der Aufstiegsinteressen verbunden.

Einfaches Beispiel: Leider ist es der Normalfall, dass in schwierigen Schulsituationen des Kindes, bei denen die Eltern vielleicht sogar in AG's der Schule selbst als Sponsor oder Mitwirkender aktiv sind, der Lehrer von "normalen entwicklungsbedingten Verhaltensschwankungen" ausgehen und den freundlichen Meinungsaustausch mit den "gebildeten" Eltern suchen wird. Betrifft dasselbe Problem ein "Hartz IV-Kind" ist sofort der Schulpsychologe am Start.

2. Die Familie als psychosozialer Verbund wird durch ihre ökonomische Situation und damit durch ihre gesellschaftliche Position ebenso wesentlich in ihren Intra-psychologisch-soziologischen Strukturen und Grundlagen geprägt.

Einfaches Beispiel: Eltern, die beide Vollzeit arbeiten müssen und ggf. dabei Abends auch noch mit Existenzsorgen und/oder Überlastungssyndromen ihr Kind treffen, das am gleichen Tag aus einer standardmäßig billig-schlampig geführten Verwahrung einer Ganztags"betreuung" einer Ganztagsschule kommt .... muß ich da noch weiter ausführen um zu erklären wie die psychosoziale "Förder"situation des Kindes in seiner Familie ist? Und wie sollte dort eine Anregung für das Kind, sich die Welt zu "erobern" entstehen, wenn es tagtäglich nur abgekämpfte und für Gemeinschaftserleben und Empatie zu müde Eltern als Vorbild erlebt.

PS: Es geht eigentlich fast nie um diesen plakativen Unterschied zwischen "Hartz IV-Versagern" und "erfolgreichen" Eltern. Das ist eine stereotype Vorstellung.

Gruß

Kommentar von yogiboy ,

Super gut erklärt! Danke :)

Kommentar von Grautvornix16 ,

;-) Gerne doch - was mit Kindern heutzutage unter dem Namen des Fortschritts passiert macht mich sehr betroffen / PS: Danke für's Sternchen. Manchmal sind Sterne ja auch Orientierungen im Dunkeln. Wenn das so funktioniert hat - - - dann bin ich jetzt auch ein bischen stolz auf mich. :-)

Antwort
von Dahika, 6

Es ist ein Riesenunterschied, ob man als George Windsor auf die Welt kommt oder als Georg Wurz. 

George Windsor hat alle Chancen, Georg Wurz eher weniger. Das heißt allerdings nicht, dass George Windsor die Chancen auch ergreifen wird, und es heißt nicht, dass er glücklicher wird als Georg Wurz.

 

Antwort
von marit123456, 30

Eine soziale Platzierung von Familienmitgliedern kannst du zum Beispiel bei Konzernen beobachten.

Der Großvater, der das Unternehmen gegründet hat, hat z.B. 3 Söhne. Diesen verschafft er in der Firma Posten. Der eine wird verantwortlich für die Finanzen, der andere für das Marketing, der Dritte kümmert sich um die Gesamtheit. Sie haben also einen gewissen Stand im Unternehmen.

Die soziale Platzierung bedeutet also, jemanden eine Position zuzuweisen.

Ob das gut und richtig ist, daß wird damit nicht beantwortet.

Kommentar von yogiboy ,

danke für deine Erklärung :)

Antwort
von 2AlexH2, 18

Ich wuerde es auch so sehen: Ein Findelkind muss sich auf sich selbst gestellt alles erarbeiten oder sich Bezugspersonen finden.

Ein Kind mit Familie bekommt die Kontakte, Beziehungen und Erziehung (!) der Familie zugute, dessen Erfahrung und Knowhow und nicht zuletzt Schulbildung und Startkapital.

Dies umso mehr, je "besser" die Familie ist und je mehr Wert sie darauf gibt.

Ich wuerde nicht sagen in der heutigen Zeit das Söhne von Multimilonären und reichen besonders gut gestellt sind. Viele wurden schlecht erzogen, wurden vernachlässigt und ihnen fehlt der Biss, da verweichlicht.

Das gilt vielleicht in England und Indien, wo extrem an Klassenunterschieden festgehalten wird, und nicht die Leistung zählt und Länder in denen sich glücklich schätzen kann, wer eine Schulbildung geniesst.

Kommentar von yogiboy ,

Dankeschön für deine hilfreiche Erklärung!

Antwort
von Fontanefan, 21

Die soziale Ausgangssituation wird dadurch bestimmt, aus welcher Schicht man kommt, was einem die Familie mitgegeben hat.

Z.B. Wer in eine Milliardärsfamilie hineingeboren wird,  braucht nichts zu leisten, um vor Ort zu den Treffen der Leute, die etwas zu sagen haben, eingeladen zu werden. 

Wessen Eltern jahrelang Hartz IV bekommen, steht in großer Gefahr, auch arbeitslos zu werden.

Das ist die Bedeutung des Satzes. - Selbstverständlich gilt er nicht für alle Fälle. 

Kommentar von yogiboy ,

Vielen Dank !

Antwort
von Sisalka, 24

Ich kenne zwar den Zusammenhang nicht, aber ich vermute es geht darum, dass deine Familie sozusagen vorgibt, in welchem Bereich der Gesellschaft du dich zugehörig fühlst.

Wenn deine Eltern z.B. aus einer bestimmten sozialen Schicht kommen, ist es wahrscheinlich, dass du auch da landest. Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel.

Antwort
von martinunfall, 20

Der Satz ist ziemlich verqueer formuliert, denn er stimmt nicht und ist unscharf.

Soziale Platzierung bedeutet vermutlich nach Meinung des Autors die Frage, in welcher sozialen Hierarchie (Ober-, Mittel-, Unterschicht) man angesiedelt ist.

Schon das ist viel zu kurz gegriffen.

Und dass die Familie das festlegen soll, ist m.E. schlicht falsch, denn es gibt ausser der familiären Prägung zig weitere Faktoren, die beeinflussen, wer wann wo landet.

Ich würde mich mit dem Thema in dieser Form nicht weiter beschäftigen, weil es in der zitierten Phrase schlicht falsch ist.

Kommentar von Ghostwriter2 ,

"Familie ermöglicht soziale Platzierung ihrer Mitglieder".

Das ist der Ausgangssatz, und er ist völlig richtig. Hunderte von  Statistiken und Untersuchungen in so ziemlich allen Ländern der Welt belegen, dass dass die soziale Herkunft auch die berufliche Zukunft entscheidend mitbestimmt.  (Siehe auch die Beispiele von marit123456 und Fontanefan.)

Natürlich gibt es Ausnahmen, so wie es Kettenraucher gibt, die über 90 werden.

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