Frage von yaoigod, 103

Was bedeutet Säkularisation im Bezug auf kirchliche Güter?

Ich habe verstanden, dass der Begriff die Trennung von Staat und Kirch bezeichnet. Dennoch verstehe ich nicht was das mit Geistlichen Gütern zu tun hat.

Satz:"Übertragung aller Geistlichen Güter in Verführung des Landesherren"

Bedeutet der Satz, dass alle Gegenstände, die etwas mit der Kirche oder dem Glauben in politischem Sinne zu tun haben, vom König des jeweiligen Landes eingezogen und behalten werden?

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 57

Im weiteren Sinne bedeutet "Säkularisierung" zwar auch eine "Trennung von Staat und Kirch(e)", aber mehr noch eine weitgehende, wenn auch nicht völlige Unterordnung der Kirche unter den Staat sowie, in Bezug auf die Religion, eine Verweltlichung des Denkens, eine Abwendung der Bürger von der Religion und ihren Glaubenssätzen.

Der Begriff "Säkularisation" dagegen bezieht sich nur auf Besitz, nämlich auf kirchlichen Besitz, der in die Verfügungsgewalt bzw. gänzlich in den Besitz des Staates überführt wird. Das geschah bereits im 16. Jh., als in den protestantischen Territorien/Staaten Klöster aufgehoben und der Besitz der Katholischen Kirche enteignet wurde. Einige geistliche Territorien/Staaten wurden zu weltlichen Fürstentümern - das berühmteste Beispiel ist wohl das Deutschordensland Preußen, das als Herzogtum an das Haus Brandenburg fiel - oder abwechselnd von einem protestantisch-lutherischen bzw. einem katholischen Bischof regiert, z. B. das Bistum Osnabrück. Am Ende des Heiligen Römischen Reiches wurden alle geistlichen Territorien/Staaten ihrer weltlichen Macht beraubt und ihre Länder weltlichen Territorien/Staaten zugeschlagen. Auch viele Klöster wurden aufgehoben, ihre Ländereien und ihr sonstiger Besitz wurde verstaatlicht.

Satz:"Übertragung aller Geistlichen Güter in Verführung des Landesherren"

Der Satz ist falsch zitiert. Korrekt heißt es nicht "in Verführung des Landesherren", sondern "in die Verfügung des Landesherren"!

Ob sich irgendein Landesherr vielleicht von einer besonders hübschen Nonne dazu "verführen" ließ, ihr Kloster aufzulösen, um sie aus der Klausur zu befreien, ist leider historisch nicht überliefert.  :-))

MfG

Arnold

Antwort
von Hegemon, 38

Die Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts (Reichsdeputationshauptschluß) bezog sich auf die reichsunmittelbaren Güter. Das heißt: es handelte sich um Lehen, und niemand anderes als der Kaiser hatte diese Lehen ursprünglich vergeben - also verliehen (Lehen/ leihen). Eigentümer war nie die Kirche sondern der Kaiser. Dieses Lehensverhältnis wurde im Zuge der Säkularisierung  wieder aufgelöst. Die Lehen gingen wieder an den Kaiser/ an die Staatsgewalt zurück. Es war also keine Übertragung sondern eine Rückübertragung. Da es unüblich war, Lehen vor dem Tode des Lehnsnehmers zurückfallen zu lassen, wurde vereinbart, den Kirchenfürsten eine lebenslange Apanage zu zahlen. An diesen personengebundenen Entschädigungen zahlt der Steuerzahler aber noch heute, obwohl diese Kirchenfürsten schon vor Jahrhunderten verstorben sind.

Antwort
von Funkbueffel, 36

Genau, Ländereien und Gebäude die der Kirche gehörten wurden ihr weggenommen und in den Besitz des Staates überführt.

Antwort
von voayager, 26

Die Überführung geistlichen Eigentums erfolgte in erster Linie an die Fürsten.

Antwort
von SabrinaLiv, 26

Ja,

Der Kirchliche Besitz ging in den staatlichen Besitz über.

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