Frage von Braxa, 26

Was bedeutet "ohne deme" in dem Satz (Jahr 1718): "Das Türksche Baad ist ohne deme zum Rathshaus placidiret"?

Um 1700 andere Beispiele: 1743 "Es ist ohne deme zur Gnüge bekandt,..."

1734 "ohne deme wurden solche Schuldigkeiten durchaus und beständig nicht erfüllet werden." "ohne deme wurde das Geschäfft ihrer Seeligkeit nicht ausgemachet" "Ohne deme daß man eine billiche Belohnung für seine Mühe sehe"

Expertenantwort
von Koschutnig, Community-Experte für deutsch, 13

Während heute bei ohne nur der Akkusativ korrekt ist, wurde ohne  früher mit dem Genitiv oder dem Dativ oder dem Akkusativ gebildet;  

"ohne deme" ist also heute "ohne das" und speziell "ohnedies" (= ohnehin)

placidiret = genehmigt  (heute "hat das Placet erhalten")

Antwort
von Ju202, 15

Ich vermute sehr stark, dass "deme" einfach "dem" bedeutet. In heutigem Deutsch muss es natürlich "ohne das" (Akkusativ) heißen, obwohl es Leute gibt, die trotzdem "ohne dem" sagen. In den Sätzen 1 - 3 kann man es auch mit "ohnehin" oder "sowieso" übersetzen. Im vierten Satz kann man "deme" einfach weglassen.

Kommentar von Braxa ,

Habe in ähnlichen Sätze die Bedeutung:

ohne Deme =ohne Ausnahme (?)

"Dieser Punctwird in allen Stücken ohneeinige Exception völligt placidiret(=genehmigt)"

"ohneexception placidiret."

und auch

"ohneZweiffel also placidiret"

Antwort
von Pudelcolada, 7

Heutige Synonyme, je nach Zusammenhang:

Ohnehin, sowieso, ohnedies, zweifellos, selbstverständlich

Kommentar von Pudelcolada ,

Für Dein Beispiel umformuliert:

"Das türkische Bad ist außerdem (i.S.v. sowieso, außerdem bezeichnet hier also eine bereits bekannte, fast selbstverständliche Tatsache, die an und für sich nicht mehr erwähnt werden müsste, es aber trotzdem wird)
fassadenseitig gegenüber des Rathauses oder zumindest von ihm aus gut sichtbar bzw direkt ihm benachbart, also Wand an Wand, genehmigt (worden).

Sorry für die verschwurbelte Formulierung, für eine genauere Interpretation wäre der Zusammenhang nötig...

Kommentar von Braxa ,

Hallo Pudelcolada,

ohne deme kommt in dem folgenden Zusammenhang vor:

Es handelt sich hier um einen Antrag ("D[a]s Türksche Baad zu
einen Statt oder Raths-Haußnebst bey dem gemeinem Statt- Schankh zu geben erlaubet seye.") und die Kamerale Entscheidung ist ("Das Türksche Baad ist ohne deme zum Statt- oderRathshauß placidiret, nichtweniger der gemeine StattSchankh, jedoch mit diesen Vorbehalt, ....")

Verlangt wird, dass das Türkische Bad in Stadthaus oder Rathaus und auch in Stadtschenke umfunktioniert werden soll. Der Antrag für Rathaus wird ohne deme genehmigt, und auch die Stadtschenke, aber mit dem Vorbehalt....etc.

Kommentar von Pudelcolada ,

Ah, dann habe ich das "zu dem" falsch interpretiert.
Ich hatte es als Ortsbeschreibung gelesen, tatsächlich geht es aber um die Umwandlung.

Dann bedeutet "ohne deme" hier soviel wie ohnehin, sowieso:
Da der Umnutzungsantrag sowieso schon genehmigt worden ist, gilt auch die Einrichtung der Stadtschänke als implizit beschlossen, da sie entweder im ursprünglichen Antrag miterwähnt worden war, oder aber eine Gastronomie im Rathaus auch vom Stadtrat als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

Ein Hinweis auf den folgenden Vorbehalt ist das Wort "gemein". Bei der geplanten Gastronomie handelt es sich nicht um eine Ratsstube, die allein den Ratsherren vorbehalten ist, sondern um eine allgemeine Schänke für jedermann.

Der Vorbehalt könnte also von der ständigen Freihaltung eines Stammtisches oder Separées für die Ratsherren und die gehobene Bürgerschaft der Stadt handeln.
Vielleicht geht es in dem Vorbehalt aber auch um Vorgaben zur Bewirtungspflicht im allgemeinen oder um die Bewirtung bestimmter Bevölkerungsgruppen bzw Durchreisender wie Handwerksgesellen.
Vielleicht auch um die personelle Besetzung des Schankbetreibers, wer also überhaupt den Schankbetrieb führen darf.
Vielleicht auch schlicht und einfach um die Öffnungszeiten und die Einhaltung der Nachtruhe...

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