Was bedeutet "kein spezieller Priesterstand"?

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3 Antworten

Hallo Sweetsweetake,

Vergleich: In der katholischen Kirche ist der Priester durch den Bischof geweiht und führt seine Weihe über eine Linie zurück bis zu den Aposteln (sogenannte apostolische Nachfolge). Seine Vollmacht erhält er nicht durch die Gemeinde, sondern durch die Priesterweihe, die eines der sieben Sakramente ist. Er vertritt das Lehramt im Auftrag des Bischofs.

In der evangelischen Kirche hat theologisch der Pfarrer die gleiche Position wie jedes andere Gemeindemitglied. Er zeichnet sich höchstens durch seine Ausbildung mit einem umfangreicheren Wissen aus. Seine Vollmacht erhält er durch das Presbyterium der Gemeinde, bezeichnet als Ordination. Die apostolische Nachfolge hat hier keine Bedeutung, da sie nach der Reformation auch nicht durchgehalten worden ist. Damit ist auch das, was der Pfarrer im Gottesdienst und der Predigt sagt, als seine persönliche Meinung zu werten, über die sich der Gläubige sein eigenes Urteil bildet.

Interessant ist, dass die Priesterweihe der kath. Kirche auch mit "ordinatio" bezeichnet wird.

Das sind soweit meine Kenntnisse als Katholik. Ich wäre gespannt zu erfahren, was z.B. ein Lutheraner dazu sagen würde.

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Kommentar von Gwynplaine
13.07.2016, 09:16

Als Lutheraner sage ich: stimmt. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass die Aussage, "in der evangelischen Kirche gibt es keinen speziellen Priesterstand" vor allem ausdrücken will, dass evangelische Theologie nur das allgemeine Priestertum kennt. Die katholische Kirche kennt schließlich auch das allgemeine Priestertum aller Gläubigen.

Nebenbei: Interessanterweise konnte mir bislang kein Katholik, so theologisch qualifiziert er auch war, erläutern, was nach dem 2. Vaticanum noch der theologische Unterschied zwischen dem speziellen und dem allgemeinen Priestertum ist. Alles, was ich dazu gefunden habe, ist die scherzhafte Aussage eines Theologiestudenten (der sie von seinem Prof übernommen hat): Ein geweihter Priester ist ein Christ, dem das Charisma des Laien fehlt.

Das äußert sich in der ev. Kirche darin, dass zumindest theoretisch (theologisch gesehen) jeder christlich Getaufte Abendmahl austeilen, taufen und predigen dürfte. Praktisch ist das in den meisten evangelischen Kirchen aber (kirchenrechtlich) so geregelt, dass es dazu einer Beauftragung durch die Gemeinde (bzw. stellvertretend für die Gemeinde der Kirchenleitung) bedarf. Der Pfarrer und die Pfarrerin in der evangelischen Kirche werden also von der Kirche als Zusammenschluss ihrer Gemeinden beauftragt.

Priester in der katholischen Kirche werden hingegen direkt im Namen Christi zu ihrem Amt beauftragt. Christus ist dabei durch die apostolische Sukzession im Weiheakt und in der Amtskirche gegenwärtig. Das bedeutet nicht, dass evangelische PfarrerInnen sich nicht auch als von Christus berufen verstehen würden, aber bei ihnen ist diese Berufung ausschließlich an ihren Glauben gebunden und nicht an ein Weihesakrament oder an eine personale apostolische Sukzession.

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in der katholischen und orthodoxen Tradition gib es das Sakrament der Priesterweihe. Die Reformatoren lehnten das Pristertum und dessen Sakrament ab als unbiblisch, sondern sprechen vom allgemeinen Priestertum aller getauften Gläubigen.

Denn das Priesteramt ist ja eine Weihe, die den Priester zu einem Vermittler mit Gott und der Laien-Gemeinde macht, zu einem Gnadenspender und Verwalter des Gnadenschatzes.

In der evangelischen und reformierten Tradition gibt es nur den Pfarrer als Verkünder des Wortes Gottes. Der hat aber kein Priesteramt inne. Er ist sowas wie der Rabbi oder der Imam.

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Vielleicht bedeutet die apostolische Sukzession auch die ganze Gemeinde betreffend. Es war ein Mißverständniss diese apostolische Sukzession nur auf den geweiten Priester zu begrenzen und das Amt unzulässig überzubetonen.

Ist das im Prinzip nicht für jeden gläubigen getauften Christen möglich. Die Reformation hat diesen Gedanken ja auch aufgegriffen.

Darum hat ja ein evangelischer Bischof oder Pfarrer nur eine Funktion im Amt, nicht mehr und nicht weniger.

LA

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