Frage von jonasborg, 74

Was bedeutet der Satz "Du bist nichts, dein Volk ist alles?

Antwort
von bogartschwarz, 46

Es bedeutet, dass Du Deine eigenen Wünsche, Deine Träume, Deine Ideen und Ziele denen des Staates (also denen des Volkes) untertan machen sollst. 

Wenn Du also für einen Staat wichtiger bist, indem Du Soldat wirst und für die Freiheit aller kämpfen sollst (oder eben für Landgewinnung oder auch für den Reichtum der Obersten - Du erfährst ja nicht den Grund), dann hast Du Deine Berufs- und Lebenszielen denen des Volkes (oder ihrer Sprecher) unterzuordnen.

Du bist nichts, Dein Volk ist alles. Das Volk (also ihre Vertreter) bestimmen Dein Leben. Kann einfach sein, weil man sich um nichts kümmern muss, ist aber in den meisten Fällen eher gefährlich.

Antwort
von TUrabbIT, 44

Das ist die gegenteilige Ansicht zum Individualismus der heutzutage vorherrscht.
Hier liegt der Fokus auf der Gemeinschaft bzw dem Volk und das Individuum soll sich dem unterordnen.
Dadurch steht das Gemeinwohl oder das Interesse der Gemeinschaft im Vordergrund, das passt gut zur Ideologie der Nazis in der das Volk/die Rasse zählt.

Antwort
von thetee99, 21

Im Grunde soll es die Individualität jedes Einzelnen abbauen und auch die Rassenideologie fördern.

Mit dem Einimpfen solcher Sätze ab der HJ, wird jedem klar gemacht, dass er alleine nichts Wert ist und das er seine Interessen, Wünsche und Bedürfnisse denen des Staats/Volks/Allgemeinheit unterordnen muss. Gleichzeitig auch, dass das eigene Volk über allem steht, auch über anderen Völkern. Es fördert daher auch die elitäre Abgrenzung.

Die Nazis waren ja ganz Groß mit diesen Phrasen, wie z. B. "Jedem das seine", als Schriftzug über dem KZ Buchenwald.

Antwort
von atzef, 34

Der Satz ist Ausdruck einer zutiefst inhumanitären Menschenverachtung, die das einzelne Individuum zu einem willkürlich behandelbaren Objekt staatlicher Interessen ohne eigene Rechtsposition degradiert.

Rechter Schwachsinn halt.

Antwort
von McDuffee, 28
Antwort
von Fuchssprung, 14

Das bedeutet, gib dein Gehirn am Eingang der Kaserne ab und mach das was wir (damals die Nazis) dir sagen. 

Antwort
von MrDenker, 26

Beides sind Parolen aus der Zeit des sog. 3. Reiches, in der das Ideal eines germanischen Ständestaates beschworen wurde, den es nie gegeben hat.

Der Satz geht auf nationalsozialistische Parolen/Schlagwörter ein. Die heraufbeschworene Vorstellung von einem Germanentum bezieht sich auf etwas, das es geschichtlich gar nicht gegeben hat („angeblich“ deutet dies an). Bei den Germanen gab es unterschiedliche soziale Gruppen, auch ein bestimmter moderner Begriff von Klasse die Verhältnisse nicht völlig trifft. Angebliche Zustände bei dem alten Germanen wurden als Ideal verherrlicht. Äußerungen von einer Wiederbelebung sind Ideologie und Propaganda. Ein Ausdruck germanischer Ständestaat wurde von den Nationalsozialisten nicht in diesem Zusammenhang ständig verwendet. Die Formulierung ist vorgekommen, aber in der Satz überzieht darin, sie als typisch und durchgängig gebraucht hinzustellen. Eine Ständeordnung enthält gesellschaftliche Schranken.

In der modernen Industriegesellschaft ist mit deutlich antiliberaler Stoßrichtung das Modell einer Ständeordnung von manchen vertreten worden, als Gegenentwurf zur einer Gesellschaft mit Klassengegensätzen und ungebundenen Individuen. Eine autoritäre und antidemokratische Weltanschauung enthielt manchmal das Konzept eines Ständestaates (als wohlgeordnete Gemeinschaft verstanden) und der Nationalsozialismus hat ideologisch Teilelemente (vor allem eine bestimmte Art der Gegenüberstellung von Gemeinschaft und Gesellschaft) ebenfalls verwendet.

Die Berufung auf die Germanen ist völkisch. Zustände bei den alten Germanen gelten als für die Deutschen wesensgemäß, weil es die ihrer Vorfahren sind.

„Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ ist ein Satz, der älter als der Nationalsozialismus ist. Er kann sich auch nur auf einen Vorrang des Allgemeinwohls vor besonderen Einzelinteressen beziehen, bei der auch Interessen Einzelner grundsätzlich berechtigt sein können. Dann ist zu prüfen, ob ein behaupteter allgemeiner Nutzen nicht nur ein scheinbarer ist, der unterstellte Gegensatz also gar nicht besteht, und abzuwägen, worin eine angemessene Lösung bestehen könnte und wie weit ein Zurückstehen der Einzelinteressen zulässig ist (ein wohlverstandenes Eigeninteresse und ein richtig beurteiltes Allgemeininteresse befinden sich eher in Übereistimmung als in einem Gegensatz).

Durch eine Deutung nach der Art von „Du bist nichts, Dein Volk ist alles!" entsteht aber eine totalitäre Diktatur (in Zusammenhang des Satzes mit einer faschistischen Staats- und Gesellschaftsordnung). In einer völkisch-kollektivistischen Auffassung haben Individuen keinen Wert aus sich heraus. Es gibt keine individuellen Rechte (z. B. Menschen- und Bürgerrechte). Dann sind grenzenlose Eingriffe in Rechte einzelner Menschen möglich. Vor staatlichem Zugriff gibt es keinen Schutz.

Die Parole soll die Vorstellung von Geborgenheit und Zusammenhalt in Staat und Gesellschaft erwecken („Volksgemeinschaft“ war dafür eine gängige Bezeichnung). Tatsächlich kann aber aus Individuen, die „nichts“ sind, kein Volk entstehen, das „alles“ ist. Es läuft auf einen leistungswilligen Einsatz für von einem Führer vorgegebene Ziele hinaus, auf Opferbereitschaft und unbedingte Unterordnung sowie Gehorsam gegenüber den Machthabern.

Quelle: https://www.gutefrage.net/frage/was-heisst-dieser-satz-kann-mir-das-jemand-erkla...

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