Frage von Happiness88, 31

Was bedeutet, dass nach der semiotische Bildtheorie eine bildliche Darstellung eine Form von symbolisiertem oder semiotisch vermitteltem Sinn ist?

Im Folgenden Ergänzungen zur Frage: Wenn die Fragestellung zu umfangreich ist, wäre es total ausreichend, wenn Sie lediglich auf die erste Frage eingehen (siehe oben).

Was bedeutet die Aussage, dass die Semiotik das Zeichen und folglich das Bild als ein Werkzeug versteht, das zur Wiedergabe und Weitergabe vom Sinn dient und das Zeichen auf einer vorgegebenen Ordnung fußt, die nur ein Wiedererkennen durch ein interpretierendes Bewusstsein erlaubt?

Aus dieser Einschränkung des Zeichens gegenüber dem Bild folgert Edmund Husserl, dass eine bildliche Darstellung keine Form von symbolisiertem oder semiotisch vermitteltem Sinn ist, sondern eine Form von artifizieller Präsenz. Das Bildobjekt ist Husserl zufolge kein Zeichen des Bildsujets, sondern seine artifiezielle Präsenz auf dem Bildträger.

Was bedeutet eigentlich, dass die semiotische Bildtheorie Bilder auf ein Zeichensystem reduziert? Was sind überhaupt Zeichen? Was ist der grundlegende Unterschied der semiotischen Bildtheorie zur phänomenologischen Bildtheorie?

Die semiotische Bildtheorie leuchtet mir bislang immer noch nicht ganz ein. Ich bitte um Ihr Verständnis, wenn mehmals ähnlich gestellte Fragen von mir kommen.

Antwort
von berkersheim, 14

Das Problem ist, wie weit die Begriffe "Zeichen", "Symbol", "Bild" und "Sinn" gefasst werden. Ich persönlich bin immer für eine engere und präzisere Begriffszuordnung, weil sonst die Interpretationen ausufern. Das ist die Gefahr, wenn in der Zeichentheorie nur noch alle Kommunikation auf Zeichen reduziert wird, so wie es die Sprachtheorie mit Wörtern und Sätzen macht. Was als Zeichen gelten kann, ist meiner Meinung nach abhängig vom Abstraktionsgrad und der gesellschaftlichen Zuweisung. Das gilt z.B. für Verkehrszeichen und andere Bildsymbole (z.B. Herren, Damen). Das gilt auch für Bildobjekte, die wie Karikaturen oder ein Holzschnitt auf das Bildsujet nur "zeichenhaft" hinweisen (z.B. früher die Birne für Kanzler Kohl). Weil wir so stark von solchen Zeichen umgeben sind (siehe Gebrauchsanleitungen zu Gerätschaften) lernen wir auch ohne Fahrschule eine Fülle von Zeichen z.B. für Sportarten, für Gerätschaften (Fotoapparat, Videokamera usw., für alle die gibt es abstrakte Zeichen). Da macht es bei der Analyse der Kommunikation Sinn zu erforschen, wie wir mit Zeichen umgehen und wie sie entstehen.

Das betrifft aber nicht die Bildobjekte, von denen Husserl oft spricht, seien es Statuen oder Gemälde oder Fotografien mit hoher Wirklichkeitsnähe. Man erkennt sofort eine Person, eine Landschaft oder eine Stimmung, wodurch unser ästhetisches Empfinden angesprochen wird. Die Bilder von William Turner nur auf ein Zeichen zu reduzieren, halte ich für dürftig, weil die ganze Ästhetik und auch komplexe Stimmung nicht erfasst wird - es sei denn, man bläst die Begriffe "Zeichen" und "Symbol" derart auf, dass alles zum Zeichen und Symbol wird. Welche Präzisierung des Verstehens bringt mir das dann? Allerdings sind da die Grenzen fließend. Bilder z.B. von Otto Dix wollen keine speziellen Personen darstellen sondern die Dekadenz einer Gesellschaftsschicht symbolisieren. Statuen von Ernst Barlach sind so stark reduziert, dass nicht eine Trauernde dargestellt wird sondern "Die Trauer". Auch da gerinnt das Bildobjekt zum Symbolhaften. Ich würde vorziehen, die semiotische Bildtheorie als Spezialfall zu Husserl zu nehmen und nicht ins Uferlose auszudehnen.

Kommentar von Happiness88 ,

Super Antwort! Danke sehr

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