Frage von SternchenBabe, 37

Was bedeuten die Begriffe konzeptionell und medial in Bezug auf Mündlichkeit und Schriftlichkeit?

Guten Abend

Nachdem ich schon x Internetseiten und Foren durchforstet habe und irgendwie überall etwas anderes steht, versuche ich es mal hier drin.

Kann mir jemand erklären, was mediale/konzeptionelle Mündlichkeit/Schriftlichkeit ist?

Ich habe gelesen, konzeptionelle Mündlichkeit soll die Art sein, wie jemand spricht (der Ton macht die Musik). Andererseits stand auch, dass konzeptionelle Mündlichkeit von Vornherein schriftlich war (quasi ein Text den ein Moderator o.Ä. vorbereitet hat). Irgendwie sind diese beiden Theorien nicht miteinander vereinbar.

Ich bin total verwirrt. Gibt's zu den vier Begriffen Beispiele?

Vielen Dank :)

Antwort
von DerKalif, 21

Am einfachsten geht die Erklärung vielleicht mit einem Beispiel. Eine vor einem Publikum vorgetragene Rede ist konzeptionell schriftlich, da sie vorher schriftlich fixiert wurde und man normalerweise auch "nach der Schrift" spricht. Medial wäre sie allerdings mündlich, da sie ja vorgetragen wird. Anders wäre es zB., wenn ein Gerichtsschreiber die Aussage eines Zeugen mitschreibt. Die Aussage wird natürlich mündlich vorgetragen und ist nicht vorbereitet (behaupte ich einfach mal), sie ist konzeptionell also mündlich. Medial ist sie, zumindest in den Aufzeichnungen der Gerichtsschreiber, aber schriftlich.

Was mit "der Ton macht die Musik" gemeint sein soll, ist mir aber nicht klar. Ich gehe mal davon aus, dass das eine Fehlinformation ist.

Kommentar von SternchenBabe ,

Vielen Dank für die aufschlussreiche Antwort!:D

Antwort
von dasbigC, 10

Also medial mündlich/schriftlich ist, ob die Worte gesprochen/gehört werden oder geschrieben sind bzw. gelesen werden. Ersteres ist medial mündlich (d.h. es wird das Medium "Sprache" genutzt), letzteres ist medial schriftlich, d.h. man nutzt das Medium "Text".

Konzeptionell mündlich/schriftlich heißt, dass etwas quasi von der "Art" her sich eher mündlich oder schriftlich anhört. Das ist jetzt etwas schwer zu erklären, aber ich versuche es mal anhand von Beispielen.

Jede Äußerung hat eine konzeptionelle und eine mediale Dimension. D.h. es gibt vier Kategorien:

1. medial mündlich/konzeptionell mündlich: Gespräch zwischen zwei Freunden

2. medial mündlich/konzeptionell schriftlich: ein wissenschaftlicher Vortrag, eine Festrede

3. medial schriftlich/konzeptionell mündlich: ein Chat-Verlauf

4. medial schriftlich/konzeptionell schriftlich: wissenschaftlicher Fachtext, Zeitungsartikel

Die mediale Dimension ist eine strikte Dichotomie, d.h. etwas ist endweder medial mündlich oder medial schriftlich.

Die konzeptionelle Dimension ist eher eine Art Kontinuum: konzeptionell mündlich (ist evtl. ähnlich dem Begriff der Umgangssprache) und konzeptionell schriftlich sind zwei Enden einer Skala, auf der sich alle Äußerungen irgendwo einordnen lassen. Z.B. ist ein Gespräch mit dem besten Freund näher am Ende "konzeptionell mündlich" als z.B. ein Bewerbungsgespräch.

Das Konzept wurde von Peter Koch und Wulf Österreicher entwickelt, falls deine Frage nicht auf deren Text basiert, dann könnte es helfen, den zu lesen:)

Falls du noch weitere Fragen hast, dann kannst du sie mir gerne stellen.

Kommentar von SternchenBabe ,

Vielen vielen vielen lieben Dank! Genau nach einer solchen Antwort habe ich gesucht! Wirklich danke!

Sobald man kann, zeichne ich die Antwort aus. :)

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