Frage von Fuloli, 90

Was genau ist Rassismus?

Beispiel A: Ich (weißfarbig) bin auf einer einsamen Insel. Außer mir gibt es 6 weitere Menschen dort, die ähnlich wie ich, aus unerklärlich Gründen erst vor kurzem dort gelandet sind. Die anderen 6 haben zwei Gruppen gebildet und beide fragen mich, ihrer Gruppe beizutreten. Ich kenne sie nicht, kann nur nach Aussehen urteilen, für wen ich mich entscheide. Beide Gruppen haben körperlich ähnlich gute Voraussetzungen nur eine Gruppe besteht aus Schwarzen, die andere aus Weißen. Weil es keinen anderen Anhaltspunkt gibt, entscheide ich mich für die Weißen (nur weil sie weiß sind), da ich mich intuitiv ein bisschen zugehöriger fühle. Bin ich Rassist?

Beispiel B1: Ein Asiate befürchtet, dass die menschlichen Rassen (Schwarze, Weiße, Asiaten...) sich im Zuge der Globalisierung vermischen und es bald keine Asiaten mehr gibt. Er denkt nicht, dass Asiaten besser sind als Andere, diskriminiert Niemanden und behandelt Ausländer mit Respekt und lässt das "Aussterben seiner Rasse" ohne Widerstand geschehen. Trotzdem ist ihm Unwohl bei dem Gedanken, dass es seine Rasse irgendwann nicht mehr geben wird. Ist er ein Rassist?

Beispiel B2: Der Gleiche Asiate wünscht sich nun Maßnahmen zum Erhalt seiner Rasse. Diese sehen finanzielle Nachteile für Asiaten, die nicht-Asiaten heiraten, vor. Z.B. sollen nur Asiatisch-Asiatische Ehen Kindergeld bekommen. Nach wie vor denkt er nicht, dass Asiaten besser sind, diskriminiert Niemanden und behandelt Ausländer mit Respekt wie jeden Anderen. Er möchte nur seine Rasse schützen. Ist er ein Rassist?

Beispiel B3: Der Gleiche Asiate setzt sich für schärfere Maßnahmen ein, welche ein Verbot von Mischehen (nur Asiatisch + nicht-Asiatisch ist verboten) vorsehen. Ausländer dürfen in seinem Land wohnen, sollen respektiert werden. Er argumentiert: "Wenn ein Ausländer heiraten möchte, kann er sich einen anderen Ausländer suchen oder in sein Heimatland zurückkehren. Niemand zwingt ihn hierzubleiben". Auch wenn das in dem Zusammenhang schwer vorstellbar ist, ist er nach wie vor höflich und freundlich, auch zu Ausländern. Ist er ein Rassist?

Beispiel B4: Ein Weißer äußert nun die gleichen Bedenken. Da die typischen Merkmale Weißer (Blonde Haare, farbige Augen) rezessiv sind und Mischkinder diese Eigenschaften zwangsläufig verlieren, wird ja seine Rasse zuerst aussterben. Er denkt nicht, Weiße seien besser als Andere, er findet es einfach schade, wenn es bald keine Weißen mehr gibt. Irgendwelche Unterschiede zu B1-3?

Beispiel C: Ein Weißer meint, er sei aufgrund seiner Rasse ein besserer Mensch als Andere. Andere seien minderwertig und er lässt diese es auch spüren. Er diskriminiert Ausländer und fordert die Rückkehr in ihr Heimatland. Nicht weil er fürchtet, seine Rasse sterbe aus, sondern weil sie es nicht verdienen im Land der Herrenrasse zu leben. Ist er Rassist?

Tl;dr: Mit eigenen Worten: was genau heißt Rassismus? Jemanden aufgrund seiner Rasse zu diskriminieren oder zu fürchten, dass die eigene Rasse ausstirbt?

Antwort
von OhneRelevanz, 29

BA: Ein bisschen ja, allerdings kein harter Fall. Ich würde vermutlich nach Sympathie entscheiden.

B1: In gewisser Weise ja, da er an "Menschenrassen" glaubt, die es aber nicht gibt. Allerdings scheint er seinem Irrglauben zu widerstehen, weswegen die Bezeichnung "Rassist" zu hart wäre.

B2: Definitiv, per Definition ist er ein Rassist.

B3: Definitiv, ebenfalls per Definition.

B4: Ja.

BC: Ja.

Tl;dr: Mit eigenen Worten: was genau heißt Rassismus? Jemanden aufgrund seiner Rasse zu diskriminieren oder zu fürchten, dass die eigene Rasse ausstirbt?

Es ist sehr offensichtlich, dass du glaubst, es gäbe Menschenrassen. Wärest du dir bewusst, dass es innerhalb der Menschen keine Rassen gibt, hätten sich die meisten deiner Fragen wohl von selbst beantwortet.

Kommentar von Fuloli ,

Ich glaube, man kann Menschen anhand physischer Merkmale in Gruppen einteilen, so wie es in der Biologie getan wird. Ein besserer Begriff als "Rassen" für diese Gruppen ist mir nicht bekannt. Könntest du die dir geläufige Definition von "Rassismus" wiedergeben?

Kommentar von OhneRelevanz ,

Dein Glauben ist aber nicht vereinbar mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Rassismus beginnt für mich da, wo Menschen beginnen Menschen in verschiedene Rassen einzuteilen. Dass diese Einteilung lange überholt und widerlegt ist, ist dafür ausschlaggebend. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentheorie

Kommentar von Fuloli ,

Habe jetzt nur die Einleitung der beiden Artikel gelesen, aber keiner zweifelt die Existenz von menschlichen Rassen an. Sie sagen die Zuschreibung von körperlichen, geistigen und sozialen Fähigkeiten aufgrund der Rassen/Gene sei überholt.

Rasse: "Eine phänotypische und/oder geographische abgegrenzte subspezifische Gruppe, zusammengesetzt aus Individuen, die eine geographisch oder ökologisch definierte Region bewohnen, und die charakteristische Phänotyp- oder Gen-Sequenzen besitzen, die sie von ähnlichen Gruppen unterscheiden." Wikipedia

Also wenn ich behaupte, man kann aufgrund der DNA eines Menschen herausfinden, ob dieser asiatischer Abstammung ist oder nicht bin ich laut deiner Meinung Rassist? Oder bin ich schon Rassist aufgrund der kühnen Behauptung es gäbe Asiaten und nicht-Asiaten und nicht nur "Menschen".

Oder erst wenn ich sage, dass evolutionsbedingt Menschen in einigen Regionen verschiedene Enzyme unterschiedlich stark ausprägten, was sich im Gencode widerspiegelt. Und somit z.B. Alkohol bei Asiaten eine stärkere Wirkung zeigt als bei Weißen (durchschnittlich).

Kannst du, wenn du eine 50-jährige Person siehst, einschätzen ob diese bei der Geburt helle oder dunkle Haut gehabt hat? 

Kommentar von OhneRelevanz ,

Zu den phänotypischen/genotypischen Merkmalen: "Es sind Merkmale der Körperoberfläche [->phänotyp], die vor relativ kurzer Zeit unter den jeweiligen Umweltbedingungen herausgebildet worden sind (Oberflächenmerkmale). [...] Selektionsbedingte Merkmale sind ungeeignet, genetische Verwandtschaft anzuzeigen, da sie, wie die dunkle Hauttönung in den äquatorialen Gebieten aller Kontinente, parallel herausgebildet sein können [...]. 

Die Unterschiede zwischen den geographischen Gruppen sind gering, die Differenzen ändern sich mit der geographischen Entfernung kontinuierlich, die Unterschiede zwischen den Gruppen sind geringer als die zwischen den Individuen innerhalb der jeweiligen geographischen Gruppen [!]. Es lassen sich keine (über längere Zeit) getrennten Stammeslinien unterscheiden. Statt dessen besteht ein genetisches Netzwerk, das alle Populationen verbindet (s.u.). Das traditionelle Rassenkonzept ist zugunsten einer geschichtlichen und dynamischen Sicht menschlicher Vielfalt aufzugeben (vgl. Infobox ; UNESCO-Stellungnahme)."(Quelle: http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/menschenrassen/42123)

Deine oben zitierte Definition findet sich auch im Wikipedia-Artikel zum Begriff "Rasse" wieder, dort heißt es weiter:

"Die zunehmende Meidung des Begriffs [Rasse] beruht vor allem auf der Verwendung für Menschenrassen. Dieses Konzept wurde und wird bis heute als Begründung für Rassismus herangezogen. Nach Forschungen zur Genetik menschlicher Populationen ist das Konzept der Menschenrasse wissenschaftlich überholt, Anthropologen und Humangenetiker vor allem in den USA verwenden ihn aber zum Teil weiter (vgl. Artikel Race (United States Census)). Auch die Verwendung im Rahmen der biomedizinischen Forschung ist in Nordamerika weiterhin gängig und hat im Rahmen der genomischen Forschung im Zusammenhang mit der personalisierten Medizin seit etwa 2000 eher wieder zugenommen, auch wenn dies fachlich eher kritisch gesehen wird." [Letzterer Umstand hängt allerdings mit den unterschiedlichen Definitionen für den Begriff "Rasse" im englischen und deutschen zusammen.]

Rassismus-Artikel: "Zur Distanzierung vom Rassebegriff wird in der Humanbiologie heute nur noch eine (willkürliche) Untergliederung des Menschen in Populationen vorgenommen. In der Biologie ist Homo sapiens die einzige rezente Art und wird weder in „Rassen“ noch in Unterarten unterteilt."

Rassentheorie-Artikel: "Rassentheorien (zusammenfassend auch als Rassenkunde oder Rassenlehre bezeichnet) sind Theorien, die die Menschheit in verschiedene Rassen einteilen. [...][G]elten aber heute als überholt und wissenschaftlich nicht mehr haltbar."

Also wenn ich behaupte, man kann aufgrund der DNA eines Menschen herausfinden, ob dieser asiatischer Abstammung ist oder nicht bin ich laut deiner Meinung Rassist?

Du kannst es ja mal versuchen.

Oder bin ich schon Rassist aufgrund der kühnen Behauptung es gäbe Asiaten und nicht-Asiaten und nicht nur "Menschen".

Nein, es gibt Asiaten und nicht-Asiaten, das bestreite ich ja gar nicht. Allerdings ist dies lediglich eine Sammelbezeichnung für Menschen, die in der Region "Asien" leben bzw. aus dieser stammen. "Asiaten" sind keine Rasse.

Oder erst wenn ich sage, dass evolutionsbedingt Menschen in einigen Regionen verschiedene Enzyme unterschiedlich stark ausprägten, was sich im Gencode widerspiegelt. Und somit z.B. Alkohol bei Asiaten eine stärkere Wirkung zeigt als bei Weißen (durchschnittlich).

S. oben. Das hat mit der traditionellen Ernährung in asiatischen Ländern zu tun, in denen Alkohol nicht so oft konsumiert wurde/wird wie in bspw. europäischen Ländern. Deswegen nun aber eine rassische Einteilung vorzunehmen ist eher lachhaft.

Kannst du, wenn du eine 50-jährige Person siehst, einschätzen ob diese bei der Geburt helle oder dunkle Haut gehabt hat? 

Es ist eigentlich obsolet diese Frage noch zu beantworten. Aber evtl. ja, allerdings nicht unbedingt ... aber s. oben.

Antwort
von netflixanddyl, 31

Jemanden zu diskriminieren. Es ist nicht rassistisch, so etwas zu befürchten. Ich selbst fände es schade, wenn es nur noch hellhäutige Menschen gibt. Menschen sind nunmal unterschiedlich, und das macht unsere Welt aus. Für den "Erhalt der anderen Rassen" oder so etwas zu tun ist ja Quatsch, aber ein einzelner Gedanke ist kein Rassismus.

Kommentar von Fuloli ,

Es wird viel Zeit und Geld investiert um das Überdauern bestimmter Tierrassen zu gewährleisten. Warum ist es so abwegig und verwerflich, dies mit menschlichen Rassen zu tun? Erstaunlich viele geben zu, dass sie das Aussterben der Rassen (muss sich nicht unbedingt nur auf die eigene beziehen) schade finden. Wenn man also bestimmte Regionen festlegen würde, in denen die Rassen "sortiert" sind und andere Regionen wo alle gemischt sind. Jeder darf entscheiden ob er das Gebiet seiner Rasse zieht oder in der Mischgegend lebt. rein hypothetisch. Warum wäre das so unfassbar schlimm?

Antwort
von EZZZAH, 23

Du darfst deine eigene Rasse lieben, du darfst dir Sorgen um deine eigene Rasse machen, du darfst aber nicht andere Rassen unterdrücken oder diskriminieren, leider wird das Wort Rassist schnell rumgeworfen.

Antwort
von suziesext10, 28

nein. Rassismus ist zunächst mal einfach die Ideologie, soziologische oder psychologische Eigenschaften biologistisch zu erklären - also Ethnien genetisch fest codierte Eigenschaften zuzuschreiben, vor allem was ihr Sozialverhalten, ihre Überlebensfähigkeit, geistige Regsamkeit anbetrifft.

Im Wissenschaftsbetrieb der Gegenwart gibt es keine ernsthaften Vertreter des Rassismus mehr.

Im Alltag triffst du öfter mal auf rassistische Anschauungen, in denen dann wertende Pauschalurteile über andere Völker abgegeben werden: alle Polen sind katholisch und saufen, alle Russen schlafen jeden Tag ihren Rausch aus, alle Araber lügen, alle Türken wählen Döner und Erdogan, alle Deutschen sprechen gern schlechtes Englisch und erklären dem Rest der Welt wies geht, alle N*ger riechen nach Schweisgeruch und spielen Blues na ja in dieser Weise eben.

Kommentar von Fuloli ,

Man kann doch aber Statistiken führen. Und wenn dabei herauskommt, dass die Polen am meisten Bier trinken und die Deutschen am salzigsten essen, ist das eine rassistische Anschauung?

Kommentar von suziesext10 ,

nein. Das ist ist statistisch erfassbares Massenverhalten, und das wird zb von grossen Versicherungsgesellschaften zugrundegelegt. Aber solche Massenverhalten, Massengewohnheiten sind soziologische, ökonomische und psychologische Phänomene, die sehr instabil sind. Der Rassismus würde dagegen solche Verhaltensweisen als konstant, als genetisch codiert bewerten. Natürlich gibt es bestimmte biologische Rassemerkmale, aber die beziehen sich nicht auf das Sozialverhalten, die Intelligenz oder die Lebensgewohnheiten.

Antwort
von Kloetenberg, 1

Wenn du einen schwarzen als Kakhaufen beleidigst oder einen Deutschen als nazi. Hoffe konnte dir nicht weiterhelfen

Antwort
von Yamato1001, 15

Hallo

Ich würde einzig B3 und C als rassistisch anschauen.

Lg

Kommentar von Fuloli ,

Warum B2 nicht? Wo ist für dich der entscheidene Unterschied zwischen B2 und B3?

Kommentar von Yamato1001 ,

Habe ich überlesen...B2 auch

Antwort
von KnusperPudding, 20

Tl;dr:
[...]

 Jemanden aufgrund seiner Rasse zu diskriminieren 

Tl;dr: Ja.

Antwort
von asta311, 35

alles, was gleichstellung aus gründen der rassenzugehörigkeit verhindert oder einschränkt ist Rassismus, der bloße gedanke an "schade, dass wir aussterben" ist kein rassismus, wirft aber sofort die frage auf, über welche werte ich das "wir" definiere

Kommentar von Fuloli ,

was gleichstellung aus gründen der rassenzugehörigkeit verhindert oder einschränkt ist Rassismus,

also ist es rassistisch, dass nur Deutsche Staatsbürger Hartz IV beantragen können? 

Kommentar von asta311 ,

der einsatz von steuergeldern ist ein ganz anderes thema, das sprengt hier den rahmen

Kommentar von Fuloli ,

Kannst du dann den Kernunterschied erläutern zwischen "kein Kindergeld wegen Mischlings-Kind" und "Kein Arbeitslosengeld, weil kein deutscher".

Kommentar von asta311 ,

arbeitslosengeld, setzt arbeit in deutschland voraus, steuerzahler deutsch, arbeitslosigkeit deutsches problem durch fehlregulierung, ersatzgeld aus steuertopf ist nicht rassen- sondern staatengebunden

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