Frage von Imago8, 197

Warum zwingen wir unseren Kindern auf, was sie lernen sollen?

Kinder sind von Natur aus neugierig und stellen von sich aus viele Fragen zu Dingen, die sie umgeben.

Ist der Zwang nicht eigentlich unnötig bzw. sogar kontraproduktiv?

Antwort
von EinePerspektive, 18

Hallo,

Imago da hast du Recht. Schon im frühen Alter entwickeln die Kinder ein Explorationsverhalten (Umwelt erkunden). Schon mit 3 Jahren tauchen die W-Fragen auf, ohne die Kinder vorher aufgefordert zu haben Fragen zu dem Thema zu stellen.

Erzieher sollten  den Kindern im Kindergarten den Nötigen Rahmen geben damit sie selbständig die Umwelt erkunden können. Zusätzlich sollten sie Impulse geben um das Kind zum weiter denken zu ermutigen. Dies habe ich größtenteils in den Kindergärten in denen ich war beobachten können.

Ich finde das deutsche Bildungssystem in den Schulen unterdrückt diesen völlig natürlichen Drang etwas wissen zu wollen, dies aber gleichzeitig auch kritisch zu hinterfragen, total. Der Lehrplan schreibt eine Menge vor und das ist meist keine Zeit die kritischen Fragen der Kinder auf zu greifen. Das kritische Fragen wird unterdrückt.

Demnach ist Zwang also völlig unnötig!

LG

Kommentar von Imago8 ,

Danke für die Antwort!

Ich denke zwar nicht, dass die übliche Art der Schule für jedes Kind das Falsche ist, aber zuviele lernen in der Schule eben vor allem: "Wenn du deine eigenen Bedürfnisse ignorierst, wirst du es im Leben zu etwas bringen. Du musst dich anpassen, dem Druck standhalten und bitte nicht nach dem Warum fragen."

Das ist sehr tragisch. Nicht für alle, aber für sehr viele.

Kommentar von EinePerspektive ,

Da gebe ich dir durchaus Recht. Das  sollte man nicht pauschalisieren. Es gibt zu wenige alternativen, zu dem konventionellen Bildungsweg.

 Ich finde auch das der Unterricht an sich total auf dem Frontalunterricht eingefahren ist. Kinder lernen in dem sie begreifen und dieses Wort stammt von greifen. Das heißt man sollte auch mal aus den Klassen raus und die Kinder selber "begreifen" lassen. 

Antwort
von kiniro, 38

Ja  - ich halte Zwang auch für kontraproduktiv.

Das Gehirn funktioniert am besten, wenn es freiwillig lernen kann.

Kommen Zwang und noch unsympathische Lehrer hinzu, wird es sich in einer Art Angstzustand versetzen.
Und Angst verhindert, dass - die fürs Erlernen neuer Sachen benötigten - Synapsen gebildet werden können.

Aus dem Grund werden viele Schüler, die schlechte Noten schreiben, nicht dazu angespornt, besser zu werden, sondern das "ich bin ein Versager"-Gefühl gräbt sich immer tiefer ins Gehirn.

Antwort
von momolo13, 58

doch, da hast du recht. ich arbeite unter anderem in einem schulzimmer mit, als sozialpädagogin und dort sehe ich immer wieder, wie motiviert oder unmotiviert die kinder bei der sache sind, je nach dem,ob es sie interessiert, oder nicht, was sie tun. viele kinder freuen sich auf den ersten schultag und werden in der schule total frustriert und entsprechend unmotiviert. jetzt nicht in der klasse wo ich bin, weil dort sitzen nur verhaltensauffällige drin, die sowieso nicht mit einem regelklassenunterricht förderbar sind, aber in meinem direkten umfeld beobachte ich das und deshalb habe ich meine kinder an die waldorfschule geschickt, weil dort dort mehr auf den ganzen menschen eingegangen wird.

Kommentar von Imago8 ,

Mir ging es ähnlich. 1. und 2. Klasse waren noch ok. Aber ab der 3. Klasse wuchs der Konkurrenzdruck, die Angst vorm Versagen, vor Prüfungen, vor schlechten Beurteilungen. Später habe ich angefangen, die Schule zu schwänzen. Erst viel später konnte ich überhaupt erst hinterfragen, was da eigentlich passiert ist. Es ist so selbstverständlich und allgemein geduldet, dass Kindern diese Art der Gewalt angetan wird. Aber das nennt kaum niemand so.

Waldorfschulen, Montessouri usw. sind schonmal eine gute Alternative. Nur habe ich das Gefühl, dass es momentan für diese Kinder noch schwer ist, damit umzugehen, die Ausnahme von der Regel zu sein.

Expertenantwort
von goali356, Community-Experte für Schule, 102

Bestimmte Themen die man in der Schule lernt sind durchaus wichtig fürs Leben und sollten auch durchgenommen werden.Manches ist dagegen nicht zwingend erforderlich und man sollte an manchen Stellen mehr auf die Stärken des Kindes eingehen.

Beispielsweise sollte man schon wissen wie Prozentrechnung geht oder wie man mit Dezimalzahlen umgeht, denn dies ist im Leben schon wichtig. Polynomdivision braucht man dagegen aber nur wenn man Mathematiker oder ähnliches werden möchte.

Jemand der nichts mit Mathe machen möchte aber vlt. sparachlich begabt ist, sollte in dieser Richtung mehr gefördert werden. Die Frage ist nur wie man dass umsetzen kann.

Kommentar von Imago8 ,

Beispielsweise sollte man schon wissen wie Prozentrechnung geht oder wie man mit Dezimalzahlen umgeht, denn dies ist im Leben schon wichtig

Im Allgemeinen würde ich dir da Recht geben, nur ist es auch nicht für jeden Menschen gleich wichtig.

Und: wenn ein Kind irgendwann an den Punkt kommt, wo dies für sein Leben wichtig oder nötig wird, dann kann es das ja immer noch lernen. Warum aber bringt man das einem Kind schon zu einem Zeitpunkt bei, wenn es dieses Wissen noch garnicht für sein Leben braucht?

Ein Kind, das feststellt, dass ihm z.B. Mathematik besonders Spaß macht, ist auch motiviert und interessiert daran. Und dann wird es auch von selbst etwas darüber lernen wollen.

Kommentar von goali356 ,

Ganz ohne Schulpflicht würde es aber auch kaum gehen.

Es gibt Themen über die zwingend aufklärung betrieben werden muss. Man kann nicht sicherstellen dass alle Eltern ihr Kind entsprechend aufklären bilden etc..

Kommentar von Imago8 ,

Das ist eine berechtigte Sorge. Aber auch dahinter steckt doch die Annahme, dass Eltern und Kinder unfähig wären, zu erkennen, was wichtig für das Leben ist. Warum traut man den Menschen so wenig zu?

Kommentar von Dirndlschneider ,

.....weil die Dummen dann dumm bleiben und selbst du nicht bereit wärst , diese erwerbslosen ....( was auch immer ) ....mit zu versorgen .

Kommentar von Imago8 ,

...

Antwort
von TimeosciIlator, 73

Ich denke nicht, dass die Schule an sich als Zwang empfunden werden könnte. Vielleicht nur die Art und Weise wie manches dort gehandhabt wird.

Das an sich kreative Kind sollte nicht in seinen positiven Eigenschaften beschränkt werden. Das Notensystem, kann beispielsweise dazu führen, dass ein Kind sich abgruppiert empfindet. Das bekannte Spiel: "Spring durch den Reifen und Du bekommst einen Keks" impliziert ja ebenfalls die umgekehrte Möglichkeit, wenn man eben nicht durch den Reifen springt.

Ähnlich wie hier auf GF mit den negativen Pfeilen.

So etwas kann Kreativität und Spontanität zerstören, was sehr schade ist :-(

Kommentar von Imago8 ,

Meine Frage hat zwar auch mit dem Schulzwang zu tun, zielt aber vor allem auf die weitverbreitete Meinung, dass Kinder nicht ohne Zwang die wichtigen Dinge des Lebens lernen würden.

Aber weil du es ansprichst: ich kenne einige Kinder (einschließlich mich selbst, ich war ja auch mal eins), die wollen nicht in die Schule gehen. Aber sie müssen. Das ist Zwang, der auch so empfunden wird. Aber da dieser Zwang allgemein anerkannt und von den Erwachsenen gutgeheißen wird, ergeben sich ihm die meisten. Vor allem auch, weil eine Alternative ausgeschlossen scheint, weil sehr wenige Leute den Schulzwang überhaupt in Frage stellen.

Kommentar von kiniro ,

Die Schule IST Zwang - denn keiner im schulpflichtigen Alter kann ungestraft (bzw. werden die Eltern bestraft) ihr fernbleiben.

In Deutschland herrscht Schulanwesenheitspflicht.

Antwort
von turnmami, 50

Weil die kleinen Kinder sehr wohl neugierig auf die Natur und anderes sind.

Allerdings verliert sich diese Neugier beim Älterwerden und macht dem Handy, Tv und sonstigen Spielereien Platz.

Welcher Jugendliche sitzt sich freiwillig in die Schule und lernt Naturwissenschaften (nicht nur die lustigen Versuche, sondern die Tiefe!), Mathe oder 2 Fremdsprachen, nur weil es ihn grad interessiert??

Bei Grundschülern mag das Aussuchen des Lernens noch funktionieren, bei älteren Kindern bestimmt nicht mehr!

Kommentar von Imago8 ,

Hast du dich schonmal gefragt, warum sich sich diese Neugier mit dem Älterwerden verliert? Und warum Handy, TV und sonstige Spielereien so wichtig geworden sind? 

Dein Kommentar klingt so, als wenn das Lernen etwas kindliches ist.

Bei Grundschülern mag das Aussuchen des Lernens noch funktionieren, bei älteren Kindern bestimmt nicht mehr

Das würde heißen, dass es auch bei Erwachsenen nicht mehr funktionieren würde?

Antwort
von Dirndlschneider, 78

Ich habe ein ungutes Gefühl dabei , wenn ich mir vorstelle , dass ein Kind sein Wissen nur durch " Neigung " erwirbt . 

Es gibt schon eine Form von Allgemeinbildung , die für unsere Kultur wichtig ist . Wirklich wichtig , weil dieses Kind sonst u.U. im Laufe seines Lebens Einflüssen ausgesetzt ist , die es selbst weder bewerten noch einschätzen kann .

Außerdem gibt es durchaus Kinder , die nicht den Zugang zu Bildung haben , aus welchen Gründen auch immer und es schaudert mich bei dem Gedanken , eine Generation von Analphabeten heranzuziehen.....

Wissen und Kultur ist so schnell verloren - möglicherweise unwiederbringlich !

Kommentar von Imago8 ,

Nachvollziehbare Gedanken.

Dann stellt sich für mich die Frage, welches Wissen zu diesem wichtigen Allgemeinwissen gehört und welches weniger?

Was Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten angeht: das sind Dinge, die man benötigt, um in unserer Gesellschaft wirklich teilhaben zu können. Daher würde ich das als nötig bezeichnen.

Viele Kinder können allerdings schon lesen und schreiben, bevor sie in die Schule kommen, weil sie es bei anderen gesehen haben und es auch können wollten.

Warum geht man also im Allgemeinen davon aus, dass Kinder nur unter Zwang wichtige Dinge lernen?

Das wichtigste und vielleicht komplizierteste, nämlich die eigene Muttersprache, lernen Kinder doch auch ohne Zwang. Warum traut man ihnen das nicht auch in anderen Bereichen zu?

Kommentar von Goodnight ,

Mit der Muttersprache sind wir immer konfrontiert, da hat man auch keine Wahl. Ich kann dir aus Erfahrung eines besonders tragischen Falls sagen, dass es nicht funktioniert Kinder nur das lernen zu lassen was sie wollen. Oftmals verweigern Kinder genau das was ihnen Schwierigkeiten macht. Wenn dann auch noch Eltern und Lehrer keinen Druck machen das trotzdem zu lernen, stürzen Kinder ganz böse ab. Sie verlassen die Schule ohne annähernd ausreichende Möglichkeiten einen Beruf zu erlernen. Noch tragischer, kann es in der Psychiatrie enden. Aus besagtem Fall ist das geschehen und die Schule auf meine Intervention geschlossen worden. Besonders tragisch, die Mutter hat wieder ein Kind und macht die gleichen Fehler wie bei den schon erwachsenen Kindern unbeirrt wieder.

Kommentar von Imago8 ,

Klingt tragisch die Geschichte.

Allerdings scheint es häufiger der Fall zu sein, dass der schulische Leistungsdruck bei Kindern zu psychischen Problemen führt.

Kommentar von Dirndlschneider ,

Ich möchte nicht vor einem 14 jährigen stehen , der anfängt , sich in der Welt zurechtzufinden und den Wunsch äußert , später ein Studium zu beginnen und ich muss ihm dann sagen , dass ihm dazu jedwede Voraussetzung mangels entsprechender Schulbildung fehlt . 

Ganz so einfach ist es halt nicht , gewisse Nachweise müssen halt vorliegen.......

Kommentar von Imago8 ,

Schulabschlüsse können auch gemacht werden, ohne je eine Schule besucht zu haben.

Kommentar von Dirndlschneider ,

Da muss man aber seeeeehr strukturiert und organisiert vorgehen . Du gehst immer vom Idealfall aus - ich habe schwere Bedenken ! 

Die Menschen , welche die Schulpflicht beschlossen haben haben sich dies mit Sicherheit nicht leicht gemacht und hatten bestimmt wichtige Gründe !

Kommentar von Imago8 ,

hatten bestimmt wichtige Gründe

selbst wenn sie welche hatten. Jetzt ist eine andere Zeit mit neuen Herausforderungen. Aber ich sehe schon. Für die meisten ist es leider völlig normal und selbstverständlich, dass man Kindern das antut.

Kommentar von Dirndlschneider ,

Kannst du wirklich für die Bevölkerung eines GANZEN Staates die Verantwortung für die Bildung der Kinder in die Hände der Eltern legen ? 

Denkpause........

Kannst du das WIRKLICH ? 

Bist du tatsächlich  nicht in der Lage , dir auszumalen , welche Konsequenzen dies hätte ? 

Wenn du so sehr phantasiebegabt bist , dass du dir vorstellen kannst , deine eigene Bildung und dein Fortkommen in die eigene Hand zu nehmen , dann müsste es dir auch gelingen , diese Zukunftsphantasie mit allen Folgen durchzuspielen . Mir sträuben sich allein beim " andenken " sämtliche Körperhaare.......sorry . 

Kommentar von Imago8 ,

Mir sträuben sich allein beim " andenken " sämtliche Körperhaare

Das liegt daran, dass du eine ganz andere Vorstellung davon hast, als ich. Und es liegt auch daran, dass du davon ausgehst, dass ich denke, dass ich Schule abschaffen will. Das will ich nicht. Es geht nur um die Frage nach dem Sinn und den Gründen für den Schulzwang.

Österreich, Frankreich und m.E. die Schweiz kommen auch ohne Schulpflicht bzw. Schulzwang aus. Dort gibt es eine Bildungs- bzw. Unterrichtspflicht, die aber nicht an den Besuch einer Schule gekoppelt ist.

Warum sollte Deutschland das nicht auch so machen?

Antwort
von Andracus, 95

Gut ich hätte am Schulsystem und am Bildungsplkan auch ordentlich zu mäkeln. Aber rein prinzipiell: Irgendwo muss Kindern Bildung "aufgezwungen" werden. Von selbst packen die garantiert kein Lexikon aus.

Kommentar von Imago8 ,

Von selbst packen die garantiert kein Lexikon aus

Schade, dass du so denkst.

Kommentar von Dirndlschneider ,

Du scheinst anzunehmen , dass du für ALLE sprichst . Schade , dass du so denkst .

Kommentar von Andracus ,

Begründeterweise, oder etwa nicht?

Antwort
von Frooopy, 80

Weil es Grundwissen gibt welches ein Leben später in der Gesellschaft um einiges einfacher macht.

Antwort
von alexx183487, 91

1. Etwas müssen sie ja können

2.Weil das deutsch Schulsystem nicht gerade das beste ist.

Antwort
von Volkerfant, 28

Es gibt Kinder, die nicht fragen, weil sie schüchtern sind.

Es gibt Kinder die neugieriger und ehrgeiziger sind als andere.

Um diesen Kindern allen gerecht zu werden, finde ich, sollten alle die gleiche Chance haben, eine Allgemeinbildung zu bekommen.

Kommentar von Imago8 ,

Natürlich sollten sie die Chance bekommen. Die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, ist aber etwas anderes, als keine Wahl zu haben.

Antwort
von Zahltag, 64

Damit sie später im Leben klar kommen und Erfolg haben.

Bildung schützt vor Ausbeutung, Armut und sich verbreitenden Halb- bzw. Unwissen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community