Warum wollen manche Menschen krank sein?

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21 Antworten

Ob diese Menschen krank sein wollen oder schon beim kleinesten Wehwehchen suggeriert bekommen, sie seien krank ist schwer zu unterscheiden.

Wir leben doch mittlerweile in einer Gesellschaft, der jedwede Info frei im Internet zugänglich ist. Die mit Informationen zugemüllt wird. Unsere Kinder lernen doch gar nicht mehr, sich persönlich zu unterhalten und stellen die Fragen lieber anonym im Internet.

Wir leben in einer derartig gepamperten Wohlstandsgesellschaft, dass wir den Blick auf die wirklich schlimmen Dinge verlieren. Jeder blöde Spruch wird zum Mobbing hochstilisiert. Jede kleinste Stimmungsschwankung ist gleich eine handfeste Depression.

Wenn jede zweite prominente Dame im Netz ausführlich über ihren Brustkrebs schreibt und die Masse mit viel Mitleid darauf aufspringt, wenn jeder A - Z Promi seine Seelenqual zum Besten gibt, dann wünschen im tausende Follower gute Besserung.

Ich könnt kotz*en

Schau. Es geht uns hier in Deutschland doch wirklich mehr als gut. Für Arbeit ist gesorgt, wer keine hat oder bekommt, der ist mit Arbeitslosengeld oder HartzIV gut abgesichert. In Krankheit bekommen wir die bestmögliche Versorgung ohne dafür zahlen zu müssen. Es geht uns einfach mittlerweile zu gut. Das kann man nun positiv oder negativ sehen.

Wir haben Eltern, die beide Vollzeit arbeiten und keine Zeit mehr finden, sich mit ihren Kindern zu unterhalten oder zu sehen, wie es ihnen geht oder was sie den ganzen Tag machen. Wir haben Eltern, die pusten ihren Spröslingen Puderzucker in den Hintern und nehmen ihnen alles ab, was es so an Problemen und Problemchen gibt.

Unsere Kinder werden auf Perfekt getrimmt. Unsere Kinder werden aber mit dieser Vielzahl an Informationen, die Google uns schenkt, allein gelassen. Da geht keine 14jährige zu Mutti und fragt, was denn mit der Brust los ist, die auf einmal weh tut oder sich jeden Tag anders anfühlt. Und wenn der Sohn nachhause kommt - mitten in den Pubertätsstimmungsschwankungen dann hat dieser auf einmal ein Aggressionsproblem oder ADHS, ist depressiv oder gleich das Mobbingopfer.

Nicht ist heutzutage mehr "normal".

Diese "Oh Gott! Ich bin krank"-Suppe haben wir uns selbst eingebrockt. Unsere weichgespülte Generation! Die - im Gegensatz  zu unseren Eltern und Großeltern - wirklich nie Leid, Hunger und Missstände ertragen mußten.

Unsere Generation muss sich nicht mehr unterhalten. Wir können unsere Probleme bequem ins Internet stellen und stumpfsinnig vor dem Bildschirm warten, welche Informationen wir hierzu bekommen. Wir müssen mit dem Internet nicht diskutieren oder uns mit den Antworten aktiv und sofort auseinander setzen. Wer uns die Schranken weist, können wir ignorieren. Wer uns nach dem Mund redet, auf dessen Zug springen wir auf.

Die heutige Gesellschaft lehrt uns, wenn wir krank sind, dann werden wir behüttelt. Wie damals als 5jährige mit der ersten Magen-Darm-Grippe als uns Mutti mit Cola und Salzstangen bemuttert hat.

Diese Pseudokranken genießen die Aufmerksamkeit. Sie wissen aber nicht was es bedeutet, wirklich krank zu sein!

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Kommentar von PlueschTiger
16.10.2016, 00:11

Schau. Es geht uns hier in Deutschland doch wirklich mehr als gut. Für Arbeit ist gesorgt, wer keine hat oder bekommt, der ist mit Arbeitslosengeld oder HartzIV gut abgesichert. In Krankheit bekommen wir die bestmögliche Versorgung ohne dafür zahlen zu müssen. Es geht uns einfach mittlerweile zu gut. Das kann man nun positiv oder negativ sehen.

Ich wünschte es wäre so. Aber das was du in dem Zitat schreibst ist nicht die Realität. So sollte es sein, ist es aber nicht.

Ich habe 6 stunden warten müssen bis ich ERSTE HILFE bekam! Gut 2 davon habe ich in Wartezimmern verbracht und dann wollte man mich noch in die nächste Metropole schicken, weil in unserem Bananenstaat kein geeigneter Arzt in einem Normalen Krankenhaus für das Problem da war. Erste Hilfe, etwas was wir bei jedem Führerschein, als Prüfung machen müssen, was uns auch in der Schule eingetrichtert wird! Die Wahrheit und Alltag sieht so aus, wenn du glück hast überlebst du den besuch beim Arzt, wenn nicht, endest du wie meine Oma, auf dem Friedhof. Eine simple Krankenschwester hat den ernst der Lage erkannt und uns ins Krankenhaus geschickt, während ihre Ärztin, scheinbar nicht in der Lage war das zu sehen was sie sah, leider zu spät. Viele Ärzte sind zum teil nur Gierig oder so unfähig das selbst schon Patienten bessere Diagnosen stellen können.

Oft genug werden Menschen erst Krankgeheilt.

Harz4, da durfte allein ich 6 Monate auf 3 Bescheide warten (1 Positiven und 2 Negative, auf 1 Antrag), 11 Monate auf den Wiederspruchsbescheid. Wenn du einen Menschen umbringen willst, mache es legal und ganz einfach, die Folter und Mobbing gibt es kostenlos dazu. Schicke den Menschen einfach zu Jobcenter. Entweder läuft er Amok oder er bringt sich irgendwann selbst um, dritte Möglichkeit, er verhungert.

Diese "Oh Gott! Ich bin krank"-Suppe haben wir uns selbst eingebrockt. Unsere weichgespülte Generation! Die - im Gegensatz  zu unseren Eltern und Großeltern - wirklich nie Leid, Hunger und Missstände ertragen mußten.

Auch wenn du zum Teil recht hast ist es nicht so einfach. Ja du hast heute vieles besser, doch etliche Probleme sind nicht anders als Früher, nur das Gesicht sieht anders aus. Früher gab es nichts, heute verhungerst du weil du kein Geld hast, trotz 2 Jobs, oder weil das Amt sich zeit lässt. Abgesehen davon kommen noch genug Probleme heute dazu welche ehr seelisch die Menschen fertig machen.

An sich sagst du viele wahre dinge, doch zu einseitig oder durch die Rosa Brille.

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Krank sein wollen, egal, ob körperlich oder psychisch, hat immer etwas mit Kranheitsgewinn zu tun.

Das bedeutet, daß solche Menschen aus ihrem Kranksein einen Gewinn ziehen, den sie in ihrem Nutzen höher einschätzen als das durch die Krankheit verursachte Leid.

Dieser Krankheitsgewinn kann sehr verschieden sein und ist oft nur nach sehr langem und sehr genauem Hinschauen erkennbar. Er kann darin bestehen, mehr Aufmerksamkeit zu erlangen, mehr Geld zu bekommen, Arbeit auf andere abzuwälzen, mit der Krankheit eigene Fehlleistungen zu begründen usw. usw.

Doch nicht immer ist es so, daß jemand, der überall von seinen Krankheiten erzählt, nur auf einen Krankheitsgewinn aus ist. In sehr vielen Fällen leiden solche Menschen erheblich und haben Menschen einfach nicht die richtigen Mittel oder Ärzte gefunden, um der Krankheit wirksam beizukommen.

In solchen Fällen ist das Verhalten dann als ein Hilferuf an alle zu interpretieren, wohinter die unbewußte Hoffnung steckt, daß sich vielleicht noch durch Zufall etwas Brauchbares ergibt.


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Meiner Meinung nach wird das von der Pharmaindustrie und Psychiatern massiv gefördert. Es werden immer mehr Krankheiten in die Liste  der psychischen Krankheiten aufgenommen. Erschwerend wird immer schneller eine Krankheitsdiagnose gestellt, auch wenn es nur eine kurze Episode ist. Ist ein Kind launisch, was eigentlich so gut wie jede/r Pubertierende ist, dann war das früher einfach "er/sie ist halt in diesem Alter, wo das so ist". Heutzutage hat das arme Kind eine Gefühlsregulationsstörung.

Dazu kommt, dass vor allem Jugendliche immer gerne im Internet nach irgend etwas suchen was ihren Zustand erklärt. Mit der Erklärung "Du bist halt in der Pubertät" geben die sich nicht zufrieden, denn das sind ja tausende andere auch. Sie wollen eine Diagnose, die exotisch klingt und die nicht jeder hat. Da bietet das Internet eine breite Auswahl an Erkrankungen. Wenn man sich erst einmal eine "ausgesucht" hat, dann wird jedes noch so kleine Symptom, das auch nur ansatzweise paßt sofort als weiterer Beweis gedeutet und alle Dinge, die nicht passen werden ausgeblendet oder unter dem Begriff "untypischer Verlauf" verbucht.

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Kommentar von PlueschTiger
16.10.2016, 00:40

Dem stimme ich zu.

Erschwerend wird immer schneller eine Krankheitsdiagnose gestellt, auch wenn es nur eine kurze Episode ist.

Das eigentlich schlimme daran ist , das die Diagnosen sehr oft ohne wirklich gründliche Untersuchungen kommen. Man behandelt einfach mit einem kurzen Blick, so Pi mal Daumen, ins Blaue und wenn es nicht klappt, versuchen wir was anderes.

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Krank sein heißt auch, dass es Menschen gibt die die Kranken umsorgen. Ich interpretiere das nicht als primären Wunsch "krank zu sein" sondern Aufmerksamkeit zu bekommen, umsorgt und bemuttert zu werden. Meine eigene Beobachtung ist auch, dass die jüngere Generation derart verzärtelt ist, dass schon gefühlt bald jeder 2. Jugendliche einen Therapeuten an die Hand braucht um durch die Pubertät zu kommen, gleichzeitig steigt aber in der Gesellschaft der Leistungsdruck und die Fähigkeiten selbstständig zu sein, Manieren zu haben, einsatzbereit sein, flexibel sein etc pp.. Die Schere geht immer weiter auseinander.

Was ich dabei schade finde, ist, dass die Menschen die tatsächlich schwere und/oder chronsich verlaufende Krankheiten haben teilweise gar nicht mehr ernst genommen werden. Je nachdem was gerade in den Medien vorherrscht genau das hat dann jeder, das ist verstärkt zu beobachten. Vor ca 2 Jahren war es noch Borderline, jetzt ist es Autismus und Bindungsphobien. Da fühlen sich schon die 14-jährigen bindungsunfähig. Natürlich ohne Zusamenhänge zu erkennen.

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Kommentar von Revic
14.10.2016, 21:23

Das habe ich auch bemerkt. Gerade Menschen die Mitten in der Pubertät sind meinen plötzlich, dass irgendwas mit ihnen nicht in Ordnung wäre und schlussfolgern daraus, sie müssten psychisch krank sein. Das dieser Zustand ganz normal ist und das auch jeder Mensch in seinem Leben einmal in diesen Zustand kommt, dass scheint ihnen irgendwie nicht ganz bewusst zu sein.

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Hallo,

gerade bei denjenigen, die fragen, ob sie sich in Behandlung begeben sollen, lese ich eine ernsthafte und ernstzunehmende Sorge über ihr psychisches Wohlergehen heraus.

Auch Selbstdiagnosen können manchmal akkurat sein, wenn man sich dabei an die gültigen Diagnoseschlüssel für die jeweiligen Erkrankungen gehalten hat.

Natürlich können auch Menschen, die ein großes Mitteilungsbedürfnis bezüglich ihrer Krankheiten haben, stark leiden. Solche Gespräche können ja schließlich auch Ausdruck großen Leidens sein; sie sind ja schließlich eine Ausdrucksform.
Manche finden auch andere Ausdrucksformen: Schreiben, Zeichnen, Musik machen, Rollenspiele,... Gerade bei Kindern mit PTBS kommt das so genannte repetitive play vor: Sie spielen die traumatischen Erlebnisse dann immer wieder durch.

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Das hat nichts damit zu tun, dass Menschen eine Krankheit haben wollen.

Sie wollen oft nur die 'Vorteile' haben, die so eine Krankheit mit sich bringt. Also Rücksicht, ein bisschen Bevormundung, Aufmerksamkeit, etc.

Wenn das extreme Übermaße annimmt kann das auch schon wieder eine Krankheit darstellen. Google mal "Münchhausen-Syndrom".

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es gibt Menschen die sind todkrank und austherapiert (wollen aber lieber gesund sein) Ich habe mit vielen gesprochen, da ich auf einer Sterbe-station gearbeitet habe. Das sterben für diese todkranken ist oft nicht einfach, da es in Deutschland keine Sterbehilfe gibt.

Dann gibt es Menschen die sind Hypochonder und denken jeden Tag sie sterben, obwohl sie gesund sind. Und es gibt auch Menschen die sich interessant machen wollen, bzw. Mitleid erhaschen wollen, weil viell. niemand für sie da ist.

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Massiv begegnet mir das Phänomen bei Tumblr. Dort wird Menschen mit psychischem Handicap oder Minderheiten oder sonstwie "Gehandicappten" sehr lievevoll begegnet. Man fühlt sich also mit angegebener Beeinträchtigung besser aufgehoben als ohne. 

Viele haben im Alltag mit etwas Probleme. Früher musste man sich dafür schämen. Selbst wenn eine Diagnose bestand, musste man sich oft noch schämen, man war beeinträchtigt, musste die Beeinträchtigung verstecken, um nicht ausgegrenzt zu werden.

Heute gibt es für alles einen Namen. Man ist vergesslich? ADS!

Man vergisst Namen oder kann schwer  Namen Gesichtern zuordnen? Prosopagnosie.

Man geht nicht gern auf Partys, ist nicht gern mit vielen Menschen zusammen, braucht Zeit für sich? Asperger!

Man hat gerade viel Stress, ist überlastet? Depression!

Dabei sind ja die Grenzen oft fließend und echte Betroffene haben meist viel mehr Schwierigkeiten als Leute, die sich Gesichter nicht merken, weil sie sich mehr auf Stimmen konzentrieren oder aus Stress mal etwas vergessen.

Wir sind gerade in einer extremen Phase: Anderssein wird gerade online (v.a. Tumblr mMn) regelrecht gefeiert. Nach dem Lesen einiger Tumblr-Blogs kommt einem der Gedanke: Was kann ich denn mal "haben", damit ich auch lieb angesprochen werde (je weniger man "hat", desto harscher wird man dort oft angesprochen!).

Die goldene Mitte wäre besser: Psychische Krankheiten und Behinderungen nicht als Makel oder Scham, aber auch nicht aus Aushängeschild anzusehen. Weder Scham noch Stolz auf die Beeinträchtigung. Denn wir sind alle, ob krank oder nicht, in irgendeinem Bereich beeinträchtigt. Meist nur nicht so massiv wie Leute mit Diagnose.

Wenn jemand es nötig hat, sich über Beeinträchtigungen zu definieren, hat er wirklich ein Problem und braucht ggf. die liebevolle Aufmerksamkeit auch! 

Denn sonst würde er sich über Charaktereigenschaften, Fähigkeiten, Vorlieben usw. definieren.

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Das ist mir auch schon des Öfteren aufgefallen. Gerade die jüngere Generation versucht es immer wieder. Mir sind da ein paar Theorien zu eingefallen. Sie haben sich entweder in einen Jungen verliebt, und möchten, dass er den Kontakt aufrecht erhält. Und sie versuchen durch "emotionale Epressung", ihn am Ball zu halten.
Was natürlich untereste Schublade ist. Gerade im Bereich Selbstmord, oder selbstverletzendes Verhalten. Aber was tut man nicht alles, für den einen oder die  eine im pubertierendem Alter?

Sie kriegen im Bereich der Familie nicht die nötige Liebe, die sie eigentlich bräuchten und versuchen es so, im Freundeskreis wieder auszugleichen. Indem sie beispielsweise den Doktor spielen und irgendwelche psychische Erkrankungen erfinden.
So bekämen sie die nötige Liebe und Aufmerksamkeit. Da sich die  Freunde ja dementsprechend um sie sorgen. Weil sie ja so "krank" sind.
Ich finde es richtig unnötig und eine richtige Beleidigung an die Menschen, die wirklich sehr schwer krank sind. Und auf fremde Hilfe angewiesen sind.

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Das ist in aller erster Linie ein Schrei nach Aufmerksamkeit.

So herrlich paradox daran ist, dass das Erfinden oder gar Einreden einer solchen Krankheit und auch damit einhergehende "falsche" Sympthome wie z.B. Ritzen selbst eine Art Krankheitsbild sind. Denn ein solcher Drang nach Aufmerksamkeit ist doch beim besten Willen nicht gesund, oder?

Die Aufmerksameit (zumindest in Form von Mitleid) führen dann zusammen mit dem selbst eingeredeten Selbstmitleid zu einem bittersüßen Zustand der Melancholie, aus dem man sich einmal versetzt auch nicht so gern wieder befreien möchte. Es ist alles in allem sogar ein eher angenehmes Gefühl, weil man sich auch zu einem gewissen Punkt wichtig fühlt. Als Ausdruck von Individualitätswahn und Vereinsamung in der zunehmend digitalisierten Welt kann man das auch gern bezeichnen.

Das böse Erwachen gibt es dann zumeinst, wenn man mit einer wirklichen Krankheit konfrontiert ist. Denn eine ernsthafte Lage, aus der man nicht einfach entfliehen kann, wenn man den Computer herunterfährt und dann so tun kann, als wäre nichts gewesen, ist eine Art dunkler Abgrund, den man mit der bittersüßen Melancholie nicht vergleichen kann.

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Ich bezweifle, dass ein Mensch von heute auf morgen plötzlich entscheidet, dass er an einer psychischen Krankheit leidet, bzw. den Wunsch verspürt betroffen zu sein. 

Wenn jemand das Gefühl hat, dass er/sie psychisch krank ist, so geht es ihm vermutlich nicht so gut, man kann davon ausgehen, dass dieser Mensch innerlich Probleme hat. Aufmerksamkeit kann man sich auch anders holen, aber ich streite nicht ab, dass es auch solche Fälle gibt. 

Psychische Krankheiten sind ernst zunehmen, Krankheiten, egal welche, sind niemals zu unterschätzen. 

Wir leben in einer immer schnelleren Zeit, man muss in immer kürzen Zeiträumen immer mehr an Leistung erbringen, der Druck heutzutage ist gewaltig. Früher war das Leben im Vergleich zu heute nicht einfacher, aber es war langsamer. Unser Leben hat sich verändert, und da ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen psychisch ausgelaugt fühlen, und glauben, dass irgendetwas nicht stimmt. 

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Mir ist hier bei den Fragen aufgefallen, dass viele sich mit - angeblichen - Krankheiten rechtfertigen. Dann ist man nicht einfach faul sondern "krank". Zum einem muss man dann nie auch nur darüber nachdenken, etwas an sich zu ändern, und zum anderen kann man jegliche Kritik von sich weisen.

Besonders beliebt sind Schulangst, angebliche Angststörungen und Depression.

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Kommentar von SerenaEvans
15.10.2016, 10:29

Die große Gefahr ist, dass Menschen, die wirklich krank sind, sich immer rechtfertigen müssen. In Deutschland herrscht sowiso schon ein gefährlicher Therapeutenmangel und wenn dann noch alle in der Pubertät hinrennen, weil sie einmal mit der Stumpfen Schere über den Arm gekratzt haben ... na dann gute Nacht. Wer wirklich Hilfe braucht, geht da schnell unter.

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Kommentar von Tasha
15.10.2016, 17:30

Das gegenteilige Problem gibt es auch: (Vor allem) Kinder, die etwas aufgrund einer Beeinträchtigung nicht können, werden als faul hingestellt. Statt zu überlegen, wie man dem Kind die Aufgabe erklären, beibringen, näherbringen könnte, heißt es "übe mehr! Stelle dich nicht so an!" aber das Kind weiß nicht, wie es üben soll. Früher hieß es oft "konzentriere dich!" und man spannte alle Muskeln an, was ermüdend wirkte. Man tat das, weil man keine Vorstellung von "konzentrieren" hatte und sich keiner die Mühe machte, das mal zu erklären.

Ich wurde in der Grundschule extrem frustriert: Ich sollte im Kunstunterricht Figuren ausschneiden, gab mir große Mühe, war total stolz, und dann sagte die Lehrerin "das ist zu ungenau, mach das noch mal". Jahrelang vermied ich das Ausschneiden und es ging irgendwann so weit, dass ich glaubte, alle praktischen Arbeiten "nicht zu können", weil immer wieder negatives Feedback kam. In Bio war ich sehr gut - bis wir Experimente machen sollte, dann überlegte ich, wie ich das vermeiden könnte, um nicht wieder ausgelacht zu werden. Glücklicherweise hatte ich einen Lehrer, der die Experimente Schritt für Schritt erklärte und eine positive Atmosphäre aufbaute, so dass man tatsächlich Zeit zum Ausprobieren und nicht nur Durchführen hatte. Heute noch fange ich an zu schwitzen, wenn ich unvorhergesehen etwas machen muss, das ich vorher nicht üben konnte. Heute weiß ich, dass ich es meistens könnte, aber etwas (viel) Zeit zum Üben brauche.

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Kannst du mal ein Beispiel nennen? Ich glaube die Menschen suchen wirklich nach Hilfe, eben auf deren Art.

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Auch wenn hier schon viele gute Antworten gegeben worden sind noch kurz ein paar Worte ;)

Ich glaube da spielt oft eine kleine Hirnwäsche mit ein. Wir setzen uns im Leben oft ein Image in den Kopf, wie wir sein wollen oder wie unser Leben aussehen sollte. Das wird oft durch Informationen von außen geprägt und gelenkt.

Naja, und wenn wir eben in einer Zeit leben, wo es hochgelobt wird, wenn jemand trotz psychischen Problemen, trotz eines schweren Lebens und trotz all dieser Übelkeit auf dieser Welt weitermacht und stark bleibt, dann wird das eben umgesetzt: Es werden sich Probleme geschaffen wo keine sind, man hat das Drama, und man kann nachher der Welt präsentieren, wie stark man doch war.

Sicher nicht immer so, aber das habe ich tatsächlich schon erlebt. Und zusätzlich wollen halt viele nicht zeigen, wie leicht wir es heutzutage haben - denn dann wäre man ja selbst für alles verantwortlich, was nicht so funktioniert wie man es wollte. Also ist es die böse Außenwelt, die einen kaputt macht... Und danach hat man dann sein "schönes" Leben und kann sich in jeder Situation auf seine "schwere Zeit" beziehen, die alles erklärt.

Ein für mich oft beobachtetes Phänomen, was mich immer wieder an der Intelligenz des Menschen zweifeln lässt. xD

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Hmmm. Interessante Frage. Ich kann mir vorstellen, dass eine Krankheit von den eigentlichen Problemen ablenken kann und unter Umständen auch eine Ausrede sein kann warum man dies oder jenes nicht meistert. Aufmerksamkeit spielt sicher auch eine große Rolle. Ich sage immer, auch negative Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit.

Vielleicht spielt auch die Angst vor einer wirklichen Krankheit eine Rolle und im Bekanntenkreis bzw. im Freundeskreis kann man sich damit vielleicht als besonders verwundbar darstellen, so dass sich der Freund doch nicht von einem trennt um ihm nicht zu schaden. (Vergl. Selbstmorddrohungen) 

Ich kann mir vorstellen, dass viele tatsächlich glauben, krank zu sein.

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Kommentar von Revic
14.10.2016, 21:12

Das klingt logisch. Meinst du, dass die "Betroffenen" am Anfang noch wissen, dass sie eingetlich völlig gesund sind, und sich erst mit diesen "sozialen Vorteilen" so sehr in die Krankheit reinsteigern, dass sie selbst fest daran glauben?

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Ja, es geht um Aufmerksamkeit, aber auch Langeweile. Sie können nichts positiv sehen und mit sich selbst oft nicht viel anfangen. Dann dreht es sich im Kreis. Man beobachtet sich selbst, jeder findet etwas an sich, was ihn stört. 

Mein Exfreund ging so oft zum Arzt, bis der ihn mit den Worten empfing: sie schon wieder. Leider hat er es nicht wirklich verstanden. Es war eigentlich ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Bei alten Leuten ist es so, daß sie nicht mehr viel erleben und dann auch zu viel von Krankheiten reden. 

Es fehlt im Grunde genommen auch der Respekt vor Menschen. Ich bin traumatisiert und kämpfe schon sehr lange dafür, daß ich wieder gesund werde. Es zählt als Krankheit (PTBS) und ich werde auch als psychisch krank bezeichnet, was nicht stimmt.

Die Leute reden viel von Dingen, von denen sie nichts verstehen. 

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Kommentar von Revic
15.10.2016, 12:45

Danke für den Einblick. Meinst du, dass Therapeuten und Ärzte diese "Pseudokranken" von den wirklich Betroffenen unterscheiden können, aber wegem dem Geld trotzdem eine Diagnose stellen um weiter behandeln zu können?

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Weil heute nur noch auf Menschen eingegangen wird, wenn diese eine Krankheit haben. Ansonsten leben wir doch nur an uns vorbei.

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Eine Grundfrage für Psychologen:

Welchen Vorteil hat der Erkrankte von seiner Krankheit?

Er bekommt Aufmerksamkeit und Zuwendung. Er ist nicht Schuld sondern Opfer der Umstände. Er kann sich benehmen wie Sau und bekommt noch einen Keks dafür......u.s.w.

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Ich weiß was du meinst.
Man ist halt  "Special" & anderes als die anderen , wenn man krank ist.
Aber diese Einfallslosigkeit ist eh das dümmste.
Alle wollen sie Depressionen haben , bis sie borderline entdecken.
Ich mein,wenn man sich eh nur ne Krankheit ausdenkt , dann sollte man mal kreativ werden & sich was einfallen lassen , wie zum Beispiel Pyromanie oder so..Weil dann ist man wirklich was besonderes.

Ich glaube es geht darum sich von anderen abzuheben.
& Mitgefühl/Aufmerksamkeit/Rücksicht zu bekommen.

Ich kann nicht verstehen , wie man freiwillig sich in eine Psychiatrie sperren lässt.
Aber jedem das seine.

Depressionen sind einfach heute nix besonderes mehr,deshalb versteh ich nicht warum viele so tun als ob,bzw. Damit angeben.
Das ist einfach uncool.

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Kommentar von Revic
14.10.2016, 21:37

Nun ja, so hart würde ich es jetzt auch nicht ausdrücken. Ich würde eher mal mit einem kleinen Augenzwinkern sagen, dass wohl auch Aufmerksamkeit zu den Grundbedürfnissen einiger Menschen gehört.

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Kommentar von DUHMHAITTUHTWEE
14.10.2016, 21:39

Schon..aber ich fühle mich irgendwie angegriffen , wenn Leute behaupten sie hätten etwas, was ich oder eine bekannte Person halt wirklich hat.
Weißt ich weiß wie schlimm es ist &á andere reden es sich ein &á wünschen es sich.

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Kommentar von Tasha
15.10.2016, 17:33

Schlimm wird es, wenn man keine andere Möglichkeit hat, Mitgefühl und Aufmerksamkeit zu bekommen! Das sollte eigentlich jedem ohne besonderen Grund zustehen! Wenn nur noch Mitgefühl und Aufmerksamkeit für die Beeinträchtigten da ist, und man noch extra etwas davon für diese Leute geben soll, wo es einem doch selbst fehlt, sucht man sich halt auch Beeinträchtigungen!

Wenn es so weit gekommen ist, sollten Unbeteiligte mal überlegen, ob sie nicht ihre Aufmerksamkeit und ihr Mitgefühl großzügiger verteilen können, auch an Menschen ohne Beeinträchtigung!

Was man bekommt, muss man nicht einfordern!

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Ich beziehe mich hier auf den Punkt "erwünschte, psychische Diagnose" (bei eigentlichem nicht vorhanden sein einer solchen)

Ich habe des öfteren den Eindruck, dass festgestellt wird:

ok, hier habe ich Schwierigkeiten, kann sie aber irgendwie nicht lösen

Es existiert ein diffuser Leidensdruck. Dann wird sich auf die Suche nach einer Erklärung begeben. Wenn man dann ein (Krankheits)Profil gefunden hat, was passen könnte, sind manche erleichtert. Zum einen, ist es ja dann je nach Pseudodiagnose pathologisch/angeboren (etc.), was impliziert: 

Hey! Ich kann ja gar nichts dafür! 

woraus folgen könnte, dass sich der Betroffene darauf ausruht und sein Verhalten somit entschuldigt, oder aber, man hat endlich einen Namen für sein Leiden und kann so präzise an sich arbeiten oder in Behandlung gehen. 

Eine Diagnose kann auch bedeuten, dass die Betroffenen "Leidensgenossen" finden können, um ihren Schmerz aufzuarbeiten, Verständnis finden, Freunde. (Dies könnte auch die Motivation sein, seine Geschichte im Netz zu veröffentlichen). Trost und Verständnis fühlt sich oft gut an.

Manche denken auch, eine Diagnose würde sie spannender machen, es geht vielleicht tatsächlich um Aufmerksamkeit. Wenn aber jemand eine Erkrankung benötigt, um das zu erlangen, wurde sie ihm/ihr möglicherweise auf normalem Wege versagt. Das ist dann eine traurige Angelegenheit. 

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Kommentar von Tasha
15.10.2016, 17:20

"Ausruhen" würde ich nicht sagen. Man ist entspannter. Ich hatte immer im Sportunterricht Probleme, wie die anderen in einer Stunde eine Bewegung zu lernen. Habe aus Frust die Sache auch privat vermieden (mit anderen Ball zu spielen etc.).

Später lernte ich zwei Dinge:

1. Mir hatte nie jemand geduldig eine Bewegung wie "zielen, Ball fangen" beigebracht, so dass ich immer hektisch unter Stress und Beobachtung schnell eine Lösung finden musste, die ich natürlich aufgrund des negativen Erlebnisses (alle anderen können es, ich nicht, ich werde ggf. ausgelacht) nicht weiter übte.

Dann hatte ich einen Bowlingkurs, in dem das Zielen erklärt wurde und wusste plötzlich, wie ich üben konnte (am Schlimmsten ist es, wenn man keinen Ansatzpunkt hat, und ALLES unsicher ist: Warum treffe ich das Ziel nicht? Stehe ich falsch? Muss ich mehr Kraft in den Wurf legen? Kraft aus dem Oberarm oder aus der Hand? Ball von unten oder oben halten? Zielen mit Oberarm oder Hand? Wie überhaupt zielen? - Also habe ich oft nur blind geworfen und gehofft, dass es passte.)


2. Nach der Schule erfuhr ich, dass ich eine Beeinträchtigung habe beim Lernen von Bewegungen. Nannte sich "minimale Cerebralparese".

Das entspannte mich ungemein! Denn auch nach der Schule hatte ich Stress beim Tanzunterricht, beim Geigenunterricht etc., weil ich mir nie genügend Zeit nahm, weil ich glaubte, dass andere über mich lachen würden, wenn es wieder so lange dauert (was die anderen sofort können). Durch die Diagnose hatte ich die Muße, mir meine Zeit zu nehmen, ging entspannter und damit auch erfolgreicher an die Sache heran. Zwar sagte ich keinem etwas von der Diagnose, sagte aber manchmal, dass ich Bewegungen langsamer lerne, wenn eine "Konkurrenzsituation" auftrat (ich das gleiche wie jemand anders lernte, der deutlich schneller war). Dadurch nahm ich mir den Stress und konnte mcih auf die Aufgabe konzentrieren statt auf die Angst, ausgelacht zu werden, oder auf Erklärungen. Vorher hatte ich in "Konkurrenzsituationen" oft gar nicht wirklich die Aufgabe geübt, sondern nur so getan, weil der Rest der Konzentration für Scham, Überlegungen, wie ich das gleich erkläre oder vertusche etc. draufging.

Deshalb bin ich immer noch diesem Bowlingtrainer sehr dankbar, der extra betonte, dass man nicht nach Punkten schauen sollte, dass man erst mal nur eine Bewegung übt, dass man ein "ScheiB-egal-Gefühl" entwickeln sollte (also entspannt werfen), und so die Möglichkeit schuf, dass man sich auf den Wurf konzentrierte und nicht darauf, dass die anderen schneller, besser, effektiver waren und man sich irgendwie entschuldigen musste, um das Gesicht zu wahren.


Das Problem bei einer Beeinträchtigung: Man läuft immer wieder gegen eine unsichtbare Mauer, die die anderen nicht haben. Alle können den Korb mit dem Ball treffen, nur mein Ball kommt weit vor dem Korb auf oder 2 m daneben. Selbst wenn keiner lacht, kommt das Gefühl der Scham auf, auch der Gedanke: Was denken die von mir, die können das alle, nur ich nicht!

Man baut sich immer mehr Stress auf, sucht evtl. nach allen möglichen falschen Erklärungen (beim Bowling: Bahn "schief", Leih-Ball uneben etc.).

Man wird immer verkrampfter: Das MUSS jetzt klappen, das klappt bei anderne schon seit Stunden, nur ich hänge immer noch hinterher. Verkrampft klappt natürlich gar nichts. 

Egal, auf welchem Bereich die Beeinträchtigung vorliegt, man wird immer gestresster, hat immer mehr Angst vor dem Versagen, vor Ausgrenzung oder Verurteilungen, hat am Ende gar keine Konzentration für die eigentliche Aufgabe mehr übrig, weil man nur noch überlegt, wie man ihr entkommt, sich entschuldigt, sein Gesicht wahrt, was jetzt passiert, ob man zum Deppen abgestempelt wird etc.

Das gilt besonders für Aufgaben, die für andere total leicht sind:

Schreiben, (einfaches) Rechnen, Vorlesen, Autofahren, Fahrradfahren usw. Sobald der Gedanke kommt "das können jetzt wieder alle außer mir", wird man so gestresst, dass man auch einfache Teilaufgaben, die man eigentlich beherrscht nicht mehr hinbekommt. 

Dann ist eine Erklärung oft extrem entspannend, so entspannend, dass man sich wieder mehr auf die Aufgabe konzentrieren kann und besser wird.

Und man nimmt sich mehr Zeit zum Üben, weil man sich nicht vor sich selbst schämt ("Das MUSS ich doch in einer Stunde schaffen!!!").

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