Frage von Yasinjifruit, 212

Warum wollen die Türken den Kurden kein Land abtreten?

AN ALLE TÜRKEN : Nicht falsch verstehen, aber jeder 2.te gibt mir eine andere Antwort zu diesem Thema und ich selber denke, dass das irgendwas mit der PKK zu tun hat. Ein sorry an alle Hobby-Politiker : Fühlt euch nicht beleidigt ^^

Antwort
von Pudelcolada, 129

Hier findest Du einige historische Ereignisse:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurdistan

In der Tradition Atatürks ist es der türkischen Regierung schlicht unmöglich, den türkischen Kurden einfach Land abzutreten, das ja außerdem bis zu einem Viertel der türkischen Gesamtfläche ausmachen könnte.

Dazu schau Dir mal eine Karte der Region an: Im Dreieck Türkei, Irak und Syrien leben die meisten Kurden.

Syrien ist so gut wie zerfallen, Assad hätte den Kurden wohl nur sehr wenig entgegenzusetzen, würden sie sich für unabhängig erklären.

Im Irak besitzen die dortigen Kurden eine wirtschaftlich und politisch sehr starke autonome Region, die von den USA massiv unterstützt wird (dort befinden sich zum Glück für die Kurden Ölraffinerien, aber ich denke ja nie etwas böses...  ;o)  )

Und jetzt stell Dir vor, was wohl passieren könnte, erhielten die türkischen Kurden das Land und die Unabhängigkeit, die sie seit etwa 1920 einfordern?

Tatsächlich war die Politik bis vor einigen Jahren schon wesentlich weiter als heute:
Das Verbot der kurdischen Sprache war schon aufgehoben, die kurdischen Vertreter waren paritätisch an der türkischen Regierung beteiligt, die kurdischen Regionalparlamente genossen erste Autonomierechte.
im gegenzug verpflichteten sich die kurdischen Vertretungen, nicht mehr die kurdische Unabhängigkeit von der türkei zu fordern, sondern am Aufbau eines echten Bundesstaates mitzuwirken. 

Damit wurde der PKK und den anderen militanten Gruppen zunehmend politisch das Wasser abgegraben, denn letztlich ging es den allermeisten Kurden weniger um einen eigenen Nationalstaat, sondern um eine ordentliche parlamentarische Vertretung, Mitspracherechte, Anerkennung als ethnische Minderheit in der türkischen Republik und die Zulassung ihrer kulturellen Identität.

Das alles hat Erdogan Stück für Stück demontiert, sabotiert, bombardiert.
Gegen den erklärten Willen der demokratischen Opposition, die daraufhin mundtot gemacht wurde und wird.
Erdogan und seine Partei haben also durch ihre rigorose Unterdrückungspolitik den erfolgreichen Prozess politischer Annäherung zerstört und damit erst die militanten Kurdenmilizen wieder gestärkt.

Erdogan ist nicht die Türkei und ihre Bevölkerung, das wollte ich noch hervorheben!

Kommentar von MrNerd ,

Ich bin kein Anhänger Erdogans und ich stimme dir in wesentlichen Punkten auch zu, allerdings ist deine Aussage über Erdogan (und somit über seine Partei) widersprüchlich zu dem, was wirklich passiert bzw. passiert ist. Erdogans Frau, die First Lady der Türkei, ist eine Kurdin. Seine Partei besteht fast vollständig aus Kurden oder Türken mit kurdischen Wurzeln. Erdogan hat einen kurdischen, offiziellen TV-Sender gründen lassen und viele Menschen, die sich für die autonome Region Kurdistan eingesetzt haben (Barzani zB.), in die Türkei eingeladen und für sie ein Willkommensfest arrangieren lassen. 

Darüber hinaus hat er selbst vor einer großen Menge auf Kurdisch gesprochen, genau so wie der ehemalige Premier Davutoglu. Sie haben sogar für ihre Partei ein kurdisches Wahlplakat entwerfen lassen. 

Das alles, und noch viel mehr, steht also in großem Widerspruch zu dem, was du geschrieben hast. Ich betone noch mal: ich bin kein Sympathisant Erdogans und werde ihm einige seiner politischen Entscheidungen nicht verzeihen.

Antwort
von Bitterkraut, 124

Dafür gibt es viele Gründe, z.B. würde dann die Wasserversorgung für Teile Anatoliens unter kurdischer Kontrolle sein, die Türken haben zig Staudämme und -seen gebaut in Kurdistan. Das ist aber nur ein Aspekt von vielen.

https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdostanatolien-Projekt

Antwort
von voayager, 102

Wo in der Welt tritt ein Staat ein Teil seines Landes ab? So etwas kommt meist nur nach einer Kriegsniederlage vor.

Antwort
von Geraldianer, 100

Wie alle Nationalisten wabern die nationalistischen Türken ständig zwischen einem ethnisch einheitlichen Volk und einer Gemeinschaft vieler Völker hin und her. Die Türkei ist eben kein ethnisch einheitlicher Staat. Es gibt außer den Kurden eine ganze Reihe von Völkern.

Schon Attatürk hat da viel Unsinn gemacht und erzählt, um die Nation zu einen. Religiös-Konservative wie Erdogan dürften ja eigentlich gar keinen Nationalstolz kennen. Das wiederspricht aber dem Islam.  Im Grunde ist dies ein Tabu-Thema, weil zu viele Wiedersprüche auftreten würden.

Die Kurden betrachten sich als einheitliches Volk, wobei ja auch die Jaz und die Jessiden zu den Kurden gezählt werden. Das steht in Konflikt zur Konzeption der Türkei als Vielvölkerstaat.

Erdogan ist am Syrienkrie mit schuldig. Er hat die Möglichkeit eines Kurdenstaates, vom Westen anerkannt, selbst verschuldet. Das erklärt wohl auch sein aktuelles Verhalten.

Antwort
von semaram, 122

Dafür gibt es 2 Gründe:
erstmal würde die Türkei damit Land abtreten
zweitens stellt das die Stärke, Macht und sogar ihre Existenz in Frage

Antwort
von halloschnuggi, 93

Das land wurde nicht leicht gewonnen, damals haben türken, kurden, tscherkesen usw zusammen gekämpft, so ein Land gibt man einfach nicht weg.

Antwort
von Realito, 93

Zeige mir ein Land der bereit wäre 1mm land abzugeben!

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