Frage von Wahchintonka, 37

Warum wollen die Leute im Streit immer das ganze recht für sich haben - anstatt zu sagen ok, was soll der Geiz, du und ich wir haben fifti fifti recht?

Und gut ist

Antwort
von PolluxHH, 12

"Recht haben" bezieht sich auf Bereiche, in denen man mit Beweisen arbeiten kann. "Frisch gebrühter Kaffee ist heiß" z.B. ... Finger rein, verbrannt, bestätigt. Solange man sich bei seinen Tatsachenbehauptungen in Bereichen bewegt, in denen man es nachweisen kann, warum sollte man nachgeben? Sollte man sich zu weit aus dem Fenster gehängt und die Grenze zur Meinungsäußerung überschritten haben, dann sollte man es auch so kennzeichnen. Meinungen sind frei und ein "und ich meine dennoch" ist weit häufiger anzutreffen, als es wünschenswert wäre.

Bei multikausalen Fragen liegt das Problem zudem oft in der Gewichtung. Eine Gewichtung aber ist wieder eine Meinungsfrage, weshalb man das "wünschenswerte" Ergebnis über die Gewichtung begründen sollte, denn dann macht es eigentlich nur Sinn, sich über Gewichtungsfragen zu unterhalten, also dem anderen verständlich zu machen, wie und weshalb man die Gewichte so verteilt, wie man es tat. Zwar wäre ein 50/50 auch hier denkbar, doch ist das nicht förderlich, um Reflexionen anzuregen, denn oft ergibt sich über Reflexion, auch ausgelöst durch Konfrontation mit einer anderen Auffassung, erst eine dritte Lösung, die dann konsensfähig wäre, was man ansonsten verspielte.

Reine Meinungsäußerungen sind nicht zu validieren und hier sollte man wirklich zugestehen, daß "anders" eben nur anders ist, aber deshalb nicht qualitativ zwingend schlechter. Eine Ausnahme besteht dann, wenn der andere einen logischen Bruch erzeugt, z.B. zu meinen, sich an anderen rächen zu dürfen, aber anderen das Recht absprechen, sich im umgekehrten Fall an ihm zu rächen.

Kommentar von Wahchintonka ,

recht kompliziert. viel verstanden habe ich nicht. es wird schon so sein zu 50%

Kommentar von Wahchintonka ,

der eine sagt das leben ist schön, der andere sagt es ist sch..e...hat nicht jeder recht zu 50%?

Kommentar von PolluxHH ,

Das sind Meinungen und Meinungen, doch das vergessen die meisten, hören in ihrer Gültigkeit bei einem selbst auf. Die eigene Meinung gilt für einen selbst, dann zu 100%, ist nicht übertragbar, ebenso die andere Meinung zu 100% für den anderen, doch beides kann problemlos nebeneinander existieren und keiner hätte das Recht, dem anderen seine Meinung streitig zu machen.

Anders verhält es sich bei Meinungen, welche Handlungen beeinflussen. Nehmen wir soziale Gerechtigkeit. Die verschiedenen Auffassungen darüber, was sozial gerecht sei, rühren daher, daß man ein anderes Menschenbild hält ("Rechts" eher das Bild des Menschen als Egoisten, der immer darauf aus wäre, soziale Angebote zu mißbrauchen, "Links" eher das Bild des "Gutmenschen", der allenfalls durch die Gesellschaft korrumpiert wird) als auch, daraus folgend, unterschiedlich zwischen der  Leistungsgerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit diskontiert.

Bei der Egoismusannahme muß natürlich mehr Gewicht auf Leistungsgerechtigkeit gesetzt werden, denn nur dann enthielte das System einen Anreiz zur Leistungserbringung, welche auch erforderlich ist, um soziale Leistungen anbieten zu können. Bei der Gutmenschannahme aber wird unterstellt, daß jeder Mensch in dem ihm möglichen Maße bestmöglich Leistungen erbrächte, es also unfair wäre, hier Leistung zu honorieren, dabei nie auf die Idee kommend, soziale Angebote zu mißbrauchen.

Hier aber handelte es sich um Meinungen, die tragend für allgemeine Entscheidungen sind, weshalb, da Entscheidungen zu treffen sind, man gerade nicht auf 50% / 50% abstellen kann, weil das keine Entscheidung zuließe. Das Problem ist nur meist, daß die eigentlich strittigen Punkte (hier die aus dem gehaltenen Menschenbild abgeleitete Begrifflichkeit für soziale Gerechtigkeit) gar nicht behandelt werden, sondern nur über konkrete Inhalte für anstehende Entscheidungen diskutiert wird.

Antwort
von daCypher, 12

Wie soll das denn gehen?

Sie will, dass der Klodeckel zu ist, aber Er will nicht jedes Mal den Klodeckel zu machen. Sollen jetzt beide den Klodeckel nur halb zu machen?

Kommentar von Wahchintonka ,

wenn sie sich gegenseitig 50% recht zusprechen, dann dürfte es darüber keinen streit mehr geben. und da der Mann der Kavalier von haus aus ist, ...na ja.....Ausserdem kommen dann auch keine Ratten und anderes Ungeziefer so ohne weiteres ins Haus

Antwort
von DasPigi, 23

Wieso sollte ich die hälfte nehmen, wenn ich das ganze haben kann?

Kommentar von Wahchintonka ,

oder am ende garnigs. wäre in deinem fall auch gerechtfertigt

Antwort
von akkurat01, 10

Der Gedanke ist sehr gut.

Aber jeder will 100% Recht haben. Das ist aber nur in ganz wenigen Fällen so.

Deshalb streben Richter ja meist auch einen Vergleich an. Da muss jeder einen Kompromiss machen. Meist können beide Seiten damit leben.

Wenn nicht geht es in die nächste Runde.

Klingt leicht, ist es aber leider nicht. Meist geht es um viel Geld. Und da gibt man nicht gerne nach.

Und Anwälte haben meist keinen Grund für eine Einigung zu sein. Warum auch dann verdienen sie ja nichts mehr.

Kommentar von Wahchintonka ,

Gäbe es keine Anwälte, dann bräuchte man auch keine....Aber es geht bei weitem nicht nur ums Geld. Es geht vor allem auch um die unzähligen privaten, geschäflichen und politischen Streitigkeiten in der ganzen Welt. Und wohin das manchmnal führt, kann sich jeder an seinen zehn Fingern abzählen

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