Frage von Schleit, 79

Warum wollen die Landwirte immer mehr nicht-marktkonforme Eingriffe?

Wenn die Preise so gering sind, sollten die Milchbauern nicht einfach Ihren Beruf aufgeben? Das Angebot ist doch offensichtlich zu groß... Dann steigen die Preise auch wieder.

Antwort
von frank394, 42

Den Beruf Landwirt aufzugeben ist nicht so einfach wie man denkt, denn Landwirt ist neben Beruf auch eine Lebenseinstellung.

Und zu jeden Hof gehört eine lange Geschichte die ein Landwirt nicht einfach aufgibt.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

Die meisten Landwirte sind Landwirte mit Leib und Seele ......

für die ist das kein Beruf sonder Berufung

Antwort
von SvenWolf89, 51

Ein Bauer verkauft in der Regel nicht an die Kunden und Märkte direkt, sondern die Milch wird in Molkereien als "Massenprodukt" verarbeitet.

Von demher kannst du das nicht einfach so sagen das Die Milchbauern so geringe Preise haben daran liegt dass das Angebot zu groß sei.

Problem ist der aufgezwungene Wettbewerb, große Molkereien liefern Ihre Milch nach ganz Deutschland und holen sich so einen großen Marktanteil. Durch den Massenhaften verkauf an die Discounter für Billigpreise zwingen die Molkereien die Bauern automatisch ihre Preise zu drücken.

Ein Discounter brauch Milch in Massen und von gleicher Qualität und Marke, diese können Kleinbauern gar nicht liefern. Was sie zwingt an größere Konzerne zu verkaufen und diese wiederrum erhalten natürlich Landesweit Angebote. Wer den Preiswettbewerb nicht mitmacht weil er seine Familie noch anständig ernähren möchte muss diesen Beruf halt aufgeben.

Nun trifft irgendwann dein angesprochener Teil ein, umso mehr Bauern aufgeben umso weniger Anbieter (Angebote) bei gleich hoher Nachfrage der Discounter bzw. Endverbraucher. Molkereien sind dann angewiesen auf den Verkauf der Bauern was den Bauern die Chance zur Preiserhöhung gibt. Die Molkerei muss ihren Preis dadurch wieder anpassen und das heisst die Endverbraucher zahlen schlussendlich diese Preiserhöhung.

Aber das ist ja keine Lösung... zu 50% der Bauern sagen "macht arbeitslos bzw. sucht euch was anderes" damit die andern 50% weiter existieren können.

Fazit: Kauft die Milch beim Dorfeigenen/Stadteigenen Bauern :-) wobei es dann auch negativ für Arbeitsplätze der Molkereien wird. Wir haben einfach ein krankes system :D

Kommentar von wurzlsepp668 ,

Die Supermarktketten sind Verbrecher ....

ich weiß einen Fall, wo eine Kette ein neues Lager gebaut und eingeweiht hat ....

eine Molkerei bekamm dann einen Brief von der Konzernzentrale: Da Ihre Produkte bei uns im Lager stehen und auf Verkauf warten, werden wir Ihre nächste Rechnung um 350.000 € kürzen ....... Problem der Molkerei: wenn die Nein sagen, ist der Vertrag mit der Kette ab dem nächsten Tag "gestorben" ...

und das haben die nicht nur mit dieser Molkerei gemacht ...

Fazit: das Lager war bezahlt, ehe die ersten Waren rausgingen .....

Kommentar von SvenWolf89 ,

Leider schade das niemand soweit gedacht hat als der Discounter kam und der nette "Tante-Emma-Laden" von neben an verschwand :-)

Antwort
von wurzlsepp668, 43

wenn Du lieber Milch aus einem unbekannten Herkunftsland haben willst ........

Die Preise können nicht noch weiter sinken ...

die Preise werden durch die Supermarktketten vorgegeben. Ein Landwirt braucht, um vernünftig wirtschaften zu können (und vernünftig wirtschaften heißt nicht, jedes Jahr einen neuen, größeren Bulldog) pro Liter Milch einen Preis von 40 Cent. Momentan bekommt der Landwirt zwischen 33 und 35 Cent ......

Ohne die staatlichen Subventionen könnte kein Landwirt überleben ...

und für die Gegner der Subventionen:

ohne Subventionen werden Marktpreise bezahlt ... Somit entsteht eine Preisspirale nach oben .... da der Landwirt an den Höchstbietenden verkauft ..

weshalb kommt wohl Mais mittlerweile größtenteils in eine Biogasanlage? weil der Preis höher ist, um LEBENSMITTEL zu verbrennen als anderweitig zu verarbeiten

P.S.

Nein, ich bin kein Landwirt

Kommentar von frank394 ,

Die Subventionen nehmen, also zumindest bei uns nicht so einen großen Anteil bei den Einnahmen ein. Das würde umgerechnet bei einen Liter Milch max. 1ct ausmachen. Die Kosten für die Erledigung von staatlichen Vorgaben sind pro Liter Milch weitaus größer.

Kommentar von frank394 ,

Achja um den Image des Landwirtes gerecht zu sein, dass wir Landwirte immer jammern: wir haben bei unserer Molkerei ein Grundpreis von 24,5 ct, Tendenz fallend.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

ich kenne leider keinen Landwirt mit Milchwirtschaft ....

"meine" Landwirte betreiben nur Ackerbau und Forstwirtschaft, einer hat eine Schweinezucht ...

drum war der Milchpreis geschätzt

Kommentar von frank394 ,

Das sollte ja auch nicht als Vorwurf gelten :)

Ich wollte es nur mal erwähnen weil ich finde es momentan nicht mehr so lustig.

Antwort
von desasterhilfe, 34

Richtig! Und die ganzen Bauernhäuser zerfallen, die Ländliche Struktur wird vernichtet. Die Milchquote wollten die auch nicht mehr! Nun haben Sie den Salat! Weiß Du was es kostet ein altes Bauernhaus zu unterhalten! Vom Dach erneuern bis Renovierung bis Unterhalt. Bei uns im Dorf gibt es mittlerweile Bauern, die bekommen jedes Jahr über 100000 Euro von der EU, sonst wären die schon längst Pleite! Weißt Du was ein neuer Traktor kostet? Selbst ein alter kostet massiv viel Geld, wenn der mal defekt ist.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

ich habe mich mal mit einen Prüfer von der Deutschen Rentenversicherung unterhalten ...

der hat einen Landmaschinenhändler geprüft und hat sich aus Jux einen Preiskatalog für einen Traktor vorlegen lassen .....

ihm ist das Gesicht komplett entgleist, als er die Preise gesehen hat .....

aber die meisten haben die Meinung, ein Traktor kostet nix ....

drum kostet ja mittlerweile der Traktor von Mercedes gebraucht den gleichen Preis wie damals neu .... (Neupreis waren aber DM ...)

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