Frage von Chiliheadx, 137

Warum wird über die Qualität der Ausrüstung der deutschen Bundeswehr, fast ausschließlich negativ berichtet?

Wenn man der Presse glauben darf, hätte die deutsche Armee ja schon große Schwierigkeiten das Land gegen eine, mit Pfeil und Bogen ausgestattete, Reiterarmee zu verteidigen. Spontan fallen mir Berichte ein, die aussagen, dass :

  • das G36 nicht geradeaus schießen kann

  • Drohnen nicht lenkbar sein sollen

  • Tornado Kampfjets Nachts nicht einsetzbar sind

-...

Ich kann mir das ehrlich gesagt kaum vorstellen. Wer profitiert davon, solche Infos an die Öffentlichkeit zu geben? Und, ist es wirklich so schlimm?

Antwort
von darkhouse, 77

Auch muss man das Ungleichgewicht in der Berichterstattung berücksichtigen. Schlagzeilen wie "Tornados funktionieren einwandfrei wie geplant" oder "G36 - wie erwartet keine Vorkommnisse" wird man nicht finden, es wird nur über die Negativseite berichtet.

Bessere Ausstattung ist immer wünschenswert. Mit dem klar kommen, was man hat, ist schon eine Herausforderung gewesen (war selbst 12 Jahre). Über Jahre wurde der Verteidigungsetat gekürzt, wichtige Investitionen zum Umbau aus einer ruhenden Verteidungungsarmee hin zu einer Einsatzarmee blieben aus. Woanders wurde reingebuttert, weil es die internationae Politik so wollte. Der Eurofighter - ich erinnere gern an den Begriff "Jäger 90" - wurde Ende der 70er Jahre als Projekt geboren, vor fast 40 Jahren! Und der Vogel fliegt immer noch nicht so einsatzbereit, wie man es beabsichtigte. Aber da hängen zu viele Staaten dran, ein paar haben den Absprung aus dem Projekt geschafft. NH90, Tiger, A400M... Alles Projekte, die sein müssen, aber es dauert und zu viele mischen mit bzw. erwarten von einem Tiger auch irgendwie zu viel. Und teuer wird's am Ende immer. Bin ja gespannt, was als Ersatz für CH53 kommen wird. Die Helikopter sind jetzt seit Mitte der 60er Jahre in Betrieb und eine max. Nutzungsdauer bis 2030. Nachfolger noch nicht mal im Sichtfeld.

Zum G36 - das wurde nie als dauerfeuernde Waffe konzipiert. Selbst bei einem Maschinengewehr sind alle 150 Schuss Rohrwechsel vorgesehen, da das Material sonst verzieht. Und da reden wir von einem ausgewachsenen Dauerfeuerer! Ich kann doch auch nicht einen Löffel nehmen zum Graben statt einen Spaten und mich nachher beschweren, das der sich verbiegt.

Ich bin überzeugt, dass mit einer Menge mehr Geld in der Hand einiges schneller liefe. "Gott und den Soldaten ehret man in Zeiten der Not und zwar nur dann. Ist die Not vorüber und die Zeiten gewandelt, wird Gott bald vergessen und der Soldat schlecht behandelt." Jetzt scheinen wieder Notzeiten anzubrechen, alles hofft auf Personal und Geld.

Antwort
von habakuk63, 68

Es hört sich haarsträubend an und liest sich auch so, aber auffallend ist es schon, dass einzelne Berichte über fehlende, defekte oder unzureichende Ausrüstung der Bundeswehr solange negiert und ignoriert werden, bis es nicht mehr geht.

Das beste Beispiel ist /war das G36. Die entsprechenden Berichte gibt es schon seit mindestens zwei (3) Jahren. 

Solche Berichte gibt es über den Tornado,  über den Leopard II aber auch über den Eurofighter, ebenso über die Transall und deren Nachfolger A400M.

Einiges wird überspitzt dargestellt sein, aber einen wahren Kern werden all diese Berichte und Meldungen haben. 

Die Ursachen sind vielfältig. Es sollte jahrzehntelang eine "friedliche" Armee aus Staatsbürgern bestehen, die auf keinen Fall an irgendwelchen kriegerischen Auseinandersetzungen teilnehmen durfte! Warum sollte man in einer solchen "friedlichen" Armee besonderes Augenmerk auf den gesamten Prozess der Auswahl und Beschaffung von Waffen setzen?

Somit kamen alle Waffensysteme ins Alter und wurden nicht ersetzt sondern preisgünstig modernisiert, es wurden komplizierte Zusätze und Erweiterungen beschafft und halbherzig getestet, weil sie eh nicht zum Einsatz kommen würden, bei einer friedlichen Armee.

Diese Einstellung oder Philosophie zog sich durch alle Waffengattungen und Bereiche, bis sich die Gefährdungslage, das Aufgabengebiet und somit die Anforderungen dramatisch schnell aber grundsätzlich änderten.

Die deutsche Bundeswehr ist plötzlich in aller Welt im Einsatz und der gesamte vorgelagerte Prozess der Beschaffung und die Ersatzteilversorgung wurden diesem Szenario nicht oder nur rudimentär und zögerlich angepasst.

Die Auswirkungen spüren unsere Soldaten im täglichen Einsatz, die Bevölkerung ahnt es bei entsprechenden Einsatzmeldungen in den Nachrichten. " zwei von fünf Systemen sind nicht einsatzfähig, oder die Ersatzteile können nicht (mehr) beschafft werden (Transall und Tornado), oder die Waffe (G36) ist den gestiegenen Anforderungen nicht mehr gewachsen oder die Entwicklung gestaltet sich schwierig (A400M), oder Ersatzteile in ausreichender Menge wurden nie angefordert oder beschafft (Eurofighter)."

Ach ja, das ganze muss natürlich auch preiswert sein! Das unfreiwillige zusammentreffen dieser einzelnen Punkte machte es so dramatisch. Das gesamte System bedarf einer schnellen aber gründlichen Überarbeitung und Anpassung an die aktuellen und kommenden Anforderungen.

Antwort
von Ansegisel, 88

Ich denke, die Frage muss anders herum gestellt werden: Warum kommen diese Probleme immer nur tröpfchenweise ans Licht? Wer hat ein Interesse, die Missstände zu verheimlichen?

Und da fallen mir viele ein: Die Rüstungskonzerne, die nicht einsatzbereite Ausrüstung liefern, die Bundeswehr selbst und das Verteidigungsministerium, die Fehlentscheidungen und unausgereifte Milliardenausgaben zum eigenen Schutz möglichst unter dem öffentlich Radar halten möchten.

Von den Veröffentlichungen profitiert daher in erster Linie die Öffentlichkeit (sprich: Steuerzahler), damit diese im Klaren ist, was eigentlich in diesem recht geschlossenen System Bundeswehr mit den gezahlten Steuergeldern geschieht. Je transparanter eine Struktur ist, desto weniger ist sie anfällig für Missmanagement.

Antwort
von chris1717, 46

Seien wir mal ganz ehrlich:

(a) umständliche Bürokratisierung treibt Kosten in die Höhe und verlangsamt zB Modernisierung (ich denke da vor allem an das Ausschreibungsverfahren europaweit)

(b) der Steuerzahler möchte alles, aber das bitte sofort und umsonst. Dass man mit nem Fünfer kein Kampfflugzeug warten kann, sollte klar sein. Dass man da die Ersatzteile nicht in der Werkstatt für nen Hunderter kriegt wie beim Kfz sollte doch eigentlich auch klar sein.

(c) last but not least: Man kriegt in den Medien prinzipiell NUR schlechte Nachrichten über die Truppe. Grund ist relativ simpel: Kein Mensch will wissen, was gut läuft. Schlechte Nachrichten klingen in der Überschrift nicht nur besser, sondern sie verkaufen sich auch viel besser und interessieren mehr.

(d) manchmal ist es auch ganz lustig, solche Artikel dann zu lesen, weil die Hälfte der Informationen entweder unkorrekt oder aus dem Kontext gerissen ist. Dass die Autoren nicht unbedingt Sachverstand in diesem Gebiet haben können, ist nicht unbedingt deren Verschulden, aber es macht die Sache auch nicht besser. Zumal der Großteil der Leser noch weniger Ahnung hat, und alles glaubt, weil es auf Papier in schönen langen, komplizierten Worten gedruckt steht.

Das obige ist natürlich meine eigene Meinung und muss nicht zwangsläufig von irgendwem hier geteilt werden.

Antwort
von rav3ry, 39

Beim G36 gibts eine tatsache die gerne unterdrückt wird. Das is mMn (vom Magazin abgesehen) das beste Sturmgewehr der Welt. Leider hat unsere Regierung auf das von H&K angebotenes  hitzebestäniges Gewehr verzichtet, da das ja zu teuer wäre und stattdessen die billigere Variante bevorzugt. Und jetzt kaufen für ka wv n neues. Da muss die Regierung kritisiert werden und nicht die BW.

und zu dem was darkhouse anspricht - KEIN sturmgewehr ist als dauerfeuernde waffe konzipiert. Außerdem wirst du kaum, seis im Einsatz oder sonst wo, - höchst. in 0,5% der Fälle, Dauerfeuer schießen. Die BW schießt in Doubletten oder Tripletten (MG ausgenommen).

Zu den anderen Punkten kann ich nichts sagen - ka von der Luftwaffe.

Kommentar von WDHWDH ,

Das G36 war eine "Nationale" Notlösung. Das G22 sollte eingeführt werden, da gabs nach dem Mauerfall plötzlich  Unmengen von AK74(74!). diese plante die _BW einzuführen. Auf Druck von deutschen Firmen wurde flugs ein 5,56mm Gewehr entwickelt-ein bisschen von hier,ein bisschen von dort usw-das war und ist das G36. Mit allen Problemen der 5,56mm Patrone. Es gibt sehr wohl Sturmgewehre die Dauerfeuer schießen. Auch im Kaliber5,56. Zb.: StG77-eines der wenigen, die das kann! USW ......

Kommentar von rav3ry ,

Ok? Auch G36 kann man Dauerfeuer schießen, wird aber 1. kaum gemacht 2. nicht dafür konzipiert - Selbst MGs schießt man feuerstöße was immer noch keine dauerfeuer ist.

Kommentar von WDHWDH ,

Warum gibt es dann ein MG.  als GJ müsstest du die Bedeutung des MGs auf Lafette kennen-Sperrfeuer auf weite Entfernung usw.....Daher kommen auch  die "fachlichen" Aussagen, auf die sich die Presse stürzt.

Kommentar von rav3ry ,

Von der Lafette hat bisher niemand gesprochen, genauso hättest du jetzt sagen können das dauer feuer mit zweibein auch sturmgewehre dauerfeuer schießen kann. Ja toll. Aber da du dich nicht für meine Argumentation zugänglich zeigst lass ich das hier einfach mal. Mein Beitrag zur Frage ist geschrieben.

Schönen Abend wünsch ich

Kommentar von WDHWDH ,

Auf die Lafette kommt das gleiche MG wie auch ohne Lafette. Es hat daher die gleichen technischen (schusstechnischen) Voraussetzungen. Argumentieren kann man so viel man will, Tatsachen sind aber keine Argumente. Ich halte mich an Tatsachen. Nochmals, das Problem des G36 und anderer gleichkalibriger Waffen ist die fast zylindrische  Patrone .223 oder 5,56x45 und das aufschießende System!.

Kommentar von rav3ry ,

Echt? Ich dachte es gibt fünf verschiedene MG3s :O ich wusste doch ich hab mich all die jahre geirrt

Kommentar von WDHWDH ,

Richtig, du hast dich geirrt und es nicht verstanden-wundert mich da du doch angeblich schon lange GJ bist? So gering ist dein Wissen um DEINE (BW)Bewaffnung. Oder  bist du nur ein "Mitläufer". Es gibt ein Basis-MG das MG3. Wie der Name sagt, eine Basis -für alle Varianten gleich=das MG3. Mit Zurüstteilen wie Lafetten(Boden, Fahrzeug Schiff, Doppel(hier 2 MG3,    ....usw) Optiken, Zielhilfen......wird es für verschiedenste Zwecke adaptiert-aber es ist immer ein MG3 (Basis-Grundmodell). lies einmal die ZDv 3/14 und Anhänge.

Kommentar von rav3ry ,

Gut zu wissen, ich danke ihnen herzlichst. Haben sie noch weitere informationen für mich Unwissenden? :)

Kommentar von WDHWDH ,

Ja, schau in die ZDv`s der Themen ,bevor du darüber kommentierst! Ich war selbst einige Zeit bei den GJ-iSSA Ich bin eigentlich erschreckt.

Antwort
von KBB0815, 77

Ich vermute es ist schlimmer. Profitieren kann der Steuerzahler, das den ganzen Schrott bezahlt. Rüstungsaufträge unterliegen nicht dem normalen Marktregeln. Die Medien müssten viel mehr und detaillierter berichten

Expertenantwort
von ponter, Community-Experte für Bundeswehr, 45

Wenn man der Presse glauben darf

Nur bedingt 

hätte die deutsche Armee ja schon große Schwierigkeiten das Land gegen eine, mit Pfeil und Bogen ausgestattete, Reiterarmee zu verteidigen

Übertreibung deinerseits

- das G36 nicht geradeaus schießen kann

Fûr die Art der Nutzung, für die das Gewehr konzipiert wurde, entspricht es den Anforderungen und funktioniert einwandfrei.

- Drohnen nicht lenkbar sein sollen

Hier bleibt u.a. zu beachten, dass die Technik bei derartigen Systemen bei weitem noch nicht an das Maximum der Entwicklung herangekommen ist. Unbemannte Waffensysteme sind erst relativ kurz bei verschiedenen Streitkräften in Verwendung und noch äußerst ausbaufähig.

Seinerzeit hatte die BW u.a. mit dem sog. Starfighter emense Probleme.

- Tornado Kampfjets Nachts nicht einsetzbar sind

Ebenfalls wieder der sensationsge...len Presse geschuldet. Sorgt natürlich zusätzlich zu den übrigen "Problemen" seinerseits für weitere Schlagzeilen.

Dabei wird das Problem mit wenig Aufwand in kürzester Zeit wieder vom Tisch sein. Zudem nicht ausschlaggebend relevant, da die Aufklärungsergebnisse während der Tagesstunden besserer Qualität sind und somit besser auszuwerten sind.

Also alles halb so wild.

Antwort
von MichaMB0809, 47

Mit dem G36 sind der größteteil der Soldaten zufrieden

Antwort
von iceCristallx, 29

Wir haben noch koppeln... Die ganze Welt hat Molle nur wir rennen noch damit Rum

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community