Frage von Klannapanna, 134

Warum wird Suizid immer wieder stigmatisiert?

Ganz einfache Frage: Aus welchem Grund wird der Suizid in so gut wie allen Teilen der Welt als negativ angesehen? Der Mensch hat das Recht über sein eigenes Leben zu entscheiden. Damit hat er auch das Recht dieses zu beenden. Er tut anderem damit keinen direkten körperlichen Schaden zu und beeinträchtigt dadurch die Freiheit anderer nicht. Frei nach dem Motto: "Das Recht meine Faust zu schwingen hört da auch, wo die Nase des Anderen beginnt." Das diese metaphorische Faust in Fall des Suizids nach innen gerichtet ist soll nicht dazu beitragen. Ärzte sind beruftlich dazu verpflichtet alles zu tun, um das Leben eines Menschen zu wahren. Doch für alle Suizidanten ist der Freitod in ihrer Situation die beste Lösung. Dies mag sich nach dem Tod ändern, jedoch hat das ja dann keinen Einfluss mehr. Für den Moment hat er das getan, was er als am besten empfand.

Warum also liegt dem Suizid so ein negatives Stigma bei? Ich würde ja sagen, Leben und Leben lassen, nur scheint mir dies etwas ironisch... Hoffe der Gedanke ist angekommen.

Antwort
von EinNarr, 57

"Er tut anderem damit keinen direkten körperlichen Schaden zu und beeinträchtigt dadurch die Freiheit anderer nicht."

Das heißt eine Mutter, die ihr Kind verliert, eine Frau, die ihren Mann verliert, ein Kind, das ein Geschwisterteil verliert sind durch den Suizid des anderen nicht beeinträchtigt? Ein "direkter psychischer Schaden" hat in diesem Falle keine Gewichtung - viele Menschen in der Psychiatrie würden einen Fausthieb wohl einer, beispielsweise, posttraumatischen Belastungsstörung den Vorzug geben.

Der Suizid hat als Handlung einen heftigen Impact auf das direkte und selbst noch auf das entfernte Umfeld.

Natürlich hat aber jede das Recht eine freie Entscheidung zu treffen aber dem Suizidenten eine Wahlfreiheit zu attestieren halte ich für schlichtweg falsch. Der Suizident entscheidet und wählt in den meisten Fällen nicht, sondern empfindet zu dieser Maßnahme gezwungen - meist durch die Lebensumstände und jeweiligen psychischen Störungsbildern.

In den meisten Fällen gilt:

Der Suizident will nicht sterben aber sieht sich dazu gezwungen sterben zu müssen.

Das macht den Suizid auch nicht zur "besten Lösung" sondern zur gefühlt einzigen. Es ist auch weniger eine Lösung, sondern hat eher den anstrich eines kausalen Zwangs.

Es liegt also nicht nur in der ärztlichen, sondern auch in der sozialen und gesellschaftlichen Verpflichtungen einen Suizid zu verhindern beziehungsweise einer suizidalen Persönlichkeit andere Wege aufzuzeigen - bei Not eben auch in einem geschütztem Raum wie der Psychiatrie. 

Spricht man mit Menschen, die einen Suizidversuch unternommen haben, dann ergibt sich in vielen Fällen dasselbe Bild - sie sind froh, dass dieser misslungen ist und haben mit der Zeit und mit ausreichender Unterstützung wieder zurück ins Leben gefunden und sich wieder ein Maß an Lebensqualität erarbeitet, dass ihnen zu Zeit des Suizidversuchs fehlte.

Die Stigmatisierung ist somit klar: Der Suizid an und für sich, steht meist als Verzweiflungstat und ist damit nur schwerlich positiv zu besetzen.

Weiterhin wird der Suizid auch noch stigmatisiert als "Feige", an der Stelle möchte ich nicht mitgehen. Einen Suizid durchzuführen ist keine leichte Handlung und in nahezu allen Fällen mit psychischen Störungsbildern eng verknüpft. Er ist, ganz lapidar in einem hinkendem Vergleich, das Husten bei einer Grippe - ein Teil einer Störung der Psyche, keine Tat der Feigheit.

Natürlich gibt es auch ausnahmen. Bei der aktiven Sterbehilfe beispielsweise, bei der sich der Patient für den aktiven Tod durch ein Medikament entscheidet. Dieser Form des Suizids liegt allerdings an anderer Beweggrund und auch eine völlig andere Diskussion zugrunde - ich möchte sie an der Stelle ausklammern. 

Im Endeffekt sind die Fälle auch so unterschiedlich wie der Mensch selbst. Ein Suizid, geplant wie auch ausgeführt, muss immer einzeln betrachtet werden, um eine gerechte Wertung aussprechen zu können. Allerdings möchte ich mich ausdrücklich dagegen aussprechen, einen Suizid als teil der "freien Wahl" zu bezeichnen - damit würde man diesen ganzen Themenkomplex relativieren und das wäre in meinen Augen fatal.

Liebe Grüße.

Antwort
von Panazee, 56

Man fügt anderen keinen direkten körperlichen Schaden zu, aber psychisch ist ein Selbstmord für nahe Angehörige oft ein herber Schlag. Der Selbstmord des eigenen Kindes z.B. wirft manche so hart aus der Bahn, dass sie nie wieder festen Boden unter die Füße bekommen und ein Leben lang mit schweren Depressionen zu kämpfen haben.

Dann kommt dazu, dass viele Selbstmord aus einer momentanen Situation heraus begehen. Die Freundin hat Schluss gemacht und man denkt das Leben hätte keinen Sinn mehr, aber wenn man sich nicht umgebracht hätte, dann hätte man 1 - 2 Jahre später vielleicht die perfekte Partnerin gefunden mit der man glückliche 50 Jahre verbracht hätte.

Das Leben ist halt etwas einmaliges (zumindest für mich), das man nur aus wirklich triftigen Gründen wegwerfen sollte. So etwas wie eine schlimme Krankheit, die einen garantiert bis zum Ende seines Lebens mit extremen Schmerzen belastet.

Kommentar von WastedYout ,

Also lebt man nur für andere?

Kommentar von Panazee ,

Natürlich lebt man nicht nur für andere. Die eigenen Handlungen haben aber fast immer Auswirkungen auf andere. Manche habe nur minimale Auswirkungen, andere sehr drastische. Man lebt halt nicht alleine in einem isolierten Raum

Es ist aber ja nicht so, dass alle Menschen nur noch am Leben sind, weil sie auf andere Rücksicht nehmen. Der Wunsch sich das Leben zu nehmen ist ja kein Standardwunsch, den alle Menschen haben. Es ist eine Minderheit, die so einen Wunsch ernsthaft durchdenkt.

Leben tut man für sich selbst und um des Lebens willen. Man kann ja viel Spass haben. Wieviel Spass man im Leben hat, hat man, zumindest ab dem 18ten Lebensjahr fast immer selber in der Hand.

Kommentar von Klannapanna ,

Stimmt. So könnte man das dann wohl sehen

Kommentar von WastedYout ,

Egoist

Antwort
von RhoMalV, 44

Hinzu kommt auch, dass Suizidbedrohte sich im Moment des Selbsttötungsversuchs oft in einem psychisch-gesundheitlichen Zustand befinden, aus denen sie nicht in der Lage sind, rationielle Entscheidungen zu treffen oder rationelle Handlungen durchzuführen.

Häufig werden währenddessen Botenstoffe vom Gehirn ausgeschüttet, die den instinktiven, angeborenen Selbsterhaltungstrieb abschalten.

Ich fürchte, Du hast mit diesem Phänomen nicht wirklich Erfahrung. Suizidversuche passieren in 99% der Fälle nicht in einem Moment, wo der Betroffene bei klarem Verstand ist.

Und die Beendigung eines Lebens ist immer etwas endgültiges ohne Wiederkehr.

Daher kann man auf der anderen Seite das wissentliche Geschehenlassen eines Suizids auch als unterlassene Hilfeleistung auslegen.

Kommentar von WastedYout ,

Übertreib mal nicht

Antwort
von xXsoffiXx, 51

Hi!

Das kann ich dir, glaube ich, beantworten.... Und zwar sagst du, dass anderen ja kein Schaden zugefügt wird, sondern nur sich selbst, lässt dabei aber den psychischen Aspekt völlig außer Acht. Denn ein Selbstmord eines geliebten Menschen hinterlässt bei den Angehörigen sehr wohl Schaden, auch wenn es kein körperlicher ist.

Also ohne eine ethische Meinung als die einzig richtige darzustellen, ich denke, das ist der Grund, warum Suizid ethisch umstritten ist :)

Liebe Grüße :)

Kommentar von WastedYout ,

Man lebt nicht nur für andere

Kommentar von xXsoffiXx ,

Ich sage ja auch nicht, dass es zu dem Thema nicht durchaus gerechtfertigt ist, unterschiedliche Meinungen zu haben... Ist nicht umsonst ethisch umstritten... ;)

Kommentar von WastedYout ,

Der normale Verstand sagt doch das man tun soll mit seinem Leben was man will

Antwort
von xXxStormyxXx, 38

"Ich würd' mir ja gern die Kugel setzen, doch diese Kugel würde auch meine Mutter treffen." - Zitat aus irgendeinem Lied dessen Titel ich nicht mehr weiß.

Kommentar von FelinasDemons ,

Tolles Zitat👍

Kommentar von WastedYout ,

Lebt man also nur für die Mutter?

Antwort
von FelinasDemons, 44

Ständig kommen hier solche Fragen Wirklich ständig.
Obwohl der gesunde Menschenverstand einem die Frage ganz einfach beantworten kann.
Warum sieht man Suizid als so schlimm an?
Ich wiederhole das von meinen Vorantwortern nicht,nicht nur weil es absolut klar ist. Also was soll so eine Frage? Wer wirklich diesen letzten Schritt machen will,den interessiert es nicht,dass andere sein Handeln als falsch sehen. Warum sollte das denn auch der Fall sein? Ist doch alles völlig egal, so wird's doch immer bleiben. Der Gedankengang der Menschen wird sich nie ändern,warum auch. Der Selbsterhaltungstrieb wird immer existieren.
Irgendwie, ist es unnötig sich so eine Frage zu stellen. Zumal es der Suizidant selbst nicht diese Frage stellt.
Er tut es einfach. Punkt. Jegliche Diskussion führt immer und immer wieder zu den selben Antworten. Irgendwie ermüdent.

Kommentar von Klannapanna ,

Ich habe die Frage gestellt um meine eigenen Gedanken mit in die Diskussion zu bringen. Zwar verstehe ich deinen Grundgedanken, jedoch hat die Beantwortung der Frage nichts mit gesunden Menschenverstand zu tun. Viele Leute fragen sich ähnliches und dies würden sie sicherlich nicht, wenn sie die Antwort schon wüssten. Doch wenn die Diskussion ermüdend für die ist, dann hab doch einfach nicht an ihr Teil ;)

Kommentar von FelinasDemons ,

Stimmt. Aber ich wollte unbedingt einmal meine Meinung zu diesem ermüdenden Thema beitragen:) Und eigentlich ist die Antwort klar.

Kommentar von Klannapanna ,

Und wie wäre dann die Antwort?

Kommentar von FelinasDemons ,

Also soll ich jetzt das wiederholen was die anderen schon geschrieben haben? Sich selbst umzubringen/zu Schaden gehört nicht zur Natur des Menschen. Es ist Abnormal und beißt sich mit unserem starken Selbsterhaltungstrieb. Alles andere was ich dazu sagen würde,wurde schon erwähnt. Und ich schreib nicht gerne ab...Jemand mit einem gesunden Menschenverstand kann sich die Frage selbst beantworten. Ist jetzt nicht beleidigend gemeint.

Antwort
von Turnupppgurl, 46

Ich bin voll und ganz deiner Meinung, dass jeder Mensch das Recht hat, über sein Leben zu entscheiden, solange er niemand anderen mit hinein zieht (wie z.B. der depressive Pilot, der das Flugzeug hat abstürzen lassen..).
Trotzdem ist das Thema Suizid negativ behaftet, da man sein eigenes Leid, welches man durch den Suizid beendet, eben NICHT beendet sondern nur an andere weitergibt, wie z.B. Verwandte, Lebenspartner.
Man kann also sagen, dass Suizid etwas sehr egoistisches ist, was negativ ist.

Kommentar von WastedYout ,

Man soll sich also nur durchs Leben quälen weil man sonst seine Mitmenschen verletzt

Kommentar von Turnupppgurl ,

Was du machst, is mir herzlich wurscht, ich hab nur geschrieben, dass Suizid egoistisch ist, was es auch ist.

Kommentar von WastedYout ,

Ist es nicht!!! Dein Denken ist egoistisch!

Kommentar von Turnupppgurl ,

Bitte, kleines 14jähriges, pubertierendes Mädchen, was nicht mal genug Hirnschmalz hat, um "wasted youtH" richtig zu schreiben, kläre mich mit deiner ganzen Lebenserfahrung über dieses traurige Leben auf.

Antwort
von LisanneVicious, 30

Weil es etwas negatives ist!
Mord ist immer schlimm, auch der Mord an sich selbst.
Sich umzubringen löst kein Problem. Du musst deine Probleme nur nicht mehr ertragen. Gelöst ist es damit nicht. Zumal sie NIEMALS in einer gesunden Verfassung sind, wenn sie sich umbringen.

Und wie schon geschrieben: Angehörigen tut er damit wohl etwas an.

Kommentar von Klannapanna ,

Mord geschieht jedoch normalerweise gehen den Willen des Opfers, oder? Das ist beim Selbstmord ja nicht der Fall

Kommentar von LisanneVicious ,

Aber wie gesagt, in einem gesunden Verfassungszustand befinden sich die Leute nicht. 
Besser wäre es wenn sich diese Leute Hilfe holen, damit bald wieder ein normales Leben möglich ist.

Kommentar von WastedYout ,

Manche Leute können aber nie wieder ein normales Leben beginnen

Kommentar von LisanneVicious ,

Wenn man physisch  seehr krank ist, nur schmerzen hat und sich kaum bewegen kann ist das etwas anderes. Wenn es unheilbar ist. Wenn das nicht der Fall ist, ist es möglich ein irgendwann wieder ein normales Leben zu führen.

Antwort
von WastedYout, 33

Weil die meisten Menschen dumm sind

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten