Frage von BTyker99, 130

Warum wird so wenig über Mobbing geredet (München)?

In Anbetracht des sogenannten "Amoklaufs" in München (bei dem sich im Nachhinein herausgestellt war, dass es sich wohl eher um halb-gezielte Tötungen handelte), wurde schnell deutlich, dass der Täter seine Tat damit begründet hatte, dass er gemobbt wurde, und dass er sich an seinen Peinigern rächen wollte. Mich wundert, dass in der öffentlichen Debatte, bzw. auch in den Medien das Thema Mobbing kaum aufgegriffen wird. Stattdessen wird nur von Ausländer-, Türken- und Araberfeindlichkeit gesprochen, sowie von "Killerspielen" und den zu großen Freiheiten im Internet (Dark Net).

Ich bin der Meinung, dass Mobbing ein sehr wichtiges Thema ist, und das viele Kinder für ihr gesamtes Leben traumatisiert werden. Selbst habe ich während meines Studiums Opfer kennen gelernt und erst dann begriffen, dass Mobbing zu dem schlimmsten zählt, was einem in der Kindheit widerfahren kann. Ist es politisch unkorrekt darüber zu reden weil die Mobbing-Täter ausländische Wurzeln oder eine exotische Religion haben? Ich vermute, dass die Debatte ganz anders verlaufen würde, wenn Täter und Opfer deutsch gewesen wären.

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von InsertCoolName, 68

Genau das ist das Problem, statt das die Medien sich mal nützlich machen könnten und eben aufklärend in Sachen Mobbing sind, wird nur das gezeigt, was Quote bringt. Es gibt keinen Berufsethos unter Journalisten, außer vielleicht ICIJ, o.ä., aber die habe kaum Reichweite.

Antwort
von ShinyShadow, 67

zunächst mal:

Ich vermute, dass die Debatte ganz anders verlaufen würde, wenn Täter und Opfer deutsch gewesen wären.

Nein, das denke ich nicht. Wie wars denn bei den bisherigen Amokläufern? Da wurde das Thema Mobbing auch mal angeschnitten, war aber nie Hauptkritikpunkt. Bei den "Deutschen" Tätern wurde dann auch über Waffenbesitz, Killerspiele,... diskutiert und das Mobbing wurde nur "erwähnt".

Außerdem: Das Problem Mobbing ist schon lange bekannt, es gibt schon immer Mobbing-Opfer und das Thema wird auch an Schulen immer wichtiger, dass aufgeklärt wird.

Das in München war schrecklich, keine Frage, aber es ist nunmal nicht so, dass die Leute jetzt denken: "Oh, Mobbing ist ja was böses!" Das war den Menschen davor schon bewusst... Nur wurde es eben da schon tot geschwiegen von vielen...

Ja, meiner Meinung nach sollte man zu dem Thema unbedingt (!!) mehr Aufklärungsarbeit leisten, aber dafür habe ich schon vor dem Amoklauf plädiert.

Und: Nicht nur Mobbing. Psychische Krankheiten allgemein, denn das sind beides Themen, die leider immernoch zu sehr verschwiegen werden.

Das riesen Problem ist in meinen Augen: Depressionen (oÄ.) machen einen Menschen nicht zum Amokläufer, auch Mobbing macht einen Menschen nicht zum Amokläufer.... Es ist in meinen Augen die Kombination aus beidem.... Beides (in einer sehr starken Variante!!), das ist die tödliche Mischung, die einen jungen Menschen zum Amokläufer machen lässt.

Allerdings sagen zu viele Leute: "In dem Thema sollte man mal was machen!" Nur: Wer ist "man"? Es bringt herzlich wenig, wenn tausende sagen, was "man" tun sollte, aber keiner irgendwie das Ruder in die Hand nimmt....

Antwort
von Cre3per, 57

Ich lass hier mal einen langen Text weg und werfe mal ein, dass nicht Mobbing das Problem ist, sondern Depression. Bzw der Umgang mit depressiven Leuten. Hilfe zu bekommen ist nicht leicht für jemanden, da man sich die meistens aus eigener Kraft besorgen muss - und das ist das, was so jemandem in dem Stadium meist bereits fehlt. Also meiner Meinung nach sollte die Aufmerksamkeit eher auf den Depressionspunkt gehen, nicht auf das Mobbing( ist ein schlimmes Thema und sollte auch besprochen werden, aber Depression das Stichwort bei einer solchen Tat in meinen Augen)

Kommentar von ShinyShadow ,

Das Mobbing (und allgemein der negative Umgang mit Depressiven) ist aber in meinen Augen genau das, was den Unterschied zwischen einem Selbstmörder und einem Amokläufer macht.

Viele depressive Menschen entwickeln einen Hass auf sich selbst, weil sie in ihren Augen nicht in unsere Welt passen.

Wenn solch ein Mensch allerdings von "der Welt" (in dem Fall von ihrem Umfeld, von Mitschülern, von Lehrern, von der Familie,...) schlecht behandelt werden, entwickeln sie stattdessen einen Hass auf Welt, dann sehen sie die Schuld nicht mehr bei sich selbst, sondern bei anderen.

Von dem her denke ich schon, dass Mobbing eine sehr sehr große Rolle spielt.

(Aber nochmal zum Verständnis: Ich möchte dir nicht widersprechen!! Auch psychische Probleme sind ein Thema, in dem viel Aufklärungsbedarf herrscht!)

Kommentar von Cre3per ,

Ich hab den Text ganz schön zusammengekürzt, wollte eig mehr schreiben. Aber ja, du hast schon recht, Mobbind ist in dem Fall ein wichtiger Punkt, da er den Unterschied machen kann zwischen Selbstmord und Amok. Aber da es für diesen Unterschied auch noch einige andere Möglichkeiten gibt, würde ich halt sagen, dass in einer großen Diskussion Depression im Vordergrund stehen sollte, sodass man sozusagen alle möglichen Gründe an dem Punkt abfängt. Weil der Verlust von irgendetwas( ob nun geliebte Person/Familie/irgendwas anderem wichtigem) kann dich schon in die position bringen. Und wenn man dann Hilfe braucht und realisiert, dass das verdammt schwer sein kann, dann kann daraus auch ein Hass auf die Gesellschaft entstehen, der den Unterschied vom Selbstmord bringt.

Aber klar, Depression allein zu betrachten ist natürlich auch keine Lösung - nur meiner Meinung nach der bessere Diskussionsanfang

Kommentar von BTyker99 ,

Danke für den Text! Ich habe soeben auf Empfehlung den Film "Bang, bang, du bist tot" gesehen (gibts auf Youtube in schlechter Qualität als Pro7-Fernsehaufnahme). Darin wird ziehmlich realistisch dargestellt, wie Mobbing abläuft, und wie dadurch Amok-Täter entstehen können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Depression dafür nötig ist, aber ich bin auch kein Psychologe, so dass nicht zu sagen vermag, wann man konkret von einer Depression spricht.

Antwort
von paranomaly, 24

Mobbing gibt es in jedem Land. Bei wichtigen Themen werden oft die Augen verschlossen oder die Themen werden klein geredet, sie seien nicht wichtig.

Antwort
von blueIibelle, 11

"dass der Täter seine Tat damit begründet hatte, dass er gemobbt wurde, und dass er sich an seinen Peinigern rächen wollte." 

Häääh??? Wenn jeder, der gemobbt wird, sich an seinen Peinigern und dazu noch an anderen unschuldigen Menschen rächen würde, wäre ganz Deutschland ein Blutbad! Gegen Mobbing kann man sich wehren.

Kommentar von BTyker99 ,

Er hat sich ja jetzt gewehrt. Aber dieser Schritt ist natürlich nicht ganz einfach, und viele trauen sich nicht, da das eigene Leben damit ebenfalls beendet wird. Die meisten wehren sich vermutlich erst, wenn sie denken, sie hätten sowieso nichts mehr zu verlieren.

Das außenstehende getroffen worden sind, hat wohl damit zu tun, dass die per Facebook eingeladenen "Freunde" nicht erschienen sind. Es trifft leider häufig die falschen...

Antwort
von oxygenium, 50

Mobbing müsste richtig bestraft werden und dafür unterschreibe ich gerne 

Antwort
von NyonPain, 54

Ich finde die Schulen sollten mit den "Mobbern" konsequenter umgehen zwar ist es schwer sowas als nicht Schüler mit zu bekommen wer wann und wo gemobbt wird sowas findet ja nicht immer nur vor den Augen von Lehrern statt. Aufjedenfall sollte man sich da mal mehr Gedanken machen.

Kommentar von Cre3per ,

Das Problem bei sowas ist, dass ein guter Freund gemobbt wurde in der Grundschule - und zwar von fast der gesamtem Klasse - und als er sich an einen Lehrer wendete bekam er in etwa zu hören, dass er dann wohl irgendwas an sich ändern sollte...

Also er hat sich damals ziemlich verarscht gefühlt von den Lehrern im allgemeinen

Kommentar von NyonPain ,

Ja sowas ist nicht schön zu hören verstehe da auch nicht was mit solchen Menschen los ist und wie die Lehrer werden können das sind Pädagogen die haben eine vorbildungsfunktion und können einem Kind oder Jugendlichen in so einem Jungen alter das Leben zerstören das ist ein sehr ernstes Thema und viele nehmen Mobbing leider auf die leichte Schulter.

Kommentar von ShinyShadow ,

Das Problem kenn ich... Ich kenne auch ein ehemaliges Mobbing-Opfer...

Seine Eltern bekamen vom Direktor zu hören: Das sind halt Kinder! Ja dann soll er sich eben wehren!"

Und wenn er sich gewehrt hat, gabs von den Lehrern nen Anschiss... Klar, wenn alle gegen einen sind, halten die auch vor dem Lehrer zusammen...

Und: Wenn man mal von ner ganzen Klasse bespuckt, getretet, geschlagen, ausgelacht,... wird, ist nichts mehr mit wehren...

Kommentar von NyonPain ,

Ja davon gibt es viel zu viel ich verstehe echt nicht wie die Menschheit so werden konnte das ist echt widerlich andere Leben so zu zerstören nur weil man vielleicht anders ist oder weil man jemanden nicht mag.

Kommentar von ShinyShadow ,

Bei ihm war das Problem:

In jeder Klasse gibts ja die "Coolen"... Und bei denen gibts oft sowas wie nen "Anführer"... (oder halt einen, dem alle nachrennen)

Joa, der genannte Freund von mir hat sich mit der Freundin des "Anführers" gut verstanden. Nur gut verstanden - mehr nicht!

Und wenn einmal der Stein ins Rollen kommt, ists gelaufen. Selbst seine ehemaligen Freunde haben sich von ihm abgewendet, denn... Wer das Opfer in Schutz nimmt, wird selbst zum Opfer...

Man merkt ihm die Vergangenheit noch heute, fast 15 Jahre später, an.

Und das schlimme ist: Den Kindern ist das nicht bewusst, was sie tun!!!

Letztens war ich mit diesem Freund unterwegs. Da hat ihn einer angesprochen, ich dachte, das sind gute Freunde. Der andere meinte: "Hi, und wie gehts dir? Lange nicht gesehen! Alles klar? Was machst du so? ...." lange geredet, von wegen man sollte mal wieder was zusammen machen und so... Danach sagte mein Freund: "Und das war jetzt....(Name)" Mir fiel die Kinnlade runter... Genau das war der "Anführer" von damals, der, der für das Mobbing verantwortlich war. Scheinbar ist ihm das gar nicht bewusst, was er getan hat!

Kommentar von NyonPain ,

Ja klar ist den Kindern sowas nicht bewusst das ist auch das traurige das sie einfach so sind weil sie die "coolen" sein wollen aber den Erwachsenen ist doch bewusst das es sowas gibt und wenn es die kleinsten Anzeichen gibt müssen sie doch auch wissen das sie Handeln sollen immerhin handelt es sich um Erwachsene Menschen ich kann nicht glauben das 18-20 Jährige für so etwas verstehen aber einem Lehrer so etwas egal ist klar ist das nicht bei jedem Lehrer so es gibt auch nette. Aber wenn man so oft von Mobbing Vorfällen hört muss bei den Lehrern doch was nicht richtig sein. 

Antwort
von RasThavas, 25

1. Waren das keine "halb-gezielten Tötungen", sondern vorsätzlicher Mord.

2. spielt Mobbing in dem Fall keine wirkliche Rolle, weil es vermutlich keine echtes Mobbing gab, sondern der Täter aufgrund seiner psychischen Erkrankungen normale Situationen als Mobbing wahrgenommen hat.

Es ist nicht unwahrscheinlich ,das es durchaus Mobbing gab, aber da wäre dann durch das krankheitsbedingt Verhalten des Täters ausgelöst worden.

Mobbing ist hier als Ursache auszuschließen.

Kommentar von BTyker99 ,

1. Wo ist der Unterschied von Mord und Tötung? Ein Mord ist doch auch mit einer Tötung verbunden.

Alle Medien berichte deuten darauf hin, dass er diese türkisch aussehenden Menschen getötet hat, weil sie seinem Feindbild am meisten entsprachen. Dennoch wollte er eigentlich diejenigen erreichen, die er per Facebook eingeladen hatte, darum nannte ich es halb-gezielt.

2. Also ist es in Ordnung, wenn man jemanden mobbt, weil er krank ist? Deine letzten 3 Sätze scheinen sich irgendwie zu widersprechen - wenn es Mobbing gab, kann man das doch nicht als Ursache ausschließen. Oder möchtest du den Tatbestand des Mobbings verharmlosen?

Kommentar von RasThavas ,

1: Mord erfordert Vorsatz und niedere Beweggründe.

2 Natürlich nicht, aber lies doch mal richtig! Depressive BILDEN SICH das Mobbging oft nur EIN!

Nein, ich wil lda nicht verhalrmosen, aber es spielt hier nur eine kleine Rolle, wenn überhaupt!

Kommentar von BTyker99 ,

Das kann ja so sein mit der Depression. Aber in diesem speziellen Fall kann ich keinen Hinweis dafür sehen, weshalb der Täter an einer Depression gelitten haben muss; ausserdem denke ich, dass die Depression auch sehr wohl als Folge von Mobbing auftreten kann. Ich finde die Mobbing-Theorie mindestens genauso glaubhaft, wie deine.

Antwort
von Teodd, 38

Ist so, ich wurde teilweise gemobbt (Bin Ausländer) und ich sollte ständig meine Reputation verteidigen. Nach dem Selbstverteidigungskurs habe meine Selbstvertrauen gestiegen. Wenn ich mein Klassenkamerad erwische und der mich weiter mobben will, würde ich ihn sehr stark und gnadenlos prügeln.

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