Frage von grandpied, 62

Warum wird Mitleid von den meisten als etwas negatives angesehen?

Geteiltes Leid ist halbes Leid oder nicht? Warum interpretieren die meisten Menschen 'Mitleid' von einer Person als was schlechtes? oder fassen das gar als Beleidigung auf? Ist der "Stolz" alles alleine machen zu können und sich nicht helfen zu lassen? oder fehlt es den meisten einfach an Sensibilität? Mitleid ist doch nichts weiter als Mitgefühl und das wünschen sich doch die meisten (bezogen auf die menschliche Natur). ja Leid ist auch ein starkes Gefühl welches natürlich negativ ist, aber darauf will ich ja nicht hinaus..., hoffe ihr versteht, was ich meine. Wie empfindet ihr das? Was ist eure Meinung dazu?

Antwort
von Kitharea, 22

Mitleid und Mitgefühl ist komplett etwas Anderes und genau da liegt das Problem.
Bei Mitleid stellt man sich selbst als Mitleidender auch auf diese "Leidstufe" und leidet mit. Unterm Strich "gibt" man dem Leidenden nichts sondern verdoppelt quasi das Leid. Das ist jetzt sehr theoretisch. Psychologisch gesehen schwächt Mitleid - weil es einen damit von dieser Leidstufe nicht wegholt.
Beispielgespräch:
A:Mir ist die ganze Zeit so kalt ich leide richtig darunter und meine Laune geht dadurch jeden Tag in den Keller im Winter.
B: Ja bei mir ist das auch so - ich leide auch Höllenqualen.
Ergo: Keinem wird geholfen - man jammert sich gegenseitig voll. Person hat weiß zwar, dass Person B das auch kennt aber in dem Fall hilft es nichts weil beide quasi in einer Pattsituation sitzen - keinem geht es besser/schlechter.

Mitgefühl ist hingegen die Abgrenzung vom Leid des Anderen und aktiver Mitteilung des Verständnisses:
Beispielgespräch:
A:Mir ist die ganze Zeit so kalt ich leide richtig darunter und meine Laune geht dadurch jeden Tag in den Keller im Winter.
B: Ja das kenne ich - vielleicht suchst dir einfach einen warmen Pulli und ziehst dich besser an.
Ergo: Person B kennt die Situation aber weiß sich  zu helfen - diese Information gibt sie weiter. Mitunter ist das gar nicht notwendig. Wichtig ist nur, dass Person A sich nicht alleingelassen fühlt wie in der Mitleidssituation. Man kann versuchen zu helfen - muss man aber nicht. Es geht nicht um Lösungen. Es geht nur darum sich verstanden zu fühlen.

Versteht man das ? ^^ Ist etwas schwer zu erklären der Unterschied. Ich persönlich denke ich kann das immer auseinanderhalten - aber ich krieg es schlecht in Sätze gefasst - man verzeihe mir.
Grundsätzlich schwächt Mitleid und Mitgefühl stärkt . Deswegen ist Mitleid schlecht.

Oft wird allerdings auch Person A als "schwach" betitelt und man sollte deswegen kein Mitleid/Mitgefühl haben. Das ist Quatsch weil keiner was dafür kann, wenn Menschen nicht mit Schwächen bei Anderen umgehen können. Jeder von uns hat seine schwache Seite.
Mitunter versteht der Leidende auch nicht, dass man ihm kein Mitleid schenken will. Er ist dazu aufgerufen selbst aktiv zu werfen und es gibt viele Menschen, die das nicht können/wollen/kennen. Heißt aber nicht im Umkehrschluss, dass sie faul sind - sie wissen es nur nicht besser bzw. verlassen sich auf Andere. Ausgeprägter Narzissmus zeigt sich zb. oft in dieser Mitleidfordernden Form. Nur eine Form davon wohlgemerkt. Wird kein Mitleid verschenkt ist man selbst der Böse.
Mitleid ist etwas, auf das noch sehr viele Menschen ansprechen - Mitleid ist etwas, dass man ausnützen kann. Mitleid kann missbraucht werden um Anderen zu schaden. Es ist gefühlstechnisch auf ähnlicher Stärke zu sehen wie "schlechtes Gewissen eingeredet zu bekommen". Die wenigsten sind immun dagegen in jeder Situation.

Kommentar von Mylitta ,

Wenn es nicht um Lösungen geht wie soll es dann helfen?  

Das ist etwas was mir daran noch nie klar war. Ich wehre mich deshalb meist gegen Mitgefühl genauso wie gegen Mitleid eben genau deswegen weil ich ja wenn dann eine Lösung will, alles andere nutzt doch nichts.

Kommentar von Kitharea ,

Es geht nie um Lösungen sofern nicht danach gefragt wird.
Typisches Beispiel sind doch eh Frauen. "Wie gefällt dir das Kleid?" - Egal was er antwortet es geht nicht darum, dass man sich für ihn umzieht - es geht nur darum, dass man einen Teil Aufmerksamkeit bekommt. OB man sich danach umzieht oder nicht ist schon wieder komplett ein anderes Thema.

Lösungen kann ohnehin jeder nur selbst finden weil sie auch nur dann zu einem passen und funktionieren. Man kann maximal Vorschläge machen. Vielleicht will der Andere dann aber nicht oder es fällt ihm was Anderes ein. Es gibt nun einmal keine allgemeingültigen Lösungen für jeden. Davon abgesehen kann man niemandem "helfen" ab einem best. Punkt. Man kann nur da sein. Das ist auch der Grund dafür, warum man oft nicht versteht dass ein Bekannter zb. die ganz vielen guten Vorschläge nicht annimmt, die man ihm bereits erzählt hat - weil er nicht du ist. Wer weiß - vielleicht ist der Ratschlag den du als den Besten siehst - absolut unbestreitbar - für den anderen absoluter Müll. Die Persönlichkeit entscheidet selbst welche Lösung zu einem passt. Insofern sind ALLES nur Vorschläge.

Überlege mal selbst ob du wirklich immer eine Lösung willst wenn du über irgendwas dich beschwerst. "Schatz mir ist kalt" --> "Zieh dir nen Pulli an" - wirklich?

Antwort
von Mefista, 27

Guten Morgen!

Ne, also zwischen Mitleid und Mitgefühl unterscheide ich schon.

Mitleid:
Ist für mich ein Mitleiden. Ich habe also selbst leidvolle Gedanken und Gefühle, mein Gegenüber hat diese auch irgendwie in sich und leidet mit mir mit. Das ist für mich, als würde ich noch mehr Leid dazu bekommen. Und Hilfe ist mir das auch keine, wenn ich das mal so frech sagen darf.

Mitgefühl:
Ist für mich ein mitfühlen. Ich habe also selbst leidvolle Gedanken und Gefühle, mein Gegenüber fühlt mit mir mit. Das wäre für mich, als wenn er mich verstehen könnte, weil er vielleicht selbst schon mal in solch einer Situation war und aufgrund dessen viel Verständnis für mich hat. Deshalb vielleicht kann er mir sogar nen wirklich guten Tipp geben, weil er ja nicht leidet, sondern mit seinem Mitgefühl etwas mehr Abstand zum Thema und zu mir hat, so dass er objektiv bleiben kann, was für mich dann sehr nützlich und weiterführend sein kann. Und deshalb kann er mich vielleicht aus meinem Loch heraus helfen, eben, weil er ja nicht leidet, sondern das Leid eher nimmt, nicht noch mehr davon dazu gibt.

Als Beleidigung fasse ich Mitleid nicht auf, aber es nervt einfach nur, weil es dann in Sachen Leid einfach unerträglich viel wird.

Mitgefühl aber wünsche ich mir schon.


Kommentar von hourriyah29 ,

Sehr gute Antwort! Da spare ich mir eine eigene ;)

Ich arbeite im medizinisch-therapeutischen Bereich und ich muss auch immer wachsam sein. Habe ich Mitgefühl ist alles in Ordnung.

Habe ich Mitleid kann ich nicht mehr gut helfen und muss hinsehen, warum ich es nicht schaffe im Mitgefühl zu bleiben. Das hat meistens Gründe im eigenen Leben.

Das bedeutet man hat ähnliches Selbst erlebt und ist dann durch das Mitleid mit dem eigenen Leid in Kontakt.

Aber meine Aufgabe ist nicht das Leiden sondern das Helfen :)

Wichtiges Thema!

Antwort
von cuno6, 28

Weil bei den meisten der Stolz im Vordergrund steht, was ich zwar nicht verstehe aber es ist leider so.

Antwort
von OhNobody, 20

Wahrscheinlich finden einige es "uncool", Mitleid zu zeigen. Für sie ist Mitleid = Schwäche. In der heutigen Welt muss man seine Ellenbogen gebrauchen. Sonst kommt man nicht weit.

Wie sehe ich das? So wie Christus:

Er sagte in der Bergpredigt: „Glücklich sind die Barmherzigen, da ihnen Barmherzigkeit erwiesen wird“ (Mat. 5:7). 

Die Barmherzigen zeichnen sich durch Zartgefühl für Benachteiligte aus, nehmen freundlich Rücksicht auf sie, ja sie haben Mitleid mit ihnen. 

Jesus wirkte Wunder, um das Leid von Menschen zu lindern, denn er „empfand Mitleid“, ja er war „von Mitleid bewegt“ (Mat. 14:14; 20:34). 

Mitleid und Rücksicht sollten daher auch uns dazu bewegen, barmherzig zu sein.

Kommentar von FelinasDemons ,

Du hast die Frage wohl falsch verstanden.

Kommentar von OhNobody ,

Bitte schreib deutlicher, was ich Deiner Meinung nach falsch verstanden habe. Danke ...

Kommentar von FelinasDemons ,

Es geht nicht darum Mitleid zu zeigen, sondern darum, dass man das Mitleid anderer gegenüber einen selbst als negativ erachtet. Hättest dir die Frage auch gründlicher durchlesen können ...

Kommentar von OhNobody ,

Die Frage war: "Warum wird Mitleid von den meisten als etwas Negatives angesehen?"

Darauf meine Antwort: "Wahrscheinlich finden es einige uncool ... Für sie ist Mitleid = Schwäche ...".

Zum besseren Verständnis: Manche möchten kein Mitleid, weil sie dann als Schwächling gelten könnten.

Antwort
von Charlybrown2802, 32

ich empfinde das nicht als negativ

Antwort
von FelinasDemons, 20

Niemand möchte bemitleidenswert sein. Ist doch verständlich, oder nicht?
Also ich kann auch getrost auf Mitleid verzichten. So was bringt einen doch 0 weiter. Ich meine, jemand bemitleidet meine Situation. Schön und gut, aber mein Leid nimmt er mir ja nicht weg. Er hilft mir überhaupt nicht damit.
Also kann er es dann auch lassen.

Antwort
von Mylitta, 8

Die Sache ist die das man Mitleid hat mit jemand der ARM dran ist. Und niemand möchte als arm wahrgenommen werden. 

Antwort
von RRRRDDDD, 25

Das verstehe ich auch nicht !

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