borhap am 06.09.2007 um 20:39 Uhr
Beispielsweise scheinen Koffer - egal wie groß - niemals schwerer zu sein als 5o Gramm, Autoscheiben sind immer blitzblank, die Personen müssen nie aufs Klo und Frauen wachen morgens immer topp geschminkt auf. Warum müssen Frauen immer haltlos kreischen, sobald sie an irgendeiner Häuserfassade hängen, anstatt ihre Kraft fürs Festhalten aufzusparen? Fallen euch noch weitere Beispiele ein?

Das ist eine Kombination aus Dramaturgie und dichterischer Freiheit. Es ist halt ein besserer dramaturgischer Effekt, wenn eine Frau kreischend an der Häuserfasade hängt. Man kann das sogar als subtile Ironie zur Kunstform machen; siehe z. b. die alten James Bond-Filme. Da sah Sean Connery nach einem Kampf auf Leben und Tod immer topelegant im Smoking aus; und das so ironisch, dass man als Zuschauer unwillkürlich grinste. Gewisse Irrealitäten müssen auch sein: Wie soll man das bösartige Grinsen eines Bösewichts im Fluchtauto im Film erkennen, wenn die Scheiben nicht blitzen?

Eine richtig tolle GuteFrage!!!
Und bei vielen Antworten habe ich endlich mal wieder laut gelacht. Danke vor allem an fourseasons und Kaffeesatz!
Zum "Warum" der Frage: Oft sind tatsächlich die Drehbücher so sehr auf bestimmte Punkte der Handlung fixiert, dass andere Dinge nicht beachtet werden. Viele Filmemacher sind aus Zeit-, Budget- oder Eitelkeits-Gründen nicht in der Lage, Fachleute zu Rate zu ziehen, die ihnen die gröbsten Schnitzer sicher rasch aufdecken würden. Aber auch die Leute beim Film, die auf den richtigen Anschluss achten, pennen manchmal einfach -- wo viel gearbeitet wird, werden auch Fehler gemacht. Klassiker wie die schon erwähnte Armbanduhr bei Ben Hur, oder falsche Betrachter-Achsen oder eben noch blutüberströmter rechter Hemdsärmel beim Fechten und in der nächsten Szene (nächster Drehtag) ist's der linke Ärmel -- diese Fehler sind Handwerksfehler.
Schlimm wird es, wenn in historischen Filmen die bekannten Tatsachen auf den Kopf gestellt werden.
Viele solcher "Perlen" findet man übrigens in
PS: Einer meiner großen Filmfavoriten ist daher Jean-Jacques Annaud, weil er wie kaum ein anderer auf Authentizität und Korrektheit Wert legt. Er zwang sogar Sir Sean Connery dazu, sich für "Der Name der Rose" die Amalgam-Plomben entfernen zu lassen, weil es sowas damals eben noch nicht gab. Und in "Am Anfang war das Feuer" gibt es kein einziges Wort in unserer Sprache, wie es selbst andere erstklassige Produzenten sicher einfach gewagt hätten.
Ja,fällt mir immer auf: die tippen eine Nummer ins Handy ein u. sofort geht einer ran.Es ist auch immer eine Parklücke frei, Autos werden auch fast nie abgeschlossen, aber achte mal drauf, wenn sie wieder einsteigen müssen sie aufschliessen.

Mein Klassiker sind Endlosgamazine der Firma "Nie nachladen" aus den guten alten Actionfilmen. Ich muss dann immer herzlich lachen.
Knowledge am 6. September 2007 21:00 Lach..Ja, und wenn der Schurke dann verzweifelt die leere Waffe wegwirft, trifft er.
Denny Crane am 6. September 2007 22:07 Gemeint waren natürlich Endlosmagazine. Powerschnelltipping goes daneben.

Schlimm fällt das bei den alten Indianerfilmen auf. Wenn da 40 Indianer ein Fort angreifen, werden 60 erschossen und 80 reiten zurück.
Auch bei Krimis sind die Verfolgunsjagden interessant. Wenn der Sheriff den Ganoven schon fast hat, kommt ein Schnitt und der Ganove hat wieder 100 Meter Vorsprung.
Da könnte man ewig weiter aufzählen. Mich regt soviel Dummheit in der Regie auf. Ich empfinde das als Verarschung der Zuschauer. Deshalb kann ich solche Filme auch nicht mehr anschauen.
Eher lustig sind die kleinen, oft übersehenen Fehler, wo z.B. Ben Hur eine Digitaluhr trägt.....
klar, es gibt viele Beispiele. Wahrscheinlich, weil ein Zuschauer Helden will. Gut, du nicht, dich stört es jetzt, aber: möchtest du in jedem zweiten film sehen, wie sich eine Frau schminkt oder ein Mann auf die Toilette wandert. Oder jemand die Autoscheibe putzt?Manchmal wird es ja gezeigt. Frauen sind halt leider als "schwaches Geschlecht" und der Zuschauer denkt oft nicht daran, dass es auch Kraft kostet, zu schreien. Das einzige ist der Koffer. es wäre in der Tat mal schön, zu sehen, wie sich jemand mit einem schweren koffer abmüht.
Natürlich, sowas ist manchmal wirllich unlogisch. Aber wenn die Filme mit so viel Realität gefüttert werden würden, wie, dass die Personen ständig aufs Klo müssten oder, dass sogar die perfektese Frau morgens aussieht wie eine zerknitterte Vogelscheuche, dann bräuchte sich keiner mehr die Filme anzusehen, sondern könnte genauso gut seinen Alltag betrachten. Nehmen wir nochmal als Beispiel die perfekt geschminkte Frau beim Aufwachen. Da wäre der Traum von der Schönheit und der Grund, weshalb sich der Filmheld so in sie verliebt, überhaupt nicht mehr nachvollziehbar und die Geschichte wäre keine Geschichte mehr, sondern eine Aufnahme aus dem normalen Leben. Sowas kennt doch jeder schon, sowas sieht sich dann auch keiner mehr im Fernsehen oder Kino an.

Und das Lustigste ( für mich ):
Bei ca. 80% aller amerikanischen Filme, reitet, fährt, fliegt, oder ( sehr selten ) läuft der/die döddelige/n Superheld/en - wohin ???
Na... ja.... wohin sonst .... nach WESTEN !!!!
Natürlich nachdem er/sie erst mal wieder "die Freiheit" - oder was man als Ami darunter versteht.... - gerettet haben.
Manchmal suchen sie aber auch nur "Massenvernichtungswaffen" und dazu reiten sie dann - nach OSTEN.
Wenn sie diese dann gefunden haben, gehts zum Ende schnell wieder ( wohin ? ) - nach WESTEN !
Knowledge am 6. September 2007 21:31 Ist aber nicht einfach, im dunklen Kino den Kompass abzulesen, oder?...ggg.
silberdistel am 6. September 2007 22:59 Meist in die untergehende Sonne ... und die geht ( ganz amerikanisch ) im Westen unter.....
Solche Ungereimtheiten sind mir auch schon öfters aufgefallen. Dennoch gibt es eigentlich immer eine Fachberatung, z.B. bei Filmen mit rechtlichem oder medizinischem Anstrich. Ich glaube, dass trotz vorhandener Fachberatung meist im Film auf solche Details oder Erklärungen verzichtet wird, die den Zuschauer langweilen könnten. Oder man will absichtlich dramaturgische Effekte erzielen, die man sonst nur schwer rüberbringen könnte. Generell gehe ich davon aus, dass der jeweilige Regisseur mit seinem Mitarbeiterstab grundsätzlich diese Probleme kennt, sie aber aus den o.g. Gründen absichtlich umgeht.

Das war ja jetz alles sehr amüsant aber beantwortet nicht die Frage, oder? Also meiner Ansicht nach isses doch so, wir wollen doch gar keine Dreckigen Scheiben oder Sexbomben sehen die früh am Morgen mit verquollen Augen ausm Bett klettern! Wir wollen Makelosigkeit, unsere perfekte Traumwelt genau das sind Filme doch oder nicht??? Natürlich kommt es immer auf Genre und Film an sich an! Klar das man in einem Bibelepos nich Moses im Porsche vorfahren sehen will! Aber ich hoffe du verstehst was ich meine! ;)
borhap am 8. September 2007 11:43 Ich störe mich ja auch eher an den "Kleinigkeiten" wie z. B. den leeren Koffern, dass Türen beim Betreten des Hauses oft nicht zugemacht werden, dass unmittelbar nach dem Wählen einer Nummer der Telefonpartner gleich dran ist, dass beim Hören von Radio- oder Fernsehsendungen sofort nach dem entscheidenden Satz der Apparat ausgeschaltet wird, dass Frauen mit zwei kleinen Taschen verreisen, sich aber anscheinend dreimal am Tag komplett neu anziehen können. Solche Sachen! Dass sie nach dreimonatigem Wüstenaufenthalt immer noch topp gestylt sind, ist nicht der Punkt.