Frage von SturerEsel, 438

Warum wird in Deutschland Sterbehilfe verweigert?

Selbst mit einer Patientenverfügung hat man in Deutschland die Wahl zwischen Ersticken, Verdursten oder Verhungern.

(Jedes Haustier wird "besser" behandelt und jeder verantwortungsvolle Tierbesitzer ist früher oder später vor diese schwere Entscheidung gestellt.)

Die Antworten, die ich zu früheren Fragen gelesen habe, lauten z.T.: "Weil der Gesetzgeber es so beschlossen hat!". Aber Gesetze kann man ändern.

Warum ist dies in Ländern wie in der Schweiz oder in den Niederlanden möglich, bei uns jedoch nicht? Was hindert uns daran, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, sterbenskranken, leidenden Menschen ein würdiges Ende zu geben?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DorktorNoth, 232

Sterbehilfe ist ein schwieriges Thema. Die Diskussion darum gibt es ja nun auch nicht erst seit gestern und bisher ist es nicht möglich gewesen, eine einheitliche Bewertung zu erreichen.

Überlegen wir mal eben, worum es eigentlich geht bei der Sterbehilfe: Sie räumt einem Patienten, der eine nicht heilbare Erkrankung hat, die sein Leben nicht mehr lebenswert macht das Recht ein, selbst entscheiden zu dürfen, wann sein Leben enden soll. Schön und gut.

Und wie soll das dann gehen?

Da ist nämlich das Problem: Da verlangt der Patient, dass man ihn tötet. Egal wie, aber schmerzlos und human. Was spritzen, einschlafen, fertig. Klingt gut, oder? Mal ehrlich - ich bin Arzt. Ich kann akzeptieren, wenn ein Leben vorbei ist. Ich lasse die Leute dann auch gerne gehen und gehöre bestimmt nicht zu denen, die noch alles an Maschinen aufbauen, um unnötig das unausweichliche hinauszuzögern und damit Schmerz und Leid zu verlängern. Aber den Patienten aktiv umbringen? Jemanden mit Absicht töten ist genau das nicht, weswegen ich studiert habe. Es ist, auch wenn es mit den besten Absichten geschieht, nichts anderes als eine Tötung. Davon mal abgesehen, dass es diverse Gesetze gibt, die das Verbieten (unter anderem steht im Grundgesetz das Recht auf körperliche Unversehrtheit niedergeschrieben, und nach aktueller Lesart bedeutet das, dass niemand aus welchen Gründen auch immer jemand anderen schädigen darf) will glaube ich niemand in der Situation sein, so etwas jemals tun zu müssen.

Stelle dir vor, deine Tante ist todkrank. Sie bittet dich, ihr das Leben zu nehmen. Der Plan: Sie will sich betrinken, so dass sie nichts mehr mitbekommt, und du sollst ihr dann so lange ein Kissen auf das Gesicht drücken, bis sie erstickt ist. Na? Würdest du das tun? Ich denke nicht, und auch wenn es nicht deine Tante, sondern eine entfernte Bekannte ist, oder die Nachbarin von gegenüber, die du eigentlich gar nicht kennst, du würdest es wohl nicht tun. Jemanden zu töten, ein Leben mit Absicht zu nehmen, auch mit den besten Absichten, ist ein Schritt, der so extrem ist, dass wohl die wenigsten bereit sind, ihn zu unternehmen.

Ich möchte das nicht tun.

Was gibt es noch für Varianten? Wenn der Patient selber noch kann, kann er sich selbst das Leben nehmen. Das ist ja das Konstrukt in der Schweiz. Wenn man darlegt, dass man unheilbar krank ist, bekommt man ein Fläschchen Gift ( oder was auch immer) und kann sich selbst umbringen. Das Aushändigen des Giftes ist die Sterbehilfe. Das ist Ärzten in Deutschland untersagt durch die Berufsordnung für Ärzte. Ob man in der Schweiz auch bei der Einnahme hilf, das weiß ich nicht, dann wäre es wieder aktives Töten. Klar, auf Verlangen, aber es wäre Töten. Bei dieser Variante, also dem assistierten Suizid, bin ich nicht sicher, was ich davon halten soll. Ich denke aber, dass es letztlich ähnlich ist, als wenn man selber aktiv wird. Man weiß trotzdem den Rest seines Lebens, dass man den Tod des anderen zu verantworten hat. Für einige würde diese Variante aber sicher in Frage kommen, dies ist in Deutschland jedoch tatsächlich nicht erlaubt, auch wenn Beihilfe zum Suizid meines Wissens nach in der Regel straffrei bleibt.

Am problemlosesten, ethisch am vertretbarsten und für alle Beteiligten am dankbarsten ist es glaube ich, wenn man statt ein Leben zu beenden einfach ein Leben nicht unnötig verlängert. Ich sage "einfach", aber so einfach ist das nicht. Es setzt ein komplexes Zusammenwirken von Pflegenden, Ärzten und Angehörigen voraus. Der Grundgedanke ist es, das Leiden zu lindern oder zu nehmen, ohne das Leben zu nehmen, man darf aber in Kauf nehmen, dass das Leben des Leidenden früher zu Ende geht, als es das eigentlich würde. Der Patient erhält ausreichend Schmerzmittel (wirklich ausreichend, teilweise in astronomisch hohen Dosen). Der Patient wird mit dem versorgt, was er möchte, aber er muss nichts, was er nicht will. Er bekommt Essen und trinken, wenn er möchte. Wenn nicht, wird man ihn nicht zwingen, per Magensonde oder sonst etwas. Und was ebenfalls wichtig ist: es werden keine medizinischen Maßnahmen ergriffen. So kann es passieren, dass ein Patient so viel Schmerzmittel nimmt, dass seine Atmung nicht mehr richtig funktioniert. Dieses würde man tolerieren, auch wenn das bedeutet, dass der Patient möglicherweise früher stirbt. Dies ist der Gedanke der Palliation. Lindern von Leid in ein erträgliches Maß, Fürsorge im Sinne des Patienten und Verzicht auf unerwünschte Maßnahmen, auch wenn diese medizinisch indiziert sind sowei Begleitung des Prozesses durch Psychologen o.ä.. Ich kenne viele Fälle, die eine Palliativmedizinische Betreuung erfahren haben. Es ist eine gute Lösung. Der Leidende muss nicht mehr leiden und Angehörige und Pflegende laden keine Schuld auf sich. Eine gut gemachte Palliation ist Gold wert und ersetzt problemlos die Sterbehilfe. 

Im Krankenhaus kann man tatsächlich auch so weit gehen, dass man bei schwer kranken Menschen z.B. auf der Intensivstation die Therapie beendet. Man schaltet lebenserhaltende Maschinen wie Dialyse oder das Herz unterstützende Medikamente ab, wenn klar ist, dass der Patient sowieso nicht überlebt. Nicht-Behandlung, wenn es aussichtslos ist. Das ist tatsächlich keine Sterbehilfe und damit können die meisten Ärzte auch gut leben. Auch hier muss allerdings natürlich gelten, dass der Patient keinerlei Leid erfahren darf, er muss also ausreichend Schmerzmittel und dergleichen erhalten.

So, viel Text. Ich weiß gar nicht, ob das deine Frage richtig beantwortet, aber das sind so die Gedanken, die ich mir oft auf der Arbeit zu dem Thema mache. Zusammengefasst: Das Töten von Menschen, egal ob sie das wollen oder nicht, geht gar nicht. Der Vergleich mit Tieren geht auch nicht. Der Mensch ist biologisch vielleicht ein Säugetier, aber das wars dann auch. Wir fressen ja auch nicht unsere Jungen, wenn sie zu schwach sind, wie Tiere das tun. Beim Einschläfern von Tieren maßen wir uns an, in ihrem Sine zu handeln. Tun wir das wirklich? Warum soll der alte Hund nicht zufrieden damit sein, auf dem Teppich zu Herrchens Füßen einzuschlafen, mit ausreichend Schmerzmitteln versorgt, die den Tumor vergessen lassen? Wissen wir nicht. Ist ja auch nicht das Thema. Töten von Menschen war das Thema, und das geht eben nicht. Beihilfe zu Selbsttötung ... naja, würde ich nicht wollen, andere könnten vielleicht, ist aber verboten. Palliative Betreuung ist eine gute Alternative, und wenn es richtig und gut gemacht wird, braucht man die Diskussion um Sterbehilfe nicht mehr. Oder? Kritik und Diskussion gerne willkommen ... ;-)

Kommentar von SturerEsel ,

Vielen Dank für deine fachkundige Antwort, ich verstehe die Problematik nun besser als vorher.

Kommentar von Heduda12 ,

Kann mich dem Kommentar von DoktorNoth nur anschließen.

Bezüglich Palliative Care: Die Betreuung mittels SAPV Spezielle Ambulante Palliativversorgung gehört gefördert. Aber auch in den Krankenhäusern wird immer mehr nach den Grundsätzen von Palliative Care gearbeitet. Das Behandlungsteam steht dem Patienten zur Seite, und nicht einzelne Fachdisziplinen. Es gehört mit den Patienten mehr gesprochen und besser aufgeklärt.

Das mobile Palliativ Team, das in Österreich von verschiedenen Träger durchgeführt wird, gehört ebenfalls massiv aufgestockt. Jedoch fehlt es an der Regelfinanzierung. Ausnahme bildet hier die Steiermark.

Kommentar von Brotmensch89 ,

Einen Aspekt möchte ich noch anfügen, und zwar den der 'unfreiwilligen Freiwilligkeit', wie ich es mal nennen möchte.

Und zwar könnte es mit Sterbehilfe darauf hinauslaufen, dass sich alte Menschen, die eigentlich noch leben wollen, dazu gedrängt fühlen zu sterben, um für ihre Familie oder wen auch immer keine Last darzustellen.

Genau das wäre natürlich auch nicht im Sinne der Sterbehilfe.

Kommentar von DorktorNoth ,

Sehr gute Ergänzung, vielen Dank

Kommentar von Maisbaer78 ,

Ich möchte das nicht tun.

Die Entscheidung eines Arztes oder einer angesprochenen Person für oder gegen eine aktiv geleistete Beihilfe liegt noch immer in deren eigenem Ermessen.

Jemand der das Leid erkennt und unbedingt Erlösung bringen will, tut das auch, wenn die Gesetzgebung es verbietet, da hatten wir ja schon diverse Fälle vor Gericht. Vice versa zwingt die Duldung dieser Praktik Niemanden dazu, den Bitten Folge zu leisten.

Allein die Legitimierung der Sterbehilfe, bzw. wie es zb. in der Schweiz gehandhabt wird "Hilfe zur Selbsttötung" bringt also keinen Arzt in eine moralische Zwickmühle, in der er nicht schon auch so stecken würde. Wohl aber das unendliche Leben- und Leidenverlängern, das zu einem echten Wirtschaftsfaktor im Gesundheitswesen geworden ist.

Die Entscheidung wird nie leicht sein und sollte es auch nicht. Aber dieser Ausweg sollte vorhanden sein. Ich hab schon furchtbare Erkrankungen gesehen und viele Suizide, die weitaus weniger qualvoll gewesen wären, wenn ein geeignetes Mittel oder
vorbereitend medizinische Beratung hätte in Anspruch genommen werden können.

Kommentar von DorktorNoth ,

Das stimmt, Lebens- und damit Leidensverlängerung um jeden Preis ist mindestens genauso fragwürdig wie aktive Sterbehilfe. Wie die meisten klinisch Tätigen bin ich tatsächlich auch dagegen. Also gegen das " um jeden Preis". 

Dennoch : sobald Sterbehilfe mit ärztlicher Assistenz salonfähig wird, entsteht Druck auf jeden Mediziner, diese Leistung auch anzubieten.  Es wird zu  genau so einem Geschäft, wie du sagst, dass es die Leidensverlängerung ist.  "Erlösung bringen", wie du es genannt , geht wie ich finde durchaus auch ohne die Legitimation der Sterbehilfe .  Wie oben ausgeführt und auch in anderen Beiträgen erläutert ist meiner Ansicht nach eine Stärkung der Palliativmedizin die Antwort.  

Kommentar von Maisbaer78 ,

entsteht Druck auf jeden Mediziner, diese Leistung auch anzubieten.

Das sehe ich überhaupt nicht so. Das bleibt eine persönliche Entscheidung des betreffenden Mediziners, muss es bleiben, sonst ist er in diesem Beruf falsch. 

Gerade ein Arzt, der ja wirklich immer, egal um welches Thema es gerade geht, eine riesige Verantwortung für seine Patienten trägt, sollte in der Lage sein, sein persönliches Prinzip in dieser Sache zu vertreten und ggF. auch einfach "Nein" sagen zu können, besten Falles an einen Kollegen zu verweisen, der vielleicht weniger mit sich ringen muss.

Ein wirtschaftlicher Faktor sollte sowieso völlig außen vor bleiben bei dieser Thematik, es darf natürlich keinerlei Anreiz bestehen, das als zusätzliche Erwerbsquelle zu sehen. Man stelle sich vor, Sterbehilfe würde im IGEL-Katalog zu finden sein.

Eine schreckliche Vorstellung. 

Ich sehe eher eine Reihe von psychologischen Beratungsgesprächen als notwendige Hürde, die ein Patient oder dessen Angehörige bewältigen müssen, um Zugang zu einem solchen Ausweg zu erhalten. Ohne das diese über ein Ja oder Nein zu entscheiden hätten, aber dem Betroffenen zumindest mögliche andere Wege aufzeigen zu können.

Es wäre ja auch erstmal ein riesiger Schritt, wenn die Hilfe zur Selbsthilfe legalisiert würde. Damit wären immer noch viele Patienten ausgeschlossen, die eben nicht mehr selbst ein Präparat einnehmen könnten, aber es wäre schon mal mehr als wir jetzt haben.

Als examiertem Doktor der Medizin müsste Ihnen klar sein, dass die Palliativmedizin durchaus Ihre Grenzen hat, welche auch mit finanziell höheren Zuwendungen nicht eingerissen werden können. Natürlich muss die aktive Sterbehilfe der Weg sein, der eben um diese Grenzen herum führt und nicht etwa einfach den Weg abkürzt.  Wir sind da einer Meinung, ich finde auch, dass diesem Zweig der Patientenbetreuung deutlich mehr Aufmerksamkeit zuteil werden müsste, sowohl gesellschaftlich als auch pekuniär.

Kommentar von ManuTheMaiar ,

Nicht-Behandlung, wenn es aussichtslos ist.

Aber auch bitte nur dann wenn der Patient es so will, es gibt auch Menschen die hängen an ihrem Leben und wollen auf keinen Fall sterben

Kommentar von DorktorNoth ,

Natürlich , darum geht es ja hier die ganze Zeit 

Kommentar von Heduda12 ,

Bezüglich Druck auf den Arzt:

Sterbehilfe macht wie schon erwähnt massiven Druck auf Patienten, denn diese wollen und sollen ja niemand zur Last fallen. Deswegen wird die Sterbehilfe oft sehr früh eingesetzt von den Betroffenen. Der innere Druck deren Gedanke zur Last zu fallen, ist oft ausschlaggebend, auch wenns objektiv anderster ist.

Bezüglich dem Arzt, der auch das Gutachten zur Sterbehilfe schreiben muss, sieht sich gegen den Eid, den er geleistet hat, leben zu retten, in der Zwickmühle. Dies zu erteilen ist außerordentlich schwierig.

Deswegen favorisiere ich Palliative Care auch in dem Hinblick, dass die Therapieentscheidungen im interdisziplinären Team getroffen wird, und die Entscheidungen von allen mitgetragen wird. Sozusagen wird dadurch der Druck von jedem einzelnen genommen. Damit lassen sich Therapieentscheidungen auch besser/leichter durchführen. Weil man das Team im Rücken hat.

Antwort
von fspade, 92

Wir haben in diesem Land starke Kräfte, die ein ökonomisches Interesse an der Sterbeverlängerung haben. Die haben nicht nur Ärztekammern beeinflusst den assistierten Suizid zu verbieten, sondern im letzten Jahr auch den Gesetzgeber. Leider sind Politiker oft nicht ausreichend informiert und folgen dann ihren Wortführern. Dabei ist bekannt, dass die Bevölkerung mehrheitlich sich Hilfe beim selbstbestimmten Sterben wünscht. Unter Ärzten ist dieser Wunsch sogar noch ausgeprägter. Politiker hat man in der Hinsicht meines Wissens noch nicht befragt. Ich kann mir aber vorstellen, dass es bei ihnen ähnlich wie bei Ärzten ist, denn es sind erfahrungsgemäß die Gebildeteren, die sich Sterbehilfe wünschen.

Als Sterbebegleiter höre ich gelegentlich den Wunsch: "Ich möchte einschlafen und nicht wieder aufwachen müssen." Wer unter seinem Leben schwer leidet und das nachhaltig äußert, davon zwei Ärzte überzeugt hat und das über einen längeren Zeitraum getan hat, der sollte für immer einschlafen dürfen. So sind die Regeln in Staaten, wo das zugelassen ist.

Wir wollen in Deutschland keine Tötung auf Verlangen. Das war seit dem dritten Reich politisch kein Thema mehr, obwohl mehr Menschen sich am Ende das Leben von anderen nehmen lassen wollen, als es mit Hilfe selber tun zu dürfen. Eigentlich wollen sie nämlich gerne leben, nur das Leiden vermiest es ihnen.

Wenn die Palliativversorgung hier flächendeckend ausgebaut wäre, sähe es sicher anders aus, aber in der Hinsicht ist Deutschland nach Prof. Sven Gottschling noch ein Entwicklungsland. In Ländern wo Suizidhilfe zugelassen ist, wurde parallel die Palliativversorgung weiter ausgebaut, was die Nachfrage nach Suizidhilfe reduziert hat.

Palliativmediziner geben zu, dass es Schmerzsyndrome gibt, die mit ihren Mitteln nicht ausreichend gelindert werden können. Das betrifft ca. 60 Menschen im Jahr. Das sind etwa 50 Prozent mehr, als sich mit Hilfe von Sterbehilfe Deutschland 2014 das Leben genommen haben. Der Rest muss darauf hoffen in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt zu werden, bis er oder sie stirbt. Da die Palliativversorgung und -ausbildung noch in den Anfängen steckt, müssen viele darauf vergeblich hoffen. Aber ist eine terminale Sedierung wirklich humaner, als das aussichtslose Leiden zu beenden? Es liegt aber auf der Hand, dass mit der Weiterbehandlung mehr und länger abgerechnet werden kann.

Wir haben immerhin die Freiheit Suizid begehen zu dürfen. Das Problem ist nur, dass es schwer ist, es selber und richtig zu tun. Viele Menschen wählen eine gewaltsame Methode, um sicher zu gehen. Soll das durch standesrechtliche oder strafgesetzliche Verbote befördert werden? Vielleicht ist das so, denn die anfangs genannten ökonomischen Kräfte profitieren von fehlgeschlagenen Suiziden. Dann nämlich, wenn der Suizident danach (gegen seinen Willen) künstlich am Leben erhalten wird.

"Warum ist dies in Ländern wie in der Schweiz oder in den Niederlanden möglich, bei uns jedoch nicht?" Weil Politiker in diesen und anderen Ländern mehr auf die Bevölkerung, als auf Lobbyisten hören, dann aber dafür gesorgt haben, dass es keinen Missbrauch geben sollte, ergebnisoffene Beratung zu haben ist und Alternativangebote verbessert werden.

Da das in der Schweiz für den ärztlich assistierten Suizid zugelassene Medikament in Deutschland nur für Tiere zugelassen ist, müssen wir uns andere Wege suchen. Übrigens kann nicht ausgeschlossen werden, dass Tiere, wenn sie es denn kommunizieren könnten, in bestimmten aussichtslosen Leidenssituationen, auch um Sterbehilfe bitten würden.

Prof. Christiaan Barnard hat gesagt: "Im Laufe meiner ärztlichen
Praxis habe ich gelernt, dass der Tod nicht immer ein Feind sein muss.
Oft ist er auch die einzig wirksame Therapie, mit der erreicht wird, was
die Medizin nicht zustande bringt – das Ende der Leiden."

Antwort
von Chriyovime, 36

Weil viele Menschen die sterben wollen, auch eine Geldquelle für ganze Industrien darstellen, die nicht versiegen soll. In kleinen Staaten kann man daher eher darüber hinweg sehen, als in großen.

Man bedient sich des schwarz/weiß Glaubens, das Leben sei durchweg gut und unter allen Umständen erstrebenswert, wohin gegen der Tod etwas rein schlechtes sei, was es immer zu verhindern gilt.

"In der Frühe die Wahrheit vernehmen und am Abend Sterben: Das ist nicht schlimm." (Konfuzius)

Die Bevormundung erhält Einzug über die Definition von Selbstmord und Freitod, also ob jemand frei seinen Tod wählt, oder ob er sich gegen seinen eigentlichen Willen selbst ermordet.

Schon Kant hat bemerkt: "Eine äußere Zwangsmaßnahme zur angeblichen Stützung des moralischen Lebenswillens, ist selbst unmoralisch."

Damit die Maschinerie weiter läuft, werden Ärzte moralisch indoktriniert und subtil als Mörder, Henker oder zumindest als Personen hingestellt, die Beihilfe zum Mord leisten würden. Ein Kaishakunin jedoch, war ein guter Freund und kein Feind.

"Jemanden mit Absicht töten ist genau das nicht, weswegen ich studiert
habe. Es ist, auch wenn es mit den besten Absichten geschieht, nichts
anderes als eine Tötung."
schrieb ein ärztlicher Vorredner auf deine Frage. Doch Tötung ist nicht Mord und nicht unbedingt etwas Schlechtes für den Betroffenen. Die moralische Bewertung sollte dem Patienten obliegen. Auch wenn sich der Mensch gerne als Krone der Schöpfung sieht, sollte man bedenken, dass alleine durch unsere Existenz Leben entsteht und eben auch vernichtet wird. Mit jedem Schritt auf einem Waldboden sterben Lebewesen, doch anderen bieten wir z. B. mit unserer Haut einen Lebensraum.

Weiter schrieb er: "Davon mal abgesehen, dass es diverse Gesetze gibt, die das Verbieten (unter anderem steht im Grundgesetz das Recht auf körperliche
Unversehrtheit niedergeschrieben, und nach aktueller Lesart bedeutet
das, dass niemand aus welchen Gründen auch immer jemand anderen
schädigen darf) will glaube ich niemand in der Situation sein, so etwas
jemals tun zu müssen...Eine gut gemachte Palliation ist Gold wert und ersetzt problemlos die Sterbehilfe."
Doch mit Sterbehilfe schädigt man nicht zwangsläufig aus Sicht der Betroffenen. Kommt es außerdem wirklich darauf an, ob ein Arzt Freude bei einem Teil seiner notwendigen Arbeit verspührt? Wahrscheinlich möchte auch kein Arzt in der Situation sein, einen Menschen über Jahre hinweg, trotz Medikamente, leiden zu sehen. Viele unschöne Dinge gehören zur Tätigkeit eines Arztes und werden dennoch verrichtet. Palliation ist ein alternativer Weg zur Sterbehilfe, doch kann keiner von beiden den anderen ersetzen. Welchen Weg ein mündiger Mensch auch wählt, die Entscheidung darüber sollte niemals in die Hände des Staates, der Industrie, des Arztes oder des sozialen Umfeldes gelegt werden, da dies dem menschlichen Selbstbestimmungsrecht grundlegend widerspricht.

Im Sekundentakt verhungern Kinder, obwohl alle satt werden könnten. Jeder der Währungsmittel aus einem Schuldgeldsystem bezieht, trägt dafür eine Mitverantwortung. Komischerweise kommt kein Moralapostel auf die Idee, er könne auch hier Blut an den Händen haben.

Nietzsche erklärte uns: "Den freien Tod predige ich Euch, der nicht heranschleicht wie Euer grinsender Tod, sondern der da kommt, weil ich es will."

Antwort
von Maisbaer78, 62

Warum wird in Deutschland Sterbehilfe verweigert?

Weil es "christlicher" ist, Leute qualvoll verenden zu lassen, nachdem Sie mitunter Jahre lang ans Bett gefesselt und mit Schmerzen dahinsiechen mussten. Die Kirche und die christlich geprägten Parteien halten da die Hand drüber.

Naja und n Geschäftsmodell steckt auch dahinter. Man verdient natürlich mehr an einem Patienten, der weiterhin gepflegt werden "muss" anstatt in Würde zu sterben.

Antwort
von HerrVonRibbeck, 93

Bis vor kurzem nahm auch ich an, dass die in der Schweiz praktizierte Sterbehilfe ein humanes, würdiges Sterben ermöglicht und empfand diese Möglichkeit als sehr beruhigend.

Das diese Vorstellung nicht unbedingt der Realität entspricht, erfuhr ich erst vor kurzem von einem befreundeten Arzt, der seinen besten Freund, der sich bewusst für diese Art des Sterbens entschied (da unheilbar krank) begleitete.

Der Patient muss in der Lage sein, das ihm gereichte Mittel/Gift selbst einzunehmen (trinken, Infusion aufdrehen etc). Danach darf von Dritten nicht mehr eingegriffen werden.

Dieser Mann also, der sich bewusst zum Sterben entschied und rein kognitiv klar sterben wollte, schlummerte aber nicht seelig und friedlich hinüber.

Offensichtlich war da noch etwas in seinem Unterbewusstsein, seiner Seele, das leben wollte. Über Stunden lag er in einem qualvollen Todeskampf, den alle anwesenden Zeugen (Arzt, Pflegepersonal, Polizei) mit ansehen und aushalten mussten, denn es darf nicht weiter eingegriffen und z.B. nachgespritzt werden. Auch das gilt in der Schweiz als aktive Sterbehilfe und ist verboten. 

Alle Anwesenden waren fix und fertig und nicht ohne Grund ist für die Begleiter/Zeugen, dass alles rechtmäßig abgelaufen ist, regelmäßig eine Nachbetreuung vorhanden.

Ein humanes, friedliches Sterben ist also gerade nicht immer gewährleistet. Wüsste ich dies nun nicht aus erster Hand, würde ich noch immer von einer falschen Annahme über diesen Prozessablauf ausgehen. Hier sollte ehrlicher verfahren werden.

Antwort
von Heduda12, 170

Es ist wie so oft eine ethische Entscheidung des Gesetzgebers.

Wobei ich mit Palliative Care eine sinnvolle Behandlung und Begleitung vorziehen würde!!

Es muss keiner verdursten, ersticken oder unter Schmerzen leiden!!!

Kommentar von SigridP ,

Leider sieht die Wirklichkeit anders aus, es müssen eben doch sehr alte und kranke nicht selten unter Schmerzen leiden.

Kommentar von Maisbaer78 ,

Es muss keiner verdursten, ersticken oder unter Schmerzen leiden!!!

Doch, leider ist das das Ende, das sehr vielen Menschen widerfährt. Die Menschen sterben genau daran, nicht an Langeweile oder weil in Ihnen ein Schalter umspringt. Die Todesursache auch auf Palliativstationen ist praktisch immer Verhungern, Verdursten oder eben "mit Glück" akutes Organversagen.

Es gibt auch Erkrankungen, bei denen Schmerzmittel nicht mehr helfen.

Kommentar von Heduda12 ,

Nein, das empfindet ihr!

In der Sterbephase verhungert oder verdurstet keiner.

Bsp.:

Wenn euch übel ist esst ihr auch nichts??

Wenn ihr voll seid trinkt ihr auch nichts??

In der Sterbephase werden die Organfunktionen zurückgeschraubt.

Die Niere scheidet weniger bis nichts mehr aus. Deswegen benötigt auch der Körper weniger Flüssigkeit. Und es gibt Untersuchungen, die gezeigt haben, auch wenn Pat. nichts mehr gegessen haben oder gertunken haben, waren sie nicht hungrig oder durstig.

Kommentar von Maisbaer78 ,

Ich habe schon einige Menschen dahinscheiden sehen und es war qualvoll.  Menschen die gebetet haben, der Herr möge Sie endlich zu sich nehmen.

Das geschieht sehr häufig. Die Wenigsten haben das Glück einfach still und friedlich einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen.

Antwort
von Artus01, 84

Selbst mit einer Patientenverfügung hat man in Deutschland die Wahl zwischen Ersticken, Verdursten oder Verhungern.

Mal etwas grundsätzliches zum Thema Patientenverfügung: Kein Arzt ist verpflichtet sich daran zu halten.

Kommentar von DorktorNoth ,

Das ist nicht korrekt. Sofern keine begründeten Zweifel an der Echtheit der Verfügung bestehen, gilt in als Willensäußerung des Patienten . Gegen den Willen des Patienten darf keine Maßnahme an ihm durchgeführt werden , das wäre Körperverletzung . Insofern doch, der Arzt ist verpflichtet, sich  die Patientenverfügung zu halten. 

Kommentar von Artus01 ,

Sorry, aber ich möchte den Richter sehen der den Arzt wegen KV verurteilt, denn der Vorwurf ist leicht zu entkräften.

Kommentar von fspade ,

Es ist rechtlich eindeutig, aber nur selten wird ein Arzt angezeigt, weil den dazu Berechtigten der Mut oder die Kenntnisse fehlen. Wenn es denn doch zu einer Klage kommt, einigt sich das KKH oder dessen Versicherung schnell mit dem Kläger über eine Abfindung, damit es nicht zum Prozess kommt, denn die Wirkung eines Prozesses in der Öffentlichkeit, fürchten sie mehr, als der Teufel das Weihwasser.

Antwort
von Markus143, 2

Weil es hier neben juristischen Aspekten, auch um philosophische, religiöse, medizinische und ethische Fragen geht und jede Wissenschaft für sich ein Mitspracherecht zu diesem Thema hat. Ferner muss man hier zum anderen zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe voneinander unterschieden.

Die aktive Sterbehilfe /Tötung durch Verlangen kann zwar strafmildernd sein, ist aber strafbar nach derzeitigem Stand (noch) zumindest.

Ferner haben wir noch eine deutsche Geschichte, die zudem "problematisch" ist. Die "Tötung unwerten Lebens" gehörte in die Ideologie. Da man sich berechtigterweise davon distanzieren möchte, hat sich auch in dieser Hinsicht zu diesem Thema der "Legalisierung" nichts verhindert.

Auch muss im Rahmen der passiven Sterbehilfe gewisse Voraussetzungen gegeben sein, damit dies in Ausnahmesituationen zulässig sein kann. Irreversibel verschlechternder Gesamtzustand, negative Prognose und eine freie Entscheidung des Betroffenen im zurechnungsfähigen Zustand.

All diese Faktoren spielen eine Rolle und müssen bei dieser Frage berücksichtigt werden.

MfG

Markus143

Antwort
von frohnatur55, 7

Ich weis nur eins: sollte es bei mir mal soweit kommen das ich schwer erkranke z. B. Krebs, werde ich trotz Patientenverfügung solange ich noch dazu in der Lage bin selbst meinem Leben ein Ende setzen.

Diese Entscheidung über das Abschalten von Maschinen überlasse ich niemandem, denn ich kann mir vorstellen das der andere der dann über mein Leben oder Sterben entscheidet den Rest seines Lebens sich Vorwürfe machen wird!

Antwort
von PHoel, 76

Also ich bin auch für Sterbehilfe, trotzdem muss man auch die negativen Gründe sehen. Der Arzt bringt ja jemanden um, auch wenn der Patient das will ist es für den Arzt evtl. sehr belastend auf Dauer.

Antwort
von BaerVonNebenan, 140

Dieses Thema ist sehr heikel. Es wirft ehtisch-moralische Fragen auf, ob und in wieweit Sterbehilfe okay ist. Natürlich verstehe ich deinen Ansatz. Die Frage ist, ab wann Sterbehilfe okay ist. Und wer dies entscheiden kann. Unter Medikamenten bzw. Drogen (z.B. Morphium, wie es oftmals vorkommt) ist die Entscheidungfindung eingeschränkt.

Zu diesem Thema hat es bereits viele Debatten gegeben, du kannst dir also bei Interesse solche nachlesen oder nachschauen.

Freundliche Grüsse

Kommentar von SturerEsel ,

Wer dies entscheiden kann? Der Patient natürlich - und zwar schon im Vorfeld.

Auch ich war "gezwungen", eine Patientenverfügung aufzusetzen. Dort steht jedoch nur, welche lebensverlängernden Maßnahmen man nicht wünscht (siehe oben) und eben nicht, dass man einen Arzt bevollmächtigt, das Ende einzuleiten - auch wenn man dies nachdrücklich fordert.

Kommentar von BaerVonNebenan ,

Zum einen stellt sich eben die Frage, bis zu welchem Zeitpunkt man noch mündig genug ist, diese Frage bei voller Kontrolle zu beeinflussen. (Alter, Alzheimer, Med-Einfluss,...). Und gewissen Leuten diese Entscheidungsmacht noch geben und anderen nicht mehr geht rechtlich gesehen auch eher weniger. Zudem gibt es immernoch viele Menschen, welche zum Tod eine andere Meinung pflegen als du.

Argumente dagegen (&dafür) findest du u.a. hier:

http://www.schulstoff.net/sterbehilfe~pro~contra~argumente~ethik-59.htm

Versteh mich nicht falsch, ich bin auch für die Sterbehilfe. Doch du hast nach Antworten gefragt, weshalb es noch nicht so weit ist...

Kommentar von SturerEsel ,

Vielen Dank für den Link. Die Hälfte der "Kontra-Argumente" haben einen christlichen Hintergrund, die ich m.E. nicht stichhaltig nenne.

Nochmals: es muss eine freie Willenserklärung des Patienten sein.

Kommentar von BaerVonNebenan ,

Kein Problem. In der Tat, die meisten Argumente haben einen christlichen Hintergrund. Da wir hier im Westen gröstenteils eine christliche Kultur pfleg(t)en, haben auch diese - gesellschaftlich gesehen - eine Berechtigung.

Kommentar von Maisbaer78 ,

haben auch diese - gesellschaftlich gesehen - eine Berechtigung.

Haben Sie nicht, denn damit nehmen Sie Einfluss auf das Leben Anders- oder Nichtgläubiger. 

Wir haben nicht umsonst eine strickte Trennung von Recht und Religion.

Kommentar von BaerVonNebenan ,

Oh doch. Ich spreche nicht davon, dass sich alle daran halten müssen oder sollten. Jedoch solltest du bei einer gründlichen Überlegung bedenken, dass es gesellschaftlich gesehen doch noch einige so denkende Menschen gibt. Klar, ich finde auch nicht, dass es ein Grund dazu ist, es nur wegen dem zu verbieten. Etwas zu bedenken darfst du NICHT mit etwas befolgen gleichsetzen.

Freundliche Grüsse

Kommentar von DorktorNoth ,

Der Wille des Patienten kann ein Problem sein. Klar ist eine Patientenverfügung bindend, kein Arzt wird gegen eine (ihm bekannte) Verfügung Maßnahmen einleiten. Das ist ja auch keine Sterbehilfe!

Antwort
von Schwoaze, 124

Das Problem aus meiner Sicht ist: Wo zieht man die Grenze? Wann ist es wem erlaubt, Sterbehilfe zu geben und wann nicht?

Wer darf Sterbehilfe geben? Die Erben?

Ist eine sehr problematische Angelegenheit.

Kommentar von SturerEsel ,

Ja, sobald dritte ins Spiel kommen, ist dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Die Lösung ist einfach: Innerhalb einer Patientenverfügung räume ich einem Arzt diese Befugnis ein, erst recht, wenn ich noch in der Lage bin, dies nachdrücklich zu bestätigen.

Kommentar von Schwoaze ,

Ja eben. Wenn man noch selbst in der Lage ist...

Da steht einem sicher oft der Überlebenswille im Wege. Und wenn man erkennt und es sich eingesteht, dass es vorbei ist, kann man nicht mehr, wie man will.

Kommentar von Pangaea ,

"Ach Doktor, helfen Sie unserem lieben Tante Minchen beim Sterben,  ihr Leben ist doch sowieso nicht mehr lebenswert!"

("Hey, bald gehört das schicke Haus uns, hihi!")

Kommentar von SturerEsel ,

Einen "witzigen" Kommentar halte ich bei diesem ernsten Thema für unangebracht.

Kommentar von Pangaea ,

Das ist nicht witzig gemeint, das ist genau die Befürchtung bei aktiver Sterbehilfe. Wo zieht man die Grenze? Immer wenn Verwandte entscheiden können, hast du dieses Dilemma. Und wenn Verwandte behaupten zu wissen, was der Sterbende (oder zu Tötende) will.

Kommentar von SaVer79 ,

Und wie willst du in einer Patientenverfügung ausreichend konkret festlegen in welcher genauen Lage du einmal Sterbehilfe wollen würdest? Jede Lage ist anders und es müsste dann aus der Verfügung hervorgehen, dass du in genau in diesem Fall nicht mehr weiter leben wollen würdest! Das halte ich für sehr schwierig! Außerdem müsstest du dann auch noch jemanden finden, der bereit wäre, die Verantwortung zu übernehmen und die letztendliche Entscheidung zu treffen

Kommentar von SturerEsel ,

Auch dies ist einfach zu beantworten:

1. Der Patient hat schon im Vorfeld innerhalb einer Patientenverfügung diese Möglichkeit ausdrücklich befürwortet.

2. Ein Patient ist schwerkrank, leidet Schmerzen und wiederholt diesen Willen. Eine Besserung ist aus medizinischer Sicht ausgeschlossen.

3. Ist der Patient dazu nicht mehr in der Lage UND es besteht keine Aussicht auf Besserung, entscheiden zwei Ärzte darüber (1. eingeschlossen). Der Willen der Angehörigen wird gehört, ist aber nicht entscheidend.

4. Die letale Maßnahme wird von ausgebildetem Fachpersonal (idealerweise von Anästhesiologen) durchgeführt.

Kommentar von melman86c ,

Nr 3. ist aber alles andere als menschlich. Ich lass doch keine Ärzte entscheiden ob meine Mutter sterben soll oder nicht.

Kommentar von SturerEsel ,

Du hast nicht richtig gelesen. Ich sagte "Punkt 1 eingeschlossen" in meiner Aufzählung. Möglicherweise habe ich mich unklar ausgedrückt.

Kommentar von DorktorNoth ,

Die Ärzte fragt keiner, richtig? Ich bin Anästhesist. Ich lindere gern Leid und verzichte auf lebensverlängernde Maßnahmen. Aber ich spritze keinen tot.

Kommentar von reginarumbach ,

ach, na ja... das ist doch augenwischerei. dann haben eben die gute karten, die sich zu lebzeiten noch eine waffe (z.b.) besorgen können und sich dann halt bei klarem verstand selbst umbringen können. so wie gunter sachs seinerzeit. all die anderen, die an sowas nicht gedacht haben und auch keine möglichkeit dazu hatten, die müssen natürlich, damit sie die gefühle von ärzten und angehörigen nicht verletzen,und dem gesetz genüge tun, elend verrecken wenns dumm läuft. aber gut, dann hat man halt keinen 'menschen' tot gespritzt.

was haben es tierärzte so gut. die können einem elendig kranken tier wenigstens helfen, wenn denn die herrchen den ernst der lage überblicken und nicht auf den 'natürlichen' tod warten wollen.

so lächerlich ist diese ganze diskussion. bei geburten wird auch geholfen. was ist denn der tod anderes als eine geburt in einen anderen seinszustand? aach, ja, es ist so mega schrecklich für die anverwandten den todeskampf aktiv zu beenden. meine güte. was wären viele patienten und verwandten FROH, wenn manch ein schlimmer kampf ein ende haben DÜRFTE. aber gut, ich weiß meine meinung wird polarisieren und jetzt gehen gleich wieder alle auf die barrikaden, insbesondere die fachwelt...

ich hoffe nur, dass ich die chance habe mir selbst zu helfen, bevor andere es nicht tun...schönen sonntag noch allerseits.

Kommentar von Schwoaze ,

Ja, Dir auch einen schönen Sonntag.

 

Antwort
von excellrod, 29

Genauso ist es ja mit den Organspenden! Ich hätte da ein komisches Gefühl bei, meine Organe zur spenden, freizugeben! Weiß man, ob es da nicht eine geheime Kraft gibt, Organisation, oder sonst was,  die mich dann tötet, nur an meine Organe zu kommen?  Theoretisch wäre das möglich!

Und so ist es auch mit der Sterbehilfe! Es ist letzendlich nicht nartürlich, und widerspricht den Selbsterhaltungstrieb der Art. Was ist, wenn jemand zwar Totkrank ist, und will sich um die Ecke bringen lassen, weil vielleicht auch psychisch am Ende, und nach Monaten erfolgt eine Spontanheilung, die es ja schon oft gegeben hat. Wie soll man das bewerten? Theoretisch wäre das möglich!

Ich schreibe das nun nicht, weil ich absolut dagegen bin! Bei ganz schlimmen Fällen macht das wirklich Sinn, um ein Leiden zu vermeiden. Schreibe hier nur meine Bedenken, ohne es zu bewerten. Jedes Leben muss uns sehr kostbar sein!


Antwort
von Pangaea, 107

So ein Unsinn.

Man lässt keinen Patienten ersticken, verdursten oder verhungern.

Man sorgt dafür, dass ein Patient, für den keine Hoffnung mehr besteht, in Würde und  ohne Schmerzen sterben kann, zur gegebenen Zeit. Aber man spritzt ihn nicht tot wie ein Tier.

Das ist Unterstützung beim Sterben, aber nicht Hilfe zum Sterben.

Kommentar von SturerEsel ,

So ein Unsinn.

In einem Hospiz werden Todkranke betreut, bis sie sterben. Man bemüht sich, diese möglichst ohne Schmerzen sterben zu lassen.

Ich möchte (aus gegebenem Anlass) lieber eingeschläfert werden, als wochenlang mein Ende zu erwarten.

Kommentar von Pangaea ,

Eben. In Hospitzen bringt man die Patienten nicht um. Man unterstützt sie bei einem natürlichen und möglichst leichten Tod.

Kommentar von SturerEsel ,

Warst du schon mal in einem Hospiz? Im Grunde wird dort nichts anderes gemacht. Schmerzpatienten wird zunehmend Morphium (oder andere Opiate) verabreicht, bis sie (so glaubt man) schmerzfrei sind.

Dies ist Einschläferung auf Raten.

Kommentar von melman86c ,

Der natürliche Tod läuft meist darauf hinaus das man erstickt oder verdurstet. Meine Oma hatte Krebs und konnte irgendwann nicht mehr trinken. 4 Tage später war sie tot.

Kommentar von SturerEsel ,

Also ist sie verdurstet (ich schreibe das nur ungern).

Im Bewusstsein, dass viele Menschen so leiden (müssen), stelle ich diese Frage. Vielleicht habe ich meine Frage falsch angegangen und hätte sie so formulieren sollen:

"Sollte jeder Mensch ab 40 Jahren verpflichtet werden, eine Patientenverfügung aufsetzen? Sollte darin ausdrücklich der Wunsch nach Sterbehilfe aufgeführt werden?"

Kommentar von Pangaea ,

Du wirst mich niemals davon überzeugen, dass es OK ist, Menschen totzuspritzen. Danke sehr, das hatten wir in Deutschland schon mal.

Kommentar von Achwasweissich ,

Das kann man ja wohl nicht vergleichen!

Ich habe grade zugesehen wie meine Oma ganz langsam gestorben ist, 8 Wochen hat es letztendlich gedauert und sie hat immer und immer wieder darum gebetet endlich nicht mehr wach werden zu müssen. Zum Ende hin bekam sie lächerliche mengen Morphium aber schmerzfrei wurde sie nicht, 12 zerbröselte Rückenwirbel (Wirbeleinbrüche durch Osteoporose+ einen schweren Sturz) sind einfach ein paar zu viel.
Bevor ich so elendig draufgehe würde ich auf jeden Fall lieber "eingeschläfert", hätte auch kein Problem damit selbst Hand an zu legen - was meiner Oma allein körperlich nichtmehr mögich war seitdem sie es mit einem Sturz die Treppe runter versucht hatte.

Kommentar von Maisbaer78 ,

Danke sehr, das hatten wir in Deutschland schon mal.

Das ist ja wohl ein himmelweiter Unterschied. Wenn Menschen so sehr leiden, dass kein Schmerzmittel mehr hilft, oder der psychische Druck so enorm ist, weil man ansehen muss wie der eigene Körper immer mehr destabilisiert (ich erinnere mich da an einen Fall mit offenen Tumoren am ganzen Körper), dann ist es wohl verständlich und menschlich, Ihnen einen Ausweg anzubieten der Ihrem freien und durchaus nachvollziehbaren Willen zum Freitod gerecht wird.

Bei Tieren macht man kurzen Prozess. Beim Haustier aus Liebe. Beim Schlachtvieh aus Egoismus und Gewinnsucht.

Aber Oma ist es uns nicht so lieb als dass wir Ihr im Fall des Falles Hilfe leisten würden.

Wir reden ja hier nicht von einer Industrie des Todes. Sondern um den letzten Ausweg wenn sonst nichts mehr hilft die Leiden zu lindern.

Das macht weder das Palliative obsolet noch setzt es uns auf gleiche Stufe mit den Nationalsozialisten. Allein der Vergleich ist furchtbar.

Im 2. Wk sind mitunter Piloten, die in Ihren brennenden Flugzeugwracks eingeklemmt waren und nicht befreit werden konnten, von Ihren Kameraden vor dem qualvollen Flammentod bewahrt worden. Würdest du diese Kameraden mit den Menschen auf eine Stufe stellen, die geistig und körperlich behinderte Opfer totgespritzt haben? Ohne deren Willensbekundung versteht sich.

Euthanasie bedeutet "leichter Tod" und so sollte man es auch betrachten. Jeder wünscht sich einen solchen, aber nicht alle bekommen Ihn, wenns mal soweit ist.

Kommentar von melman86c ,

Ich denke das die Sterbehilfe soweit gehen sollte, dass der Mensch selbst für seinen Tod verantwortlich sein kann. Also wie in der Schweiz wo man denn eine tödliche Menge Barbiturate bekommt um sie selbst einzunehmen.

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