Frage von CamelWolf, 95

Warum wird im Zusammenhang mit Altenheimen so oft von "Abschiebung" der alten Menschen gesprochen?

Wird durch oftmals bedenkenlosen öffentlichen Umgang mit angeblichen (oder tatsächlichen) Horrorgeschichten aus den Altenheimen nicht auch eine Angst geschürt, die es später, wenn es einmal notwendig werden sollte, eine vorurteilslose Auseinandersetzung mit dem Thema unmöglich macht ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von sunnyhyde, 33

kommt ja immer darauf an ob man sich vor ort mal ein eigenes bild macht...ich würde in das altenheim meiner oma sofort gehen, wenns soweit ist

Antwort
von Schuhu, 47

Früher waren Altenheime zum Teil tatsächlich eher "Seniorengefängnisse" mit festgeschriebenen Essenszeiten, Besuchszeiten, Bettgehzeiten usw. Niemand wollte dort gerne leben. Das es damals noch häufig die Hausfrauen-Familien gab, wurden die Alten eben zuhause betreut (ob es ihnen da besser ging, sei dahingestellt).

Die Heime haben inzwischen viel an Qualität gewonnen (trotzdem muss man das passende suchen). Wenn die Kinder und deren Ehepartner alle berufstätig sind, können die Alten durchaus in einem Heim leben. Das Gespenst des früheren Altenheims spukt allerdings noch in den Köpfen vieler und sie sprechen von "abschieben".

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 17

Hallo!

Oft ist es echt so, dass in Altenheimen die Leute vor sich hin vegetieren & zusehends absterben, sodass man schon vom Abschieben sprechen kann. Manche konnotieren das Wort auch so, dass man z.B. die Oma "abschiebt", weil man sich nicht um sie kümmern will/kann usw., je nachdem!

In manchen dieser Heime spürt man, dass die alten Leute nur noch auf den Tod vorbereitet werden & sich keiner mehr ihnen annimmt, die Pflegekräfte total unmotiviert sind & das die Senioren mehr oder weniger deutlich spüren lassen. Das Umfeld macht einen abgeranzten, tlw. ungepflegten Eindruck, wirkt insgesamt unsauber und vernachlässigt. Trauriger Höhepunkt war für mich letztes Jahr eine alte Frau mit vollkommen verklebten Augen (ich kenne die Hintergrundgeschichte dazu), die man sich selbst überließ, der eine schnippische Pflegerin einen Brei hinklatschte & dann die inzwischen verstorbene 87-Jährige (geistig fit, erkannte alle Menschen noch ---------> war aber seit einem Schlaganfall halbseitig gelähmt) hilflos drin rumstochern ließ bis sich der Inhalt komplett über die Bluse ergoss.. keiner reagierte auch auf höflichen Zuruf, am Ende habe ich es als Besucher der Frau (war früher meine Nachbarin) abgeputzt. Sorry, DAS kann es echt nicht sein!

Eine Bekannte meiner Großeltern, die vor Jahren dort auf Kurzzeitpflege war erzählte schon vor rd. 10 Jahren solche Geschichten über dieses Heim. Ich glaube auch daher sowie von Schilderungen anderer involvierter nicht, dass das alles absurde Momentaufnahmen und unglückliche Zufälle sind!

Bei aller Liebe: Ja, der Job ist stressig.. ich weiß das & verstehe es ----------> eine meiner ehemaligen Mitschülerinnen ist seit ca. 5 Jahren mit Leib und Seele Altenpflegerin & erzählt als von ihrer Stelle. Aber sie sagt auch (das sehe ich genauso): Viele landen in dem Berufsfeld nicht weil sie es echt wollen (was eig. das Optimum ist, solche Berufe lernt man nicht "weil es halt so kommt") sondern weil sie es "müssen" ---------> gerade soziale Berufe wie auch Kinderpflegerin sind aufgrund geringer Erwartungen/Mindestnoten oft Auffangbecken für solche Bewerber/innen, die sonst nicht viel können & darin liegt m.E. ein immer größer werdendes Problem. 

Besonders bedenklich ist es wenn in den Heimen Prüfungszeugnisse mit Supernoten zur Schau gestellt werden.. da fragt man sich, wie sowas zustande kommt. Beide Heime gehören kirchlichen Sozialverbänden. In einem Heim des einen Verbands, in dem geistig Behinderte untergebracht sind, geht es lt. einem Bekannten von mir (ehrenamtlicher gerichtlicher Betreuer für Pflegefälle) grad so schlimm zu. Was er mir mal erzählt hat betr. einer Weihnachtsfeier wo ein Geistlicher die Behinderten mit den fröhlich grinsend dargebrachten Worten, man sähe sich "in bester Gesundheit nächstes Jahr wieder" (u.v.m.), hat mir die Kinnlade runterfallen lassen. Der Pastor ist da der einzige, der gesund ist.. wenn überhaupt.

Echt jetzt: Diese Menschen dort tun mir einfach nur leid. In so ein Heim würde ich echt NIEMANDEN geben. 

Es gibt aber auch Heime, wo das alles besser geregelt ist.. aber: Leider kommen diese Vorurteile dadurch zustande, dass gewisse Heime sie leider immer und immer wieder bestätigen. Und wenn man sich manche Heime ansieht, kommt es einem echt so vor, dass die Leute dahin abgeschoben werden. Soweit meine Meinung..

Schönes Wochenende!

Antwort
von Vollstreckerin, 10

Hallo,

die Redewendung, dass jemand ins Altersheim abgeschoben würde, kommt daher, weil es natürlich sehr einfach ist, jemanden dahin zu bringen - im Vergleich dazu, mit der Pflege und der Organisation pp. selbst befaßt zu sein.

Andererseits ist durchaus schon so, dass z.B. jemand, die oder der Vollzeit berufstätig ist, mit der Pflege einer Person hoffnungslos überfordert sein kann.

Diejenigen, die die Pflege durchführen, haben auch ein eigenes Leben, eigene Verpflichtungen, Wünsche ...

Dies alles sehen Betroffene oft nicht. Die Angst vor dem Heim ist sehr groß. Sicher spielt dabei auch eine Rolle, dass danach dann nichts mehr kommt.

Mir geht es in vergleichbarer Sache ebenso. Ich war in einem Krankenhaus und bin dort sehr schlecht behandelt worden, gemobbt, medizinisch sehr mies und nach Kostendämpfungskriterien ... es war halt ein Haus der Rhön AG.

Heute habe ich einen großen Horror davor, ins Krankenhaus zu müssen, auch wenn ich dreimal ganz bestimmt weiß, dass mir in diesem Haus dort soetwas nicht passieren würde.

Niemand will in Krankenhaus oder ins Altrersheim. Da wird etwas mit einem gemacht, es tut weh, man ist einsam, nicht selbstbestimmt und vor allem - da wird gestorben.

Für mich z.B. habe ich auch vorausverfügt, neben anderen Sachen, dass ich nicht in ein Altersheim möchte, sondern solange es irgendwie geht, zu Hause sein will. Zu diesem Zweck habe ich umfangreiche Pflegeversicherungen abgeschlossen.

Dass Horrorgeschichten aus Altersheimen zu hören und zu lesen sind, ist in der Tat häufig und ich gehe sehr dringend davon aus, dass auch sehr häufig die Zustände abartig sein werden.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der nichts zählt, nur Geld ... Profit. Der Mensch, seine Leistung, seine Biografie, Solidarität sind alles nichts wert bei uns heute.

Die alten Menschen können sich oft nicht wehren, sind völlig ausgeliefert, auf Gedeih und Verderb den jeweils gerade aktuellen Kassenständen und Launen.

Soll man da nicht davon sprechen, dass man abgeschoben wird, wenn man dorthin gebracht wird?

Zusätzlich sehr erschwerend kommt hinzu, dass die Pflegekräfte auch nicht srelten unter verheerenden Umständen arbeiten, die Umschreibung mit "prekär" ist die blanke Schönfärberei, mieser Lohn, grauenvolle Arbeitsbedingen, Überstunden ohne Ende, Überarbeitung, Übermüdung, viel zu wenig Personal ...

Möchtest Du in ein solches Heim, angenommen, es würde sich abzeichnen, dass das nicht zu umgehen ist?

Die Menschen im Altersheim brauchen Zuwendung, menschliche Wärme, sehr viel Hilfe und Beistand ... Das ist nur mit sehr hohem Personalaufwand machbar.

Ein Altersheim ist eine Einrichtung, welche grundsätzlich ungeeignet dafür ist, Profit zu erwirtschaften. Ebenso wie beispielsweise Krankenhäuser, öffentliche Verkehrsbetriebe ... Bei mir würde es verboten werden, solche Einrichtungen nach Grundsätzen des Profits zu organisieren. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, werfen jährlich -zig Milliarden EURO zum Kriegführen aus dem Fenster bzw. den Sensenmann in Rachen und in der Sorge für die alten und kranken Menschen fehlt es oft am Nötigsten!

In was für einer widerlichen Gesellschaft leben wir eigentlich?

Viele Grüße Vollstreckerin

Antwort
von MoLiErf, 41

ich denke mal diese "Abschiebung" wird oft von den älteren so wahrgenommen. Die "jungen" haben keine Zeit oder keine Lust. Dem ist aber nicht immer so. Viele Menschen müssen lange arbeiten und haben demzufolge auch keine Möglichkeit ihre Angehörigen zu betreuen.

Die Alten Menschen nehmen das aber nicht so wahr und denken sie sind Ballast. Das das aber nicht so ist- können oder wollen sie nicht so sehen wie ihre Kinder z.B.

Antwort
von ersterFcKathas, 27

ich hoffe das ich nie in so einen einrichtung muß.. es ist in den letzten 40 J. mode geworden mit den alten und pflegeheimen...meine eltern haben bis zum tod im haus bzw. eigenen wohnung gelebt und wurden von uns betreud..wenn sie hilfe brauchten... aber das gibt es leider nur noch sehr selten

in unserem sozialstaat werden die ""alten "" abgeschoben, damit die großen gesellschaften die diese einrichtungen unterhalten , einen altentempel neben dem anderen bauen können... natürlich gaaanz selbslos. wenn ich das wort schon lese... ALTENWOHNUNGEN....BETREUTES WOHNEN ..am besten noch an die stadtgrenze die dinger, wer möchte schon den ganzen tag AOK shopper u. rollstühle sehen.

Unsere gesellschaft wird duch die moderne medizin immer älter , die renten immer kleiner , nur bei den jungen ist nicht mehr die bereitschaft da , für ihre eltern-großeltern dazusein

Da schau ich neidisch auf die südlichen länder wo die älteren zur familie gehören bis zum ende.

Kommentar von CamelWolf ,

Ausführlich Antwort, enthält alle gängigen Vorurteile demnach leider nur auf Stammtischniveau. Schade !

Ein eingeheiratetes Familienmitglied stammt aus Sardinien. Da verrottet die Oma auf ihrem Sofa, weil es keine Hilfen gibt. Beneidenswert, oder....?

Kommentar von ersterFcKathas ,

es gibt überall ausnahmen.. sogar am stammtisch ... solltest dem eingeheirateten familienmitglied mal gehörig bescheid stossen... die oma ist ja dann auch mit dir verwandt ??

Kommentar von CamelWolf ,

Ist die Oma vom Mann meiner Cousine - ich wollte an dem Beispiel  nur deutlich machen, dass die so viel besungene Integration von Alten und behinderten Menschen in den südlichen Ländern nicht (nur) eine Folge des "empathischeren" Familiensinnes  ist sondern oftmals auch aus der Not geboren ist.

Antwort
von rallytour2008, 18

Hallo

Bei vielen älteren Menschen spielt sich im Gedächtnis alte Bilder ab.

Dadurch werden ältere Menschen eigenartig in Ihrem Verhalten.

Da sich da keiner wirklich mit beschäftigen will ist das

Altenheim,Seniorenheim und weitere ähnliche Einrichtungen der letzte Ausweg.

Sicher gibt es auch ältere Menschen die lieber zuhause bleiben.

Die Versorgung der älteren Menschen muß natürlich auch bezahlt werden.

Wer Eigentum oder Grundbesitz hat ist in Senioreneinrichtungen gerne Willkommen.

Die Leitung einer solchen Einrichtung will auch bezahlt werden.

Das klappt natütlich nicht mit der Aussage:Jeder soll ein Auto haben.

Dadurch entstehen natürlich Kosten die eingespart werden.

Und das wird bei den älteren Menschen abgezogen.

Sicherlich gibt es das betreute Wohnen und seniorenwohnungen wo sich noch

selbst versorgt werden kann.Wer denn noch so fit ist.

Gruß Ralf

Antwort
von Marcel89GE, 18

Alte Menschen können irgendwann zu einem Problem werden. Dieses Problem schiebt man dann jemanden anderen zu. In diesem Fall dem Pflegeheim.

So würde ich mir die Entstehung des Zusammenhands zwischen dem Wort "Abschiebung" und Altenheim erklären.

Antwort
von FeeGoToCof, 28

Aber die Angst ist doch absolut berechtigt!?

Ich hoffe, einigermaßen "rüstig" zu bleiben und dann einfach tot umzufallen, in meiner kleinen Wohnung, voller Bücher, die ich immer noch lesen und begreifen kann und einem PC, den ich bedienen und verstehen kann und einem Lieferdienst für Sushi ;)

Kommentar von CamelWolf ,

Ich glaube nicht, dass die Angst berechtigt ist. Aber ich kann nachvollziehen, dass der Gedanke daran, dass man einmal auf Pflege angewiesen ist, nicht sonderlich angenehm ist.

Jeder hofft, irgendwann einmal tot umzufallen. In der Realität ist dass aber nur wenigen Menschen vergönnt. 

Kommentar von FeeGoToCof ,

"Quatsch und die Nasenbärenbande"...der beste Film (nicht nur) zu diesem Thema!!!!

Antwort
von Vulkanausbruch, 9

Natürlich ist die häusliche Pflege eines Angehörigen ausserordentlich anstrengend, aufreibend und auch zeitraubend. Das geht nur mit ganz viel Liebe, Empathie, Zurückstecken der eigenen Bedürfnisse und Geduld. Vom Geld gar nicht zu sprechen. Nicht jedem Angehörigen liegt das und die Unterbringung der Mutter oder des Vaters in einem Pflegeheim ist dann die einzige Alternative. Es gibt allerdings auch Menschen, die nicht mehr allein zurecht kommen, keine pflegenden Angehörigem haben und deshalb in so einer Einrichtung landen.

Es ist Fakt, dass es in den Pflegeheimen zu wenig Personal gibt, dass die Menschen dort teilweise in ihren Exkrementen stundenlang liegen gelassen werden, oft werden sie fixiert (ans Bett gefesselt), um sie davon abzuhalten, die Klingel zu betätigen oder aufzustehen. Die Zustände dort sind zum großen Teil einfach katastrophal. 

Der medizinische Dienst der Pflegekassen berät die Krankenkassen und kontrolliert im Auftrag der Pflegekassen die Qualität von Pflegeheimen. Wenn ich höre, dass solche Einrichtungen bei der Qualitätskontrolle oft die Gesamtnote 1 oder 2 bekommen, dreht sich mir der Magen um. Es wird gepfuscht, vertuscht und unter den Teppich gekehrt, was dort so abgeht. Viele Pfleger bzw. Pflegerinnen machen da notgedrungen aus Angst vor Arbeitsplatzverlust mit. Sie könnten dazu beitragen, die Öffentlichkeit aufzuklären, dann kämen die Missstände auch mal ans Tageslicht. 

Einer, der den Finger in die Wunde legt, ist Claus Fussek. Lies mal, wie sich der Sozialpädagoge und Pflegekritiker in einem Interview geäussert hat: http://www.alzheimerforum.de/3/1/6/1/fussek_interview.html

Kommentar von extrapilot350 ,

Die Pflege der Hilfsbedürftigen in den Seniorenpflegeheimen ist von brutaler Profitgier gekennzeichnet. Die geforderten Leistungen nach der Pflegeverordnung werden nicht erbracht. Stationen mit 24 Dementen ausgestattet mit einer Pflegerin und einer Auszubildenden sind normal. Die müssen die Patienten waschen, anziehen, Frühstück vorbereiten, Frühstück durchführen, abräumen, Tabletten verabreichen, Listen führen der Tabletten und schon ist die Zeit von 5.30 Uhr morgens bis 11 Uhr völlig verbraucht. Sollte jetzt noch irgend etwas passieren mit einem Patienten steht die gesamte Station still.

Demente können sich nicht wehren. Das ist der Leitung von solchen Pflegeeinrichtungen hinlänglich bekannt. Eine Erfahrung die ich gemacht habe bei privaten wie auch Einrichtungen die von z.B. der Diakonie betrieben worden sind.

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